Niko | DER FEUERVOGEL | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 364 Seiten

Reihe: Sarah Weston Abenteuer

Niko DER FEUERVOGEL

Roman
überarbeitete Ausgabe
ISBN: 978-3-95835-390-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 4, 364 Seiten

Reihe: Sarah Weston Abenteuer

ISBN: 978-3-95835-390-9
Verlag: Luzifer-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein altes Holzkreuz aus der Zeit der Entdeckung Amerikas weist den Weg zu einer heiligen Stätte der Zuñi-Indianer, dem 'Ort der Entstehung' - und einem sagenhaften Goldschatz, der dort verborgen liegt. Um jedoch zu verhindern, dass dieser Ort entweiht wird, wurde das Kreuz in vier Teile zerbrochen und in alle Himmelsrichtungen verstreut. Als Sarah Weston und Daniel Madigan während ihrer Ausgrabungen auf eines der Teile jenes Holzkreuzes stoßen, wollen sie das Rätsel lösen und den 'Ort der Entstehung' finden. Doch sie sind nicht die Einzigen, die diesem geheimnisvollen Ort nachjagen. Ein obskurer Minenbetreiber setzt alles daran, den 'Ort der Entstehung' zuerst zu finden, denn offenbar birgt die Kultstätte noch ein weitaus größeres Geheimnis, als die Abenteurer ahnen. Zusammen mit den letzten Hopi-Indianern kämpfen Sarah Weston und ihre Freunde dafür, das Geheimnis der heiligen Stätte und das Vermächtnis der Ureinwohner zu bewahren ...

Daphne Nikolopoulos ist Journalistin, Autorin, Herausgeberin und selbsternannte moderne Nomadin, die den größten Teil der letzten zwei Jahrzehnte damit verbracht hat, die Welt zu bereisen. Als ehemalige Reiseschriftstellerin und Abenteurerin hat sie entfernte Flecken auf sechs Kontinenten besucht, von denen viele ihre Romane inspiriert haben. Sie besitzt eine besondere Leidenschaft für Wüsten und das Nomadenleben und hat viel Zeit bei den verschiedenen Stämmen in Afrika und Asien verbracht. Der zehnte Heilige, ihr Debütroman in einer Reihe von archäologischen Krimis, gewann 2012 die Goldmedaille der Florida Book Awards. Ihr zweiter Roman, The Riddle of Solomon (Buch 2 der Sarah Weston Chroniken) wurde im Juni 2013 veröffentlicht. Daphne wurde in Athen, Griechenland, geboren und zog im Teenageralter in die USA. Obwohl Englisch nicht ihre Muttersprache ist, wurde sie eine preisgekrönte Autorin und einflussreiche Herausgeberin. Sie ist Chefredakteurin der Palm Beach Illustrated, einer hoch angesehenen regionalen Zeitschrift und Redaktionsleiterin der Palm Beach Media Group. Daphne ist ein aktives Mitglied der Authors Guild and International Thriller Writers. Sie lebt mit ihrer Familie in Süd-Florida.
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Prolog


In der Lethargie des goldenen Sommernachmittags lockte das Klappern von Pferdehufen die Eingeborenen auf ihre Haustreppen und an ihre Fenster, um zu sehen, wer die Stille störte.

Es geschah nicht jeden Tag, dass ein Konquistador aus Mexiko-Stadt einen staubigen Außenposten wie Vacapa besuchte. Der schläfrige Pueblo wurde von Wilden bewohnt, die in Lehm- und Schilfhäusern lebten und sich um ihre dürren Schafe kümmerten. Der Mönch und seine Männer hatten sich unter dem Vorwand hier niedergelassen, die Ortsansässigen zu den Lehren des Herrn zu konvertieren. Doch Juan Garrido wusste es besser.

Er stieg vor Marcos de Nizas lehmbeschmiertem Adobenhaus ab und folgte einem Schnarchgeräusch in den hinteren Teil des Gebäudes. Dort war er, der rundgesichtige, rotbackige Mönch, in einer Hängematte ausgestreckt, mit offenem Mund, der nach Wein stank. Garrido räusperte sich lauter als nötig und der Mönch schoss kerzengerade auf.

»Bruder Marcos, es ist schön, Euch so  …  ausgeruht zu sehen.« Er versuchte gar nicht erst, seine Geringschätzung zu verbergen.

»Seid gegrüßt, Juan Garrido. Wie schön von Euch, in unseren kleinen Winkel der Kolonie zu kommen. Und zur Siestazeit.« De Niza versuchte von der Hängematte zu steigen, ein wenig anmutiger Akt, der damit endete, dass er abgeworfen wurde und auf allen vieren landete. Er richtete sich unbeholfen auf. »Ich hoffe, der Vizekönig hat Euch von meiner bescheidenen Anfrage in Kenntnis gesetzt?«

»Er sagte, dass Ihr es mit einem zu tun habt, ja.« Er nutzte die offizielle Bezeichnung für einen entflohenen Sklaven. Das Wort hatte eine verabscheuungswerte Nuance, die er befriedigend fand.

