Nunn | Zeit der Finsternis. Ein Fall für Emmanuel Cooper | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Nunn Zeit der Finsternis. Ein Fall für Emmanuel Cooper


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95988-058-9
Verlag: CulturBooks Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

ISBN: 978-3-95988-058-9
Verlag: CulturBooks Verlag
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Im zutiefst korrupten Apartheidstaat Südafrika 1953: Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um hier mit seiner heimlichen Familie ein Doppelleben zu führen, von dem keiner seiner Kollegen etwas ahnen darf, schon gar nicht sein argwöhnischer Vorgesetzter Lieutenant Walter Mason. Andernfalls droht Cooper Berufsverbot und Gefängnis, ganz zu schweigen von den Repressalien, die seine farbige Frau und ihre kleine Tochter zu erwarten hätten: Die Rassentrennungsgesetze sind gnadenlos. Er muss also extrem behutsam lavieren. Als im Villenviertel ein weißes Ehepaar überfallen wird, geraten seine Loyalitäten auf den Prüfstand. Cooper kann nicht glauben, dass Constable Shabalalas Sohn ein Raubmörder sein soll. Doch für seine Kollegen ist der Fall klar: Wenn ein weißes Mädchen einen Zulu-Jungen beschuldigt, gibt es kein Zweifeln. Schon gar nicht direkt vor der Urlaubszeit. Cooper wird kurzerhand kaltgestellt. Und riskiert alles. Malla Nunns Romane aus dem Herzen einer repressiven, zutiefst patriarchalen Kolonialgesellschaft kombinieren das unbeschwerte Vergnügen fulminanter historischer Kriminal¬romane - historische Genauigkeit, stringente Plotführung und mitreißend geschilderte Auseinandersetzungen - mit tiefen Einsichten über die Art, wie Menschen sich in Gesellschaft positionieren, worauf sie mit Angst, mit Anpassung, mit Aggression oder mit gesteigerter Kompetenzbildung reagieren. Das ist große Literatur, mitten im Genre. »Nunn ist eine Meisterin darin, die Unterdrückung noch in der leisesten Körpersprache darzustellen. Eine starke Schreibe, aus der der Duft der Regenzeit des südlichen Afrikas aufsteigt.« Christiane Müller-Lohbeck, taz »Behutsam, fein und klug: Nunn.« KrimiZEIT-Bestenliste »Ein zutiefst fesselndes und hypnotisches Leseerlebnis, getränkt mit der Atmosphäre Südafrikas in den 1950ern.« Mike Nicol, Autor der Rache-Trilogie

Malla Nunn wurde in Swasiland geboren und eingeschult, doch in den 1970ern emigrierte ihre Familie nach Australien, um der Apartheid zu entgehen. Dort graduierte Malla Nunn in Englisch und Geschichte, ging dann in die USA und machte einen Abschluss in Theaterwissenschaften. Sie schuf als Drehbuchautorin drei preisgekrönte Dokumentarfilme, darunter Servant of The Ancestors. Malla Nunn heiratete in traditioneller Swasi-Zeremonie, ihr Brautpreis waren 18 Kühe. 2009 erschien ihr literarisches Debüt A Beautiful Place to Die, der Beginn des mehrfach ausgezeichneten Krimizyklus um Detective Sergeant Emmanuel Cooper. »Zeit der Finsternis« ist der vierte Roman dieser Reihe. Malla Nunn lebt und arbeitet in Sydney.

