E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Niederstätter Wäldar ka nüd jedar sin!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7030-6550-7
Verlag: Universitätsverlag Wagner
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Geschichte des Bregenzerwalds
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
ISBN: 978-3-7030-6550-7
Verlag: Universitätsverlag Wagner
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Alois Niederstätter, ao. Univ.-Prof. Dr., war von 2002 bis 2019 Direktor des Vorarlberger Landesarchivs in Bregenz. Seine Forschungs- und Publikationsschwerpunkte sind die Vorarlberger Landesgeschichte, die Geschichte des Bodenseeraumes, die spätmittelalterliche Reichsgeschichte sowie die Historischen Hilfswissenschaften. Im Universitätsverlag Wagner sind erschienen: 'Die Vorarlberger Burgen' (2016), 'Vorarlberg kompakt. 101 Fragen - 101 Antworten' (2017), 'Epochengrenze 1918? Beiträge zum Jubiläum '100 Jahre selbstständiges Land Vorarlberg'' (2018) sowie 'Vorarlberg kompakt. Für Fortgeschrittene' (2019), außerdem das dreibändige Standardwerk zur Geschichte Vorarlbergs, vom Mittelalter bis in die Gegenwart: 'Vorarlberg im Mittelalter. Geschichte Vorarlbergs, Band 1' (Alois Niederstätter, 2013), 'Vorarlberg 1523 bis 1861. Auf dem Weg zum Land. Geschichte Vorarlbergs, Band 2' (Alois Niederstätter, 2015), 'Das Land Vorarlberg 1861 bis 2015. Geschichte Vorarlbergs, Band 3' (Meinrad Pichler, 2015).
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Wirtschaftswissenschaften Wirtschaftswissenschaften Wirtschaftsgeschichte
- Geisteswissenschaften Geschichtswissenschaft Geschichtliche Themen Kultur- und Ideengeschichte
- Geisteswissenschaften Geschichtswissenschaft Weltgeschichte & Geschichte einzelner Länder und Gebietsräume Europäische Geschichte Europäische Regional- & Stadtgeschichte
- Geisteswissenschaften Geschichtswissenschaft Geschichtliche Themen Wirtschaftsgeschichte
Weitere Infos & Material
Die Nachrichten aus älterer Zeit sind ebenso selten wie knapp: , bemerkte um 1500 Ladislaus Sunthaym, ein im Dienst Kaiser Maximilians I. tätiger, aus Ravensburg stammender Gelehrter über den Bregenzerwald. Der ein halbes Jahrhundert jüngeren »Kosmographie« Sebastian Münsters zufolge habe es dort die nenne man . Dasselbe erfahren wir aus Johann Georg Schlehs 1618 in Hohenems gedruckter »Hystorischen Relation«, außerdem, dass der Bregenzerwald zwar ein sei, […], . Alle drei Autoren verstanden unter »Bregenzerwald« allein den zur Herrschaft Feldkirch zählenden »Hinterwald«.
»Reich am Wildprät«, Abbildung in Johann Georg Schlehs »Hystorischer Relation«, 1616.
Von einer ganzen Bregenzerwälder Familie betriebene Flachsspinnerei, Abbildung in Johann Georg Schlehs »Hystorischer Relation«, 1616.
Bei aller Kürze des Berichteten – der Grundstein für das »klassische« Wälder-Bild war gelegt: Eine ebenso zahlreiche wie tüchtige und gut gewachsene Bewohnerschaft hat ihren Lebensraum, ein , so trefflich kultiviert, dass die Erträgnisse für ein zwar einfaches, aber keineswegs ärmliches Dasein hinreichen. Nur der Mehrerauer Mönch, Prior in Lingenau und Chronist Franz Ransperg (1609–1670) war den Bregenzerwäldern weniger gewogen. Er nannte sie ein von Natur aus ungewöhnlich streitsüchtiges und gewalttätiges Volk.
Eine erste umfangreichere, noch lange Zeit nachwirkende Beschreibung des »Volkscharakters« geht auf die »Vorarlbergische Chronik« des Bregenzer Buchhändlers und -druckers Joseph Brentano von 1793 zurück: […] .«
In gleichermaßen hohen Tönen lobten die Reiseschriftsteller des 19.Jahrhunderts das Wälder Volk. Gustav Schwab (1792–1850) attestierte ihm 1827 […], und Den sage man jedoch einen Hang zur Trunksucht nach. Beeindruckt vom und dem der Bregenzerwälder zeigte sich Karl Wilhelm Vogt, der 1840 den Bregenzerwald durchwanderte. Ähnlich auch Andreas Oppermann im Jahr 1859: – oder Heinrich Hirzel 1868: . Einzig Ludwig Steub fand 1878 den Wälder »
Linke Seite: Anfang der Beschreibung des Bregenzerwalds in Johann Georg Schlehs »Hystorischer Relation« von 1616.
1827 erschienen die Bregenzerwälder Reiseeindrücke des schwäbischen Gelehrten und Dichters Gustav Schwab.
Viel Licht also und kaum Schatten? Immerhin ließ sich ein weit verbreitetes Laster mit ziemlich üblen Folgen finden: […]. (Wilhelm Vogt). Auch dass Solidarität selten über die Ortsgrenzen hinausreichte, konnte sogar der Gast bemerken: (Ludwig Steub).
Die besondere Aufmerksamkeit der zumeist alleine reisenden Schriftsteller galt den Bregenzerwälderinnen: sie so exemplarisch Andreas Oppermann im Jahr 1859. . Der andere Typus sei spreche Allerdings: […] Diese verstörende Praxis entsprang nicht etwa Oppermanns Phantasie, sie ist vielmehr noch mehr als ein halbes Jahrhundert später in der medizinischen Literatur bezeugt.
Darstellung in Albert Kretschmers »Trachten der Völker« (1864).
August Wilhelm Grube billigte den Wälderinnen 1875 zu als ihren Männern, Die Bregenzerwälder »Weiberherrschaft« ist auch in Franz Michael Felders Roman »Reich und Arm« thematisiert und auf diesem Weg zum Standardtopos geworden.
Die Talschaftsbewohner ließen sich die im Großen und Ganzen schmeichelhaften Versuche reisender Intellektueller, die regionale Mentalität zu ergründen, offenkundig bereitwillig gefallen. Es soll hier nicht um die Frage gehen, ob man innerhalb weniger Tage, auch wenn man zu Fuß unterwegs war, überhaupt so pauschale Eindrücke gewinnen konnte. Wichtiger scheint eher die Überlegung, ob nicht die Beschriebenen in weiterer Folge bewusst oder unbewusst die Beschreibungen, die vielfach rezipiert bis heute ihr Eigenleben führen, sich zu eigen gemacht haben.




