E-Book, Deutsch, Band 2, 425 Seiten
Reihe: Legend of the North
Nick Legend of the North 2: Das Blut deiner Bestimmung
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-60875-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fantasy-Liebesroman über eine magiebegabte Schülerin mit Wolfsblut
E-Book, Deutsch, Band 2, 425 Seiten
Reihe: Legend of the North
ISBN: 978-3-646-60875-5
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Laura Nick wurde im März 1995 inmitten des Ruhrpotts geboren. Jedem, der sie hören wollte - oder auch nicht -, erzählte sie Geschichten über fantasievolle Abenteuer und Liebe. Unter dem Pseudonym Aurelia L. Night hat sie seit 2016 Fantasy- und Liebesromane veröffentlicht. Sie ist aktives Mitglied im PAN e.V. und setzt sich für die deutsche Phantastik in der Buchbranche ein. Mittlerweile lebt, liest und arbeitet Laura Nick mit ihrem Ehemann in Niedersachsen, nahe des Meeres und der niederländischen Grenze.
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Angrboda hatte sich Henrik in seiner Wolfsgestalt über die Schulter geworfen, als wöge er lediglich so viel wie ein Sack Federn, und ging am Anfang unserer Kette. Danach folgten ich, Peter und Jesper. Hinter und neben uns hatten sich die Zwerge mit ihren Einhörnern positioniert. Sie ließen uns keine Millisekunde aus den Augen. Als könnten wir ihnen tatsächlich den Rücken kehren, wenn sie einen von uns in ihren Fängen besaßen.
Mein schlechtes Gewissen grub sich wie eine bohrende Faust in den Magen. Wenn ich nur ein wenig stärker gewesen wäre, wenn ich mehr Kampfgeist besitzen würde … Ich schluckte den schweren Kloß hinunter und sah zu Henrik, dessen Pfoten und Kopf kraftlos in der Luft baumelten.
Jesper stieß mich leicht mit seiner Schnauze an. , flüsterte er.
Ich wusste nicht, ob die Zwerge oder Angrboda uns trotz der niedrigen Lautstärke hören konnten, deswegen antwortete ich ihm nicht. Was hätte ich auch sagen sollen? Dass ich sehr wohl schuld war? Dass ich der Grund war, warum Angrboda überhaupt auf unsere Welt hatte kommen können? Wenn ich nicht gewesen wäre … Ich ertrank in dem Selbstmitleid, das ich mir selbst gegenüber anhäufte. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Angrboda hatte noch immer nicht gesagt, was sie als Preis von uns für Henriks Rettung verlangte.
Die Sonne ging langsam unter, während wir der Höhle näher kamen. Der Geruch von Fäulnis wurde stärker, womit ich nicht gerechnet hatte, weil die Ursache uns in ihrer Mitte hatte. Doch mit jedem Schritt, den wir auf die Behausung der Zwerge zugingen, biss mir der Gestank in die Lunge.
Wir traten auf die kleine Lichtung, die sich vor der Höhle auftat. Ich hob meinen Blick, ließ ihn an dem Felsen nach oben streifen, bis ich meinen Kopf in den Nacken legte und endlich die schwindende Sonne sah, die langsam hinter dem Berg verschwand.
Angrboda sah ebenfalls zum Feuerball am Himmel, ehe sie ihren Kopf einzog und in die Höhle trat. Ich warf noch einen Blick zu Jesper und Peter; die beiden wirkten genauso geknickt, wie ich mich fühlte. Erst dann folgte ich Angrboda in die Dunkelheit der Höhle.
Die Höhle lag komplett in Finsternis. Nur mithilfe meiner Ohren konnte ich den Schritten der Jöttun folgen. Erst nach einigen Metern entdeckte ich ein sanftes Leuchten, das Angrbrodas Umrisse einhüllte. Mit vorsichtigen Schritten folgte ich ihr. Mir gefiel das nicht. Was brauchte sie nur von uns, dass sie so viele Menschen entführte?
Verwirrt blieb ich mitten im Weg stehen. Angrboda war durch den Durchgang gegangen und hatte dabei erneut ihren Kopf einziehen müssen.
Meine Rute klemmte sich zwischen die Hinterbeine. Mir gefiel das nicht. Das waren Gedanken. Gedanken von Menschen. Ich stülpte den Schleier über, wie es mir Herr Kweldulf beigebracht hatte, und betrat den Höhlenraum.
Bunte Kristalle funkelten an den Wänden, dem Boden und der Decke. Das sanft flackernde Licht kam aus den Edelsteinen, als ob etwas in ihnen geschäftig hin und her wuselte. , fragte ich, wobei ich eine Befürchtung hatte, der ich jedoch keinerlei Raum geben wollte. Sie wäre zu grausam. Das … oder?
Jesper und Peter drängten sich an mir vorbei, ehe sie wie ich stehen blieben und ihren Blick schweifen ließen.
»Das, meine Lieben«, begann Angrboda, »sind Seelen.« Sie drehte sich zu uns um, dabei zierte ein breites Grinsen ihre Lippen.
, fragte Peter.
Hinter uns kamen die Zwerge durch den Gang gewatschelt, ihre Waffen hatten sie wieder auf den Rücken geschnallt.
