Nick | Cursed Rose. Das Herz der Zauberin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 424 Seiten

Nick Cursed Rose. Das Herz der Zauberin

Märchenadaption von »Die Schöne und das Biest«
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-646-60829-8
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Märchenadaption von »Die Schöne und das Biest«

E-Book, Deutsch, 424 Seiten

ISBN: 978-3-646-60829-8
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



**Brich den Fluch und entfessle die Magie**  Als Lynn, die beste Diebin der Stadt, den Auftrag erhält, einen magischen Gegenstand aus einem verlassenen Schloss zu stehlen, ist sie davon überzeugt, dass das ein Kinderspiel wird. Damit wäre endlich die Chance gekommen, sich und ihre Liebsten aus der verhassten Gilde zu befreien. Sie hat jedoch nicht damit gerechnet, dass die Ammenmärchen über das Anwesen wahr sein könnten. Bevor sie mit ihrem Diebesgut verschwinden kann, stellt sich ihr ein blutrünstiges Biest mit leuchtend blauen Augen in den Weg. Sie schafft es zu fliehen - direkt in die Arme eines geheimnisvollen Mannes, der ihr etwas über einen Fluch der Zauberin erzählt und Lynn ein Angebot unterbreitet, das sie nicht ablehnen kann ...   Lass dich verzaubern von einem märchenhaften Romantasy-Spektakel voller Verrat und tiefer Gefühle.   Textauszug: »Du bist dir wirklich sicher, dass du mir nicht glaubst, ohne es zu sehen?« »Was zu sehen?« »Das Biest.« Ich lächelte. »Das kann unmöglich sein. Du bist ein Mensch.« »Am Tag, ja. Doch die Nacht macht das sichtbar, was die Blindheit der Liebe aus mir gemacht hat.«   //»Cursed Rose. Das Herz der Zauberin« ist ein in sich abgeschlossener Einzelband.//

Laura Nick wurde im März 1995 inmitten des Ruhrpotts geboren. Jedem, der sie hören wollte - oder auch nicht -, erzählte sie Geschichten über fantasievolle Abenteuer und Liebe. Unter dem Pseudonym Aurelia L. Night hat sie seit 2016 Fantasy- und Liebesromane veröffentlicht. Sie ist aktives Mitglied im PAN e.V. und setzt sich für die deutsche Phantastik in der Buchbranche ein. Mittlerweile lebt, liest und arbeitet Laura Nick mit ihrem Ehemann in Niedersachsen, nahe des Meeres und der niederländischen Grenze.
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Eins


Gespenstisch beschien der Mond die Türme des Schlosses, die sich wie mahnende knöcherne Finger in den nächtlichen Himmel bohrten. Kein leuchtender Feuerschein durchbrach die Finsternis, die in dem Gebäude herrschte. Jedes der Dutzenden Fenster war in absolute Dunkelheit getaucht.

Eine Gänsehaut krabbelte von meinem Steißbein in den Nacken hinauf. Ich hatte das Gemurmel der Menschen im Dorf als harmlose Schauergeschichte abgetan. Hatte ihre Worte für Fantasien gehalten. Doch während ich die fürstliche Residenz so verlassen vor mir sah, konnte ich nicht umhin, dem Gerede Glauben zu schenken.

Mein Blick glitt über die Landschaft, die sich zwischen mir und dem Haupttor des Schlosses ausbreitete. Es war zu still. Keine Waldtiere oder gar Fledermäuse waren zu hören. In dem Moment schob sich eine Wolke vor den Mond und jegliches Leuchten wurde verschluckt. Einzig ein geisterhafter Schein blieb übrig, der kaum Kraft hatte, das Gelände zu erhellen.

Laut der Dorfbewohner war der junge Fürst mitsamt seinem Gefolge vor zehn Jahren verschollen. Es waren keinerlei Worte des Abschieds gekommen, nicht mal die ausstehenden Löhne hatten die Familien erreicht. Einfach nichts. Als sei der Hofstaat wie vom Erdboden verschluckt worden.

Ich biss die Zähne zusammen und versuchte etwas durch dieses diffuse Licht zu erkennen. Angeblich sollte nun ein Monster in den Gärten des Schlosses hausen. Niemand hatte es bisher zu Gesicht bekommen – zumindest niemand, der darüber berichten konnte –, nur das verzweifelte Brüllen war gehört worden, das einem angeblich ins Mark der Knochen biss. Allein diese Geschichten reichten, um bis heute jeden Eindringling fernzuhalten.

