Niedlich | Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 322 Seiten

Niedlich Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen

und andere Stories
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96148-076-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

und andere Stories

E-Book, Deutsch, 322 Seiten

ISBN: 978-3-96148-076-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Drei eBook-Bestseller in einem Band: 'Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen' von Sebastian Niedlich jetzt als eBook bei dotbooks. Mit Humor ist alles leichter - selbst dann, wenn man in einem Restaurant landet, in dem möglicherweise das Jüngste Gericht serviert wird. Oder man ausgerechnet mit dem leibhaftigen Tod befreundet ist. Oder man ein klitzekleines bisschen daran schuld sein könnte, dass die Erde von galaktischen Angreifern in die Luft gesprengt wird. Klingt verrückt? Ist es auch! Und wir haben bisher noch nicht einmal das bösartige Einhorn erwähnt oder Gottes Meinung über den Geisteszustand der Menschen ... Endlich in einem eBook erhältlich - die gesammelten Stories aus 'Der Tod, der Hase, die Unsinkbare und ich', 'Ein Gott, drei Könige und zwei Milliarden Verrückte' und 'Das Ende der Welt ist auch nicht mehr das, was es mal war'. Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen', die neuen Spaß-Erzählungen und Nonsens-Gedichte von Comedy-Autor Sebastian Niedlich. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Sebastian Niedlich, 1975 in Berlin geboren, schreibt Langes und auch Kurzes, aber vor allem Merkwürdiges und Lustiges. Er lebt in Potsdam und muss deswegen viel Zeit damit verbringen, sich über den Verkehr aufzuregen. Bei dotbooks veröffentlichte Sebastian Niedlich bereits die Bestsellerromane »Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens«, »Der Tod ist schwer zu überleben«, »Und Gott sprach: Es werde Jonas«, »Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben« und »Otto in der Unterwelt« sowie die Erzählbände »Der Tod, der Hase, die Unsinkbare und ich«, »Ein Gott, drei Könige und zwei Milliarden Verrückte« und »Das Ende der Welt ist auch nicht mehr, was es mal war« (die auch als Sammelband erhältlich sind: »Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen«) sowie »Mafiosi, Drache, Tod und Teufel«. Ebenfalls erhältlich ist die weihnachtliche Story »Jesus' Fest und Teufels Beitrag«. Der Autor im Internet: www.sebastianniedlich.de www.facebook.com/SebastianNiedlich.Autor www.twitter.com/AutorSNiedlich www.instagram.com/Sebastianniedlich
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Der Tod und der Osterhase


Mein Freund Tod liebte es, mich ohne große Vorwarnung in die merkwürdigsten Ecken der Welt zu verschleppen. Und das meine ich nicht im übertragenen »Schickt meine Asche nach meinem Tod um die Welt«-Sinn, sondern ganz buchstäblich.

Als kleines Kind sah ich, wie meine Oma starb. Ich saß an ihrem Bett im Krankenhauszimmer, ohne zu wissen, was eigentlich passierte. Damals habe ich den Tod gesehen, als er den Schmetterling – oder sagen wir lieber die Seele – meiner Großmutter holte. Danach haben der Tod und ich uns angefreundet. Was übrigens nicht heißen soll, dass ich besonders begeistert über die Sache mit meiner Oma war. Wir haben uns angefreundet, obwohl er sie geholt hat. Seitdem haben wir uns schon fast überall auf der Welt mal sehen lassen, weil er sich und mich teleportieren kann.

Unsere Freundschaft ist gewissen Schwankungen unterlegen. Zum einen ist er natürlich immer sehr beschäftigt. Weltweit sterben pro Minute etwas über 100 Menschen. Das sind fast zwei pro Sekunde. Deswegen muss er sich buchstäblich zerteilen, um überall zu sein. Zum anderen hat er die Angewohnheit, in den unpassendsten Momenten zu erscheinen. Außerdem versucht er mich ständig davon zu überzeugen, dass ich nach meinem Tod seinen Job übernehmen soll, was natürlich gar nicht in Frage kommt.

Aber eigentlich will ich auch nicht so weit ausholen. Dies ist nur eine kleine Anekdote aus unserer gemeinsamen Zeit: Ich hatte mal wieder keine Ahnung, wo Tod mich hinschleppen würde. Als wir uns trafen, sagte er nur, dass wir unter Umständen jemandem begegnen würden, den ich interessant finden könnte. Und ich wollte lieber erst gar nicht darüber nachdenken, was das für eine Person sein könnte.

Als wir uns auf dem Linoleumboden materialisierten, war meine Reaktion, abgesehen von dem schon gewohnten Anflug von Übelkeit, recht banal.

