E-Book, Deutsch, Band 2, 316 Seiten
Reihe: Rockstar Love
Nolan Healing Rockstar Love (Rockstar Love 2)
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-60927-1
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
New Adult¿Romance¿über die berührende Liebe eines Rockstars
E-Book, Deutsch, Band 2, 316 Seiten
Reihe: Rockstar Love
ISBN: 978-3-646-60927-1
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Judy Nolan wurde 1989 in Mecklenburg Vorpommern geboren. Ihre kreative Ader und Vorliebe für spannende Geschichten führte sie zur Schriftstellerei. Wenn sie nicht gerade schreibt, führt sie ihre Hündin Gassi, liest Bücher aus verschiedenen Genres, fotografiert oder widmet sich dem Erlernen der japanischen Sprache.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Kin
Am liebsten wäre ich davongelaufen. Weit weg, um nicht beobachten zu müssen, was sich in diesem Moment vor mir abspielte. Leider war weit weg keine Option, aber zumindest hatte ich die Möglichkeit, den Raum zu verlassen. Ich wandte mich ab, fischte in meinem Rucksack nach den Kippen und stapfte auf die Tür zu.
»Wo willst du hin? Wir müssen gleich raus.«
Ich stoppte mitten in der Bewegung und drehte mich um. Jos Hände lagen an Minatos Kragen und richteten ihn, als wäre er ein kleiner Junge, der sich nicht selbst anziehen konnte. Ich wollte ihn von ihm wegstoßen und anbrüllen. Keine Ahnung, was ich gebrüllt hätte. Irgendetwas eben. Hauptsache schreien.
»Ich geh rauchen«, erwiderte ich, während ich eine Kippe zu meinem Mund führte.
»Dafür ist keine Zeit mehr«, sagte Jo und ich spürte den Groll meinen Nacken hinaufkriechen.
»Wenn ich sage, es ist Zeit dafür, ist es das auch«, brummte ich zurück und drehte mich zur Tür. Eine Hand griff nach der Zigarette, die aus meinem Mund ragte, und entriss sie mir.
»Was soll der Scheiß?«, beschwerte ich mich und Yuri seufzte genervt. Wann war sie ins Zimmer gekommen?
»Jo hat recht, ihr müsst raus. Jetzt«, pflichtete sie Jo bei und ich gab mich geschlagen.
»Sind die Jungs von Ravenflood inzwischen da?«, fragte ich.
Yuri schüttelte den Kopf. Dabei bewegte sich ihr schwarzes Haar und umspielte ihr ovales Gesicht. Irgendwie stand ich drauf, wenn sie ihren Bestimmerblick aufsetzte. Wenn Frauen eine Option für mich wären, wäre sie definitiv mein Typ.
»Sie haben es aus dem Flughafen geschafft. Immerhin. Aber sie werden wohl nicht vor der ersten Pause hier sein.«
»Besser spät als nie, oder?« Ich legte das Feuerzeug auf einen der Tische, schnappte meine Gitarre, die neben der Tür bereitstand, und spazierte hinaus in den Flur. Einen Blick zurück ersparte ich mir. Auf den Abschiedskuss, den Jo Minato gleich aufdrücken würde, konnte ich verzichten. Am Anfang hatten sie sich damit noch zurückgehalten, doch diese Zeit der Schonung war nach inzwischen fast einem Jahr längst vorüber. Während ich den Gitarrengurt um meinen Hals legte und an den vielen herumwuselnden Menschen im Backstagebereich vorbeiging, versuchte ich die Bilder aus meinem Kopf zu verbannen. Liebeskummer war scheiße und jeder, der mir weismachen wollte, dass der Schmerz mit der Zeit nachließ, ein Lügner. Es war zwar eine gut gemeinte Lüge, schließlich sollte sie einen davor bewahren, den Verstand zu verlieren, aber am Ende eben doch nicht mehr als eine Lüge.
Je näher ich der Bühne kam, desto lauter hallten die Rufe und das Gemurmel der Menschen in meinen Ohren. Ein Kribbeln schoss in meine Fingerspitzen, verteilte sich in meinem Körper und ließ mich schneller gehen. Ich konnte es kaum erwarten, auf die Bühne zu treten. Der eine Ort auf dieser Welt, an dem alles egal war. An dem ich mich voll und ganz fallen lassen konnte. Hier gab es weder Jo, der zwischen Minato und mir stand, noch die Zweifel, die meinen Kopf erfüllten, wenn es still war. Stille. Ich hasste sie.
Ich rannte die Treppe zur Bühne hinauf und spähte vorsichtig um die Ecke, hinein in den Saal, der voller Menschen war. Sie alle warteten auf Minato und ein paar von ihnen sogar auf mich. Unsere Band war bereits auf Position und die Stimmung der Menge kochte immer weiter hoch. Nicht mehr lange und sie würde überschäumen. Ein breites Grinsen bildete sich wie von selbst auf meinem Gesicht und meine Hand klopfte im Rhythmus der Musik, die aus den Lautsprechern hallte, auf den Körper meiner Gitarre.
»Du bist mal wieder mehr als bereit, oder?«, hauchte jemand in mein Ohr und ich zuckte zusammen. Minato war mir so nah, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren konnte. Das Kribbeln der Vorfreude verstärkte sich und sammelte sich unnötigerweise in meiner Leistengegend. Verdammt noch mal, ich musste ihm sagen, dass er mir nicht so nah kommen durfte.