Nur mich nicht.

Ich gab es auf, durch die Dunkelheit irgendwas erkennen zu wollen, und griff nach dem Messer, das immer an meiner Hüfte befestigt war. Die Klinge blitzte kurz im armseligen Schein des Mondes auf, während ich mir in den Daumen schnitt. Ich steckte das Messer wieder weg und drückte den Finger auf die Rune, die direkt über meinem Handgelenk eingebrannt war. Ich kniff die Augen zusammen, als meine Lebensenergie durch die wulstige Brandnarbe raste und dabei einen stechenden Schmerz durch meinen Körper hinauf zu den Augen jagte. Ein Zischen kam über meine Lippen. Der Anfang war immer am schlimmsten, die Wucht des Schmerzes riss mich mit, ehe er abflachte und ich das übrige dumpfe Pochen zur Seite schieben konnte. Die Dunkelheit war noch immer undurchdringbar, aber ich konnte dank meiner eigenen Magie jetzt besser sehen. Die Konturen der einzelnen Gegenstände waren geschärft und der Schein des Mondes war intensiver.

Die Kälte drang bereits durch meine Kleidung. Wenn ich die Dunkelheit ausnutzen und nicht demnächst erfrieren wollte, sollte ich mich auf den Weg machen. Langsam richtete ich mich auf und huschte gebückt zu den sicherlich ehemals gepflegten Büschen, um mich in ihrem Schatten dem Schloss zu nähern. Nichts begegnete mir auf dem Weg.

Der Schnee knirschte leise unter meinen leichten Schritten. Ich warf einen Blick über die Schulter. Hinter mir war ebenfalls nichts zu sehen. Das nächste Dorf war eine halbe Tagesreise von hier entfernt. Umgeben von Wald lag das Schloss still da. Efeu rankte sich an den marode wirkenden Mauern entlang und gab dem ganzen Anwesen einen verwunschenen Hauch. Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus und wurde zu einem stetigen Begleiter.

Mein Blick huschte durch die Umgebung. Ich hatte das Gefühl, dass bei jedem meiner Schritte stechende Augen auf mir lagen und beobachteten, wie ich mich dem verlassenen Anwesen näherte. Eine Unruhe befiel mich, die mich zur Eile antrieb.

Dieser eine Diebstahl noch, dann wären Linus, Orion und ich frei. Frei zu gehen, wohin wir wollten. Frei, uns ein eigenes Leben aufzubauen, ohne auf jemandes Erlaubnis zu warten, die niemals kommen würde. Mir durfte kein Fehler passieren, aber sobald ich mich selbst zu drängen begann, würde das unweigerlich folgen. Also holte ich tief Luft und stieß die Unruhe aus meinem Körper – so gut es eben ging. Das kribbelnde Gefühl des Beobachtetwerdens blieb hartnäckig an mir haften wie Spinnenweben.

Das Schloss ragte direkt vor mir in den Himmel. Um an die oberste Zinne zu schauen, musste ich den Kopf in den Nacken legen. Weiterhin erkannte ich keinerlei Regungen hinter den dunklen Fenstern. Selbst auf dem Schnee waren keine Abdrücke zu sehen, abgesehen von meinen eigenen.

Ich rieb über die Ärmel meines Mantels, dabei schob ich den Stoff nach oben und spürte die Erhebung meiner Narben. Ich mied den Blick auf die verschandelte dunkle Haut und konzentrierte mich auf das Schloss. Niemals hatte ein Gebäude eine solche Wirkung auf mich gehabt wie dieses alte Gemäuer. Ich wollte umkehren, es weit hinter mir lassen. Wenn nicht so viel an diesem Diebstahl hängen würde, könnte ich ohne Beute in die Gilde zurückkehren.

Die Gefühle, die mich hier heimsuchten, gefielen mir ganz und gar nicht und waren mit Sicherheit nur den Schauermärchen der Dorfbewohner geschuldet. Ein Rascheln ging durch den Busch, hinter dem ich gebückt hockte. Ich schüttelte die Gedanken ab und konzentrierte mich, um das Objekt von Abraxas’ Begierde zu erspüren. Das machte mich so kostbar für den Anführer der Schwarzen Federn: Ich spürte die Magie. Ich war in der Lage, obwohl das Land so gut wie magietot war, die kribbelnde Kraft in Empfang zu nehmen und zu nutzen.