»Ein Krankenhaus? Wow. Mal was ganz anderes!«

Tod grinste. »Immer dieser Sarkasmus.«

Ich hielt inne. Zwar war der Gang, der sich vor uns erstreckte, unverkennbar der eines Krankenhauses, aber die bunten Türen und Kinderzeichnungen an den Wänden verrieten mir, dass es sich nur um einen bestimmten Teil davon handeln konnte.

»Kinderkrebsstation?«

Tod nickte.

»Das verspricht ja ein lustiger Abend zu werden.«

»In der Tat ist der Anlass nicht schön. Aber was soll’s. Ob-La-Di, Ob-La-Da.«

Ich rollte mit den Augen. Tods Vorliebe für die Beatles äußerte sich des Öfteren darin, dass er ausgerechnet Ob-La-Di, Ob-La-Da zitierte, einen der weniger intelligenten Songs des Quartetts, wie ich fand. Immerhin hatte er sich für einen freundlicheren Song entschieden und nicht etwa für Maxwell’s Silver Hammer, der zwar fröhlich klang, aber von einem Mörder handelte, der seine Opfer mit einem Hammer umbrachte. Von der Handlung her hätte der sicher eher Tods Tätigkeit entsprochen.

Ich folgte ihm in eine Art Besucherzimmer, dessen große Fenster mit Bildern verziert waren, die ganz offenbar aus Kinderhand stammten. Etwas, das entfernt an eine Giraffe oder einen gelb angemalten Xenomorph aus den Alien-Filmen erinnerte, knabberte an einem grünen Etwas, das wohl eine Pflanze darstellen sollte. In einigen kleinen Schränken an der Wand waren Spielzeuge ordentlich in Kisten gestapelt, und eine Couch, die ihre besten Tage hinter sich hatte, stand ihnen gegenüber.

»Wenn du willst, kannst du gerne hier warten, bis ich meine Aufgabe erledigt habe«, sagte Tod.

»Da frage ich mich nur, weshalb du mich überhaupt hergeschleppt hast.«

Tod zuckte mit den Schultern.

»Wenn es dir nichts ausmacht, ja, ich würde gerne hierbleiben. Ich muss nicht irgendeinem Kind dabei zusehen, wie es an Krebs zugrunde geht«, sagte ich.

Tod hob eine Augenbraue.

»Nein«, sagte ich, »so war es nun auch wieder nicht gemeint. Ich weiß nur nicht, ob ich es ertrage, die Kinder leiden zu sehen.«

»Martin, du musst mit dem Anblick des Sterbens deinen Frieden machen. Das ist unumgänglich«, sagte Tod mit sanftem Nachdruck.

Jetzt hob ich eine Augenbraue.

»Schon gut, ich werde damit nicht noch einmal anfangen«, beschwichtigte er gleich wieder.

»Irgendwie bezweifle ich das«, murmelte ich vor mich hin.

Tod verschwand in der Wand. Ich schlenderte durch den Raum und sah mich um. Neben der Couch standen ein paar Stühle aufgestapelt, es gab ein paar Plastikblumen auf dem Fensterbrett und neben den erwähnten Schränken noch Kisten mit Puppen, Spielzeugautos, Puzzles – und einen übergewichtigen Mann im Hasenkostüm, der plötzlich vor mir stand.

Erschrocken sprang ich ein Stück zurück.

»Wat zum Teufel is’n jetzt los?«, fragte der Mann, fast so erschrocken wie ich.

»Sie können mich sehen?«, fragte ich.

»Du kannst MICH sehen?!«, fragte er zurück.

Einen Moment lang starrten wir uns nur an. Ich war unsicher, wie ich reagieren sollte.

»Ja, jut, ick schätze, dit könnte jetzt stundenlang so weitergehen«, durchbrach der Mann etwas ungeduldig die Stille.

»Was … wer … was …?«, stammelte ich.

»Ja, nu komm ma wieder auf’n Teppich und hör uff zu stammeln. Wer biste, und wat machste hier?«

»Ich … mein Name ist Martin, und ich bin mit … also … äh …«

»So mit ganze Sätze hastet nich’, wa?«

»Ah, ich sehe, ihr habt euch bereits kennengelernt«, sagte Tod, der wieder durch die Wand gestiefelt kam und nun grinsend etwas abseits von uns stand.

»Ach du Scheiße, die Sensenkutte.«

»Kescherkutte, wenn überhaupt«, sagte Tod und zeigte auf den Stock mit dem Kescher am Ende.

»Wer ist dit dann?«, fragte der Mann im Hasenkostüm, wiederum auf mich zeigend.

