E-Book, Deutsch, 193 Seiten
O'Kelly Dianas Traum
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7347-7510-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 193 Seiten
ISBN: 978-3-7347-7510-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Maureen O'Kelly (bürgerlicher Name: Brigitte Welcker) Autorin, Schauspielerin, Sängerin, Werkübersetzerin, u.v.m. Aber auch Leiterin und Mitarbeiterin im künstlerischen Betriebsbüro von Theatern in mehreren Ländern. Vielsprachig: DE, HU, FR, GB Gründerin und Obfrau des gemeinnützigen Vereins KUNST-OHNE-BARRIEREN ZVR: 824472000. Seit 2010 wegen eines Rückenmarkinfarktes querschnittgelähmt. Lebt seit 2011 in Österreich.
Autoren/Hrsg.
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IMPRESSUM
© 2023 Maureen O’Kelly
Alle Rechte vorbehalten
ISBN: 978-3-7347-7510-9
Herstellung und Verlag: BoD - Books on Demand, Norderstedt
DIANA
Die schmale Gestalt bewegte sich tief gebückt und leichten, vorsichtigen Schrittes durch das dichte Unterholz. Kein Ast zeichnete eine auch noch so leichte Bewegung und selbst die Luft schien momentan erstarrt zu sein. Plötzlich hielt die Gestalt ruckartig inne: vor ihr zeigte sich eine winzige, mit einem ungeübten Auge kaum wahrnehmbare Öffnung im dichten Gestrüpp. Die Gestalt spähte mit scharfem Blick hinaus auf die kleine Lichtung, die sich vor ihrem Auge öffnete und gewahrte den starken Rehbock, der ruhig äsend im Licht der Sonne vor ihr stand. Mit unendlicher Vorsicht, ohne den geringsten Laut, entsicherte die Gestalt das Gewehr, welches sie schon seit geraumer Zeit in den Händen hielt und schaute durch das Zielfernrohr. Kein Laut drang zu dem Tier hinüber, als es nun im Fadenkreuz erschien. Und doch hielt es für einen winzigen Augenblick mit dem Äsen inne und hob den Kopf, als habe es die lauernde Gefahr erahnt. Plötzlich ein leiser Knall, der Bock sprang hoch flüchtend auf, nicht wissend, dass er eigentlich schon tot war, machte noch zwei torkelnde Schritte und brach dann im Feuer zusammen. Die Gestalt im Unterholz wartete reglos und mit angehaltenem Atem noch einige Augenblicke, dann schob sie sich, ohne Rücksicht auf ihre Kleider zu nehmen, durch die spitzen Dornen der Brombeerenhecke und schritt forsch zu ihrer Beute. Als sie sich überzeugt hatte, dass der Bock tot war, brach sie einen kleinen Zweig von einem niedrig hängenden Ast ab, schob einen Teil davon dem Bock zwischen die Äser, einen anderen Teil tauchte sie in den Schweiß, welcher langsam aus der nicht allzu großen Wunde sickerte und steckte es sich an den sichtbar von Wind, Wetter, Sonnenschein und langem Tragen sehr mitgenommenen Hut, an welchem schon einige Federn von verschiedenen Vögeln steckten. Plötzlich hörte man eilig näherkommende Schritte im Unterholz: eine andere, hohe Gestalt in grüner Kleidung trat offen und ohne Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen auf die Lichtung und ging direkt auf die erste Gestalt zu.
"Weidmanns Heil, Diana!" sagte die zweite Gestalt zu der ersten und diese erwiderte lächelnd mit angenehmer Stimme:
"Weidmanns Dank, Roger!" Dann machten sich die beiden Jäger daran, den Bock fachgerecht aufzubrechen und für den Transport vorzubereiten. Für die junge Jägerin, die von ihrem Gefährten Diana genannt wurde, war es das erste edle Wild, welches sie erlegen konnte, bisher hatte ihre Beute lediglich aus Hasen, Fasanen, Rebhühnern, Enten oder Wildkaninchen bestanden.
