E-Book, Deutsch, Band 2, 445 Seiten
Reihe: Irische Sommerküsse
O'Brien Ich probier's nochmal mit Liebe - Irische Sommerküsse 2
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96148-861-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 445 Seiten
Reihe: Irische Sommerküsse
ISBN: 978-3-96148-861-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Sarah O'Brien ist das Pseudonym zweier bester Freundinnen aus dem irischen Limerick: der Lehrerin Trisha Rainsford und der PR-Beraterin Helena Close. Von Sarah O'Brien erscheinen bei dotbooks die beiden Romane »Küss mich doch einfach« und »Ich probier's nochmal mit Liebe«, sowie der Sammelband »Verliebt in Irland«, der die beiden Bücher zusammenfasst.
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Kapitel 1
Wenn du nicht nur den dreißig ins Auge siehst, sondern überhaupt immer älter wirst, solltest du mittlerweile beruflich wahnsinnig erfolgreich sein. Du solltest vertraut sein mit Kinderbetten und Kinderhorten, ein inniges Verhältnis haben zu deinem nächstgelegenen Baumarkt und dir dazu gratulieren können, den Mann deiner Träume geangelt zu haben. Das jedenfalls wollen mir meine Mutter und die einschlägigen Frauenzeitschriften weismachen.
Das Einzige, was ich mit achtundzwanzig Jahren geschafft hatte, war die Sache mit dem Älterwerden. Statt der Norm zu entsprechen, jagte ich Psychopathen, und zwar mit Exkriminellen, die auch Exlover waren – nicht gerade die beste Idee, um sich häuslich niederzulassen. Vielleicht sollte ich einfach akzeptieren, dass ich, Ellen Grace, eine schlaksige Immobilienmaklerin aus Limerick, von Arger und Chaos so magisch angezogen wurde wie Frauen meines Alters von Seelenverwandten und Polstermöbeln. Aber Sie würden nie und nimmer glauben, dass am Tag der Hochzeit ...
Ich erwachte aus unruhigem Schlaf und starrte an die weiße Decke des Hotelzimmers, während ich Andrew zuhörte, der am Telefon mit jemandem über die Klimaanlage sprach. Als Bruchstücke seines schlechten Spanisch mein schlaf- und hitzebenebeltes Hirn erreichten, hätte ich bei der Erinnerung an letzte Nacht vor Glück schier aus der Haut fahren können. Der Widerschein des Mondes auf der Meeresoberfläche. Der silbrige, beinahe phosphoreszierende Sandstrand, der unsere Füße umschmeichelte. Das faszinierende Geräusch der Grillen und ... oh mein Gott! ... wie spät war es? Welcher Tag war heute? Donnerstag – genau, Donnerstag. Es war definitiv Donnerstag, und da war doch was mit Donnerstag, oder? Etwas Wichtiges? Oh Gott! Donnerstag war der Tag der Hochzeit.
Ich sprang aus dem Bett, rannte ins Badezimmer und schaffte es schließlich, die Uhrzeit auf meiner Armbanduhr zu entziffern, wieder zu Atem zu kommen und mich zu beruhigen. Sechs Uhr. Das war hervorragend – es sei denn, es war sechs Uhr abends, und wenn es das wäre, wäre es eh zu spät und alle wären auf der Hochzeit, hätten sich fein angezogen und würden auf uns warten ...
»Ellen?«
Ich sah Andrew an.
»Geht es dir gut?«
Ich nickte.
»Bist du sicher?«
»Natürlich bin ich sicher. Wie kommst du darauf, dass es mir nicht gut geht?«
»Nun ja, es könnte etwas damit zu tun haben, wie du eben aus dem Schlafzimmer geschossen kamst.«
Ich gähnte.
»Machst du dir Sorgen wegen der Hochzeit?«, fragte Andrew. »Nein. Mir war nur so heiß geworden im Schlaf, und ich brauchte endlos, um richtig wach zu werden, und ... es ist doch sechs Uhr morgens, ja?«
Andrew nickte.
»Gut. Dann sind es noch elf Stunden bis zur Hochzeit, richtig?«
Andrew nickte wieder.