»Das ist mein Nach…«, setzte Tod an, stockte aber, als er mein ernstes Gesicht sah. »Das ist ein Freund von mir. Martin ist sein Name«, korrigierte er sich.

Der Mann im Hasenkostüm nickte. »Bin ganz aus dem Häuschen. Ick bin übrigens Georg.«

»Hi«, presste ich mühsam heraus.

»Mit ganzen Sätzen hattert wirklich nich’, wa?«

Tod lächelte.

Plötzlich sprudelten die Worte nur so: »Wer bist du? Warum trägst du ein Hasenkostüm? Und was zum Teufel tust du hier?«

Der Mann griff in den geflochtenen Korb, den er auf der einen Seite trug, und holte eine Packung Zigaretten hervor, die er gekonnt aufschnippte, um dann mit dem Mund eine Kippe herauszuziehen.

»Wie ick schon sagte. Mein Name ist Georg. Ick bin der Osterhase.« Mit der einen Hand schüttelte er mir demonstrativ den Korb vor der Nase, mit der anderen steckte er sich die Kippe an und hustete.

»Was?«

»Ick. Bin. Der. Osterhase.« Er pustete Tod den Rauch ins Gesicht. »Dein Kumpel ist nich’ der Hellste, wa?«

»Der Osterhase ist ein übergewichtiger, unrasierter Typ im Hasenkostüm?!«, rief ich fassungslos.

Tod zuckte nur mit den Schultern. Der Osterhase nahm einen Zug von seiner Zigarette und schaute gelangweilt.

»Der Osterhase ist ein übergewichtiger, unrasierter Typ im Hasenkostüm, der raucht?!«, rief ich erneut.

»Keule, du musst mir dit mit dem Übergewicht nich’ immer unter die Nase reiben«, sagte der Osterhase. »Ick sag dir ja auch nich’, dass du aussiehst, als hätte dir einer ’ne Bratpfanne ins Gesicht gehauen.«

Ich schaute verwirrt zu Tod herüber, der allerdings nur dastand und interessiert »Keule« vor sich hinmurmelte.

»Was ist hier los?«, fragte ich ihn.

Tod schien aus seiner tranceähnlichen Faszination für das Wort »Keule« zu erwachen. »Hm?«, machte er. »Das Treffen mit Georg scheint dich mehr zu beeindrucken als unsere erste Begegnung damals«, sagte er und klang überrascht. Dann fügte er »… Keule« hinzu.

»Hör gleich auf damit!«

»Womit?«

»Keule zu sagen. Das macht kein normaler Mensch.«

Tod wollte Einspruch erheben, taxierte aber noch einmal den Osterhasen von oben bis unten und nickte dann.

»Als wir uns damals das erste Mal trafen, war ich ein Kind und hatte das ganze Konzept vom Tod noch nicht so richtig begriffen«, erklärte ich. »Ich bin einfach davon ausgegangen, dass der Osterhase nicht existiert und nur so eine Art Symbolfigur für irgendwas ist. Und dass er, wenn es ihn tatsächlich geben würde, wie ein Hase aussieht! Nicht wie … Georg hier.«

Der Osterhase kratzte sich hinter seinen langen Plüschohren. »Wat is’ denn dein Problem, seh ick aus wie ein Känguru, oder wat?«

»Nein, aber wir sind uns ja wohl einig, dass du lediglich ein Mann in einem Kostüm bist.«

»Ja, jut.«

»Der noch dazu auf einer Kinderkrankenstation raucht.«

»Immerhin weißt du jetzt, dass es ihn wirklich gibt«, sagte Tod, während der Osterhase besonders tief und rasselnd hustete.

»Aber heißt das jetzt, dass es alle diese komischen … wie heißt das gleich, antropomorphen Gestalten wirklich gibt?«, fragte ich.

»Wat?«, sagte der Osterhase.

»Na … den Weihnachtsmann zum Beispiel.«

»Is’n Sack. Hat auch einen …«

»Zahnfee?«

»Die hat ’ne Klatsche. Ernsthaft … die sammelt Zähne. Zähne! Wie bekloppt ist dit denn?«

Tod nickte ihm zustimmend zu. Der Osterhase hustete erneut.

»Monster unterm Bett?«, fragte ich zaghaft.

»Haste mal den Film Monster AG gesehen? Is’n Dokumentarfilm.«

Ich schaute Tod hilfesuchend an. Der Osterhase zog an seiner Zigarette, was ihn erneut husten ließ. Tatsächlich hatte er einen regelrechten Hustenanfall.

»Hey, geht es dir gut?«, fragte ich.

Der Osterhase winkte ab und...



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