Noah / Birck | Die Bar-Bolz-Bande, Band 4 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Baumhaus

Noah / Birck Die Bar-Bolz-Bande, Band 4

Der goldene Käfig
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-1821-7
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der goldene Käfig

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: Baumhaus

ISBN: 978-3-8387-1821-7
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie sind ein eingeschworenes Team. Aber um den Beachsoccer-World-Cup zu holen, müssen sie zu fünft sein. Deshalb heften sich Mark, Derik, Yo-Shi und Victor mit ihrem alten Fischkutter an die Fersen einer schneeweißen Yacht. Hier, vor der Küste Italiens, vermuten die Barbolzer Alex, die Tochter eines reichen Ex-Fußballers. Doch bevor Alex das Team vervollständigen kann, muss sie erstmal aus ihrem goldenen Käfig befreit werden -

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Flucht vor Big Brother


Während der Arbeit an Victors Fitness hatten wir fast vergessen, dass wir eigentlich auf der Jagd nach Alex waren.

Damals wussten wir noch nicht, wer das abgerissene Bauernmädchen, das wir auf La Morca mit ein paar Euro zwischenfinanzieren mussten, tatsächlich war. Sie hatte sich aus dem Nichts in unser Leben gebeamt, hatte dem Angeber Bongo Knox das Fürchten gelernt und hatte sich schließlich auf unserer Seite gegen Ronaldos Beachsoccer-Team geschlagen. So plötzlich, wie sie aufgetaucht war, hatte sie sich dann aber auch wieder entmaterialisiert – wie Mr. Spock von der Enterprise.

Bis sie uns auf offener See wieder erschienen war. Als Bikini-Fee. Wir waren gerade mit unserem Neuzugang Victor zur Heimreise aufgebrochen, als sie auf Gegenkurs auf uns zukam. Schwebte schließlich wie ein Wesen aus einer anderen Welt über unseren Köpfen vorbei. Nicht mehr in ihrem zerfetzten Jeans-Höschen (sofern man diese Mikro-Klamotte noch als Höschen bezeichnen konnte), sondern in einem weiß glitzernden Bikini und auf dem obersten Deck einer ebenso weiß glitzernden Luxusyacht, auf der in golden glitzernden Lettern der Name „Soccer Queen“ prahlte.

Winkewinke, das war alles.

Aber es hatte genügt, um uns die Köpfe zu verdrehen und uns stante pede auf Gegenkurs gehen zu lassen. Hinterher.

Jetzt hockten wir in dieser verlassenen Bucht Sardiniens, in der Messe unseres alten Kahns Ollie. Wir lauschten dem auf das Kajütdach prasselnden Regen, schlürften Bolzstoff und hofften, dass uns unser gesunder Instinkt auf die Fährte dieser Alex gesetzt hatte und nicht blinde Verliebtheit. Was mich betraf, war ich mir da überhaupt nicht mehr sicher, denn sogar meine Erinnerung an Julia Bramstedt, meine Jugendliebe, verblasste seit der Begegnung mit Alex schneller als die schlappen Rücklichter eines alten Fiat 500 im dichten Nebel der Po-Ebene.

Victor schnarchte aus seiner Koje heraus. Er war trotz „hungerbedingter Selbstverdauung“, wie er sich ausdrückte, eingeschlafen.

Tokio fuhr den Rechner hoch.

„Erst ein Online-Soccer-Game, oder gleich auf Facebook?“

„Egal“, entschieden Derik und ich ebenso zielsicher wie gleichzeitig.

Aber wurscht war es tatsächlich, denn weder das eine noch das andere war möglich. Nicht, weil wir nicht online gehen konnten, sondern weil wir von einem beinahe vergessenen Phantom überrascht wurden, bevor auch nur irgendein kleines Betriebssystemchen auf dem Laptop in die Gänge kommen konnte:

Barbados! Wer nicht weiß, wer das ist, hat was verpennt.

