Nohl | Achte gut auf diesen Tag | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 108 Seiten

Nohl Achte gut auf diesen Tag

Eine Erzählung über den Sinn des Lebens
2. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7494-9236-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Erzählung über den Sinn des Lebens

E-Book, Deutsch, 108 Seiten

ISBN: 978-3-7494-9236-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Tag, nach dem alles anders wurde Nina erlebt durch wundersame Umstände in einem Kaufhaus einen Tag, der ihr ganzes Leben verändert. Plötzlich ist sie nicht mehr "nur" Mutter und Teilzeitangestellte im normalen Alltagschaos, sondern es geht um mehr. Leila, die "Agentin des Lebens" begleitet Nina auf ihrer Reise zu sich selbst, bei der sie ihre innere und äußere Schönheit neu entdecken darf. Auch geeignet für Leserinnen von John Strelecky. Leserinnenstimmen: "Ich habe mich gerne mitnehmen und verzaubern lassen von dieser kleinen Weisheitserzählung, die so nah am Leben ist doch nicht ganz von dieser Welt." "Dieses Büchlein hat mir den Impuls gegeben, den ich schon lange gebraucht habe, um heute endlich mit dem Rest meines Lebens anzufangen." "Ich habe beim Lesen Feuer gefangen, selbst sofort den ein oder anderen Coaching-Tipp aus diesem kleinen Büchlein umzusetzen und freue mich schon auf das Ergebnis!"

Dr. Martina Nohl arbeitet als Laufbahnberaterin und Veränderungscoach in ihrer Praxis in der Nähe von Heidelberg. Als Berufspädagogin und Weiterbildnerin bildet sie Coachs und Berater zum/zur Laufbahnberater/in nach dem Zürich-Mainzer-Laufbahnberatungsmodell und zu Veränderungscoachs aus. Mit ihren Büchern und Arbeitsheften stellt sie Klienten Handwerkszeug, Strategien und Hintergrundwissen zur Verfügung, damit ein privat und beruflich erfülltes Leben möglich wird. Coachs und Beratende unterstützt sie mit Fachbüchern, ihre Professionalität im Bereich berufliche Veränderungsbegleitung zu erhöhen.
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II



Wir traten aus dem Aufzug. Hier befanden sich keine Verkaufsräume mehr, aber die Flure und abgehenden halb offenen Räume wirkten noch schicker als unten. Wenn ich könnte, würde ich am liebsten versinken mit meiner leicht angeschmuddelten Jeans. Sicher roch ich inzwischen auch nach kaltem Angstschweiß. Ich passte hierher wie eine billige Leuchtreklame in einen Zen-Garten. Der Mann bat mich, durch eine dunkelgraue Rauchglastür zu treten. Spöttisch sagte er: „Hier, die Dame möchte zu Ihnen. Ich überlasse sie Ihren zauberhaften Händen.“ Hinter dem Schreibtisch saß eine elegante Frau, die nun von ihrem Laptop aufschaute und mich kurz prüfend, aber nicht unfreundlich musterte. „Danke, Henning, Sie können gehen.“

Er nickte und drehte ab. Ließ es sich aber nicht nehmen, mir noch mal kurz in den Arm zu zwicken!

Die Dame stand auf und gab mir die Hand. Ihr Händedruck fühlte sich fest und trocken an. Dieser Hand kann man vertrauen, dachte ich. Tja, mir leider nicht mehr. Ich war jetzt eine Diebin Hatte ich schon ganz vergessen, weil hier alles so schick war. Ich schaute ihr ein wenig trotzig in die Augen oder wollte es zumindest tun Eigentlich war mir aber gar nicht wohl in meiner Haut.

„Lassen Sie doch mal sehen“, sagte sie. Und ich wusste sofort, was sie meinte. Ich reichte ihr die D’Orsays, die man mir interessanterweise nicht abgenommen hatte. „Gute Wahl“, nickte sie, „aber überteuert.“ Fast hätte ich gegrinst.