»Ja. Es handelt sich um Esteban den Mauren. Er sollte unserer Gruppe fünfzig Wegstunden vorausgehen und berichten, was auf der Nordroute liegt. Das waren meine strikten Anweisungen.« Der Mönch bemühte sich, autoritär zu klingen, wirkte aber eher komisch. »Es sind nun zwei Monate ohne Nachricht von ihm vergangen. Ich fürchte, er folgt seinen eigenen Interessen, nicht denen der Krone.«

»Sicher gab es in all der Zeit irgendeine Form der Kontaktaufnahme.«

»Nur diese.« Er schlurfte zu einem Tisch und hob ein weißes, zwei Handflächen großes Franziskanerkreuz auf. Dahinein waren Symbole  –  Berge, ein Fluss, ein Pueblo  –  in der Art einer Karte geritzt. »Ich hatte ihn angewiesen, geheime Nachrichten mit Kreuzen wie diesem zu schicken. Klug, findet Ihr nicht?«

Garrido fand die selbstgefällige Art des Mönches abstoßend. Obwohl de Niza der Anführer der Expedition im Norden war, verlangte er schwere und oftmals gefährliche Arbeit von seinen Sklaven, während er in Sicherheit blieb und sich den Bauch mit Essen und Trinken vollschlug. Ab und zu konvertierte er einige Ureinwohner, um seine »geistliche Mission« zu rechtfertigen. Es war kaum verwunderlich, dass sein Plan schiefgegangen war.

Er nahm das Kreuz vom Mönch. »Was hat das zu bedeuten?«

»Laut des Ureinwohners, der es brachte, fand Esteban eine Stadt sondergleichen: mehrere Stockwerke hohe Steinhäuser, stabiler Handel, mit Türkisen gepflasterte Straßen, mit Edelsteinen geschmückte Türöffnungen. Er nannte sie Cibola.« Er beugte sich vor und flüsterte verschwörerisch: »Das könnte die Stadt aus Gold sein, nach der wir suchten.«

»Aber dieses Kreuz ist eine Karte dorthin. Warum folgt Ihr nicht einfach der Route, um Euch selbst ein Bild davon zu machen?«

Der Mönch kratzte sich am Kopf. »Ja, nun, das wäre ein ausgezeichneter Plan, doch hier gibt es arme Seelen, um die ich mich kümmern muss. Ich habe die Pflicht, Gottes Werk zu verrichten. Doch Ihr  …« Er tätschelte den Arm des Konquistadoren ein wenig zu aggressiv. »Ihr seid nicht an derartige Verpflichtungen gebunden.«

Es war eine schlecht verschleierte Beleidigung. Wie Esteban war auch Juan Garrido als Maure geboren und von einem spanischen Standesherren und Entdecker in die Sklaverei gekauft worden. Doch im deutlichen Gegensatz zu anderen Sklaven, die mit den Spaniern in die Neue Welt gesegelt waren, hatte sich Garrido während der Eroberungen von dreißig Jahren als so nützlich erwiesen, dass ihm seine Freiheit geschenkt worden war und er sich den Titel eines Konquistadoren verdient hatte. Da er jedoch schwarz war, erkannten leidenschaftliche Ethnozentriker wie de Niza seine Legitimität nicht an. Einmal ein Sklave, flüsterten sie hinter seinem Rücken, immer ein Sklave.

Mit Esteban war es anders. Als Sklave, der nie nach einer höheren sozialen Stellung strebte, wurde er von den Wundern der Reise angezogen, dem Kitzel der Entdeckung. Er war ungemein charismatisch, ein bärenstarker Bursche mit einem Glanz in den Augen, der jeden faszinierte, der ihm begegnete. Er hatte sich angewöhnt, sich als Schamane auszugeben, nutzte das Wissen über Pflanzen und pflanzliche Extrakte, das er in seiner Jugend in den Bergen des Hohen Atlas erlangt hatte, um den Kranken zu helfen. Die Eingeborenen betrachteten ihn als Wunderwirker und begrüßten ihn mit offenen Armen, was sogar so weit ging, dass sie ihm ihr Vieh und ihre Frauen gaben.

