E-Book, Deutsch, Band 4, 169 Seiten
Reihe: Steiner-Krimi
Olden Böses Netz
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944124-37-7
Verlag: mainebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Steiners vierter Fall
E-Book, Deutsch, Band 4, 169 Seiten
Reihe: Steiner-Krimi
ISBN: 978-3-944124-37-7
Verlag: mainebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbauchtors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der 'Frankfurter Neuen Presse'. Ebenso ist er als Moderator des Senders 'Radio Fortuna' sowie als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller 'Frankfurt Ripper'. Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher 'Mach mich ganz', 'Wer hat den Wald gebaut?' und 'Wo ist der Tannenbaum?'
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
6
Freitag, 5. September 2014, 12 Uhr
Sie lag auf einem Feldweg im Schwanheimer Wald, hinter der Abfahrt zur Unterschweinstiege, in der Nähe des Steigenberger Airport Hotels. Ihr Kopf sah aus wie mit Teer überzogen. Schwarz und klebrig. Das Feuer hatte von ihrem Haar und den Augenbrauen nichts übrig gelassen. Die Augen waren nur mehr Schlitze unter aufgedunsenen, mit Blasen übersäten Lidern. Die Lippen glichen altem, rissigem Leder. Die Nase ließ sich kaum erkennen. Sie schien sich in das Innere des Schädels zurückgezogen zu haben und dabei mit den Wangenknochen verschmolzen zu sein. Die schweren Brandwunden bedeckten ihren Körper bis über die Brüste, die als schwarzrote Schläuche von ihrem verwelkten Fleisch herunterhingen. Unterhalb des Bauchnabels war die Haut nahezu unversehrt. Fetzen eines Minikleids umgürtelten ihre Hüfte. Sie trug kein Höschen. Zwischen ihren nackten, gespreizten Oberschenkeln glänzte ein rasierter Venushügel. Ihre Vagina wies auf den ersten Blick keine starken Verletzungen oder Verstümmelungen auf.
„Wieder `ne Gegrillte!“ Bernd Steiner zündete eine Zigarette an. Rauch stieg auf. Er hielt die Kippe dicht an seine breite Nase, damit der Nikotingeruch den penetranten Gestank des verbrannten Fleischs überdeckte. „Schon die dritte.“
„Exakt“, antwortete Johannes Rösner. Der junge Kommissar zog einen Notizblock aus der Innentasche seines schwarzen Anzugs und begann darin zu blättern. „Im April gab es das erste Opfer. Ich kann Ihnen das genaue Datum nennen, wenn Sie...“
„Lass stecken“, brummte Steiner. Nachdenklich strich er über seinen dichten Schnauzbart. Angefangen hatte es mit Mariana, der Prostituierten aus Rumänien, die für Ramsan Bubka anschaffen ging und sich mit den Satudarah-Rockern herumtrieb. Ihre Überreste wurden im Biegwald gefunden, in der Nähe einer Kleingartensiedlung. Opfer Nummer zwei war Lavinia Daubner, die Frau eines Buchhalters aus Höchst. Vor knapp drei Monaten entdeckten Jogger ihre Leiche im Grüneburgpark, verkrustet wie ein Steak, das stundenlang auf einem Holzkohlengrill gelegen hatte.
„Hat jemand was gesehen?“, fragte Steiner.
Rösner wies mit einer feingliedrigen Hand auf die Einfahrt einer Tankstelle, wenige hundert Meter entfernt. „Ein Mitarbeiter bemerkte gegen Mitternacht den Schein von Flammen. Er dachte sich aber nichts dabei, weil des Öfteren Jugendliche im Wald campieren und illegalerweise ein Lagerfeuer anzünden. Nach einem Moment sei das Feuer wieder ausgegangen. Ansonsten hat er nichts gesehen und nichts gehört. Gefunden wurde die Frau heute Früh von einem Radfahrer.“
Steiner sah kurz zu einem Mann mittleren Alters in Biker-Kleidung. Den Helm mit beiden Händen umschlungen lehnte er kreidebleich an einem Baum. Zwei uniformierte Schutzpolizisten redeten auf ihn ein.
„Möchten Sie mit ihm sprechen?“, quäkte Rösner. Sein Klang erinnerte Steiner an einen kastrierten Frosch.
Er nuschelte „Kein Bedarf“, bevor er die beiden Beamten des Erkennungsdienstes ansprach. Sie knieten in weißen Schutzanzügen neben der Toten, schossen Fotos und nahmen Abstriche jener Hautstellen, die nicht bis zur Unkenntlichkeit verkohlt waren. „Was habt ihr denn zu meiner Erheiterung beizutragen? Irgendwelche tiefschürfenden Erkenntnisse?“
Einer der Spurensicherer blickte zu Steiner auf und grinste schief. „Nur wenn du uns höflich bittest!“
„Komm, du kennst mich doch. Ich hab keine Zeit für Höflichkeit. Also, was habt ihr?“
„Ist seit zehn bis elf Stunden tot, grob geschätzt. Muss heute Nacht passiert sein. Aber ich leg meine Hand nicht dafür ins Feuer“, sagte der Experte, augenzwinkernd auf die verkrustete Frauenleiche schielend.
