Noble | Liebe niemals einen Earl | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Eine Wette unter Gentlemen-Reihe

Noble Liebe niemals einen Earl


2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-426-6
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Eine Wette unter Gentlemen-Reihe

ISBN: 978-3-98637-426-6
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine gedankenlose Wette, ein attraktiver Earl und die unverhoffte Liebe …
Der Auftakt der Regency Romance-Reihe, die das Herz zum Schmelzen bringt

Lord Edward Granville, dem Earl von Ashby, fehlt es an rein gar nichts. Er ist reich, allseits beliebt und darüber hinaus überaus attraktiv. Doch als sein Freund John Turner – unfreiwilliger Sekretär des Earls und entnervt vom Protzen seines Freundes – ihn herausfordert ohne Titel und Geld die Liebe einer Frau zu gewinnen, muss er einfach einschlagen. Er will John beweisen, dass die Menschen nicht seinen Titel, sondern ihn selbst lieben.

Mit siebzehn Jahren hat Phoebe Baker ihr Vermögen und ihren Vater verloren – alles wegen der Untätigkeit eines bestimmten Earls. Mittellos beginnt sie als Gouvernante zu arbeiten, um ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen zu können. Doch als der verkleidete Earl und die unscheinbare Gouvernante aufeinandertreffen, entsteht eine Anziehungskraft, die die Pläne von beiden völlig durcheinanderbringt. Kann die Liebe die Narben der Lügen und Enttäuschungen am Ende heilen?

Erste Leser:innenstimmen
„Cleverer, historischer Liebesroman mit tollen Charakteren!“
„Die Idee mit der Wette ist sehr erfrischend und unterhaltsam umgesetzt.“
„Witzige, sympathische und kluge Historical Romance“
„Verrückter Identitätstausch und große Gefühle – absolute Leseempfehlung!“



Kate Noble ist US-Bestseller-Autorin historischer Liebesromane. Sie ist RITA-nominiert und ihre Bücher haben ihr zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. Sie wurde sogar mit Jane Austen verglichen, was Kate selbst kaum glauben kann.
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Prolog


Das Licht lag schräg und grau auf dem Boden, ein weiterer furchtbarer Morgen. Das war jedoch nichts Neues.

Jeder Tag der letzten zwei Monate war furchtbar gewesen.

Dieser Morgen war aber der letzte, den Phoebe Baker hier verbringen würde, in ihrem kleinen Zimmer in der kleinen, eleganten Schule, die sie die vergangenen fünf Jahre lang ihr Heim genannt hatte.

Sie war schon wach. Sie saß schon auf dem Bett, hatte sich den grauen Wollmantel um die Schultern geschlungen und damit ein wenig von dem glatten Schwarz ihres Nachthemds bedeckt. Welches Nachthemd, das konnte Phoebe nicht erkennen. War es das, das einmal Streifen gehabt hatte? Oder der kleine, blumige Kambrik? Es war egal.

All die hübschen rosa und gelben Farben ihrer Garderobe waren nunmehr scheußlich schwarz wie Tinte. Das Einzige, was sie sich zu färben geweigert hatte, war ihr hellblaues Ballkleid. Ihr Vater hatte es ihr während eines seiner Anfälle von Großzügigkeit gegeben und es sich bei ihrem Debüt nächstes Jahr in London vorgestellt.

Jetzt würde sie nie nach London kommen. Nie mit jungen, schönen Männern tanzen. Nie ein Teil jener Welt sein.

Wer würde sie sein?

würde sie sein?

Und mit wem würde sie ihr Leben teilen, jetzt, da ihr Vater nicht mehr war?

In gewisser Hinsicht hatte Phoebe Glück gehabt. Ihr Vater hatte ihr das volle Jahr an Mrs. Beveridges Schule bezahlt, also hatte sie bisher bleiben können, und das Familienhaus hatte genügt, um die Schulden zu begleichen, also war sie für keine weiteren verlorenen Gelder verantwortlich.

Verloren aufgrund seiner Torheit. Verloren aufgrund seiner Treuherzigkeit.

Verloren, dachte sie, als sie die kurze Nachricht zerknüllte, die sie bei jenem letzten Besuch unter der Habe ihres Vaters gefunden hatte, weil manche Männer nicht den Anstand besaßen, ihre eigene Unordnung aufzuräumen. Sie überließen es anderen, sich darum zu kümmern.

Doch obwohl sie an Mrs. Beveridges Schule hatte bleiben können, hatte sich alles verändert. Man sah sie anders an. Mädchen, die sie zuvor als Freundinnen gesehen hatte, weigerten sich, sich mit ihr abzugeben; die Eltern hatten ihnen gesagt, dass Phoebe nicht mehr »eine von ihnen« sei. Als wäre sie Gift.

