Nielsen | APHRODITE GESUCHT | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 201 Seiten

Nielsen APHRODITE GESUCHT

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-7216-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 201 Seiten

ISBN: 978-3-7487-7216-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Harry Avery, der bekannte Filmproduzent, stürzt mit einem Sportflugzeug an der griechisch-albanischen Grenze ab. Und der Drehbuchautor Brad Smith macht sich auf die Suche nach ihm. Denn in dem Flugzeugwrack findet man von dem Verunglückten keine Spur... Helen Nielsen (* 23. Oktober 1918 in Roseville, Illinois; ? 22. Juni 2002 in Prescott, Arizona) war eine US-amerikanische Journalistin und Schriftstellerin. Der Roman Aphrodite gesucht erschien erstmals im Jahr 1971; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1974. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME. 'Neue Krimis erscheinen jede Woche - wenige sind so originell und spannend wie die von Helen Nielsen.' THE DETROIT NEWS

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  Zweites Kapitel
    Die Nachtmaschine aus London traf vor Morgengrauen in Athen ein. Ein Taxi brachte Brad in die Stadt, nachdem er dem Fahrer das Hilton-Hotel als sein Ziel angegeben hatte. Der Morgen begann zu dämmern, als sie die Außenbezirke Athens erreichten. Brad blickte zum Fenster hinaus und ließ den besonderen Zauber der erwachenden Stadt auf sich wirken. Nachdem das Taxi vor dem eindrucksvollen Portal des Hilton angehalten hatte, bezahlte Brad und ging ins Foyer, um sich als Bradley Smith, Repräsentant der Firma Vance Properties, Los Angeles und London, einzutragen. Um diese frühe Stunde war das Foyer fast menschenleer, doch angesichts der dezenten Eleganz, die ihn umgab, erkannte er, dass seine Barschaft hier nicht sehr weit reichen würde. Er fragte nach Mrs. Harry Avery und stieß auf passiven Widerstand. Der Tagportier würde um acht Uhr seinen Dienst antreten, erklärte man ihm. Der könnte ihm vielleicht die gewünschte Auskunft geben. Es klang nach einem Ausweichmanöver. Brad nahm seinen Zimmerschlüssel an sich und überließ den Koffer dem Träger. Auf dem Weg zum Aufzug machte er vor dem Blumenkiosk halt, dessen Tür offenstand, da gerade eine Lieferung frischer Pflanzen eingetroffen war. Nein, das Geschäft sei noch nicht geöffnet, sagte man ihm, aber mit Geld lassen sich Vorschriften ändern. Er bestellte zwei Dutzend Rosen und bat, sie unverzüglich zu Mrs. Harry Avery hinaufzuschicken. »Die Zimmernummer ist mir im Moment entfallen. Der Portier wird sie Ihnen sagen.« Dem Strauß fügte er eine Karte bei:   Rhona - wie lange haben wir uns nicht gesehen! Ich hörte die letzten Nachrichten über Harry. Ich bin in Zimmer 714. Ruf mich an, wenn Du mich brauchst - jederzeit. Brad Smith   Er ließ die Blumen auf seine Rechnung setzen und hinterließ dem Pagen ein Trinkgeld. Wenn Rhona sich wirklich in diesem Hotel aufhielt, dann war dies der sicherste Weg, den Kontakt herzustellen. Sie meldete sich eher, als er erwartet hatte. Er war zu wach und zu rastlos, um sich noch hinzulegen. Sobald der Träger seinen Koffer gebracht hatte, bestellte er Frühstück. Er trank den Kaffee auf dem Balkon vor seinem Zimmer. Danach duschte er ausgedehnt, um sich frischzumachen. Er stand noch unter der Brause, als das Telefon läutete. Er riss das Badetuch von der Stange, eilte ins Schlafzimmer und hob den Hörer ab. Die Stimme, die er hörte, war geschult und eine Nuance tiefer, als er sie in Erinnerung hatte; doch es war eindeutig die Stimme von Rhona Brent. »Brad! Brad, bist du es wirklich?