Liebe Besucherinnen und Besucher,
aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 1, 424 Seiten
Reihe: The Legend of Tanabata
Nolan Like Hearts Unite (The Legend of Tanabata 1)
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-646-61202-8
Verlag: Cove Story
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
New Adult Romance Fantasy mit japanischer Mythologie
E-Book, Deutsch, Band 1, 424 Seiten
Reihe: The Legend of Tanabata
ISBN: 978-3-646-61202-8
Verlag: Cove Story
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Judy Nolan wurde 1989 in Mecklenburg Vorpommern geboren. Ihre kreative Ader und Vorliebe für spannende Geschichten führte sie zur Schriftstellerei. Wenn sie nicht gerade schreibt, führt sie ihre Hündin Gassi, liest Bücher aus verschiedenen Genres, fotografiert oder widmet sich dem Erlernen der japanischen Sprache.
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Kapitel 1 Orihime
Der Schrein lebt. Nein, er tobt förmlich. So überfüllt war es hier seit Jahren nicht. Dicht an dicht drängeln sich die Besucher zu den Ständen und über das Gelände. Die Sonne strahlt und die Kirschbäume stehen in voller Blüte. Fast jeder der Gäste versucht, eines unserer Souvenirs zu ergattern. Spoiler: Sie werden nicht reichen. Verzweifelt lasse ich meinen Blick über die Omamoris schweifen. Die Glücksbringer für die Liebe sind längst ausverkauft. Auch die für Glück neigen sich dem Ende zu.
»Ojii-chan, die Omamoris sind fast leer. Wir haben nur noch die für den Straßenverkehr«, rufe ich nach hinten und warte vergeblich auf eine Antwort.
»Entschuldigung, haben sie O-Mikujis?«, will die nächste Kundin wissen und ich sehe automatisch zu der Selbstbedienungsbox neben dem Verkaufsfenster. Die kleinen Papierröllchen, die vorhersagen wie viel Glück einem bevorsteht, sind äußerst beliebt bei den Besuchern. Die Box ist leer. Mist.
»Makoto, siehst du bitte nach, ob wir noch O-Mikujis haben?«, bitte ich eine der Aushilfen, die wir extra für das heutige Fest engagiert haben. Sie nickt und verschwindet im Lagerraum. Ich nutze den Moment, bitte die Kundin zu warten, und haste nach hinten.
»Ojii-chan!«, brülle ich, denn die Geräusche des Festes dröhnen auch hier ohrenbetäubend laut. »Ojii…«, setze ich erneut an, halte aber inne, als ich Großvater zusammengekauert vor dem Kamidana, unserem Shinto-Hausaltar, sitzen sehe. Er betet zu unseren Ahnen. Wieso macht er das ausgerechnet jetzt? Mein Puls rast, während er offenbar jegliche Hektik ignoriert. Trotz all der Aufregung warte ich. Nie würde es mir in den Sinn kommen, ihn bei einem so heiligen Ritual zu stören. Nie.
Mein Herz klopft wild von innen gegen die Rippen. Mein Fuß wippt ohne mein Zutun vor und zurück. Wann ist er endlich fertig? Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte er sich für ein Gebet nicht aussuchen können. Mein Feierabend ist seit einer Stunde überfällig. Er hat es versprochen. Ich hole Luft, um ihn doch zu stören, als er sich langsam aufrichtet und die Handflächen vor der Brust aneinanderfügt. Seine Daumen berühren dabei seinen Körper und der Anblick lässt mich die Worte, die in meinem Hals hängen, wieder herunterschlucken.
»Du kannst Feierabend machen, Ori, Schatz. Du hast heute erstklassige Arbeit geleistet«, sagt er, ohne seine Augen zu öffnen.
»Bist du sicher? Makoto wird den Ansturm kaum allein bewältigen können«, gebe ich zu bedenken und Großvater blickt zu mir auf.
»Ich helfe ihr. Bitte geh. Ich habe es dir versprochen.« Mir entgeht nicht, wie schwer es ihm fällt, sich aus dem Fersensitz zu lösen und vom Boden zu erheben. Er wird schwächer. Langsam und schleichend zieht das Alter ihn weiter in den Abgrund. Nimmt Besitz von seinem Körper. Jedes Mal, wenn ich es bemerke, versetzt es mir einen Stich ins Herz.
»Danke Ojii-chan.« Ich verbeuge mich, so tief ich kann, ohne auf die Knie zu gehen, und wende mich ab, ehe er es sich anders überlegen kann.
Den Schrein so voller Leben zu sehen, lässt mein Herz vor Freude überquellen. Ich trete hinaus in die beginnende Dämmerung und glaube, bereits die ersten Sterne am Himmel zu erkennen. Eigentlich ist es dafür noch zu hell. Doch ich spüre ihre Anwesenheit mehr als gewöhnlich. Schon bald werden sie den Nachthimmel erhellen. Ich schlängle mich durch die dichte Masse an Besuchern, vorbei am Hauptschrein, vor dem die Menschen beten. Unter den unzähligen Windspielen hindurch, aus denen wir extra für den heutigen Tag eine Art Tunnel errichtet haben. Eigentlich verwendet man diese Furin eher im Sommer, aber Großvater liebt den Klang der gläsernen Kuppeln so sehr, dass wir eine Ausnahme gemacht haben.
Der herzhafte Duft von frischem Takoyaki vermischt sich in der Luft mit der Süße der Dango-Spieße und erinnert mich daran, dass mein Magen seit Längerem leer ist. Hunger verspüre ich jedoch nicht. Die Aufregung ist zu groß.
