Niedlich | Und Gott sprach: Es werde Jonas | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 326 Seiten

Niedlich Und Gott sprach: Es werde Jonas

Roman
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95824-460-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 326 Seiten

ISBN: 978-3-95824-460-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das kann ja heilig werden ... 'Und Gott sprach: Es werde Jonas' - der neue Bestseller von Sebastian Niedlich jetzt als eBook bei dotbooks. Manchmal hat man einen schlechten Tag. Manchmal hat man auch einen SEHR schlechten Tag. Und manchmal wird man von einer herabstürzenden Kirchturmspitze zerquetscht. Genau das passiert Jonas - und damit könnte diese Geschichte nun auch schon wieder vorbei sein. Aber Gott (die Älteren unter uns werden sich erinnern: der Allmächtige) hat andere Pläne: Er will den etwas chaotischen und zur schlechten Laune neigenden Berliner zum neuen Messias machen. Also wird Jonas von den Toten erweckt. Die Ärzte, die Medien und eine stetig wachsende Zahl begeisterter Gläubiger drehen durch. Und Jonas? Der will eigentlich nur seine Ruhe haben. Auf gar keinen Fall will er irgendein Wunder wirken! Aber es kommt anders ... Eine rabenschwarze Komödie mit leicht lädiertem Heiligenschein - vom Autor des Bestsellers 'Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens'. Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Und Gott sprach: Es werde Jonas' von Sebastian Niedlich. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Sebastian Niedlich, 1975 in Berlin geboren, schreibt Langes und auch Kurzes, aber vor allem Merkwürdiges und Lustiges. Er lebt in Potsdam und muss deswegen viel Zeit damit verbringen, sich über den Verkehr aufzuregen. Bei dotbooks veröffentlichte Sebastian Niedlich bereits die Bestsellerromane »Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens«, »Der Tod ist schwer zu überleben«, »Und Gott sprach: Es werde Jonas«, »Dicker Teufel umständehalber in liebevolle Hände abzugeben« und »Otto in der Unterwelt« sowie die Erzählbände »Der Tod, der Hase, die Unsinkbare und ich«, »Ein Gott, drei Könige und zwei Milliarden Verrückte« und »Das Ende der Welt ist auch nicht mehr, was es mal war« (die auch als Sammelband erhältlich sind: »Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen«) sowie »Mafiosi, Drache, Tod und Teufel«. Ebenfalls erhältlich ist die weihnachtliche Story »Jesus' Fest und Teufels Beitrag«. Der Autor im Internet: www.sebastianniedlich.de www.facebook.com/SebastianNiedlich.Autor www.twitter.com/AutorSNiedlich www.instagram.com/Sebastianniedlich
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KAPITEL 1
Ein Mann namens Jonas


Jonas saß gerade in seinem Verlag und verfluchte die Welt, sich selbst, seinen Agenten und das Verlagshaus. Fluchen war eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, und er übte sie eigentlich ständig aus, sei es in Gedanken oder in Worten.

Neben ihm stand ein Berg Bücher, der trotz seiner bescheidenen Versuche, so wenig wie möglich zu seiner Abtragung beizusteuern, nicht kleiner wurde. Den größten Teil von Jonas’ Energie verbrauchte der Gedanke, wie er das größtmögliche Trara anzetteln könnte, um nicht mehr – oder genauer gesagt: nie mehr – seine falsche Unterschrift in diese Bücher setzen zu müssen.

Als sein Handy klingelte, war er froh über die Ablenkung.

»Ja?«

Das Handy fiepte, um zu signalisieren, dass es aufgeladen werden wollte. Am anderen Ende war Lena, seine Freundin. »Hi, ich bin gerade in der Pause. Du weißt noch, dass wir heute etwas vorhaben, oder?«

Jonas dachte kurz nach. »Äh …«

»Jonas …«

»Ja, natürlich weiß ich das noch. Denkst du, ich bin blöd?«

Er wusste es nicht mehr so genau und dachte angestrengt nach, wollte das aber nicht zugeben, weil ihm schon so oft Dinge entfallen waren, dass, sollte er Lena noch mal enttäuschen, er es sich selbst nicht verzeihen könnte.

»Also kann ich mich darauf verlassen, dass du mich pünktlich abholst?«, fragte Lena.

»Abholen … genau. Klar.«

»Das klingt nicht so, als hättest du daran gedacht.«

»Doch, sicher. Ich muss erst mal kurz nach Hause, aber dann …«

»Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du gar nicht richtig weißt, wovon die Rede ist.«

Markus, zu dem ich später noch etwas sagen werde, beugte sich vor und flüsterte Jonas »Jubiläum« ins Ohr.

