O'Connor | Der Kopfsammler | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 425 Seiten

Reihe: Underwood und Dexter

O'Connor Der Kopfsammler

Thriller - Underwood und Dexter, Band 2 | Zwei Londoner Detectives auf der Jagd nach Serienkillern
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-226-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller - Underwood und Dexter, Band 2 | Zwei Londoner Detectives auf der Jagd nach Serienkillern

E-Book, Deutsch, Band 2, 425 Seiten

Reihe: Underwood und Dexter

ISBN: 978-3-98690-226-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Psycho-Thriller mit Gänsehautgarantie - ein Killer, der nicht mehr zu stoppen ist: »Der Kopfsammler« von Ed O'Connor jetzt als eBook bei dotbooks. Mit der Entdeckung einer enthaupteten Leiche beginnt für Detective Alison Dexter ein Fall, der ihr alles abverlangt - und der schon bald weitere Tote in der englischen Kleinstadt New Bolden fordert. Warum wurde den Opfern ein tödliches Pilzgift injiziert - und was hat es mit den seltsamen alten Münzen auf sich, die an den Tatorten gefunden werden? Während Alison unter Hochdruck ermittelt, wird sie gleichzeitig von ihrer eigenen dunklen Vergangenheit eingeholt und auf eine schwere Probe gestellt. Einzig ihr ehemaliger Kollege John Underwood könnte ihr noch helfen - doch er ist auf eine Weise in den neuen Fall verwickelt, von dem Alison nichts ahnt! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der England-Thriller »Der Kopfsammler« von Ed O'Connor ist der zweite Band seiner »Underwood und Dexter«-Reihe, die alle Fans des Serienhits »Luther« fesseln wird. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Ed O'Connor lebt in Hertfordshire, England, und arbeitet als Dozent für Geschichte in St. Albans. Er studierte in Oxford und Cambridge, danach arbeitete er mehrere Jahre in London und New York als Investmentbanker. Bei dotbooks veröffentlichte Ed O'Connor seinen Psychothriller »Der Ritualmörder« sowie seine Underwood-und-Dexter-Reihe mit den Thrillern: »Der Augenräuber« »Der Kopfsammler« »Der Blutjäger« Die ersten beiden Kriminalromane sind auch im Sammelband erhältlich.
O'Connor Der Kopfsammler jetzt bestellen!

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Kapitel 2


Sommer 2001, Canary Wharf

Die Uhr tickte.

Crouch hatte allmählich genug. Für jeden kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem das Maß voll war – und Crouch war kein Schwachkopf. Er hatte wirklich alles versucht: Mit Leib und Seele hatte er den Geliebten und besten Freund gespielt, von dem in Liz’ Zeitschriften immer die Rede war. Aber es hatte nicht funktioniert. Gar nichts hatte funktioniert. Langsam aber sicher entglitt sie ihm, und nur allzu gern hätte er gewusst, warum.

Er war durchaus realistisch. Er konnte die gähnende Langeweile seiner Arbeit in der Abteilung »Eurobond Settlement« bei Fogle & Moore ertragen. Er konnte auch die leise Geringschätzung von Liz’ großmäuligen Freunden aus der Trading-Abteilung ertragen. Sogar die allmähliche Abkühlung ihres Sexuallebens und die Probleme mit dem Selbstwertgefühl, die Liz seit neuestem unerwartet an den Tag legte, konnte er akzeptieren. Doch er war nicht bereit, sich reinlegen zu lassen. Allmählich roch Liz’ Verhalten nach Betrug.

In sechs Wochen waren sie ein Jahr zusammen. Zwölf Monate, seit er Liz auf einer Betriebsfeier abgeschleppt hatte. Die Wertpapierabteilung hatte sich geschlossen nach Sandown Park aufgemacht, um gemeinsam auf Pferde zu wetten und Champagner zu trinken. Die Wertpapierhändler von Fogle & Moore waren im gesamten Markt für ihre alkoholischen Exzesse berüchtigt. Einzelne Unterabteilungen hatten je einen Kandidaten für die Kotzmeisterschaften nominiert: Zu trinken waren ein Pint reiner Wodka und anschließend ein Pint Lagerbier, Auge in Auge und auf Zeit. Im Finale hatte Pfund Sterling den Euro-Vertreter knapp geschlagen. Die Händler, die verloren hatten, durften jeder den Gewinnern einen Riesen zahlen. Die Abteilung »Eurobond Settlement« war gar nicht erst zur Teilnahme geladen worden – sie zählte nicht.