»Bringt sie in den Käfig«, befahl Angrboda und ließ Henrik von ihrer Schulter plumpsen.
, rief ich und stürmte auf Henrik zu. Die Wunden hatten sich geschlossen, doch der Wolf war immer noch bewusstlos. Sorge schlug ihre Krallen in mich. Er hätte längst wieder aufwachen müssen.
Die Riesin beachtete mich nicht einmal. Sie breitete ihre Arme aus, als wollte sie irgendwas willkommen heißen.
, hörte ich Peter zischen.
Ich drehte mich in seine Richtung. Die Zwerge drängten Jesper und Peter durch einen anderen Durchgang, den ich noch nicht bemerkt hatte.
, fragte ich und drückte mich dabei an Henrik. Ich wollte, dass er wusste, dass ich da war. Dass ich an seiner Seite war und ihn nicht alleinlassen würde.
Sie öffnete die Augen wieder, doch sah sie nicht mich, sondern die Decke der Höhle an, als wäre dort etwas von großer Bedeutung. »Ich werde eure Seelen nehmen, sie in die Steine des Berges bannen und dadurch den Fels sprengen, mit dem Odin meinen Geliebten gebannt hat.«
Angrboda drehte sich zu mir um. »Das ich nicht, Fenrirsdottír. Ich es.«
Fieberhaft überlegte ich. , wisperte ich.
Angrboda schnaubte. »Die Ragnarök ist ein Ammenmärchen. Erzählt von den Nornir, um den Gottheiten Angst zu machen.« Sie grinste mich nahezu an. »Ich sollte dir dankbar sein, kleine Fenrirsdottír. Immerhin konnte ich dank dir ein Portal nach Midgard sprengen.«
Sie gab ein freudloses Lachen von sich. »Midgard besitzt die schwächsten Bewohner der neun Welten. Aber selbst diese schwächlichen Wesen haben eine einzigartige Stärke: ihre Emotionen. Und genau diese brauche ich, denn nur mit ihnen kann ich den Stein sprengen, mit dem Odin meinen Geliebten gefangen hält.«
Umso weiter die Information in mein Bewusstsein sickerte, desto weicher wurden meine Knie, bis sie an aufgewärmte Butter erinnerten.
Ihr Blick glitt wieder an die Decke. Plötzlich erklang ein ohrenbetäubendes Schreien. Ich kniff die Augen zusammen, presste meine spitz zulaufenden Ohren hinunter, als könnte ich den Ton dadurch aussperren. Die Schreie waren so voller Qual, dass es mir durch Mark und Bein ging. Der Stein selbst erzitterte.
»Hörst du es?«, fragte mich Angrboda, als die Stille wieder einkehrte. »Das Leid, die Qual.«
Ich sah zu der Frau auf. Zum allerersten Mal glaubte ich, so was wie echte Gefühle auf ihrer Mimik zu sehen. Die Art Emotionen, die einen wahren Ursprung besaßen und nicht nur ein Mittel zum Zweck waren.
»Jeden Abend, wenn die Sonne untergeht, läuft Sigyns Schale voll und sie muss sie leeren.«
»Ja. Zum Dank würde ich dir gern mehr Milde beweisen. Doch in diesem Fall muss das gerettete Leben deines Freundes reichen. Betrachte es als Geschenk und genieß die Zeit, die ihr noch habt.« Sie drehte sich weg. »Nehmt sie mit!«
Ich drehte mich herum, hinter uns standen vier Zwerge, drei davon nahmen Henrik und schleiften ihn über den Höhlenboden, während einer nach mir griff und an meinem Fell zog. Das Sekret der Zwerge brannte sich in mein Fell. Zischend trat Dampf aus meiner Haut, als das Gift auf sie traf. Verzweiflung biss sich in meine Innereien. Mein Puls schoss in die Höhe. Wir mussten einen Ausweg finden. Ich warf einen Blick auf die Edelsteine, die Seelen sein mussten. Wie viele hatte Angrboda bereits entführt?
Der Zwerg zog mich durch den Durchgang und für eine kurze Zeit wurde alles wieder in Finsternis getaucht, ehe ich ein Gitter hörte, das geöffnet wurde. Grob schubste mich der Zwerg in die Richtung. Beinahe wäre ich über meine Pfoten gestolpert. Das Gatter schloss sich wieder. Nur für kurze Zeit konnte ich die schlurfenden Schritte der Zwerge hören, ehe ich mich umsah. Lediglich das leichte Leuchten der Edelsteine aus dem Nebenraum umgab uns.
, fragte ich Peter und Jesper, die im selben Käfig wie Henrik und ich waren.
, verlangte Peter zu wissen.
Jesper hatte sich neben seinem Bruder ausgestreckt und die Nase in sein Fell vergraben. Mein Herz zog sich bei dem Anblick zusammen. Wieso wachte Henrik nicht auf?
Im hinteren Bereich der Höhle hörte ich ein Rascheln. »Leute?« Lathas Stimme war nur ein heiseres Raunen.
Peter hüllte sich in sein Leuchten. »Latha!« Er ging in die Richtung, aus der ihre Stimme...




