Nygaard | Tod am Kanal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 8, 256 Seiten

Reihe: Hinterm Deich Krimi

Nygaard Tod am Kanal


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86358-044-5
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 8, 256 Seiten

Reihe: Hinterm Deich Krimi

ISBN: 978-3-86358-044-5
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Im Holländerstädtchen Friedrichstadt wird die Leiche einer Frau gefunden. Die Lehrerin hatte damit gedroht, das Komplott zwischen einem biederen Lehrerkollegium und einer großbürgerlichen Elternschaft zugunsten lernfauler Schüler aufzudecken. Doch ein Mörder wollte die Betulichkeit dieser scheinbaren Idylle bewahren. Das inzwischen zum Kult gewordene Team der Husumer Kripo ermittelt einmal mehr mit Herz und Verstand, wobei das Schnüffelschwein Große Jäger nicht nur für humorvolle Einlagen, sondern auch für Aufregung sorgt - als der Tod erneut zuschlägt.

Hannes Nygaard ist das Pseudonym von Rainer Dissars-Nygaard. Er wurde 1949 in Hamburg geboren und hat sein halbes Leben in Schleswig-Holstein verbracht. Er studierte Betriebswirtschaft und war viele Jahre als Unternehmensberater tätig. Nach einigen Jahren in Münster/Westfalen lebt er nun auf der Insel Nordstrand (Schleswig Holstein).
Nygaard Tod am Kanal jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


EINS

Leise drangen deutsche Schlager aus den Lautsprechern, bis eine Männerstimme mit aufgesetzter Fröhlichkeit dazwischenfuhr und verkündete, dass es kurz vor sieben Uhr sei an diesem wunderbaren Morgen und in wenigen Minuten der Norddeutsche Rundfunk seine Hörer mit den neuesten Nachrichten aus aller Welt beglücken werde.

»Komm, Maike, mach ein bisschen zu. Ich verstehe nicht, weshalb du morgens nie in die Hufe kommst.« Renate Hauffe wich, ein Tablett mit Frühstücksgeschirr balancierend, ihrer Tochter aus, die mit müden Schritten ihren Weg von der Küche zum Esstisch im Wohnzimmer kreuzte. »Und du bist auch ‘nen richtiger Morgenmuffel«, warf sie ihrem Mann zu, der am Fenster stand und auf den Burggraben schaute. »Ich begreife nicht, warum ihr beide jeden Morgen so rumtrödeln müsst.«

»Ja – ja«, brummte Wulf Hauffe zurück und starrte weiter aus dem Fenster. Rechts waren durch die Stämme der majestätischen Bäume die Treppengiebel der Häuser zu sehen, die den historischen Marktplatz Friedrichstadts begrenzten. Von Osten her schien die kräftige Morgensonne auf das Ensemble aus weißen Häusern, zwischen das sich ein Gebäude mit einer Klinkerfassade gemogelt hatte. Selbst ein Maler mit ausgereiftem Sinn für Romantik hätte das Farbenspiel nicht besser inszenieren können.

Hauffe liebte die Sicht aus seiner Wohnung am Burggraben, der Gracht, die die Altstadt des Holländerstädtchens teilte. Vom Wohnzimmer in der ersten Etage hatte man einen wunderbaren Ausblick auf den Marktplatz, die Häuser und die Gracht, in deren stillem Wasser sich die steinerne Rundbogenbrücke ebenso wie die großen Bäume spiegelte, die das grüne Uferband säumten. Fast vor dem Haus führte eine hölzerne Fußgängerbrücke über das Wasser, an dessen Ufer kleine Holzstege als Anlegestelle für Kanus und Sportboote dienten.

Die sechzehnjährige Maike war ins Wohnzimmer getreten, hatte sich ein Croissant aus dem Brötchenkorb gegriffen und biss im Stehen in das Backwerk hinein.

»Setz dich hin. Es ist nicht gesund, im Vorbeilaufen zu frühstücken«, mahnte ihre Mutter.

»Ich muss noch meine Haare machen«, antwortete das hochgewachsene schlanke Mädchen. »Sag mal, müssen wir eigentlich immer diesen Gruftisender hören? Das nervt, wenn man schon in aller Frühe diese Töne ins Ohr geblasen bekommt.«

»Papa besteht auf seinen Nachrichten. Herrje noch mal – sieh dir das an. Jetzt hast du das ganze Krümelzeug wieder auf dem Teppich verteilt.«

Maike folgte dem Blick ihrer Mutter, die ärgerlich auf die Krumen des Croissants schaute, die vor Maikes Füßen lagen.

