O'Connor | Der Blutjäger | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 424 Seiten

Reihe: Underwood und Dexter

O'Connor Der Blutjäger

Thriller - Underwood und Dexter, Band 3 | Zwei Londoner Detectives auf der Jagd nach Serienkillern
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-227-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller - Underwood und Dexter, Band 3 | Zwei Londoner Detectives auf der Jagd nach Serienkillern

E-Book, Deutsch, Band 3, 424 Seiten

Reihe: Underwood und Dexter

ISBN: 978-3-98690-227-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Detectives, die allein gegen das Verbrechen stehen: Der abgründige England-Thriller »Der Blutjäger« von Ed O'Connor jetzt als eBook bei dotbooks. Detective Inspector Alison Dexter ermittelt in Cambridgeshire in einem Fall von illegalen Boxkämpfen, als einer der Männer brutal getötet wird. An seiner Leiche entdeckt Alison seltsame Bissspuren - die von einem Menschen zu stammen scheinen! Schon bald regt sich in ihr der dunkle Verdacht, dass der geflüchtete Täter kein Fremder ist: Vor einigen Jahren war sie in London schon einmal einem Monster in Menschengestalt auf der Spur - die Bilder von seinen Opfern hat sie nie vergessen. Alison ist fest entschlossen, den Killer nun endlich zu stoppen, aber mehr und mehr beschleicht sie das Gefühl, niemandem mehr trauen zu können. Auch nicht ihrem alten Kollegen John Underwood, der immer öfter einfach verschwindet - und ihr doch wie ein Schatten überall hin zu folgen scheint ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Psycho-Thriller »Der Blutjäger« von Ed O'Connor ist der spannungsgeladene Abschluss seiner »Underwood und Dexter«-Reihe. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Ed O'Connor lebt in Hertfordshire, England, und arbeitet als Dozent für Geschichte in St. Albans. Er studierte in Oxford und Cambridge, danach arbeitete er mehrere Jahre in London und New York als Investmentbanker. Bei dotbooks veröffentlichte Ed O'Connor seinen Psychothriller »Der Ritualmörder« sowie seine Underwood-und-Dexter-Reihe mit den Thrillern: »Der Augenräuber« »Der Kopfsammler« »Der Blutjäger« Die ersten beiden Kriminalromane sind auch im Sammelband erhältlich.
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Kapitel 2


Mittwoch, 9. Oktober 2002

Es war ein brutaler Kampf gewesen. Fast dreißig Minuten hatten die beiden Staffordshire-Bullterrier sich knurrend ineinander verbissen. Jetzt war Rampage tot, und die Zuschauer brachen auf. Keith Gwynne kletterte über die behelfsmäßige Holzabsperrung in die Arena, die einen Durchmesser von etwa sechs Metern hatte und durch ein silbernes Klebeband in zwei Hälften geteilt worden war. Damit die Hunde besser Halt fanden, war der Boden mit Teppichboden ausgelegt.

Gwynne kniete sich neben den Körper seines toten Tieres. Zu Beginn hatte Rampage eine erbärmliche Vorstellung hingelegt. Die große Arena und die Schreie des Publikums hatten ihn verunsichert. Nervös und gereizt war er von der Mittellinie zurückgewichen. Einen Moment lang hatte Gwynne gebangt, ob sein neuer Fighter seine Erwartungen überhaupt erfüllte. Aber nachdem ihre Halter den Ring verlassen hatten, waren die beiden Hunde mit ungebremster Wut aufeinander losgegangen. Für Gwynne lag im Hundekampf – von der potenziellen Einkommensquelle einmal abgesehen – etwas Erhabenes. In der sterilen Welt der Supermärkte und Fernseher, Tragetüten und Überwachungskameras vermittelte ihm sein blutiges Hobby das Gefühl, noch lebendig zu sein.

Rampage hatte seine Sache gut gemacht, aber letztlich hatte die körperliche Überlegenheit von Bob Woollards Pitbull den Kampf entschieden. Woollards Hunde waren nicht ohne Grund berühmt: Sie waren besser trainiert und bekamen besseres Futter als die meisten ihrer Konkurrenten. Gwynne hob den schweren Kadaver seines Hundes auf und steckte ihn in einen schwarzen Müllsack.

»Alles in allem hat sich der kleine Bastard wacker geschlagen, was?«, bemerkte Bob Woollard von der anderen Seite der Absperrung. »Zuerst dachte ich, der bepisst sich vor Angst.«

Gwynne verknotete die Tüte und blickte hoch. »Die Lichter ham ihn nervös gemacht. War sein erster Kampf im Ring. Er hat bis jetzt bloß ’n paar kleine Fights hinter sich gebracht, aber nie in ’nem Ring von der Größenordnung.«

»Trotzdem – war ’n wackerer Bursche«, räumte Woollard ein. »Hat’s dem alten Gizmo ordentlich gegeben.« Gizmo war Woollards Lieblingshund – ein Preiskämpfer, und über tausend Pfund wert.