Diana Erdei hatte vor einigen zwanzig Jahren in der Weite der ungarischen Puszta das Licht der Welt erblickt. Ihr Vater, ein begeisterter Jäger, hatte ihr sowohl den Respekt vor der Natur als auch die Liebe zur Jagd vermittelt. So wuchs das junge Mädchen glücklich und unbesorgt unter Pferden, Falken und Jagdhunden heran. Bis zu jenem schrecklichen Tag, als ihr Vater von einem Jagdausflug mit Freunden in den Karpaten nicht mehr zurückkehrte. Den "bedauerlichen Jagdunfall" konnte die Witwe, Dianas Mutter, nicht vergessen, sie verließ das Land an der Seite eines ausländischen
Freundes ihres Mannes, der diesen an dem schrecklichen Tag begleitet hatte, die kleine Tochter, die gerade erst ihren zwölften Geburtstag gefeiert hatte, nahmen sie mit. Auf Wunsch des Stiefvaters, mit dem sie sich nie sonderlich gut verstanden hatte, wuchs Diana in einem Internat auf, welches zwar zu den besten des Landes gehörte, ihr aber wie ein Gefängnis vorkam. Später, nach Abschluss der Schule, fand sie Arbeit als Übersetzerin, ein Beruf, der ihr genügend Freizeit ließ, ihren Hobbys zu frönen. Sie kaufte mit ihrem väterlichen Erbe und einem geringen Zuschuss ihrer Mutter einen kleinen Bauernhof, weit entfernt von der Stadt wo sich die Mutter mit ihrem zweiten Mann niedergelassen hatte und umgab sich dort mit ihren Tieren. Edle Pferde, Jagdhunde, Frettchen und Beizfalken lebten hier miteinander, aneinander gewöhnt durch die liebevollen Bemühungen der jungen Frau.
Seit einiger Zeit nun begleitete sie auf ihren Unternehmungen ein junger Mann, Roger Dupont, ein ebenso passionierter Jäger wie Diana, der sich mit der Zeit mehr erhoffte als nur ihre Freundschaft. Diana jedoch schien seine Avancen zu ignorieren, lebte sie doch teilweise mehr in einer Traumwelt, die sie um sich herum aufgebaut hatte, als in der Wirklichkeit.
"Komm, ich helfe dir, den Bock zum Wagen zu bringen," meinte Roger und wollte das Wild hochnehmen, doch Diana ließ ihn mit einer anmutigen Bewegung innehalten.
"Vielen Dank, Roger, aber das ist mein erstes Stück Hochwild, ich möchte meinen Triumph voll auskosten, werde es also selbst zum Wagen bringen."
"Wie du meinst," schüttelte der junge Mann achselzuckend den Kopf. "Er wird dir aber ziemlich schwer werden, denn die Kutsche steht in einiger Entfernung."
"Keine Bange, das schaffe ich schon, ich bin ziemlich austrainiert, weißt du."
wies ihn Diana zurecht. Sie band nun die Füße des Tieres zusammen und hängte sich die Beute über die Schulter. Dass sie dabei ihre schöne, lederne Jagdweste beschmutzte, schien ihr nichts auszumachen, ebenso wenig, dass ihre Hände, obwohl sie sie an einigen großen Blättern und im feuchten Gras notdürftig gereinigt hatte, mit Blut bedeckt waren und auch nicht gerade nach Lavendelwasser rochen. Roger konnte es immer noch nicht ganz verstehen, warum diese zierliche junge Frau mit den dunklen, fast schwarzen Haaren, die ihr normalerweise in langen Locken über die Schulter bis weit auf den Rücken hinabfielen, heute jedoch zu einem Knoten im Nacken geschlungen waren und nur einzelne kleine Strähnen unter dem grünen Hut mit weiter Krempe hervorlugten, so anders war als die jungen Frauen, die er bisher kennengelernt hatte. Gewiss, Dianas Schönheit bestand nicht nur in ihren Haaren, sie besaß einen perfekten Körperbau, schmal, aber doch muskulös, ihr ausdrucksvolles Gesicht wurde beherrscht von einem Paar dunkler Augen unter dichten, schön geschwungenen Brauen, die je nach Lichteinfall manchmal sogar lila schimmerten und ebenso sanft blicken, wie auch vor Wut Funken werfen konnten. Die kleine Nase hatte fast etwas aristokratisches an sich, ebenso die schöngeformten Ohren. Ihr Mund war breit mit
vollen, roten Lippen, die gerne lachten, sich aber auch zu einem schmalen Strich zusammenziehen konnten, wenn Diana ärgerlich war. Ihre Haut war von einem matten Braun, was ihr zu Zeiten einen zigeunerhaften Anstrich gab, wer weiß, vielleicht hatte ja vor Generationen eine Bohemienne den Kopf eines ihrer Vorfahren verdreht.