»Entschuldigung?« Jemand berührt meine Schulter und ich halte inne. Vor mir steht eine europäisch gelesene Frau mit einer großen Kamera vor der Brust und einem Smartphone in der Hand. Mein Herz beginnt zu zittern, genau wie meine Stimme.
»Ja, bitte?«, sage ich auf Englisch und habe Angst, dass meine Sprachkenntnisse nicht ausreichen, um ihr bei ihrem Anliegen zu helfen.
»Was hat es mit diesem Gebäude auf sich?«, klingen ihre Worte über das laute Gemurmel der Menschen hinweg. Mit dem Handy deutet sie auf den Haiden, der höher thront, als alle anderen Bauwerke im Schrein und vor dem die Besucher Schlange stehen. Das gebogene Satteldach und die feuerroten Balken erregen die Aufmerksamkeit von jedem hier. Die goldenen Verzierungen lassen diesen heiligen Ort noch prunkvoller erscheinen und zu einem beliebten Motiv für Selfies werden.
»Das ist die Gebetshalle des Schreins. Hinter dem Gebäude befindet sich der Honden. Er ist kleiner als der Haiden und beherbergt die Göttin Inari selbst. Den Honden darf niemand außer dem Priester betreten. Deswegen gibt es den Haiden, vor dem die Menschen zur Göttin beten können«, erkläre ich bemüht.
»Heißt der Schrein nicht so? Inari?«, will die Frau wissen, während sie ein Foto vom Honden schießt. Mir ist klar, dass jeden Tag Fotos von diesem Gebäude gemacht werden, dennoch schmerzt es mich immer wieder, wenn ich es mitbekomme. Dieser heilige Ort ist zum Beten da und nicht um ihn auf Social Media zu präsentieren.
»Inari ist der Name der Erntegöttin. Sie bringt uns Fruchtbarkeit und Leben. Aus diesem Grund trägt jeder Schrein, der ihr gewidmet ist, ihren Namen.« Ich fange gar nicht erst an, ihr zu erläutern, dass der Name eines Schreins viel komplexer ist als das und bin einfach nur erleichtert, dass mein Englisch mich nicht im Stich lässt.
»Vielen Dank für die Erklärung. Ich sehe mir den Hauden genauer an.«
»Haiden«, korrigiere ich sie mit einem Lächeln. »Bitte beachten Sie die Schilder direkt vor dem Gebäude. Das Fotografieren in den Haiden hinein ist verboten.«
Sie lässt die Kamera sinken, genau wie ihre Mundwinkel. »Wie schade.«
»Ich bin mir sicher, Sie finden hier viele Motive für Ihre Erinnerungsfotos«, sage ich und lasse meine Hand über die Szenerie wandern. Rote Torii und kleine Gebäude, wohin man auch sieht. Kirschbäume, deren rosafarbene Blüten einen angenehmen Duft nach Frühling verbreiten. Brücken, die über Bäche führen, Steingärten, Laternen, Fuchsstatuen, Bambuswälder. Jedes Mal, wenn mir die Schönheit meiner Heimat bewusst wird, kribbelt es vor Aufregung in mir. An diesem Ort leben zu dürfen, ist für mich das größte Geschenk.
Die Frau nickt mir lächelnd zu und ich bin mir sicher, dass auch sie den Moment wahrgenommen hat. Ich wünsche ihr einen schönen Tag und setze mich endlich in Bewegung. Das Kribbeln, das der Schrein in mir ausgelöst hat, wird stärker, als ich an Ren denke. Die Sonne wird bald verschwunden und ich wieder bei ihm sein.
***
Hastig schlüpfe ich aus meinem Miko-Kimono, der mich mit seiner typischen rot-weißen Färbung als Teil des Schreins kennzeichnet, und wende mich dem Yukata zu, den ich extra für den heutigen Abend genäht habe. Seine Herstellung hat mich einige wunde Stellen und Einstichlöcher an den Händen gekostet, doch er ist es wert. Nachdem ich das Unterkleid angezogen habe, greife ich nach dem seidigen, dunkelblauen Stoff. Weiße Blüten, die fast wie Sterne aussehen, zieren ihn großflächig und nehmen ihm dadurch die Dunkelheit. Froh darüber, endlich etwas Leichtes tragen zu können, was mich nicht so schnell schwitzen lässt wie der Kimono, lege ich den roten Stoffgürtel um die Hüfte. Nachdem ich ein leichtes Make-up aufgelegt habe, drehe ich mich langsam vor dem Spiegel in meinem Zimmer hin und her und überlege, ob ich mich je so hübsch gefühlt habe. Ob ich ihm auch gefallen werde?
Ein dumpfer Schlag lässt mich zusammenzucken. Dann ein Poltern, gefolgt von klackernden Tippelgeräuschen auf dem Tatami-Boden. Geräusche, die mich zum Lächeln bringen.
»Aki, da bist du ja.« Mit ausgestreckter Hand lehne ich mich zu meinem Lieblingsfuchs hinunter und warte, bis er sie zur Begrüßung abgeschleckt hat. Anfangs fand ich das etwas eklig, aber inzwischen ist es zu unserer Routine geworden. Sanft streichle ich ihm über den Kopf und richte mich wieder auf. »Was denkst du?«
Ich drehe mich einmal im Kreis und präsentiere ihm mein Outfit. Er setzt sich auf seinen Hintern und hebt eine Pfote, als wolle er einschlagen. Dabei...