»Wie gewonnen, so zerronnen.« Gwynne versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. »Nehm an, du willst deinen Gewinn kassieren?«

»Bist ’n wahrer Gentleman, Keith.« Woollard kletterte über die hölzerne Absperrung, um seinen Gewinn einzustreichen.

»Vierhundert, korrekt?«

»Korrekt.«

Gwynne zog ein Bündel Banknoten aus seiner Jackentasche und zählte die verlangte Summe ab. »Wenn das so weitergeht, werd ich mir wohl ’n anständigen Job suchen müssen.«

»Na, das wär’s doch mal!« Woollard grinste. »Die Zeiten sind für keinen von uns leicht, Keith. Wie viel Einkommensteuer haben du und deine Kumpels letztes Jahr eigentlich gezahlt, hm? Hab manchmal den Eindruck, als würd ich die gesamte britische Regierung allein finanzieren.«

»Dass ich nich’ lache. Ihr verdammten Farmer sahnt doch kräftig ab«, brummte Gwynne.

»Glaubst du das im Ernst?«

»Klar. Die von der EU bezahlen euch doch heutzutage dafür, dass ihr nix anbaut. Egal, was für ’n genetisch verändertes Unkraut ihr produziert, auszahlen tut sich’s allemal für euch!«

Woollard zuckte mit den Schultern. »Ham sich die Schlauköpfe der EU nun mal so ausgedacht. Aber glaubst du ernsthaft, ich gäb mich mit deinesgleichen ab, wenn ich durch die EU-Agrarpolitik absahnen würd? Ich hab ganz schöne Kosten.«

»Ham wir die nich’ alle?« Gwynne war fertig mit dem Abzählen der Geldscheine und gab Woollard das Bündel in die ausgestreckte Hand. »Immerhin hab ich meinen besten Hund und vier Riesen verloren.«

Woollard musterte Gwynne einen Augenblick. Er verspürte einen unerwarteten Anflug von Sympathie für den Mann. »Das Problem mit euch Zigeunern ist, dass ihr kein System habt.«

»System?«

Woollard steckte sich eine Zigarette an. »Nimm bloß mal den alten Rampage hier. War ’n scharfer kleiner Bastard, als es losging. Hat Courage gezeigt. Der Hund hatte Potenzial.«

»Jetzt nich’ mehr.«

»Weil du ihn nich’ richtig rangenommen hast. Bei dem Kampf heute gab’s einen Moment, wo er’s hätte packen können, aber er hat versagt. Und das is’ deine Schuld, nich’ die des Hundes.«

»Wie meinst ’n das?«

»Wie hast du ihn scharf gemacht?«

»Du meinst, mit welchen Tieren?«

»Yeah.«

»Er hat gegen ’n paar andere Hunde gekämpft.«

»Lass mich raten. Hast ihn auf ’n paar verdammte Pudel oder Cockerspaniels angesetzt. Ich geh jede Wette ein, du hast ihn gegen irgend’n asthmatischen Schoßhund antreten lassen, der so fett war, dass er sich nich’ mal selbst den Arsch ablecken konnte.«

Gywnne wirkte betreten. Woollard lag gar nicht so falsch mit seiner Vermutung. »Was spielt das für ’ne Rolle, wie man sie scharf macht?«

»’n Profiboxer sparrt ja auch nich’ mit ’nem Friseurlehrling. Die trainieren hart. Du musst mit deinem Hund arbeiten. Sein Durchhaltevermögen aufbauen. Ist der einzige Weg, in dem Geschäft Kohle zu machen.«

»Scheint was dran zu sein.«

»Komm mal mit. Lass das Viech hier liegen.« Woollard verließ den Ring und bedeutete Gwynne, ihm zu folgen. Die beiden Männer bahnten sich ihren Weg zwischen den Zechkumpanen – allesamt Woollards Farmarbeiter – hindurch, die dem Kampf zugesehen hatten. Sie verließen die Scheune und gingen über den Stallhof ins Hauptgebäude.

Neben der Treppe im Flur des Hauses stand ein deplatziert wirkender, klobiger Holzschrank. Ein geschmackloses Familienerbstück, wie Gwynne vermutete, doch wie so oft war Woollard wieder mal für eine Überraschung gut. Der Farmer hievte den schweren Schrank beiseite. In der Wandvertäfelung kam eine Tür zum Vorschein. Woollard schloss sie auf und stieg mit Gwynne die Treppe zum Keller hinunter.