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2
»Auto ist weg, Lieutenant.« Der Geist eines Ölflecks auf dem Betonboden war der einzige Hinweis darauf, dass in der Garage der Brewers ein Fahrzeug gestanden hatte. Emmanuel ging zur Rückseite der Garage durch und trat hinaus ins Mondlicht. Der hintere Garten war ein Wildwuchs aus Obstbäumen und Kletterpflanzen. Gruppen von Feigenbäumen und ausladende Bananenstauden gaben Emmanuel das Gefühl, wieder in einer ländlichen Stadt zu sein, so wie Jacob’s Rest, wo er Davida kennengelernt hatte. Ein unsichtbares Tier, groß genug, um deutlich hörbare Kriech­geräusche zu machen, bewegte sich im Unterholz. »Hier hinten ist etwas«, sagte er laut genug, dass Dryer und Mason ihn hören konnten. »Etwas Großes. Ich schaue mal nach.« »Dryer, gehen Sie mit Cooper, sehen Sie nach, was da draußen ist«, sagte Mason, aber Emmanuel war schon dabei, den mondbeschienenen Garten zu durchsuchen. Hinter einer Wäscheleine stieß er auf einen schmalen Pfad und folgte ihm. Knorrige Äste und wilde Büsche unbeschnittener Rosen drängten sich von beiden Seiten heran und behinderten das Vorankommen. Das kriechende Geräusch wurde lauter. »Polizei.« Er sprach gut hörbar und deutlich. »Kommen Sie heraus, wo ich Sie sehen kann.« Keine Antwort. Er stieß tiefer in den verwilderten Garten vor, hielt sich an den schmalen Trampelpfad. Aus einem dichten Pflanzengestrüpp vor ihm drang ein Laut. »Polizei«, sagte Emmanuel noch einmal und spähte in das Gewirr aus Ästen und Stämmen. Finsternis stierte zurück. Er knöpfte das Revolverholster auf und schlug sich geduckt ins Unterholz. Er orientierte sich wie ein Blinder, indem er mit ausgestreckter Hand vor sich her tastete. Ein scharfes ­Knacken ertönte rechts von ihm. Er fuhr zurück und stützte sich mit einer Hand am Boden ab, um das Gleichgewicht zu halten. Nasse Blätter klebten an seiner Handfläche fest, und der vertraute Geruch von Blut stieg vom Boden auf. Emmanuel wischte sich das Laub ab und rückte vor, wie er es im Krieg getan hatte, als jeder Schritt vorwärts sein letzter sein konnte. Das Kriechgeräusch kam jetzt von direkt vor ihm. Er griff zu und berührte eine Armbeuge, dann ein knochiges Schulterblatt. Ein Körper erschauerte und brach unter dem Gewicht seiner Finger zusammen. »Dryer!«, rief er. »Bringen Sie Licht. Schnell.« «Wo sind Sie, Cooper?«, rief Dryer. »Ich kann Sie nicht sehen.« »Nehmen Sie den Pfad hinter der Wäscheleine. Gehen Sie weiter in den Garten hinein. Ich bin rechts vom Pfad.« Jedes Stück Hautoberfläche, das er ertastete, war nass und glitschig von Blut. »Bringen Sie eine Lampe her, Dryer. Los jetzt.« Ein Taschenlampenstrahl zuckte zwischen den Ästen. Emmanuels Augen stellten sich auf das Zwielicht ein. Ein schlanker schwarzer Mann lag auf der Seite im Laubwerk. Er blutete aus einer tiefen Kopfwunde und, wie Emmanuel erkennen konnte, aus mehreren kleinen Wunden am Rücken. Seine ­Fingernägel waren abgebrochen und dreckverkrustet, offenbar war er Hand über Hand den Boden entlanggerobbt auf der Suche nach Sicherheit oder vielleicht einem ruhigen Platz zum Sterben. »Rufen Sie die Eingeborenenambulanz«, befahl er Dryer. »Und schicken Sie die Uniformierten her, mit Lampen und einer Decke. Zack, zack.« Die Polizisten von der Veranda stürzten sich in den Garten, ihre Stimmen schrill vor Aufregung. Es waren junge Männer, und sie waren außer sich, Teil des sich entfaltenden Dramas zu sein. Der Schwarze lag jetzt reglos da, sein Atem ein tiefes Röcheln in der Kehle. Emmanuel ging in die Hocke und lauschte, wie Luft in die Lungen des Mannes und wieder heraus strömte. »Hier drüben«, rief er, als die Polizisten näher kamen. Drei Taschenlampenstrahlen vereinten sich am zweiten Tatort. Der erste Polizist, der durch das Blattwerk herantrat, gab ein erschrocke­nes Ächzen von sich und blieb wie angewurzelt stehen. Er drückte eine Decke an seine Brust. »Bleiben Sie, wo Sie sind«, sagte Emmanuel. »Der Rest hält sich zwei Schritt vom Opfer entfernt und bildet einen Kreis.« Sie befolgten seine Instruktionen, jeder schlappte schüchtern an seinen Platz und hielt seine Taschenlampe hoch. »Glaubst du, es ist der Gärtner?«, flüsterte einer. »Vielleicht«, antwortete ein anderer. »Was sonst soll ein Kaffer nach Sonnenuntergang im Garten eines Weißen zu suchen haben?« Emmanuel war sich da nicht so sicher. Der schwarze Mann, der jetzt zusammengerollt im Laub lag, trug ein langärmliges Hemd und blaue Baumwollhosen. Seine nackten Füße und die Hände waren schmutzverkrustet, doch es fehlten die Schwielen, die manuelle Arbeit verursacht. Und der Garten war völlig verwildert. Wenn dieser Mann der Gärtner war, hatte er seinen Beruf entsetzlich verfehlt. Emmanuel bückte sich und durchsuchte die Taschen des Opfers nach Papieren. »Was haben Sie da?