»Wer war das am Telefon?«, fragte ich.
»Ich habe mit der Rezeption wegen der blöden Klimaanlage telefoniert. Die halbe Nacht habe ich wach gelegen – die Hitze war unerträglich. Sie sagen, sie schicken heute jemanden, der sie repariert.«
»Das haben sie uns gestern auch schon versprochen«, sagte ich, stellte die Dusche an und trat einen Schritt zurück, als sie losspritzte. »Wir sind bestimmt schon wieder zu Hause, bis sie das hingekriegt haben.«
»Vielleicht schaffen sie es ja heute«, meinte Andrew und schlang mir von hinten die Arme um die Taille. »Ist das eine Dusche, die da läuft?«
»Als ich das letzte Mal hingesehen habe, war's jedenfalls noch eine.«
»Ich finde, wir sollten gemeinsam duschen, um Wasser zu sparen.«
Er unterbrach sich, um meinen Nacken zu küssen, und ich stöhnte leise.
»Was meinst du?«, erkundigte er sich und glitt mit seinen Lippen sanft über meinen Nacken. »Bist du nicht schwer beeindruckt von meiner Umweltfreundlichkeit?«
»Also«, erwiderte ich und zog ihn unter die kühle Dusche. »Wie aufrichtig du die Sache mit der Umwelt meinst, weiß ich zwar nicht, aber freundlich bist du auf jeden Fall.«
India hatte bereits gefrühstückt, als wir in den Speisesaal des Hotels kamen. Sie winkte uns, damit wir uns zu ihr an den Tisch setzten. Andrew und ich umkreisten das Büfett in der Mitte des Raums. Wir beluden unsere Teller mit Früchten und Käse und Brot und schenkten uns jeweils Riesengläser Saft ein, bevor wir zu ihr gingen. Sie strahlte übers ganze Gesicht, als wir uns zu ihr gesellten.
»Wo ist Tim?«, fragte Andrew.
»Macht einen Spaziergang«, antwortete India und stibitzte ein Stück Melone von meinem Teller. »Ich konnte mich nicht dazu aufraffen – zu heiß. Ich gehe nachher schwimmen, und das muss ausreichen für mich als sportliche Betätigung.«
»Du betätigst dich auch so schon reichlich«, meinte ich zwischen mehreren Bissen köstlicher kühler Früchte. »Wenn man's recht bedenkt, India, sogar wenn du nichts tust, tust du was.«
Ich beugte mich vor und tätschelte die noch kaum sichtbare Schwellung unter ihrem langen weißen Kleid.
India lehnte sich zurück auf ihrem Stuhl und lächelte mich an. Andrew wischte sich mit der Serviette Saft vom Mund und meinte: »Ich finde es toll von dir, dass du wegen der Hochzeit die weite Reise gemacht hast, obgleich du schwanger bist.«
»Um nichts in der Welt hätte ich die Hochzeit versäumen wollen – ich wäre auf den Mond geflogen, um dabei zu sein!«
Wir lachten. Andrew und ich machten uns wieder über unser Frühstück her, und India streichelte gedankenverloren ihren Bauch. Es war wunderbar, einfach nur schweigend so zusammenzusitzen, nach allem, was wir hinter uns hatten. Einfach etwas so Normales zu tun, wie in diesem spanischen Hotelrestaurant in der Morgensonne zu sitzen, die durch helle Voilegardinen schien, um uns herum ganz normale Leute, die ebenfalls frühstückten, das war schlicht wundervoll.
Kaum zu glauben, dass ich noch vor wenigen Monaten mit turbulenten kriminellen Verwicklungen und Mord zu tun hatte. Genauso schwer war zu glauben, dass ich auch mit Tony Jordan zu tun hatte. Ich verbannte diesen Gedanken auf der Stelle. Vor allem heute wollte ich nicht an Tony Jordan denken. Monatelang hatten mich die Gedanken an ihn verfolgt. Wo er war? Ob es ihm gut ging? Mit wem er zusammen war? Irgendwie war letzterer Gedanke am störendsten. Aber mein Entschluss stand felsenfest: Ich würde keine weiteren Gedanken an Tony Jordan verschwenden. Meine gesamte Aufmerksamkeit würde ich Andrew widmen.