Aber gut, ich mach’s kurz: Barbados ist der Deckname für meinen Großvater Ed, seinen Kumpel Mbeki und dessen Gefährtin Julé zusammen. Die drei sind sozusagen unsere Basis-Station auf der Barbolzburg. Und die ist wiederum unser Heimathafen auf Barefoot-Island, eine verlassene Felseninsel in der Nordsee. Gut versteckt in einem ziemlich ewigen Nebelring, nicht weit von Sandorn, aber bestimmt 5000 Seemeilen von der Bucht entfernt, in der wir gerade ankerten.

Das Problem: Wir sollten uns eigentlich gerade auf dem schnellsten Weg dorthin befinden, statt auf einem Blindflug hinter einer Fee in einem weißen Bikini her, wie vier Pinscher hinter einer Bockwurst. Denn das war deshalb ziemlich heikel, da sich der Sommer dem Ende zuneigte und sich draußen im Atlantik schon jetzt schwere See ankündigte. Unser Kutter war nicht mehr der Jüngste und die schnelle Rückkehr nach Barefoot-Island war nicht nur ein guter Rat von Ed und Mbeki, sondern eigentlich auch ausgemachte Sache gewesen.

Doch was hätten wir tun sollen? Wir brauchten noch ein fünftes Team-Mitglied in unserer Bar-Bolz-Bande, und die Fee Alex war unsere Auserwählte. Wir fühlten es. Wir wussten es. Zumindest Tokio, Victor und ich waren uns da völlig sicher.

Wären wir also nicht hinter ihr her, wäre sie für uns verloren gewesen.

Aber die weiße Yacht war viel zu schnell für Kutter Ollie und auch die Winde waren nicht gerade günstig gewesen. Die Soccer Queen hatte uns schon nach einer Stunde Verfolgung abgehängt. War aufgetaucht und wieder verschwunden, wie der fliegende Holländer.

Während wir also wie Ochsen auf den Bildschirm starrten, auf dem sich das Brustbild meines Großvaters aufgebaut hatte wie das Bild des amerikanischen Präsidenten bei einer Ansprache an die Nation, war Alex längst wieder futsch. Der einzige Anhaltspunkt, den wir hatten, war der Kurs, den sie genommen hatte: Ost. Und weil die Soccer Queen eben eine Luxusyacht vom Feinsten war, hatte Tokio gefolgert:

Porto Barro, Costa Smeralda, Sardinien. Das Eldorado der Milliardäre.

So weit so gut, aber all das war nur eine Vermutung, ganz im Gegensatz zu Barbados – vertreten von Ed – , der uns nun plötzlich wie leibhaftig gegenübersaß.

„Guten Morgen, die Dame und die Herren!“

Ich war dermaßen baff, dass mir nichts Blöderes einfiel, als meinen Großvater zu fragen:

„D … du kannst uns sehen?“

„Selbstverständlich. Mbeki hat den Bordrechner vor eurer Abreise ein bisschen, na sagen wir, optimiert. Glaubt ihr, dass unser guter alter Professor auf so ein kleines Spielzeug wie ein Kameraauge verzichtet? Guckt euch mal euer Gerät genau an, dann werdet ihr’s schon finden!“

Derik griff nach dem Deckel des Laptops und klappte

ihn zu.

„Spinnst du, Derik? Das können wir nicht bringen!“, zischte Tokio und versuchte, das Ding wieder aufzufingern. Aber Derik hatte sich bereits auf den Kartentisch geschwungen und auf den Rechner gehockt.

„Derik, lass den Mist. Du vergisst, wem wir das hier alles zu verdanken haben!“

„Stimmt“, sagte Derik, „aber wir sind nicht seine Marionetten! Das ist ja wie bei Big Brother hier!“

Das gibt Ärger, dachte ich. Wir waren zu weit gegangen. Insgesamt, meine ich, nicht nur jetzt in diesem Moment. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass wir Ed zu entwischen versuchten. Schon vor ein paar Tagen, kurz nachdem wir uns hinter Alex und der Yacht hergemacht hatten, hatten sich mein Großvater und der Professor eingeschaltet. Sie wussten natürlich ganz genau, wo wir uns befanden. Kannten unsere exakte Position und auch unseren nicht verabredeten Ost-Kurs. Sie hatten einen alten englischen Spionagesatelliten im Leuchtturm unserer Felseninsel wieder fit gemacht und konnten uns orten und beobachten. Sofern die Witterungsbedingungen es zuließen.

