Noble | Ein Spion in erlauchter Gesellschaft | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 01, 480 Seiten

Reihe: Blue Raven

Noble Ein Spion in erlauchter Gesellschaft


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-9047-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 01, 480 Seiten

Reihe: Blue Raven

ISBN: 978-3-8025-9047-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine aufregende, humorvolle und hochgradig unterhaltsame Geschichte über ein ungleiches Paar. Philippa Benning gilt als schönste Frau Englands. Als sie einem berüchtigten englischen Spion begegnet, verspricht sie, ihm Zutritt zu Adelskreisen zu verschaffen, wenn er dafür seine wahre Identität enthüllt. Schon bald muss Philippa feststellen, dass diese Vereinbarung sie in ein wahres Gefühlschaos stürzt ...



Schon in ihrer Kindheit entdeckte Kate Noble ihre Liebe zum Schreiben. Mit ihrem ersten veröffentlichten Roman landete sie in den USA einen großen Erfolg. Kate lebt in Los Angeles.

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Prolog

Der Schein der untergehenden Sonne spiegelte sich auf dem bronzenen Türklopfer des Wirtshauses und lockte den erschöpften Reisenden wie ein orangefarbenes Leuchtfeuer. Seit Tagen schon war er unterwegs, immer seinem Feind auf der Spur. Und nun schien es, als winkte das Wirtshaus am Ende der Straße ihn zu sich und rief: »Du bist angekommen. Endlich angekommen.«

Jetzt würde es aufhören. Dessen war er sich sicher.

Das Gebäude hockte auf einem zerklüfteten Landvorsprung, der sich bis ins Meer erstreckte. Der Reisende spürte, fürchtete sogar, dass dieser Ort der richtige war. Das seltsame Gefühl in seinem Magen sagte es ihm. Er trank einen Schluck Wasser aus dem Lederbeutel, den er an der Hüfte trug. Dann straffte er die Schultern, fuhr sich mit den Fingern durch das Haar und zwang sich, seine Erschöpfung abzuschütteln.

Als er sich dem Haus näherte, wusste er, dass sein Instinkt ihn nicht getrogen hatte. Hier und heute würde es ein Blutvergießen geben. Die Frage war nur, wessen Blut vergossen werden würde seines oder das des Feindes?

Der Hinweis meiner Kontaktperson war sehr gut, dachte er, während er auf dem Wirtshausschild die grob ins Holz geschnitzten Lettern unter dem Namen der Schenke las. Fin de Rue Poisson. Wörtlich übersetzt: Ende der Fischstraße. Sein Kontakt hatte berichtet, dass die verschlüsselte Botschaft, die sie abgefangen hatten, mit fish fin übersetzt worden war. Also hatte er jede Hütte, jedes Boot, jede Taverne in jedem kleinen Küstendorf in dieser Region im Norden Frankreichs nach einem fish fin abgesucht. Es mochte sein, dass Fin de Rue Poisson einer wörtlichen Übersetzung nicht gerecht wurde, aber als eine Zusammensetzung aus dem Englischen und dem Französischen schien fish fin genau ins Bild zu passen.

Das Meer spuckte sein Wasser fast bis an das Wirtshaus. Wenn er ganz genau hinschaute, lange genug auf den Horizont starrte ob er dann wohl England sehen konnte? Seine Heimat?

Nein. Mehr als das Wasser und das aufragende Gebäude, das ihn noch immer zu sich zu winken schien, konnte er nicht erkennen.

Es war höchste Zeit, den Mann ausfindig zu machen, der ihm so lange hatte entwischen können.

Der Franzose stand am Fenster des Westzimmers des Wirtshauses am Ende der Rue Poisson, das im obersten Stockwerk lag. Er sah auf die Straße hinunter, die vom Dorf zur Küste führte. Er hatte sich diesen Standort aus strategischen Gründen gewählt, denn von hier aus konnte er überschauen, was dort draußen vor sich ging. Die kupferfarbene Sonne brannte ihm in den Augen, aber er musste wachsam bleiben, musste die Augen offen halten, musste am Leben bleiben.