Garrido selbst hatte es erlebt, als Estebans Gruppe, damals vom Entdecker Cabeza de Vaca angeführt, Mexiko-Stadt passierte. Obwohl gut fünfundzwanzig Jahre zwischen ihnen lagen, verstand sich Garrido sofort mit seinem Landsmann. Weil sie beide aus demselben Teil des Maghreb stammten und dieselbe Sprache sprachen, berührte Esteban mit seiner leidenschaftlichen Art einen Teil von Garridos Seele, der sich seit seiner Entscheidung für den Weg des Konquistadoren in einen brachliegenden Garten verwandelt hatte. Trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Stellungen war das Gespräch ungezwungen und die Zuneigung echt. Man konnte sogar sagen, dass Garrido Esteban um seine Anziehungskraft und Exzentrik beneidete; es war fraglich, welcher der beiden wirklich frei war.

Garrido hätte auf die spitzen Bemerkungen des Mönches reagieren können  –  es war immer ein Vergnügen, einen verbalen Schlagabtausch mit einem Heuchler zu gewinnen  –,  entschied sich aber dagegen, ihm diese Befriedigung zu schenken. In Wahrheit war ihm das sesshafte Ruhestandsleben langweilig geworden und die Aussicht darauf, in unerforschtes Terrain aufzubrechen, faszinierte ihn, insbesondere wenn das, was die Eingeborenen sagten, stimmte.

»Ich werde es für Mendoza tun.« Er steckte das Kreuz in die Falten seines schwarzen Umhangs und bestieg sein Pferd.

Der Mönch verschränkte seine Finger wie zum Gebet. »Möge Gott Euch auf Eurer Reise leiten, Juan Garrido. Und vergesst nicht, meinen Sklaven zurückzubringen. Meine Arbeit hängt davon ab.«

Etwas sagte ihm, dass Esteban nicht zurückkäme. »Seid versichert, dass ich tun werde, was gerecht ist, Bruder Marcos.« Mit einem Peitschenhieb ritt er zu seinem wartenden Gefolge.

Die Abenddämmerung senkte sich rasch über den Steilhang aus Sandstein und Granit, der von der eisernen Strenge der Vorzeit in wunderliche Schichten gezwungen worden war. Die hochaufragenden Felswände drängten sich in einer kreisförmigen Formation aneinander, wie eine Art antikes Amphitheater. Garrido stand am Rand der Kante und beobachtete, wie die schwindende Sonne die Schlucht in herrliche Schattierungen von Purpur und Gold färbte. Von allen Schauspielen, die er auf seinen Reisen bezeugt hatte  –  von seinem Geburtsort in Westafrika über sein angenommenes Heimatland an der Algarve zu seinen Landnahmen von Kuba, Hispaniola und Neuspanien  –,  war dies wohl das beeindruckendste.

»Wir werden hier unser Lager aufschlagen«, sagte er zu seinen Männern. Er band sein Pferd fest und holte ein kleines Notizbuch hervor, das unter einem Querriemen gesichert war. Seit er sich in der zur Ruhe gesetzt hatte, hatte er begonnen, seine Erinnerungen und Beobachtungen aufzuzeichnen, immer in seiner Muttersprache, denn sie waren als persönliche Memoiren gedacht und nicht als offizielle Angelegenheit.

Während die Nacht die Schlucht in vollständige Stille hüllte, lehnte sich Garrido an einen Felsen und beschrieb die merkwürdigen Begegnungen der vergangenen zwei Tage im Detail. Das Gefolge war auf Estebans Spur, höchstens einige stramme Reitstunden entfernt, oder so hatten die Dorfbewohner behauptet, die sie unterwegs getroffen hatten. Jene Eingeborenen sprachen von einem Heiler, dessen Haut so dunkel war wie die Nacht, um dessen Schultern eine Büffelhaut lag und dessen Kopf das Gefieder vieler Vögel schmückte. Er trug eine Kette aus Türkisperlen quer über seinem nackten Oberkörper und schwang eine Kalebassenrassel, während er die Geister beschwor, die Kranken und Leidenden zu heilen.

Es hieß, er habe ein ordentliches Gefolge versammelt  –  über zweihundert Menschen, laut mancher Berichte. Gemeinsam drang dieser bunt zusammengewürfelte Stamm in fremde Gebiete vor, handelte und sammelte Ressourcen. Esteban, so schien es, hatte eine neue Heimat inmitten dieser Menschen gefunden, und er hatte nicht die Absicht, in die Tyrannei von Marcos de Niza und Neuspanien zurückzukehren.

Garrido bemerkte nicht, dass er eingeschlafen war, bis er von starken Händen wachgerüttelt wurde. Er sprang auf und zog sein Schwert. Vor ihm stand ein einheimischer Mann, dessen nackter Oberkörper blutverschmiert war. Hinter ihm standen einige Dutzend Krieger, ähnlich zugerichtet. Der Fremde hob seine Hände als Zeichen des Friedens.

Ohne unvorsichtig zu werden, bedeutete Garrido...



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