Wie auf Stichwort, als ich Ablenkung gerade am dringendsten gebrauchen konnte, wurde die Speisesaaltür geöffnet, und Ruth und Emerson erschienen. Ruth trug einen kirschroten Sarong, ihr blondes Haar leuchtete in der Sonne in allen möglichen Schattierungen, und ihre Haut glänzte wie Bernstein. Alle Köpfe im Raum drehten sich nach ihr um, um zu beobachten, wie sie auf hohen, blockartigen Holzsandalen zu unserem Tisch wankte.
»Mommy – da ist Kylie Minogue, und sie bekommt ein Baby, sieh nur!«, flüsterte ein pausbäckiges kleines Mädchen deutlich hörbar. Alles lachte, als ihre Mutter schsch machte und uns verlegen zulächelte.
»Schön wär's«, kommentierte Ruth und setzte sich. »Es ist eine Weile her, dass ich aussah wie Kylie.«
Emerson beugte seinen Blondschopf über Ruth und küsste sie auf die Stirn.
»Tausendmal schöner«, versicherte er ihr. Sie lächelte hoch zu ihm.
»Lauf schnell los und hol mir was zu essen, bevor ich umkippe vor Hunger.« Sie hielt inne und zwinkerte ihm zu – »Darling.«
Emerson nickte und verschwand in Richtung Büfett.
»Mann, ich würde ja zu gern rauchen«, meinte Ruth und stieß ihren Stuhl weiter weg vom Tisch, um Platz zu schaffen für ihren dicken runden Bauch.
»Wieso das denn?«, fragte ich. »Du hast doch nie geraucht.«
Ruth seufzte und nickte. »Ich weiß, aber ich komme mir so verdammt tugendhaft vor – kein Alkohol, keinerlei Action und die ganze Nacht durchfeiern, und ... und ...«
»überhaupt«, sprang ich ihr bei.
»Genau. Und überhaupt. Plötzlich bin ich ein Muster an Tugendhaftigkeit und weiß nichts mit mir anzufangen. Also wenn ich wenigstens angefangen hätte zu rauchen –«
»Man soll nicht rauchen, wenn man schwanger ist, Ruth«, mischte India sich ein.
Ruth und ich musterten sie wortlos.
»Tschuldigung«, sagte India. »Ich meine ja bloß.«
»Egal«, fuhr Ruth fort, »es sieht so aus, als hätte ich nicht mal mehr genug Zeit, um mit Rauchen anzufangen, weil es sich so anfühlt, als würde das Baby jede Minute kommen.«
»Nicht heute, Ruthie«, kreischte ich. »Um Himmels willen, nicht heute. Was ist mit der Hochzeit?«
Ruth zuckte die Achseln. »Möglicherweise habe ich keine Wahl.«
»Halte wenigstens durch bis morgen«, beschwor ich sie. »Sonst ruinierst du uns den Tag.«
»Danke für dein aufrichtiges Mitgefühl, Ellen«, sagte Ruth. »Nur noch einen Tag«, bettelte ich. »Ich finde nicht, dass das zu viel verlangt ist. Wenn du eine echte Freundin wärst, würdest du noch einen Tag länger durchhalten, nachdem wir alle wegen der Hochzeit so weit gereist sind.«
»Was ist mit der Hochzeit?«, fragte Emerson, der einen vollen Teller vor Ruth auf den Tisch stellte, die sich mit Heißhunger darauf stürzte.
»Wäre gut möglich, dass ich Wehen bekomme ... und die Hochzeit verpasse«, sagte Ruth undeutlich, den Mund voll mit Nektarine.
Emerson setzte sich auf den freien Stuhl neben sie und legte ihr seinen langen gebräunten Arm beschützend um die Schultern. »Wirklich, Liebling?«
Ruth nickte und schluckte. »Hatte die ganze Nacht diese verdammten Wehen, Schatz. Habe ich dir doch gesagt.«
Emerson lehnte sich zurück auf dem Stuhl....