„Sehr witzig. Noch was?“
„Der Fundort ist auch der Tatort. Dort hinten im Gebüsch ist jede Menge Blut. Sie hat Einstiche im unteren Rücken und in der Brust, soweit man das erkennen kann. Der Täter hat sie abgestochen, ein Stück über den Boden geschleift und angezündet.“
Steiner nickte. „Genau wie bei den andern beiden.“
Kommissar Rösner rückte seine rahmenlose Designer-Brille zurecht und räusperte sich, als sei er ein Dozent, der kurz davor stand, seinen Studenten etwas Bedeutsames mitzuteilen. „Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um einen Serientäter handelt.“
Ein leises Lachen kam aus Steiners Kehle. „Jo-Jo, du klingst wie ein Bulle aus einem Hollywood-Film.“
„Erscheint Ihnen der Gedanke an einen Serientäter etwa abwegig? Als sie noch in München waren, habe ich mit Ihrem Vorgänger Manfred Gärtner den Fall des Frankfurt Rippers bearbeitet. Ich verfüge also über gewisse Erfahrung auf diesem Gebiet.“
„Ich weiß, ich hab von der Geschichte gehört“, sagte Steiner. „Abwegig ist deine Idee nicht. Alles ist möglich. Aber...“
...
„...aber ich denke eher, dass wir es mit durchgeknallten Zuhältern zu tun haben, die ihre launischen Pferdchen loswerden wollen“, vollendete Steiner den Satz. „Ich tippe auf Anis Yussuf und seine Satudarah-Gang. Die hatte ich schon mal im Verdacht.“ Er zog langsam an seiner Zigarette. „Die Nummer mit dem Feuer passt zu den Rockern. Ein kleines Rauch-Opfer für den Gott Mammon. Sie haben die Mädchen für sich schuften lassen und bis auf den letzten Cent ausgepresst. Als sie nichts mehr eingebracht haben und lästig wurden, sind sie auf dem Müll gelandet. Das ist modernes Management“, meinte Steiner höhnisch.
„Woher wollen Sie wissen, dass diese Frau eine Prostituierte war?“, fragte Rösner.
Steiner deutete mit der Zigarette auf ihre Schenkel. „Guck dir mal den braunen Anstrich an. So was kriegst du nicht vom Solarium. Das ist eine Ausländerin. Außerdem...“
„Sie meinen, sie hatte einen Migrationshintergrund“, fiel ihm Rösner ins Wort.
Steiner musterte ihn. Sein gelbliches Gesicht, die pechschwarzen Haare, korrekt getrimmt wie ein englischer Rasen, die mandelförmigen Augen. „Früher auf dem Schulhof haben wir dazu Kanaken-Kind gesagt. Aber ja ... heute heißt es wohl politisch korrekt: Frau mit Migrationshintergrund. Danke, Jo-Jo. Ich vergesse immer, dass du selbst auch einer von der Sorte bist. Woher kommen deine Eltern noch mal? Thailand?“
„Vietnam“, antwortete Rösner und zupfte am Knoten seiner Krawatte. „Und die Vermutung, dass diese Frau eine Migrantin war, beweist noch nicht...“
„Achtzig Prozent der Nutten in Frankfurt kommen aus dem Ausland. Ich wette, dass die auch dazugehörte“, unterbrach Steiner.
„Weshalb? Möchten Sie nahelegen, dass Migrantinnen von Natur aus einen Hang haben, sich in Deutschland zu prostituieren? Sollte das der Fall sein, möchte ich Sie darüber aufklären, dass diesen Frauen aufgrund wirtschaftlicher Not häufig nichts anderes übrig bleibt, als ihre Körper zu verkaufen.“
„Gibt ja wohl genug andere Jobs, oder?“
„Das mag für diejenigen gelten, die keine Probleme mit der deutschen Sprache haben. Migranten mit Sprachschwierigkeiten sind auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hierzulande extrem benachteiligt.“
„Wie wär`s mit Deutsch lernen?“, schlug Steiner vor.
„Die Benachteiligung und Ausgrenzung findet schon in der Schule statt, wo Kinder mit Sprachschwierigkeiten zu wenig gefördert werden. Sie fallen durch das Raster unseres Leistungssystems.“
„Willst du mir jetzt einen Vortrag halten über verfehlte Bildungspolitik oder klären wir einen Mord im Milieu?“ Ärgerlich warf Bernd Steiner seine Kippe weg. .
„Schau dir mal lieber die pinkfarbene Kreidezeichnung da hinten an! Auf dem Asphalt hinter der Kurve!“
Johannes Rösner verrenkte den Hals.
Steiner zündete eine weitere Zigarette an und sagte: „Für die Blinden unter uns: Da ist ein Schwanz aufgemalt! Oh, Verzeihung. Politisch korrekt muss es natürlich Penis heißen.“ Er grinste. „Das ist ein Wegweiser für die Freier. Damit sie wissen, wo die Huren...