»Nun pass auf, Mädchen, dass du das nicht auch noch breit trittst«, schimpfte Renate Hauffe. »Was ist mit dir, Wulf, brauchst du eine Extraeinladung?«

»Jaja«, antwortete ihr Mann und sah immer noch aus dem Fenster.

»Von dir höre ich immer nur ›Jaja‹. Wollt ihr beide mich verscheißern? Wenn euch das alles nicht passt, könnt ihr euren Mist künftig alleine machen. Ich kann auch später in Ruhe mein Brötchen essen.« Renate Hauffe drehte sich zu ihrer Tochter um. »Was ist nun? Soll ich deinen Dreck auch noch wegwischen?«

Maike winkte lässig ab. »Ich muss los.« Das Mädchen hängte sich einen MP3-Player um den Hals, stöpselte die beiden Ohrhörer ein, griff zu einem Rucksack, der in der Ecke lag, und warf ein »Tschüss« in den Raum.

»Warum gehst du nicht mit deinem Vater zusammen? Schließlich habt ihr den gleichen Weg.«

Maike deutete ihrer Mutter einen gehauchten Kuss an. »Es ist schon blöd genug, dass mein Vater Lehrer an meiner Schule ist. Wie sieht das aus, wenn ich mit meinem Alten zusammen zur Penne trotte?«

»Du sollst deinen Vater nicht immer ›Alter‹ nennen. Das habe ich dir schon oft gesagt.«

Maike verschwand ohne ein weiteres Wort.

Renate trat neben ihren Mann ans Fenster. »Du bist auch nicht besser als deine Tochter.«

Anstelle einer Antwort zeigte Wulf Hauffe zur Gracht hinunter. »Siehst du das?«

»Was?« Sie sah zum Burggraben. Zwischen der kopfsteingepflasterten Straße, in der sie wohnten, und dem Wasser fiel die Böschung leicht ab. Auf dem Gras lag ein kleineres Motorboot, das mit einer Plane abgedeckt war. Außer Maike, die jetzt auf der Straße erschien, sich eine Zigarette anzündete und dann, ohne sich umzublicken, nach links aus dem Sichtfeld verschwand, konnte Renate Hauffe nichts entdecken.

»Da drüben.« Ihr Mann streckte den Arm aus und wies zur Gracht hinunter.

»Ich weiß nicht, was du meinst.« Renate wollte sich umdrehen, aber er hielt sie am Ärmel fest.

»Das Kanu, das halb unter der Holzbrücke liegt.«

»Na und?«

»Mir ist es schon vorhin aufgefallen. Da liegt jemand drin.«

Renate Hauffe kniff die Augen zusammen. »Ich brauche meine Brille«, sagte sie und holte sich die Sehhilfe vom Couchtisch. Angestrengt blinzelte sie durch die Gläser. »Tatsächlich. Ich glaube, du hast recht.«

»Merkwürdig«, stellte Hauffe fest. »Wer legt sich zu dieser Stunde in ein Kanu?«

»Ist doch nicht unser Problem«, entgegnete seine Frau unwirsch und sah auf die Armbanduhr. »Ach, Mensch, jetzt ist es wieder so spät. Du musst los. Jetzt hocke ich allein vor dem ganzen Frühstück. Ich mag nicht mehr.«

Hauffe fuhr sich mit der Hand übers Kinn. »Sieht aus wie ‘ne Frau. Die ist mir schon vor einer Stunde aufgefallen.«

»Was geht mich jemand an, der besoffen in einem Boot schaukelt.« Renate Hauffe drehte sich um und setzte sich an den Tisch.

Auch Hauffe wandte sich vom Fenster ab. Er betrachtete seine Frau. Die dunkel getönten Haare hingen strähnig auf die Schulter. Der Jogginganzug, den sie oft im Haus trug, war ausgebeult und verdeckte nur unzureichend die Polster, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten. Ungeschminkt unterschied sie sich schon seit Langem sehr von der Frau, die er einmal geheiratet hatte. Und auch wenn sie sich zu besonderen Anlässen ausgiebig der Politur ihres Äußeren hingab, war in seinen Augen der Glanz früherer Jahre verblasst.

»Du lässt dich gehn«, sagte er leise und dachte dabei an das Chanson von Charles Aznavour. »Du solltest vielleicht einmal nachsehen, was es mit der Frau auf sich hat«, warf er ihr im Vorbeigehen zu.