Ihr Unterricht hatte ebenso einen neuen Kurs genommen. Wohingegen sie einst eines der Mädchen gewesen war, die ihre Mallehrerin stets als Beispiel guter Arbeit hochgehalten hatte, hatte Miss Earhart sie plötzlich gebeten, wegzutreten und den jüngeren Mädchen mit den Leseaufgaben zu helfen. Dann war Miss Earhart während der Tanzstunde hereingekommen und hatte darum gebeten, dass sie mit ihr das Latein auf den Schreibtafeln korrigierte.

Gebeten war jedoch das falsche Wort. »Gefordert« passte besser. Es gab kein entschuldigendes Lächeln von Miss Earhart, keine Güte in ihr. Sie zog Phoebe einfach heran, wie es ihr passte.

Komisch. Phoebe hatte Miss Earhart immer gemocht. Damals, als sie im einfältigen Alter von zwölf Jahren eingetroffen war, war sie streng aber gut zu ihr gewesen.

Aber jetzt nicht mehr, so schien es.

Es brauchte nicht lange, bis sie begriff, dass die dürre, zugespitzte Miss Earhart vom Rest der Lehrer dazu auserkoren worden war, sich um das »Problem« Phoebe zu kümmern. Sie wegzuhalten, zu verstecken. Die gehässigen Blicke, die sie von den anderen Lehrern bekam, spiegelten die der anderen Schülerinnen wieder, und sogar die namensgebende Mrs. Beveridge schnupfte die Luft, als ob etwas verfault wäre, wann immer Phoebe in der Nähe war.

So hasste sie Miss Earhart umso mehr.

Jedoch nicht annähernd so sehr, wie sie hasste.

Phoebe sah sich die Nachricht in ihren Händen an. Die Worte, die sie in den vergangenen Wochen wieder und wieder gelesen hatte, gehörten zu ihren wenigen verbleibenden Besitztümern. Sie hatte den Großteil ihrer persönlichen Habe an der Schule verkauft – Haarnadeln, Schuhschnallen, Rüschenhauben, ihre Bücher. Alles fort und in den Händen gieriger Mädchen um die paar Münzen, mit denen sie sich verpflegen musste, sobald die Hausdiener kamen und sie auf die Straße hinauswarfen.

hatte es so weit gebracht. Der Earl von Ashby. Er hatte zugelassen, dass ihrem Vater dies passiert war, hatte ihn zu spät gewarnt und sich nicht darum gekümmert, jene zu schützen, die nicht so glücklich waren wie er.

Wenn sie jemandem von ihrem Hass gegen einen Mann erzählt hätte, den sie noch nie getroffen hatte, hätte man sie in Kenntnis gesetzt, dass es unerhört war, vernunftwidrig. Allerdings hatte sie niemanden, dem sie sich anvertrauen konnte.

Außerdem gab es sonst keinen mehr, der die Schuld auf sich nehmen konnte.

Plötzlich überkam sie der Wunsch, dafür zu sorgen, dass er sich so furchtbar fühlte, wie er war. Es überkam sie das Bedürfnis, ihm ins Gesicht zu spucken und ihm bewusst zu machen, dass es noch andere Menschen auf der Welt gab. Dass Taten – oder deren Fehlen – Konsequenzen hatten.

Sie stand plötzlich auf, marschierte hinüber zu dem kleinen Schreibtisch unterm Fenster. Dieser war voll beladen mit Papier und frischer Tinte wie in jedem Zimmer an der Schule. Die Utensilien mochten für das reiche, verwöhnte Mädchen dort hinterlegt worden sein, das das Zimmer als nächstes belegen würde, doch in diesem Augenblick gehörten sie noch Phoebe. Sie zündete eine Kerze an, da das schwache Morgenlicht nicht zu dem genügte, was sie zu tun hatte. Sie setzte sich, legte die Feder ans Papier.

Sir,

ich werde mich in diesem Brief kurz fassen. Ich habe wenig Zeit zu schreiben und nicht viel zu sagen. Nichts außer …

Phoebe unterschrieb gerade unten mit ihrem Namen, als es klopfte. Das Klopfen war kurz, direkt. Es schreckte nicht auf, doch es bot auch kein Mitgefühl, genauso wenig wie die Frau, die sich selbst einließ.