«, rief sie. »Ja, ich bin es wirklich«, antwortete Brad. »Gott, ist das eine herrliche Überraschung. Wann können wir uns sehen?« »Wo bist du denn?«, fragte Brad. »Im obersten Stock - wir haben praktisch sämtliche Zimmer hier. Harry braucht Raum, wenn er arbeitet. Komm doch gleich herauf, so wie du bist.« »Lieber nicht. Ich stand eben noch unter der Dusche.« »Ach, so. Nun, dann...« Er hörte Geräusche im Hintergrund - eine Männerstimme, zornig erhoben. Rhona hielt offensichtlich die Hand über die Sprechmuschel, doch er hörte ihren Protest. »Ich habe schließlich das Recht zu telefonieren! Ich bin doch wohl keine Gefangene hier, oder? - Brad, bist du noch da? Ich kann jetzt nicht sprechen, aber komm bitte herauf, sobald zu kannst. Ich muss dich sprechen - bitte!« Eine halbe Stunde verstrich, ehe er seine Morgentoilette beendet und sich umgezogen hatte. Zeit genug, hoffte er, dass die hitzige Hintergrunddiskussion sich abgekühlt hatte. Mit privaten Streitigkeiten wollte er nichts zu tun haben. Er fuhr mit dem Aufzug in den obersten Stock und stellte fest, dass der Zugang zur Suite Averys von zwei Männern bewacht wurde. »Ich bin ein Freund von Mrs. Avery«, sagte er. »Sie hat mich gebeten, sie aufzusuchen.« »Niemand hat Zutritt«, versetzte der größere der beiden Wächter. »Mrs. Avery hat mich extra angerufen. Mein Name ist Smith. Gehen Sie hinein und fragen Sie sie.« »Niemand hat Zutritt.« »Die Platte kenne ich, danke«, entgegnete Brad. Er drängte sich zwischen den beiden Männern hindurch und trommelte mit beiden Fäusten gegen die Tür. »Rhona! Ich bin es, Brad! Sag deinen Leibwächtern, sie sollen mich hineinlassen - He!« Brad verlor plötzlich den Boden unter den Füßen, als die beiden Wächter ihn seitlich ergriffen und von der Tür wegrissen. Sie hielten ihn eisern fest, während er mit den Füßen um sich trat. Dann öffnete sich plötzlich die Tür, und vor ihm stand ein hochgewachsener Mann von etwa vierzig Jahren mit blondem Haar und einem blonden Oberlippenbärtchen und gelangweiltem Gesichtsausdruck. »Was ist hier los?«, fragte er. »Lassen Sie den Mann los.« Als Brad wieder Boden unter den Füßen spürte, fand er seine Gelassenheit wieder. »Mein Name ist Bradley Smith«, sagte er. »Mrs. Avery bat mich...« »Natürlich, Mr. Smith. Kommen Sie herein.« Der Mann wich zur Seite und schloss die Tür, nachdem Brad eingetreten war. »Im Zimmer nebenan«, bemerkte er. »Tut mir leid, dass Sie so empfangen wurden, aber die beiden haben ihre Anweisungen. - Rhona! Ihr Mr. Smith ist hier.« Das Zimmer nebenan war ein Schlafzimmer - Brad sah es flüchtig, als Rhona durch die Tür trat. Er war bestürzt. Ihre Stimme am Telefon hatte anders geklungen als früher, und ihr Aussehen hatte sich völlig verändert. Natürlich war sie älter geworden, doch das war es nicht, was ihn bestürzte. Im Gegenteil, das Alter hatte ihr gutgetan - sie war nicht mehr so mollig wie früher, und sie hatte an Gewandtheit gewonnen. Sie trug das Haar modisch frisiert, und ihr Kleid war so raffiniert schlicht, dass es ein kleines Vermögen gekostet haben musste. Doch sie hatte etwas verloren. Sie lächelte, und das Lächeln wirkte armselig. Das Kindliche ihres Lächelns war verloren. »Brad! Du bist es wirklich!«, rief sie. »Du hast dich überhaupt nicht verändert.« Sie eilte ihm entgegen und legte ihre Hände auf seine Schultern und musterte ihn. »Doch, du hast dich verändert«, sagte sie rasch. »Du bist stärker geworden.