Renate Hauffe hatte von einem Brötchen abgebissen. Sie nahm einen Schluck Kaffee und antwortete mit vollem Mund: »Kannst du doch machen, wenn du gehst.«

Er hatte sich eine Jacke übergeworfen und seine abgegriffene Aktenmappe geschnappt. »Ich muss jetzt zur Schule. Dann ruf doch die Polizei, wenn du zu träge bist, nachzuschauen.«

Ohne weiteren Gruß verließ er die Wohnung.

Renate Hauffe griff zur Tageszeitung und blätterte lustlos durch die Seiten. Die Worte ihres Mannes ließen ihr keine Ruhe. Sie stand auf, trat erneut ans Fenster und sah auf den Burggraben hinab. Die Frau lag immer noch reglos im Kanu. Mit einem Seufzer griff sie das Telefon, wählte die Nummer und lauschte einer sonoren Männerstimme, die sich mit »Polizeinotruf« meldete.

»Hauffe, Friedrichstadt. Wir wohnen am Mittelburgwall. Direkt gegenüber dem Marktplatz. Von meinem Fenster aus sehe ich im Burggraben ein Kanu, in dem eine Frau liegt. Glaube ich wenigstens.«

»Ist das direkt vor Ihrer Tür?«

»Ja.«

»Haben Sie einmal nachgesehen, was mit der Person ist?«

»Nein. Das ist doch Ihre Aufgabe.«

»Schön«, sagte der Polizist beim Notruf. »Wir schicken einen Streifenwagen vorbei. Nennen Sie mir bitte Ihren Namen und Ihre Anschrift.«

Eine halbe Stunde später stand auf dem Kopfsteinpflaster des Mittelburgwalls neben zwei Streifenwagen ein Ford-Kombi. Mit diesem Fahrzeug waren drei Beamte der Kriminalpolizei gekommen. Hauptkommissar Christoph Johannes stand am Ufer der Gracht und blickte auf die leblose Frau im grün-weißen Kanu, das im Burggraben vertäut war. Das Boot war so befestigt, dass es zur Hälfte durch die hölzerne Brücke verdeckt wurde, die an dieser Stelle die Straße mit dem Marktplatz am anderen Ufer verband. Der Leiter der Husumer Kriminalpolizeistelle beobachtete seine beiden Kollegen, Oberkommissar Große Jäger und Kommissar Harm Mommsen, die sich vorsichtig dem Fundort der Toten genähert hatten, dabei aber darauf achteten, mögliche Tatortspuren nicht zu verwischen.

»Es sieht aus, als wäre die Frau erdrosselt worden«, sagte Große Jäger und kam ächzend wieder aus der Hocke empor. Er trug ein kariertes Baumwollhemd und eine fleckige Lederweste, die nur unzureichend den Schmerbauch verdeckte, der über der Gürtelschnalle der schmuddeligen Jeans hing. Der dunkle Schimmer des Stoppelbarts und die ungewaschenen Haare mit den ersten grauen Strähnen vervollständigten das Bild eines nicht vollkommen gepflegten Mannes.

»Was hast du sehen können?«, wandte sich Christoph an Harm Mommsen, den jungen Kollegen, der auf der Brücke stand und von oben ins Boot sah. Der Kommissar mit der sportlichen Figur wirkte im Unterschied zum Oberkommissar wie aus dem Ei gepellt. Das blonde Haar lag in leichten Wellen am Kopf an, das Gesicht wies einen gesunden braunen Teint auf.

»Die Füße stecken im Bootskasten am Bug, während die Frau auf dem Boden sitzt. Sie lehnt mit dem Rücken gegen die Sitzbank, und der Oberkörper ist nach vorne gesunken. Von Weitem sieht es aus, als wäre der Kopf auf die Brust gefallen und sie würde schlafen.«

»Anzeichen von Gewalteinwirkungen?«, fragte Christoph.

»Keine zu erkennen«, sagte Große Jäger. »Zumindest nicht von hier aus. Wir müssen die Spurensicherung abwarten.«

Als hätte er mit seinen Worten magische Kräfte ausgelöst, rollte ein Mercedes-Kombi heran, dem...


Hannes Nygaard ist das Pseudonym von Rainer Dissars-Nygaard. Er wurde 1949 in Hamburg geboren und hat sein halbes Leben in Schleswig-Holstein verbracht. Er studierte Betriebswirtschaft und war viele Jahre als Unternehmensberater tätig. Nach einigen Jahren in Münster/Westfalen lebt er nun auf der Insel Nordstrand (Schleswig Holstein).



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.