Jonas riss die Augen auf. »Heute ist unser Jubiläum, ich soll dich von der Schule abholen, und dann gehen wir schön essen und so weiter, et cetera pp.«

Lena schnaubte ins Telefon. »Das klingt ja so, als würdest du dich richtig darauf freuen.«

»Tue ich auch, tue ich auch!«, sagte er betont enthusiastisch, um seinen Patzer wettzumachen. In Gedanken trat er sich selbst. »Keine Panik. Alles gut.«

Das Handy fiepte erneut.

»Ich habe einfach nur keinen Bock, hier nach Schulschluss auf dich zu warten, weil du vergessen hast, dass du mich abholen wolltest. Das hatten wir schon, falls du dich erinnerst. Zweimal.«

»Hm …«, murmelte er schuldbewusst, während er nach einer guten Entschuldigung suchte.

Lena wartete einen Moment, bevor sie weitersprach. »Wir können es auch gleich lassen, wenn dir so wenig daran liegt. Ich hätte mich jedenfalls darüber gefreut, mal wieder ordentlich auszugehen. Und etwas Romantik täte unserer Beziehung auch gut.«

Jonas seufzte. »Ja, du hast ja recht.«

Er dachte nach. Die Konversation ging eindeutig zu negativ in seine Richtung, aber leider stimmte, was Lena sagte. In ihrer Beziehung war definitiv er derjenige, der etwas an sich arbeiten musste, und er wusste das. Ab und an versuchte er aufmerksamer zu sein, aber dann machte ihm seine Schusseligkeit wieder einen Strich durch die Rechnung. Er hatte sich auch vorgenommen, mehr im Haushalt zu helfen, aber wenn er sich dann einmal aufgerafft hatte, etwas zu schreiben, blieb der Haushalt eben meistens auf der Strecke. Um von sich abzulenken, suchte er nun krampfhaft nach etwas, das er ihr vorwerfen konnte. Was schwierig genug war, denn sie hatte nicht viele Macken.

»Weißt du, was unserer Beziehung auch guttun würde?«

Markus drehte sich zu ihm um.

»Was?

»Wenn du endlich mal mit dem Stricken aufhören könntest.«

Markus schüttelte den Kopf, und Jonas schaute ihn an wie ein Verurteilter, der wusste, dass er schuldig war.

»Aber das hilft mir bei der Stressbewältigung!«, protestierte sie.

»Aber dann strick doch mal was anderes als diesen Schal.«

»Den mache ich für dich!«

»Der ist mittlerweile vier Meter lang! Wie soll ich den denn tragen?«

Markus verdrehte die Augen.

»Also kann ich mich jetzt darauf verlassen, dass du mich nachher abholst?«, fragte Lena erneut.

»Ja, klar.«

»Ich liebe dich«, sagte sie.

»Ich muss jetzt hier weitermachen, damit ich nicht zu spät komme.« Er schickte noch ein »Ich liebe dich auch« hinterher, war aber nicht sicher, ob Lena das wirklich mitbekommen hatte, bevor sie auflegte. Er wandte sich an Markus. »Danke.«

»Du wusstest nicht mehr, dass heute euer Jubiläum ist?«

»Mir geht halt eine Menge im Kopf herum.«

»Offensichtlich nicht die wichtigen Sachen.«

Jonas war genervt. Als wäre es nicht genug, dass er all diese Bücher signieren musste. Er breitete die Arme aus und zeigte auf den Stapel vor sich. »Kannst du mir mal erklären, weswegen ich diese Scheiße machen muss statt irgendein Lakai des Verlags, dem sie einen Euro zwanzig die Stunde bezahlen?«, blökte er und steckte seine schmerzende Schreibhand in die Achselhöhle.

»Die Lakaien des Verlags sind eben nicht Janine Czerny, Jonas. Und wenn du mit ›Lakaien‹ die Praktikanten meinst, die übrigens sehr gute Arbeit leisten und dabei helfen, dass du und ich ein Auskommen haben, dann solltest du vielleicht deine Wortwahl noch einmal überdenken.« Markus nahm den Stift, den Jonas zuvor mit einer theatralischen Geste hingeschmissen hatte, und hielt ihn ihm demonstrativ unter die Nase.

»Aber es ist doch völlig wurst, ob ich das signiere oder sonst wer. Das merkt doch kein Schwein.« Er hatte wirklich keine Lust, weiter als jemand zu unterschreiben, der er nicht war.