Deshalb war es dann auch das Wetter, das uns dabei zu Hilfe kam, den beiden zu entwischen. Wir änderten den Kurs nach Norden und entkamen in einem fetten Tiefdruckgebiet, unter noch fetteren Regenwolken. Erst nachdem wir uns für den Spionagesatelliten unsichtbar gemacht hatten, waren wir dann wieder nach Osten geschippert, genau auf die Costa Smeralda zu.

Natürlich hatten Ed und Mbeki – objektiv betrachtet – eigentlich völlig recht: mit dem alten Schiff war eine Reise durch die Herbststürme über dem Atlantik, rund um Spanien, vorbei an Nord-Frankreich und Holland bis hinauf nach Sandorn tatsächlich unmöglich.

Wir hätten also sofort umkehren müssen, wenn wir Ollie noch im selben Jahr sicher nach Hause bringen wollten. Aber wir vermieden es einfach, noch mal sachlich darüber nachzudenken.

Ergebnis: Wir versteckten uns vor Sardinien in dieser Lagune nicht weit von Porto Barro im Regen, und Ed hatte einen neuen Weg gefunden, Kontakt zu uns aufzunehmen – wenn Derik Ed nicht zugeklappt und sich nicht auf ihn draufgesetzt hätte.

„Derik, wir müssen mit Ed und Mbeki reden! Wir können nicht einfach …“

„Ein Punkt für dich, Mark!“, sagte der Rechner unter Deriks Hintern und Derik sprang wieder vom Tisch, als habe er sich vorher auf einen Ameisenhaufen gesetzt.

„D … das gibt’s nicht! Das Ding ist immer noch an!“

„… und einen für dich, Derik!“, sagte der Rechner. „… und wenn Tokio jetzt so nett wäre, mich wieder aufzuklappen, bekommt sie auch einen Punkt. Und Punkte sammeln solltet ihr auf jeden Fall, wenn ihr nicht von mir zum Teufel geschickt werden wollt!“

Tokio klappte zitternd den Deckel des Laptops auf und brachte ihn in Position.

„Sehr schön, danke, Tokio. Ein Punkt auch für dich.“

Und dann legte Ed los. Schätze, die Ansprache dauerte mindestens zwei Stunden.

Ich hatte es geahnt. Ed ließ nichts aus und hatte einfach recht. Zuverlässigkeit, Vertrauen, Vernunft und all das.

Die Rede an die Nation endete schließlich mit einem Befehl:

„Kurs West. Heimathafen. Sofort.“

Dann saß er nur noch da und blickte uns an, während Victor aus seiner Koje heraus schnarchte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ergriff ich als Erster wieder das Wort. Wahrscheinlich, weil mir unbewusst klar war, dass ich als Blutsverwandter der Einzige von uns war, der diese Aufgabe übernehmen konnte. Aber auch, weil ich fand, dass auch Ed und Mbeki irgendwie zu weit gegangen waren. Uns einen Spion in den Laptop zu pflanzen, ohne dass wir davon wussten! Wie war das mit dem gegenseitigen Vertrauen? Dennoch wollte ich einen Streit vermeiden, denn auch Tokio hatte recht: wir hatten Ed, Mbeki und Julé verdammt viel zu verdanken. Also war jetzt Diplomatie angesagt. Themawechsel. Mal sehen, ob sich damit die Situation entspannen lassen könnte, bevor ich zur Sache kommen musste.

„Ed“, sagte ich also. „Wir haben Victor gefunden!“

Doch mein Großvater schwieg.

„E … er schläft gerade.“

Mein Großvater schwieg weiter.

Ich wusste, was er hören wollte. Ein: „Aye, aye Sir, wir kommen!“

Aber ich konnte ihm die gewünschte Antwort nicht geben.

„Victor ist noch ein bisschen … untrainiert, aber weißt du, er ist der schnellste Torwart der Welt!“

Ed...



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