Liz Koplinsky hatte ein hübsches Kleid mit Blumenmuster getragen. Im Gemetzel des Wettbewerbs wirkte sie wie eine Blüte in der Wüste. Crouch erinnerte sich gern daran. Er hatte die Waffen gewetzt: Zwar spielte er absolut nicht in ihrer Liga, doch er war kampferprobt.

Sie hatte dem Trinkwettstreit zugesehen. Den Chef von Euro-Sales, Pieter Richter, hatte man zur Toilette tragen müssen; sein Boss-Anzug war mit Erbrochenem besudelt. Alles lachte, alles war betrunken. Liz stand am Rand – das war Crouchs Chance. Er sah sie an.

»Wollen Sie nicht mitmachen?«

Sie lächelte ihn strahlend an. »Um Himmels willen, nein. Mir wird ja schon von Kaffee schwindelig.«

Er lachte darüber, wie sie das Wort Kaffee aussprach.

»Machen Sie sich etwa über meinen Akzent lustig?«

»Nein, ganz im Gegenteil. Klingt gut. New York, nicht wahr?«

»Richtig.«

»Wo?«

»Also, das ist eine große Stadt jenseits des Atlantiks. Das Land heißt Amerika.«

Ihre kleine Spitze kratzte an seinem Ego. Doch er gab noch nicht auf. »Wo in New York, meinte ich natürlich.«

»Ich weiß, was Sie meinten. Ich wollte Sie nur auf den Arm nehmen. Ich stamme aus Queens und finde den Akzent ziemlich blöd.«

Langsam entspannte sich Crouch. »Ich mag den Akzent. Ich habe eine Zeit lang in New York gelebt.«

»Tatsächlich? Im Auftrag von Fogle & Moore?«

»Ich habe dort eine Schulung absolviert.«

»Den Kramer-Kursus?«

»Genau. Schwerpunkt ›Börsentransaktionen‹.«

»Ach ja. Ich hatte vor zwei Jahren ›Börsenhandel‹ belegt.«

Darüber war Crouch längst informiert. Liz Koplinsky galt in der Handelsabteilung schon fast als Legende. Ein Mädchen aus Queens, das aus der Arbeiterklasse stammte, bei Fogle & Moore als Sekretärin angefangen und sich bis in die Abteilung für den Handel mit Industrieobligationen hochgearbeitet hatte.

»Hören Sie mal«, sagte sie und berührte seinen Arm. Für den Bruchteil einer Sekunde roch er ihren Champagneratem. »Ich habe keinen Schimmer von Pferden. Würden Sie mir helfen, ein bisschen was zu gewinnen?«

Crouch erinnerte sich, eine Woge der Erleichterung verspürt zu haben. »Aber gern.«

Während der nächsten beiden Stunden verloren sie ungefähr dreihundert Pfund und tranken jede Menge Bollinger. Liz machte sich nicht ein einziges Mal über seinen nasalen Essex-Dialekt lustig. Die meisten englischen Mädchen mochten seine Stimme nicht, aber Liz behauptete, sie nett zu finden. Sie hatte gelacht, als er sie »drollig« nannte. Daraufhin fand er den Mut, sie mit dem Londoner Cockney vertraut zu machen. Bei ihren meist vergeblichen Bemühungen bogen sie sich vor Lachen.

»Koplinsky«, sagte Crouch und schüttelte in gespielter Verzweiflung den Kopf, »Sie sind ein aussichtsloser Fall, aber eine echte Herzensbrecherin.«

Da hatte sie ihm tief in die Augen geblickt, ihn mit ihren schwarzen Pupillen eingefangen. In dem Moment war irgendetwas in seinem Herzen explodiert. »Crouchie, wir sollten öfter mal was miteinander unternehmen«, hatte sie gesagt.

Und das hatten sie getan. Es folgten acht Monate trunkener Übermut und wunderbar wilder Sex. Crouch war noch nie verliebt gewesen – schon bei der Vorstellung war ihm regelmäßig schlecht geworden. Doch jetzt spürte er, wie er immer tiefer hineinrutschte und allmählich die Kontrolle verlor, als ob er am Steuer seines Lebens eingeschlafen wäre. Und dann, als er sich gerade daran gewöhnt hatte, sie zu lieben, hörte es mit dem Sex auf.

Nicht von einem Tag auf den anderen – er verflüchtigte sich langsam und kläglich. In sechs Wochen lag ihre erste gemeinsame Nacht ein Jahr zurück. Crouch rechnete nach. Es war drei Monate her, seit sie das letzte Mal miteinander geschlafen hatten. Drei Wochen, seit sie ihn unaufgefordert geküsst hatte. Sie lud ihn nicht mehr in ihre Wohnung ein, sondern verschanzte sich hinter Ausreden wie Erschöpfung und Überanstrengung.