»Dann hättest du vor Jahren, als die ersten Autogrammwünsche kamen, nicht damit anfangen sollen. Wenn das jetzt irgendwer macht, dann stimmt doch das Schriftbild nicht mehr, und es kommt raus, dass Janine Czerny gar nicht existiert.«

Jonas stellte das nicht zufrieden. »Wäre das so schlimm? Ist es nicht egal, ob die Welt weiß, dass Janine Czerny nur ein Pseudonym ist?«

Markus schaute ihn durchdringend an. »Schlimm wäre es vermutlich nicht, aber mit den signierten Büchern kurbeln wir den Verkauf an. Das könnten wir dann vergessen, es sei denn, du wärst bereit zuzugeben, dass du hinter dem Pseudonym steckst, damit wir dem Autor beziehungsweise der Autorin ein Gesicht geben können.«

»Niemals!«

Jonas hatte Prinzipien. Eines davon war, dass niemals, unter keinen Umständen, herauskommen sollte, dass er hinter dem Pseudonym »Janine Czerny« steckte. Seine Befürchtung war, dass es seiner wirklichen literarischen Karriere irgendwann im Weg stehen würde. Janine Czerny war der Job, die leichte Kost für zwischendurch, Jonas Carstens war der ernstzunehmende Schriftsteller. Dummerweise hatte sich der ernstzunehmende Schriftsteller als zu faul und untalentiert für seine Art von Literatur herausgestellt, weswegen er vor Jahren das Angebot des Verlags angenommen hatte, romantischen Kitsch zu schreiben. Das Buch, das er damals angeboten hatte, fanden sie nicht so gut, aber die Liebesgeschichte darin hatte sie zumindest so weit überzeugt, dass sie ihm vorschlugen, diesen Stil weiter auszubauen. Er war jung, und Markus konnte ihn überzeugen, dass er das Geld brauchte. So wurde er zu Janine Czerny, erst in einer E-Book-Reihe für Liebesgeschichten, die schließlich so gut liefen, dass sie auch gedruckt zu Bestsellern wurden. Sicher, die Geschichten gewannen keine Preise, aber offenbar traf er bei seinen Leserinnen einen Nerv, indem er aus weiblicher Perspektive über die Unzulänglichkeiten ihrer männlichen Liebschaften schrieb – deren Vorlage immer er selbst gewesen war. Nun sollte man annehmen, dass er daraus vielleicht etwas über sich selbst gelernt hatte, aber faszinierenderweise war Jonas sich selbst gegenüber äußerst beratungsresistent. Und weil die Czerny-Bücher so gut liefen und seinen Lebensunterhalt ermöglichten, rückten die »normalen« Bücher, die er schreiben wollte, immer weiter in den Hintergrund.

Widerwillig pflückte er Markus den Stift aus den Fingern, schlug das nächste Buch auf und schrieb ein weiteres »J. Czerny« auf die erste leere Seite hinter dem Buchdeckel.

»Wenigstens hatte ich die Weitsicht, damals den kurzen Namen zu wählen«, nuschelte er in seinen Bart.

Markus hatte sich mittlerweile vors Fenster gestellt und nutzte es als Spiegel, um sicherzustellen, dass seine Haare auch gut saßen. Aber er hätte sich keine Sorgen machen müssen. Seine Frisur war derartig streng nach hinten gegelt, dass selbst Gordon Gekko aus neidisch geworden wäre. Und genau das war auch die Absicht, die Markus damit verfolgte. In seiner Jugend hatte er den Film gesehen, und für ihn war Gordon Gekko der Inbegriff des Erfolgs, also machte er alles so, wie es die von Michael Douglas verkörperte Figur gemacht hätte. Mit Ausnahme der Aktiendeals, natürlich. Und dem Insider-Handel. Aber die »Gier ist gut«-Mentalität, die Gekko im Film predigte, hatte er sich zu Herzen genommen. Seine eigene Karriere als Broker hatte das zwar nicht befördert, aber als er begonnen hatte, für Jonas gute Verträge auszuhandeln, war es ihm doch noch zugutegekommen.

Jonas hatte ihn mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass seine Haarpracht seit ungefähr dreißig Jahren aus der Mode war – und das, obwohl sein eigener Geschmack nicht weniger fragwürdig war.

Nachdem er Ende der neunziger Jahre gesehen hatte, fand er sich ein wenig in dem faulen Sack wieder und beschloss, dass er genauso aussehen müsste. Seitdem hatte er schulterlange Haare, die er gelegentlich zu einem Zopf...



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