Meine Augen suchten die Umgebung ab. Jo war nirgends zu sehen. Vermutlich hatte auch er sich bereits an seinen Platz begeben. Direkt vor der Bühne, wo er die besten Fotos von Minato schießen konnte. Ab und zu lichtete er sogar mich ab. Ich war mir sicher, dass er das nur tat, damit ich keinen Anlass hatte, mich über ihn zu beschweren. Als ob ich dazu einen Grund bräuchte.
Minatos dunkle Augen hielten meinen Blick gefangen und ich schluckte einen klebrigen Mochi herunter, der mir das Atmen erschwerte.
.
Ich nickte ihm zu, doch fand die richtigen Worte nicht. Er schenkte mir sein breitestes Grinsen und klopfte mir auf die Schulter.
»Dann los«, sagte er und fast im selben Moment trat Yuri neben uns. Wie hypnotisiert starrte sie auf ihre Armbanduhr und ich wusste, dass es gleich losging. Ich schloss die Augen. Nur für ein paar Sekunden. Atmete tief ein, schob Minato aus meinen Gedanken und umklammerte mit einer Hand den Hals der Gitarre. Die andere Hand fischte in meiner Hosentasche nach einem Plektrum.
»Und los«, dröhnte Yuris Stimme in meinem Ohr und ich betrat die Bühne.
Die Schreie, die mich empfingen, als ich nach draußen trat, wirkten in meinem Körper wie Ecstasy. Obwohl mir klar war, dass die meisten nur deshalb ausrasteten, weil mein Erscheinen Minato ankündigte, fühlte ich mich in diesem kurzen Moment bedeutend. Dieser Augenblick, in dem ich allein dort oben stand. In dem ich meine Finger an die Saiten legte und zu spielen begann. Wenn die Fans im Takt meiner Musik jubelten und ich umhüllt war von ihrer Aufmerksamkeit.
Ich stand erhöht auf einem Podest, vom dem aus ich die gesamte Halle hätte überblicken können, und trotzdem nahm ich nichts wahr außer der Musik. Ich hörte sie nicht nur, ich spürte sie in jeder Faser meines Körpers. Fühlte sie, als würde sie sanft über meine Haut streifen und Gänsehaut verursachen. Manchmal, an Tagen wie diesem, konnte ich sie sogar sehen. Dann schlängelte sie sich in den wildesten Farben um mich herum, strömte zwischen die Zuschauer und erfüllte den Raum mit einem Licht, das es so eigentlich gar nicht gab.
Das Licht verschwand, als Minatos Stimme erklang. Die Menge wurde lauter, während mein Inneres verstummte. Auch jetzt fühlte ich die Musik und spielte mit allem, was ich zu geben hatte, doch die Emotionen waren anders. Konzentrierten sich auf Minato und dienten nur dazu, ihn zu begleiten. Er trat auf die Bühne und ich in seinen Schatten. So war es schon immer. So würde es immer sein.
***
Als ich in der Pause von der Bühne trat, stand die Band, die extra aus Schweden eingeflogen war, um heute Abend auf unserem Konzert zu spielen, endlich bereit. Im fliegenden Wechsel betraten sie die Bühne, kaum, dass Minato und ich sie verlassen hatten.
»Ein kurzes Hallo wäre nett gewesen«, murmelte ich Yuri zu, während ich den Sänger der Band dabei beobachtete, wie er auf die Bühne spazierte, als wäre das hier seine Show. Er war verdammt groß, verdammt blond und, wie ich zugeben musste, verdammt heiß.
»Ich stelle euch nachher vor. Ich wollte, dass sie so schnell wie möglich rausgehen«, sagte Yuri. Minato kam zu uns und drückte mir eine Wasserflasche in die Hand.
Genau das brauchte ich in diesem Moment. Mein Hals fühlte sich staubtrocken an und ich schwitzte, als hätte ich einen Marathon hinter mir. Das Licht der Scheinwerfer und die unzähligen Menschen im Saal hatten die Luft dermaßen aufgeheizt, dass mir der Schweiß schon vom Nichtstun auf die Stirn trat. Die Tatsache, dass ich mich beim Gitarrespielen manchmal mehr bewegte als auf einer Tanzfläche, machte die Sache nicht besser.
»Handtuch?«
Kenta vom Team hielt mir ein zusammengerolltes Tuch hin, als hätte er meine Gedanken gelesen. Dankbar nahm ich es an, wischte mir den Schweiß von der Stirn und wandte mich ab.
»Hey, wo gehst du hin? Möchtest du dir ihren Auftritt nicht ansehen?«, stoppte Minato mich, kaum, dass ich mich in Bewegung gesetzt hatte.
»Ich habe Pause und Pause ist das Synonym für Rauchen«, erklärte ich und stöhnte dabei genervt auf. »Das müsste dir eigentlich längst klar sein.«
Kühle Nachtluft schlug mir ins Gesicht, als ich in den Hinterhof trat. Das Konzert war noch immer so laut, dass ich die Bässe der anderen Band durch den Boden an meinen Füßen spürte. Ansonsten war es hier draußen still. Zumindest so still wie es die Stadt, die niemals schlief, zuließ. Das Rauschen der Autos und das Getrappel der Menschen waren in Tokio allgegenwärtig. Geräusche, die ich kaum noch registrierte. Ich nahm die Kippe, die ich aus der Umkleide geholt hatte, in den Mund und zündete sie...