Ein lächerlicher Vorwand. Crouch verbrachte endlose Stunden damit, bei Fogle & Moore per Computer Börsengeschäfte unter Dach und Fach zu bringen. Harte Arbeit weckte in ihm den Wunsch nach mehr Sex, nicht weniger. Doch dann fiel ihm ein, dass Liz direkt mit den Kunden arbeitete. Ihr Job war eindeutig schwieriger. Die Händler standen ständig unter Druck: Die Kunden trampelten auf ihren Nerven herum, Max Fallon und Danny Planck schnauzten sie an oder machten ihnen von ihren Chefsesseln aus Vorschriften, der Markt konnte ihre Auftragsbücher binnen Sekunden zum Überlaufen bringen oder ihnen in null Komma nichts rote Zahlen bescheren. Crouch beschloss, Liz noch ein wenig Zeit zu lassen.

Ihre Beziehung spielte sich schon seit einiger Zeit nur noch per E-Mail oder SMS ab. Liz hatte angefangen, abends länger im Büro zu bleiben. Crouch machte jeden Tag um sechs Uhr Feierabend. In dieser Hinsicht war er altmodisch: Er arbeitete den ganzen Tag hart, doch um sechs musste Schluss sein. Sollten die Investment-Banker und Anwälte doch ruhig bis nach Mitternacht in ihren Büros herumsitzen. Er hatte damit nichts am Hut und für fünfunddreißigtausend Riesen im Jahr auch keine Lust, sich zu überanstrengen.

Inzwischen allerdings war ihm jeder Vorwand recht, um abends länger bleiben zu können. Er erfand Arbeit, damit er auch noch nach sechs im Büro bleiben und drauf warten konnte, dass Liz ihr Tagwerk beendete. Crouch wollte unbedingt herausfinden, was da vor sich ging. Zwar war ihm längst bewusst, dass Liz ihn eiskalt abservierte, aber er wollte wissen, warum. Vor ein paar Wochen noch hatten sie darüber gesprochen zusammenzuziehen – sie hatte ihm sogar den Schlüssel zu ihrer Wohnung in Wapping überlassen. Und jetzt das.

Der Schlüssel zu ihrer Wohnung in Wapping.

Sie mauerte. Die Mädchen damals in seiner Schule in Romford hatten es »pilzen« genannt. Wenn sie sich über etwas geärgert hatten, ließen sie die Haare über ihr Gesicht fallen, um ihre Gefühle zu verbergen. Jedes Mal, wenn Crouch versuchte, Liz wegen ihrer Beziehungsprobleme zur Rede zu stellen, hatte sie »gepilzt«: Hinter einem Schleier kastanienbrauner Haare hatte sie etwas von Überarbeitung gemurmelt. Als er sie am Telefon nach dem Dahinschwinden ihres Sexuallebens fragte, erklärte sie, Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl zu haben.

Was zum Teufel sollte das?

Crouch war frustriert und wütend. Er ertappte sich dabei, erneut den schlechten Angewohnheiten zu frönen, die er mit zwanzig abgelegt zu haben glaubte: Er trank, ging in Nachtclubs und nahm Drogen. Nach zwei Jahren Abstinenz fing er wieder an zu koksen und hatte sogar die eine oder andere Ecstasy-Pille eingeworfen. Sein alter Schulfreund Chris Aldridge, genannt Aldo, hatte sie ihm besorgt. Aldo dealte ein bisschen für den Hausgebrauch. Crouch stellte keine überflüssigen Fragen, denn Aldo sprach nicht gern über Geschäfte, half Freunden aber bereitwillig mit seinen Pillen aus. In dieser Woche hatten sie in einer gut besuchten Bar in Holborn zusammengesessen, und Aldo hatte sein Urteil über Liz Koplinsky gefällt.

»Lass die Finger von ihr. Ganz offensichtlich bumst sie längst einen anderen.«

Bei dem Gedanken wurde Crouch schlecht. »So eine ist sie nicht.«

»Verdammt noch mal, Simon! Was ist bloß mit dir los? Alle sind so. Du und ich auch. So etwas passiert ständig!«

»Sie hockt doch ununterbrochen im Büro. Da liegt das Problem. Außerdem sagt sie, sie hätte Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl oder so einem Scheiß.«

»Junge, das behaupten sie alle.« Aldo stieß eine Wolke Zigarettenrauch aus. »Du kannst mir ruhig glauben. Sie wird irgendwo anders verwöhnt. Und wenn sie Probleme mit dem Selbstwertgefühl vorschützt, dann liegt es daran, dass sie sich dir gegenüber schuldig fühlt, weil sie ihren Spaß hat.«

Aldos Worte gefielen Crouch ganz und gar nicht. Sie klangen so entsetzlich...



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