Roger Dupont schritt eiligen Fußes der jungen Frau nach, die scheinbar mühelos das schwere Stück Wild über den unebenen Boden den langen Weg bis zur Kutsche trug.
"Ich mag keine Autos hier im Wald!" hatte sie immer wieder gesagt und deshalb ihre beiden Reitpferde Orestes und Apollo auch zu Kutschpferden ausgebildet. Brav warteten die beiden Rappen nun vor dem leichten Gefährt, bis ihre Führerin wieder erschien. Diana sah sich mehr als Kamerad, denn als Herrin ihrer Tiere, was diese ihr mit unverbrüchlicher Treue und tiefem Vertrauen dankten. Am Wagen angelangt, warf sie den Körper des Bockes mit einem gekonnten Schwung ihrer Schulter auf den dafür am hinteren Teil der Kutsche angebrachten Rost und wartete auf Roger, der soeben unter den Bäumen hervorkam.
"Du hast es ja ganz schön eilig, mit deiner Beute nach Hause zu kommen," rief er schmunzelnd, als er sah, dass seine Gefährtin schon auf dem Kutschbock Platz genommen hatte.
"Steig lieber auf, deine Reden kannst du auch von hier aus schwingen," lächelte Diana und gab den beiden Pferden das Zeichen zur Abfahrt. Roger schwang sich geschmeidig auf den Sitz neben der jungen Frau, dann ging es im munteren Trab zum Hof.
"Ich habe mit Monsieur Maurice gesprochen," meine Roger während sie über den holperigen Waldweg rollten, "er will dich einladen, an seinem mittelalterlichen Fest mit deinem Pferd und den Falken teilzunehmen, auch deinen Hund könntest du mitbringen, wenn du willst, hat er gemeint." Diana schaute ihren Gefährten an.
"Und warum will er mich jetzt so unverhofft einladen? Als ich ihm letztes Jahr geschrieben habe, dass mich sein Fest interessiert, hat er mich keiner Antwort gewürdigt, dein Monsieur Maurice!" Sie war noch immer verärgert über die Haltung des Organisators der mittelalterlichen Festspiele, war sie doch eine begeisterte Anhängerin jedweden Kostümfestes und stand sie jederzeit bereit, mit ihren Tieren daran teilzunehmen. Dass gerade der Verantwortliche eines der größten Feste dieser Art in ihrer Region sie mit Nichtachtung strafte, war ihr ein Dorn im Auge.
"Ich glaube, er hat dich auf dem Karnevalsumzug gesehen und seine Mitarbeiter haben von dem lebenden Bild geschwärmt, welches du auf dem Tag des Pferdes letztes Jahr zur Schau gestellt hast. Das muss ihn überzeugt haben." Diana wollte schon schmollend abweisen, doch bot ihr die Aussicht auf Teilnahme an einem der größten
Ritterfestspiele der Gegend Aussicht auf die Verwirklichung eines ihrer Träume und so verzog sie nur missbilligend das Gesicht.
"Nun gut, ich werde kommen, will aber noch eine persönliche...