Ein sanftes Pulsieren war bemerkbar, aber nicht genug, um von Abraxas’ magischem Objekt herzurühren.

Ich huschte weiter und kundschaftete aus, ob eines der unteren Fenster geöffnet war. Bei einem verlassenen Schloss hatte ich damit gerechnet, dass Vandalen sich über das Gebäude hergemacht hatten – oder Obdachlose auf der Suche nach einem warmen, trockenen Plätzchen für die Nacht.

Ich ging die gesamte Front ab, die aus sechzehn Fenstern bestand – alle verriegelt. Teilweise sogar mit Brettern vernagelt. Ich verzog die Lippen.

Entweder ging ich um das ganze Schloss herum – auf der Suche nach einem möglichen Eingang – oder ich schlug eins der Fenster ein. Auf Zehenspitzen lugte ich in den Raum hinein, der sich hinter dem schützenden Glas verbarg. Den ganzen Tag und einen Teil der Nacht hatte ich das Schloss im Auge behalten. Mir war nichts aufgefallen. Niemand hatte das Gebäude betreten oder verlassen. Nichts hatte sich hinter den Fenstern geregt. Kein einziges Licht geflackert. Es würde mich zwar überraschen, wenn sich jemand in den Räumen aufhalten würde, aber ich durfte mir keinerlei Unaufmerksamkeit erlauben. Zeit war mein kostbarstes Gut und jede Minute, die ich einsparen konnte, musste ich auch einsparen. Sträubend ließ ich meinen Blick durch das Zimmer gleiten. Es musste früher als Salon gedient haben. Der Stoff der Möbel war zerrissen, als hätte ihn ein großes Tier mit seinen Krallen zerfetzt.

Mein Instinkt riet mir umzukehren. Zu vergessen, welchen Auftrag mir Abraxas gegeben hatte, und seine Wut in Empfang zu nehmen. Wenn auch nur ein Mensch diese Zerstörung gesehen hatte, verstand ich, wieso sie die Märchen von dem Monster kundtaten, und warum keiner von ihnen den Mut hatte, seine Familienangehörigen – oder deren Leichen – in diesem Gemäuer zu suchen. Beschwerlich schluckte ich den harten Kloß hinunter, der sich in meiner Kehle breitgemacht hatte, und sah noch einmal an der ganzen Front entlang, ob ich vielleicht irgendetwas übersehen hatte. Doch das hatte ich nicht.

Mein einziger Weg war, ein Fenster zu zerbrechen und damit höchstwahrscheinlich Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

Kurzerhand zog ich den Ärmel meines gefütterten Baumwollhemdes über die Hand und schlug auf die Scheibe ein. Mit einem Klirren zerbrach das Fenster. Kurz horchte ich, ob jemand aufgeschreckt worden war. Als nichts an mein Gehör drang, griff ich nach dem Messer, ritzte in meinen Finger und fuhr mit dem Blut über die narbige Rune des Hörens. Der tobende Schmerz raste hoch bis zu meinen Ohren. Ich stützte mich am Fensterbrett ab, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Ich hasste die Runen. Sie hatten mich oft aus Situationen gerettet, die ich ohne sie nicht überlebt hätte, aber ich verabscheute sie mit derselben Intensität, wie ich Abraxas verachtete.

Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, schob ich den Riegel des Fensters beiseite und drückte es nach oben. Ich stützte mein Gewicht auf den Sims und bugsierte mich in den Salon hinein. Die Scherben knirschten unter meinen Lederstiefeln. Mein Herzschlag setzte einen Moment aus, als ich das ganze Ausmaß der Zerstörung im Inneren erkannte. Es waren nicht nur die Sitzmöbel, auch die Tapete hing in Fetzen gerissen von den Wänden. Bilder waren im Raum verteilt. Die Rahmen hingen gebrochen über den Gemälden. Eines davon zeigte mehrere Menschen, deren Gesichter jedoch zur Unkenntlichkeit zerschunden waren.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch trat ich tiefer...



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