»Da wär’n wir, Kumpel.« Der Farmer drehte den Lichtschalter an. »Erstklassige Vorbereitung verhindert ’ne erbärmliche Vorstellung.«

In dem Raum standen fünf Käfige. Zwei beherbergten Staffordshire-Bullterrier, die beiden anderen je einen American Pitbull. Im fünften Käfig war ein mächtiger, bedrohlich wirkender Tosa untergebracht. Die Hunde begannen wütend zu bellen. Gwynne blickte sich in dem Kellerraum um. In einem Regal an der Wand war eine Reihe datierter und mit Ortsangaben beschrifteter Videokassetten untergebracht. Er griff nach einer Kassette mit der Aufschrift GIZMO, ESSEX, JUNI 2002.

»Ich versuch alle Kämpfe aufzuzeichnen«, erklärte Woollard. »Is’ gutes Anschauungsmaterial. Und manchmal kaufen die Leute die Kassetten als Souvenir.«

»Hast du den Kampf heute auch aufgezeichnet?«

»Einer von meinen Jungs hat’s aufgenommen. Wie wär’s mit ’ner Kopie?«

»Nein, danke.« Gwynne trat in die Mitte des Raumes auf ein Trainingsgerät zu. »Is’ das ’ne Tretmühle?«

»Yep. Um die Hunde zu trainieren. Ihr Standvermögen. Steck sie zwei Stunden am Tag da rein. Die Köter werden hart wie Stahl.«

Gwynne schüttelte den Kopf. Ihm dämmerte, dass Woollard recht hatte. Der Mann ging wahrhaftig systematisch vor. Rampage und Gwynnes andere Kandidaten hatten stets unter ihrer Gewichtsklasse trainiert. »Is’ das der Grund für den großen Ring? Weil du weißt, dass deine Tiere mehr Stehvermögen ham?«

»Zum Teil.« Woollard hielt einen Moment inne und überlegte, wie weit er Gwynne ins Vertrauen ziehen sollte. »Allerdings zieh ich da nich’ bloß Hundekämpfe ab.«

»Was meinste denn damit? Sag bloß, du mischst auch beim Bare Knucklei mit?«

»Gelegentlich. Wie wär’s? Lust auf ’ne kleine Herausforderung, Gwynne?«

»Tu mir ’n Gefallen! Ich könnt nich’ mal meine Großmutter k.o. schlagen.«

»Dacht ich mir. Also dann, gehn wir.« Woollard deutete auf die offene Tür. »Und übrigens: Solltest du auf die Idee kommen, irgendjemand zu stecken, was du hier gesehen hast, endest du als Dünger auf meinen Feldern.«

In Gedanken versunken kehrte Gwynne zur Scheune zurück. Er war keineswegs auf den Kopf gefallen und konnte ausgesprochen findig sein – besonders, wenn es um Geld ging.

»Lässt du den Tosa oft antreten?«, erkundigte er sich bei Woollard und dachte dabei an den Kampfhund, den er im Keller gesehen hatte.

»Eher selten. Verdächtige Rasse. American Pitbulls kannst du notfalls als Irish Bullterrier oder so was in der Art durchgehen lassen. ’n Tosa ist zu auffällig. Gibt nich’ viele davon hier in der Gegend.«

»Mit so ’ner Show lässt sich bestimmt kräftig Kohle machen, was?«

Woollard lächelte. »Erzähl mir nich’, dass du ’nen Tosa hast?«

»Nee, aber ich wüsste da jemand. Hat genau so ’nen Tosa wie du. Der Hund ist schon älter, wär aber immer noch gut für ’nen Kampf. Könnte da vielleicht was für dich arrangieren.«

»Aus reiner Gutherzigkeit, nehm ich an.«

»Wohl kaum.«

Woollard runzelte die Stirn. »Weiß nich’ recht. Halte nich’ viel davon, Fremde mit ins Boot zu holen.«

»Und wenn ich die Sache für dich klarmache? Könntest zwei spektakuläre Shows hinternander abziehn. ’n echten Double Headerii

»Vergiss es.«

»Dieser Typ, von dem ich rede … Is’ selbst ’n ehemaliger Fighter. Großer, kräftiger Kerl. Wir könnten die Tosas antreten lassen und vielleicht hinterher noch ’nen Bare Knuckle nachschieben.«

Ein Funken Interesse flackerte in Woollards Blick auf. »Was bringt ’n dieser Kumpel von dir auf die Waage?«

»Hundertfünfzehn Kilo –...



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