„Tja, was machen wir jetzt mit Ihnen?“, sie schaute mich prüfend an, als wollte sie auf den Grund meiner Seele schauen, obwohl ich mir nie sicher war, ob ich eine hatte, aber das war ein anderes Thema. Wollte sie mich testen oder sich über mich lustig machen? Bestimmt gab es ganz klare Regeln, wie in so einem Fall verfahren wurde. Ich hoffte, es ging glimpflich aus, war das noch so was wie ein Bagatelldelikt? Irgendwo hatte ich mal im Fernsehen gehört, dass da die Grenze aber bei 50 Euro lag, warum musste ich auch so einen teuren Geschmack haben. „Setzen Sie sich.“ Sie wies mit ihren manikürten schlanken Händen auf eine modern aussehende Polstergarnitur in der Ecke. Ich ließ mich umständlich in einem der bequemen Sessel nieder und ärgerte mich, dass meine Füße nicht auf den Boden reichten und meine Treter in die Luft ragten. Du solltest dir jetzt wirklich Gedanken machen, wie du aus der Situation wieder rauskommst, stöhnte ich innerlich, nicht, welche Figur du hier machst.

„Es tut mir leid, dass ich die Schuhe habe mitgehen lassen. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass mir so etwas passiert. Ich war in Eile und es war vermutlich eine Kurzschlusshandlung.“ Ich stützte den Kopf in die Hände. „Außerdem ist heute irgendwie nicht mein Tag.“

„Wann war denn Ihr letzter Tag?“, sie wandte sich mir interessiert zu. Wir saßen uns schräg gegenüber. Sie hatte die Beine in ihrer schimmernden schwarzen Hose überschlagen, die mit ihrem seidigschwarzen Pagenschnitt um die Wette glänzte und trug eine Art Uniformjacke. Wer war sie überhaupt? Zur Geschäftsführerin würde man mich nicht gleich gebracht haben. Ich nahm die Hände wieder weg und versuchte einen Blick auf ihr Schild am Revers zu erhaschen. "Senior Agent" konnte ich lesen, der Name war verdeckt.

„Nennen Sie mich Leila“, sagte die Dame freundlich.

„Ich bin Nina“, erwiderte ich.

Sie nickte: „Ich weiß.“ Woher sie das nun wusste? Schließlich stand mein Name nicht auf den Schuhen, aber heutzutage mit diesen Chips überall war alles möglich. Vielleicht trug sie Google-Kontaktlinsen und durchstöberte gerade augenzwinkernd mein Profil? Sie sah mich immer noch unverwandt an. „Nina, wann war Ihr letzter guter Tag?“

Sie ließ nicht locker, also begann ich nachzudenken. Der Geburtstag von Marie vielleicht im März, aber nein, die Schwiegereltern waren so bissig gewesen, nichts war ihnen recht. Oder als Lasse heil aus seiner Blinddarm-OP aufgewacht war, da war ich so glücklich. Allerdings hatte es abends noch diesen Streit mit Finn gegeben. Worum es ging, hatte ich tatsächlich vergessen, aber dass er heftig war, daran erinnerte ich mich. Tja, wenn ich so richtig überlege, fiel mir kein Tag ein, an dem ich mich von morgens bis abends gut gefühlt hatte, sodass es mein Tag gewesen wäre. Schon merkte ich, wie mir das Wasser in die Augen stieg. Nein, nicht auch das noch. Du wirst jetzt nicht anfangen zu heulen, ermahnte ich mich. Ich schluckte meine Traurigkeit so gut es ging herunter, sah die Agentin an und sagte: „Ich kann mich leider nicht erinnern.“

Sie nickte wieder.

Was war das hier? Konnte sie nicht endlich zur Tat schreiten, mich zu einem Bußgeld verdonnern, die Polizei rufen oder was auch immer bei Ladendiebstählen so üblich war? Ich schaute auf die Uhr, da fiel es mir siedend heiß wieder ein. Jetzt war ich schon über eine halbe Stunde zu spät. Meine armen Kinder! „Hören Sie, ich habe gesagt, wie leid es mir tut. Können Sie mir sagen, was ich tun muss, um hier schnellstmöglich wieder herauszukommen, ich muss dringend meine Kinder abholen.“ Ich merkte, wie sich diese Flecken an meinem Hals ausbreiteten, die ich immer bekam, wenn ich wirklich unter Stress stand. Das konnte sie sicher auch sehen. Aber nein, sie hatte die Ruhe weg.

„Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten, Cappuccino oder einen Latte macchiato vielleicht?“

Hatte ich mich nicht klar ausgedrückt? „Ich weiß nicht, wieso Sie sich mit mir so viel Zeit lassen, ich habe leider keine. Bitte lassen Sie mich jetzt gehen. Vielleicht wissen Sie, wie es ist, wenn die Kinder auf einen warten.“ Täuschte ich mich oder war eben ein dunkler Schatten über ihr ansonsten so makelloses Gesicht gehuscht?

„Nein, ich weiß es leider nicht mehr. Aber ich kann Sie beruhigen, für Ihre Kinder ist gesorgt“, sagte sie.

„Wie bitte? Ich verstehe nicht. Wo sind sie, wer hat sie abgeholt?“

„Wir haben Ihren Mann kontaktiert und ihn gebeten, heute ausnahmsweise früher Feierabend zu machen.“ Ungläubig starrte ich die Agentin an. Wie konnte sie das alles schon erledigt haben, sie kannte mich doch gar nicht? Was war hier los?

„Und – hatten Sie Erfolg?“, fragte ich zynisch.

Sie nickte. „Wir haben ihm gesagt, dass Sie einen wichtigen Geschäftstermin haben.“ Sie lächelte jetzt etwas breiter. „Ich kann sehr überzeugend sein, wenn ich will, wissen Sie.“ Jetzt nickte ich, das glaubte ich ihr gerne. Nun gut, es geschahen noch Zeichen und Wunder, aber ich war gespannt, was ich mir dann heute Abend anhören durfte, wenn die wahre Geschichte auf den Tisch kam. Und woher sie nun auch noch seine Geschäftsnummer hatte, die Sache wurde immer rätselhafter. Aber ich merkte, dass mich das reizte, ich war schon immer neugierig gewesen und wollte nun gerne wissen, was das hier alles sollte.

„Also, was darf ich Ihnen anbieten? Sehen Sie es einmal so: Wir beide haben jetzt ein wenig gemeinsame geschenkte Zeit, also können Sie sich auch einfach entspannen und die Situation genießen.“

Ich sollte diese Situation genießen, peinlich beim ersten Coup meines Lebens erwischt worden zu sein? Na, die Frau hatte Humor. Ich setzte mich so aufrecht wie möglich hin. „Einen Latte bitte.“ Prompt stand sie auf und ging zu einem modernen Vollautomat, der in der Ecke glänzte und gleich zu zischen anfing, als die Milch aufgeschäumt wurde. Ich konnte Leila, die Agentin, von hinten ungestört mustern. Ihr Alter war extrem schwierig zu schätzen, sie hätte ungefähr so alt wie ich sein können, also Anfang 40, vielleicht war sie aber auch schon 55. Ihre Haut war leicht gebräunt, sehr glatt und sie wirkte so ungemein gepflegt, dass sie im Gegensatz zu mir wunderbar in diese edle Bürosuite passte. Der Blick durch die bodentiefen Fenster war atemberaubend. Man konnte die Skyline Frankfurts sehen mit dem Messeturm und dem Henningerturm mit seinem runden Aufsatz.

Als sie mit dem Latte macchiato zur Sitzecke lief, fiel mir auf, dass sie die gleichen D’Orsays nur in Schwarz trug, die mich ins Verderben getrieben hatten. Konnte das ein Zufall sein? Sie stellte den Latte mit einigen Zuckerstäbchen vor mich hin und vor sich einen Espresso. Ich holte tief Luft und unternahm einen neuen Versuch, die Lage zu klären. „Vielen Dank für den Kaffee. Ich möchte Sie aber gar nicht so lange aufhalten. Sagen Sie mir doch einfach, wie die weitere Vorgehensweise ist, dann bin ich auch gleich wieder weg.“

Sie sah mich aus ihren nugatbraunen Augen, die einen warmen Glanz bekommen hatten, lange an. „Vielleicht möchte ich gar nicht, dass Sie gleich wieder weg sind. Vielleicht können wir uns auch einfach erst mal kennenlernen. Ihre Kinder sind versorgt, wie Sie gehört haben. Sonst haben Sie heute Nachmittag nichts vor. Also wie ich schon sagte, entspannen Sie sich. Sie haben es sich verdient.“

Mir fielen fast die Augen aus dem Kopf. Ich hatte mir...



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