»Miss Baker«, sagte Miss Earhart ruhig, »es ist Zeit zu gehen.«

Phoebe verstreute den Sand auf dem Blatt, faltete es ordentlich und schrieb die Adresse – so gut sie sie erahnen konnte – auf die Vorderseite.

»Phoebe«, wiederholte Miss Earhart. »Hast du mich verstanden?«

»Ja, Miss Earhart«, antwortete Phoebe gehorsam. »Wie Sie sagten, es ist Zeit zu gehen.«

Phoebe nahm die Kerze in die Hand, ließ deren Wachs auf das Papier tropfen und machte so ein Siegel. Letztendlich erhob sie sich von ihrem Schreibtisch und wandte sich der verfluchten Frau zu.

Miss Earhart stand in der Mitte des Zimmers. Ihre Stille stellte ein äußerliches Gefühl der Ruhe dar, vor dem Phoebe toben und schreien wollte, doch es gab nichts mehr, worüber man toben oder schreien konnte.

Hinter der Lehrerin standen zwei Hausdiener. Grob und still, bereit, sie hinauszuwerfen, sollte sie irgendwelchen Widerstand leisten.

»Wohin bringen die mich?«, fragte Phoebe und deutete mit dem Kopf auf die zwei Bediensteten.

»Sie werden dich im Wagen bis zur Brighton Road fahren. Dort an der Kreuzung ist ein Gasthof«, antwortete Miss Earhart platt.

Ach ja, der Gasthof. Da, wo die Eltern übernachteten, wenn sie ihre Töchter besuchten. Phoebe würde sich mit den Münzen in ihrer Tasche keine einzige Nacht dort leisten können, so sehr nahmen die Gastleute ihre Kunden aus.

»Und wohin soll ich danach?«

»Wohin du auch möchtest«, antwortete Miss Earhart.

Und das war die Schwierigkeit. Phoebe konnte nirgendwohin. Die Verwandten ihres Vaters waren tausende Meilen weit weg in Amerika. Sie hatte sie noch nie gesehen. Sie würde ihnen schreiben und von seinem Tod berichten müssen. Und die Familie ihrer Mutter hätte sie vorher angespuckt, bevor sie sie aufgenommen hätte.

Sie musste mitleiderregend ausgesehen haben, denn zum ersten Mal in den zwei vergangenen, bitteren Monaten erwies Miss Earhart ihr etwas Erbarmen.

»Wenn du nicht weißt, wo du hin sollst, habe ich einen Vorschlag.« Miss Earhart langte in die Tasche ihres einfachen, grauen Kleides, das sie von der Schule hatte. »Dies ist die Adresse einer Familie nahe Portsmouth, die dringend eine Gouvernante für ihre drei kleinen Mädchen sucht und mich um eine Empfehlung gebeten hat. Ich habe dich genannt.«

Phoebes Kopf fuhr hoch. »Eine … Gouvernante?«

»Du gehst gut mit den jüngeren Schülerinnen um. Ich habe dir ein gutes Zeugnis geschrieben und Mrs. Beveridge gezwungen, dasselbe zu tun. Man erwartet dich dort. Soll heißen, falls du die Stelle willst.«

»Ich … ich verstehe nicht.« Phoebe schaute auf das Schreiben in Miss Earharts Hand hinab. »Was meinen Sie damit, Sie haben Mrs. Beveridge ?«

Miss Earhart schnaubte nur. »Wenn es nach ihr ginge, hätte man dich vor zwei Monaten hinausgeworfen. Du hattest Glück, dass du so lange hier geblieben bist – ich habe dir in der kurzen Zeit beigebracht, was ich konnte.«

Es war, als drehte sich der Boden unter Phoebe. Dann kam plötzlich alles zusammen. Sie war aus ihrem geliebten Malunterricht abgezogen worden, aus der Tanzklasse, nicht als Strafe, nicht um von ihren früheren Freundinnen ferngehalten zu werden. Stattdessen war es darum gegangen, etwas viel Wertvolleres zu lernen.

Wie man unterrichtete.

Da wusste Phoebe sofort, wie weit sie in der Welt abgefallen war. Sie war keine verwöhnte, geliebte Tochter, der eine glänzende Zukunft bevorstand. Das Schicksal sah sie als Gouvernante.

Ihre Augen fielen auf den Brief in ihrer Hand. Ihre Knöchel wurden weiß, so fest umkrallte sie ihn.

Ihr Leben hatte sich unwiderruflich verändert. Aufgrund der Achtlosigkeit eines einzigen Mannes.

»Ich weiß, dass es nicht einfach ist«, sagte Miss Earhart und tat einen Schritt nach vorn. »Du bist eine der wenigen jungen...



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