Er wusste, dass der Mann, der Blue Raven genannt wurde, bald eintreffen sollte. Er wusste es, weil er selbst die Spur zu diesem geheimen Unterschlupf gelegt hatte.

Und heute Abend würde sich zeigen, ob die Mühe sich gelohnt hatte.

Der Franzose warf einen Blick auf seine Taschenuhr. Wer hätte ahnen können, dass es so verdammt lange dauern würde?

Auf der Straße rührte sich etwas. Der Franzose blinzelte in die Sonne, lehnte sich an das Fenster, suchte die Gegend ab. Sein Herz schlug schneller, das Blut schoss ihm in die Schläfen, seine Muskulatur spannte sich an. Er war bereit. Kampf oder Flucht?

Das Klappern der Pferdehufe drang ihm ans Ohr, als eine Kutsche herangefahren kam. Ein großer, stämmiger Mann lenkte das Gespann. Ein übergroßer Lederhut beschattete sein Gesicht, und er hatte sich in einen dicken Umhang gehüllt. Abwartend beobachtete der Franzose, wie die Kutsche sich näherte um die Ecke bog und aus seinem Blickfeld verschwand.

Viel zu lange hatte er den Atem angehalten, den er jetzt wie in einem Stakkato aus den Lungen stieß. Beinahe zwei Wochen waren schon vergangen, seit der Kaiser bei Waterloo die weiße Fahne geschwenkt hatte; dem Franzosen war klar, dass die Jagd auf dessen Anhänger trotzdem noch immer andauerte. So, wie er noch immer an den plötzlich aufbrandenden Lärm gewöhnt war, der ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen hatte. Nein, so einfach wie ihr Anführer wollten sie sich nicht geschlagen geben. Aber für den Moment genügte es, wenn er die Hand auf die Pistole an seiner Hüfte legte und das kalte Metall spürte. Es beruhigte ihn.

»Das wird Ihnen jetzt auch nicht mehr helfen«, sagte eine tiefe, raue Stimme an der Tür.

Die Hand des Franzosen ruhte immer noch an seinem Gürtel, als er sich umdrehte und Blue Raven das erste Mal von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand.

Der Mann war in das verschlissene Ölzeug gekleidet, wie es die Fischer hier trugen. Nur die Pistole mit dem verzierten Griff, die auf den blonden Schopf des Franzosen gerichtet war, gehörte nicht zur Verkleidung. Es war schlicht eine Tatsache, dass die tödliche Waffe des Mannes exakt mit der identisch war, die er selbst an der Hüfte trug.

»Sieh an«, sagte der Franzose in fehlerfreiem, wenn auch mit Akzent gesprochenem Englisch, »unser kleines Täubchen ist angekommen. Endlich.«

»Ich bitte um Verzeihung, wenn ich Sie habe warten lassen«, erwiderte der Engländer in fehlerfreiem, wenn auch mit Akzent gesprochenem Französisch.

Der Franzose setzte sich in den Armsessel, der am Fenster stand. »Ich muss zugeben, dass Sie anders aussehen, als ich es erwartet habe.«

Der Engländer kniff die Augen zusammen. »Sie hingegen sehen genau so aus, wie ich es erwartet habe.«

»Ach, wirklich?«

»Ja. Allerdings lag der Vorteil auch auf meiner Seite. Ich habe Sie schon einmal aus der Ferne gesehen.« In dem kleinen Zimmer klickte es metallisch, als der Engländer seine Pistole entsicherte. »Sie haben einem meiner Landsleute die Kehle aufgeschlitzt.«

Plötzlich lief dem Franzosen ein gänzlich unvertrautes Gefühl über den Rücken. Und weil es ihm so unvertraut war, brauchte er einen Moment, um zu begreifen, was es war: Panik.

Und in diesem winzigen Bruchteil einer Sekunde wurde ihm klar, dass er seinen Gegner hoffnungslos unterschätzt hatte. Denn er hatte es versäumt, den Hass einzukalkulieren, der, wie er jetzt erkannte, in Blue Ravens Augen loderte.