« »Muskeln«, erwiderte Brad. »Ach ja. Du warst ja so lange Soldat. Schätzchen, hast du Peter schon kennengelernt? Das ist Peter Lange, Harrys Rechtsanwalt. Er kam heute Morgen aus London - aber du ja auch.« »Woher weißt du das?«, fragte Brad. Rhona sah verwirrt aus. »Ich dachte es mir. Ich bekam deine Blumen, unmittelbar nachdem Peter angekommen war. Sieh, sie stehen schon in der Vase. - Peter, Brad Smith ist ein alter, lieber Freund von mir - und von Harry. Er hörte davon, dass Harry vermisst ist und bot mir seine Hilfe und seinen Beistand an.« »Ich denke nicht, dass wir sie in Anspruch nehmen müssen«, versetzte Lange unumwunden. Rhona ließ ihre Hände von Brads Schultern gleiten. Sie schob ihren rechten Arm unter seinen linken und führte ihn zu einem Tisch am anderen Ende des Raums. »Hast du schon gefrühstückt?«, fragte sie. »Ich weiß doch, dass für dich das Frühstück die wichtigste Mahlzeit am Tag ist. Hier sind Rühreier und Schinken und Kaffee...« Ihre Finger schlossen sich um die von Brad und hielten sie fest. Er wusste jetzt, was an Rhona so anders war. Sie hatte Angst. Sie klammerte sich an ihn wie in jener ersten Nacht, die sie in Hollywood zusammen verbracht hatten. Sie befanden sich jetzt außer Hörweite von Lange. »Bist du extra den weiten Weg hierhergekommen, um mir zu helfen?«, flüsterte sie. »Nur aus London«, log Brad. »Ich hatte geschäftlich dort zu tun.« »Ja, ich weiß! Ich habe dich eben belogen. Ich rief beim Empfang an, nachdem deine Blumen gekommen waren. Ich wollte sichergehen, dass sich nicht jemand einen grausamen Scherz erlaubt hatte! Halt meine Hand, Brad. Halt sie ganz fest. Ich glaube, ich bin nahe daran, den Verstand zu verlieren - die vielen Reporter und die Polizei und diese grässlichen Wächter.« »Hast du gar nichts gehört?« »Ich glaube, Peter weiß etwas Neues, aber er will mir nichts sagen, solange nicht absolute Gewissheit besteht. Das heißt doch wohl, dass es schlechte Nachrichten sind, nicht wahr?« »Nicht unbedingt.« »Ich glaube doch. Vor drei Tagen waren wir noch zusammen auf Korfu. Dann bat Harry mich, hierher zurückzukehren und Vorbereitungen für die Party zu treffen. Aber ich will dich damit nicht langweilen. Jedenfalls flog ich hierher, und er blieb noch einen weiteren Tag, um Aufnahmen zu machen.« »Ihr habt in Korfu gedreht?« »Nein. Wir drehten überhaupt nicht - jedenfalls nicht den Film. Harry selbst machte Aufnahmen. Er fliegt gern in der Gegend herum und nimmt das Gebiet auf, in dem er drehen will. Dann sieht er sich seine Aufnahmen an und wählt die Orte, wo die Filmaufnahmen gemacht werden sollen. Zu diesem Zweck charterte er die kleine Maschine. Das reinste Spielzeug. Kein Wunder, dass sie sie nicht finden können. Brad, bitte nimm dir Kaffee oder irgendetwas. Peter beobachtet uns. Er ist so ein kalter Fisch.« Sie hatte Angst vor den Reportern, vor der Polizei und vor Peter Lange. Sie schien am Rand eines Nervenzusammenbruchs, und als es draußen im Korridor erneut laut wurde, gruben ihre Nägel sich in Brads Hand. Lange ging wieder hinaus. Diesmal wurde er kühl zur Seite gedrängt von einem Mann, der noch mehr Selbstbewusstsein und Autorität besaß als er. Er war so groß wie Brad, so schlank wie Brad, mindestens vierzig Jahre alt, tadellos gekleidet und Neger. Er warf nur einen Blick auf Lange, hielt nach Rhona Ausschau und trat zum Tisch. »Mrs. Avery«, sagte er, »es tut mir leid,...



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