« Mason stieß durch die Äste und verschaffte sich Platz zwischen zwei der Polizisten. »Einen noch nicht identifizierten Mann.« Emmanuel stöberte nach dem Passbuch, das stets bei sich zu tragen schwarze Männer gesetzlich verpflichtet waren. Ein Passbuch enthielt den Namen des Trägers, den Ort seiner Herkunft und jeden anschließenden Wohnsitz, eine Schwarzweißfotografie, alle registrierten Arbeitsverhältnisse sowie ein Protokoll bisheriger Begegnungen mit der Polizei: eine Lebensgeschichte in Stichpunkten. »Kein Geld und kein Passbuch in den Hosentaschen.« Er zog aus der Brusttasche des Hemdes ein blutbeflecktes Stück Papier und blinzelte auf den handgeschriebenen Text. »Die Adresse der Brewers«, sagte er. »Was zur Hölle treibt ein nicht registrierter Schwarzer in einem Garten in Parkview?«, fragte Mason. »Selbst wenn er ein Passbuch hätte, müsste er vor Stunden den letzten Bus ins Kaffernviertel genommen haben.« Emmanuel sagte: »Das gilt auch für Shabalala und Kibelo. Von Sophiatown nach Parkview und zurück mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist gar nicht so einfach.« »Sie haben es irgendwie hingekriegt, vielleicht mit Hilfe von Komplizen. Sie haben doch das Mädchen gehört. Diese Jungs waren im Haus. Sie hat sie beim Namen genannt.« Ja, das hatte sie. Und die Aussage eines traumatisierten weißen Mädchens war vor Gericht mit einer mitfühlenden weißen Jury auf der Geschworenenbank kaum angreifbar. »Was Neues von der Eingeborenenambulanz?« Er rieb die Handflächen aneinander, um das getrocknete Blut loszuwerden. »Das wird noch dauern.« Mason wandte sich zum Gehen. »Das nächste Eingeborenenhospital ist Baragwanath, und die haben nur eine Handvoll Wagen. Vielleicht weiß Dryer mehr. Vorausgesetzt, er hat im Krankenhaus nach einer Einschätzung gefragt.« »Geben Sie mir die Decke, Constable«, sagte Emmanuel zu einem der Polizisten, einem hellhaarigen Knaben mit einem Gesicht so schlicht wie ein Glas Milch. »Aber … Sir …«, stammelte der Constable. »Ich habe diese Decke aus dem Haus. Es ist reine Wolle. Aus dem Zimmer des Mädchens.« »Und?« »Die ist doch nicht für einen von denen gedacht«, sagte der Polizist. »Sein Blut wird überall drankommen.« Emmanuel stand auf und riss dem Jungen die Decke aus den Händen. »Wenn die Brewers die Nacht überleben, können sie die Decke verbrennen und die Asche begraben. Blut ist Blut. Es macht die gleichen Flecken, egal wer blutet.« »Ja, Sir.« Der Constable machte verlegen einen Schritt rückwärts. Er hatte den Detective Sergeant irgendwie zornig gemacht, aber er wusste nicht, womit. »Halten Sie Wache, bis die Ambulanz kommt. Stellen Sie sicher, dass nichts verändert wird«, wies er die Polizisten an und breitete die Decke über den unbekannten Fremden. Ihn erfüllte blinde Wut bei der Vorstellung, Davida und Rebekah könnte in einer vergleichbaren Situation die benötigte Wärme versagt bleiben, weil ihre Haut braun und nicht weiß war. Er wandte sich um und ging weg. Lieutenant Mason folgte ihm auf dem mondbeschienenen Pfad mit hintergründiger Miene. Emmanuel blieb still. Jedes Wort konnte den Zorn preisgeben, der ihm die Kehle zuschnürte. Und dann wüsste Mason ohne jeden Zweifel, dass seine Reaktion auf die Haltung des Constable etwas Persönliches war. »Sie können Kaffersprachen«, sagte Mason, als sie das Haus erreichten. Es war eine Feststellung, keine Frage. »Ein bisschen.« Er hängte nicht gern an die große Glocke, dass er fließend Zulu und Afrikaans sprach sowie mittlerweile bruchstückhaftes Shangaan, was der Zeit mit Detective Constable ­Shabalala zu verdanken war, der halb Zulu, halb Shangaan war. »Bleiben Sie hier bei den Uniformierten und dem Verwundeten. Wenn der Eingeborene zu sich kommt, notieren Sie alles, was erklären hilft, wie zwei Schuljungen diese Verwüstung anrichten konnten. Der Polizeichef wird Beweise brauchen, die die Aussage des Brewer-Mädels erhärten«, sagte Mason. »Negus und ich fahren die Jungs zur Befragung holen.« »Ich komme danach noch auf dem Revier vorbei«, sagte Emmanuel. Er musste unbedingt auf dem Laufenden bleiben, was die Beweislage gegen Aaron und Nkhato anging. Was er mit den Informationen machen würde, wenn er sie erst hatte, das wusste er noch nicht. »Bezahlte Überstunden sind für diesen Fall noch nicht bewilligt, also falls Sie nur auf ein paar Pfund extra aus sind, gehen Sie lieber nach Hause und schlafen sich aus.« »Ich arbeite, bis die Arbeit getan ist«, sagte Emmanuel. Mason war monatelang durchgehend undercover im Einsatz gewesen, hatte seine...



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