»Sie sind durch Städte und über Schlachtfelder verfolgt worden«, stieß der Engländer mit beißender Verachtung aus, »und Sie haben viele Leben zerstört oder vernichtet. Zu viele.«

»Monsieur«, entgegnete der Franzose trotz seines wild pochenden Herzens gelang ihm ein kaltes Lächeln , »ich bin sicher, wir können unsere Unstimmigkeiten wie Gentlemen beilegen.«

Der Engländer hatte ihn genau im Blick. Arm und Auge waren stark und fest. »Nein«, gab er zurück, »ich habe es satt, ein Gentleman zu sein.«

In einer raschen Bewegung riss der Franzose die Hand hoch. Pistolenschüsse hallten durch die Luft.

Blue Raven blieb auf der Türschwelle stehen, bis das Bein unter seinem Gewicht nachgab. Aus der Wunde ein paar Zentimeter über seinem Knie sickerte Rauch, dann setzte ein warmes, rotes Rinnsal ein und lief ihm den Schenkel hinunter. Der Franzose der Feind, den er fast ein Jahrzehnt lang gejagt hatte, der Englands höchsten politischen Führern Geheimnisse abgeschmeichelt und das Blut derer vergossen hatte, die sich nicht so leicht hatten einfangen lassen –, dieser Mann blieb sitzen.

Und würde auch nicht wieder aufstehen.

Der rote Fleck auf der weißen Hemdbrust des Franzosen wurde größer und größer. Die Augen hatte er überrascht aufgerissen.

Bis zum letzten Atemzug hatte er geglaubt, er werde gewinnen.

Der Engländer humpelte zur Leiche des Franzosen und nahm ihr die Pistole aus der erschlafften Hand. Ohne viel Federlesens steckte er sich die Waffe in den Hosenbund, um sie nach so vielen Jahren wieder mit ihrem Gegenstück zu vereinen. Sein Blick fiel auf die Kette, die der Tote um den Hals trug. Ein Kruzifix hing daran. Er befreite es aus dem blutgetränkten Hemd und legte es dem Mann auf die Brust. Dann nahm er sich ein paar Sekunden Zeit, bevor er seinem Feind sanft die Augen schloss.

Blue Raven richtete sich auf und zuckte gleich wieder zusammen, als er das Gewicht auf das verletzte Bein verlagerte. Viel Zeit blieb ihm nicht. Den Krieg hatten die Engländer zwar gewonnen; aber er befand sich immer noch auf französischem Boden. Auf der Treppe konnte er bereits die schweren Schritte des Wirtes hören. Es blieb also nur noch Zeit für eine letzte Kleinigkeit.

Aus der Tasche seines Übermantels aus Öltuch zog er eine schwarze Feder, die er dem toten Mann behutsam in den Schoß legte.

Als er das Wirtshaus durch eines der Fenster verließ, konnte er seine Hochstimmung nicht länger zügeln. Adrenalin schoss durch seinen Körper, besiegte den Schmerz seiner Verletzung und beflügelte seine Flucht.

Es war vorbei.

Endlich.

Ein Jahr später

»Ob wohl alles glattgehen wird?«, fragte der Mann, und dabei klang seine Stimme nervöser, als ihm lieb war. Er war stolz darauf, sich immer den Anschein der Lässigkeit zu geben, aber die lärmende Abendgesellschaft im Bull and Whisker und der Mann neben ihm machten ihn nervös.

»Aber selbstverständlich. Deine englische Fantasie lässt ja sehr zu wünschen übrig«, entgegnete sein Begleiter, dessen französischer Akzent den grausamen Biss der Worte milderte. »Ich hingegen sehe durchaus klar. Aber ich zähle auf deine englische Befangenheit.« Noch einmal pochte er mit dem Knöchel auf...


Noble, Kate
Schon in ihrer Kindheit entdeckte Kate Noble ihre Liebe zum Schreiben. Mit ihrem ersten veröffentlichten Roman landete sie in den USA einen großen Erfolg. Kate lebt in Los Angeles.

Schon in ihrer Kindheit entdeckte Kate Noble ihre Liebe zum Schreiben. Mit ihrem ersten veröffentlichten Roman landete sie in den USA einen großen Erfolg. Kate lebt in Los Angeles.



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