E-Book, Deutsch, Band 1, 225 Seiten
Reihe: Steiner-Krimi
Olden Gekreuzigt
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-944124-19-3
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Krimi
E-Book, Deutsch, Band 1, 225 Seiten
Reihe: Steiner-Krimi
ISBN: 978-3-944124-19-3
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbuchautors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der 'Frankfurter Neuen Presse'. Ebenso ist er als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Bei mainbook ist Martin Oldens Krimi-Reihe mit Kommissar Steiner erschienen: 1. Band: 'Gekreuzigt'. 2. Band 'Der 7. Patient'. 3.Band 'Wo bist du?'. 4. Band 'Böses Netz'. 5. Band 'Mord am Mikro'. 6. Band 'Die Rückkehr des Rippers'. 7. Band 'Vergiftetes Land'. Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller 'Frankfurt Ripper'. Sowie seine 70er Jahre-Krimi-Reihe Kommissar Platow in 15 Bänden: Band 1 'Sieben Schüsse im Stadtwald', Band 2 'Das Grab am Kapellenberg', Band 3 'Endstation Hauptwache', Band 4 'Der Westend-Würger', Band 5 'Blutnacht im Brentanopark', Band 6 'Frau Wirtins letzter Gast', Band 7 'Geiselnahme in der Goethestraße', Band 8 'Der Rächer aus der Römerstadt', Band 9 'Geschändet am Frankfurter Kreuz', Band 10 'Abrechnung in Bankfurt', Band 11 'Die Sünderin vom Schaumainkai', Band 12 'Das Phantom aus dem Palmengarten', Band 13: 'Zahltag auf der Zeil', Band 14 'Der Kerker im Kettenhofweg' und Band 15 'Letzter Halt Frankfurt Süd'. Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher 'Mach mich ganz', 'Wer hat den Wald gebaut?', 'Wo ist der Tannenbaum?' und 'Graue Pfote, Schwarze Feder'
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Sie standen in der Mittagssonne auf dem Kirchhof. Thomas Mohr reichte den Kommissaren die Hand. , dachte Steiner. . Unter der Mönchskutte zeichnete sich eine athletische Figur mit ausgeprägten Schultern ab. Nach der Begrüßung versteckte Pater Thomas seine Hände wieder in den weiten Ärmeln seines Umhangs.
„Das war eine sehr schöne Zeremonie“, meinte Makourek.
„Freut mich, dass es Ihnen gefallen hat. Viele unserer Gäste berichten immer wieder davon, wie entspannend es für sie ist, das Stundengebet mit uns zu zelebrieren. Man gelangt nach einer Weile in eine meditative Stimmung.“ Mohr hielt beim Sprechen den Kopf leicht schief und betonte besonders die „s“ Laute.
„Wie oft machen Sie das? Wirklich jede Stunde?“, fragte Makourek.
„Nein. Fünfmal am Tag. Dieses Ritual soll uns daran erinnern, dass alles, was wir tun, unter dem Zeichen Gottes steht. Wir beginnen mit der Morgenhore um fünf Uhr fünf. Das Konventamt folgt um sechs Uhr fünfzehn. Die Mittagshore, die sie gerade besucht haben, um zwölf Uhr. Die Vesper um achtzehn Uhr und die Komplet um neunzehn Uhr fünfunddreißig.“
„Dann sind Sie sozusagen – fix und fertig“, lachte Makourek.
„Ja, man hat schon die nötige Bettschwere, wenn man so früh auf den Beinen ist“, sagte Pater Thomas mit einem Lächeln.
Steiner hatte genug vom Small-Talk. „Was können Sie uns über Beatrice Tauscher sagen?“
„Ein tragischer Verlust für unsere Gemeinde. Unsere Gedanken und unsere Gebete gelten ihrer Familie und ihren Freunden.“
„Waren Sie auch einer ihrer Freunde?“
„Ich kannte Beatrice von Vorträgen an der Schule und von meinen Lesungen, die sie hin und wieder besuchte, so wie einige der Schülerinnen und Schüler aus dem Friedrich-Gymnasium. Sie war ein intelligentes Mädchen und ich fand ein Paar der Fragen, die sie mir stellte, durchaus nachdenkenswert. Aber von Freundschaft kann man da nicht sprechen.“
„Ich habe Ihr neues Buch gelesen. Ich fand einige der Gedichte … sagen wir mal … recht freizügig“, meinte Makourek.
Pater Thomas zeigte ein schelmisches Lächeln. „Inwiefern?“
„Na ja, Sie schreiben da von Brüsten und vom Schlafzimmer und sowas…“
„Dein Leib ist ein Weizenhügel, mit Lilien umstellt. Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle.“
„Genau das meine ich.“
„Das ist leider nicht von mir. Ich habe gerade aus dem Alten Testament zitiert. Genauer gesagt, aus dem Hohelied, das König Salomo zugeschrieben wird. Der Verfasser beschreibt die Liebe zwischen Mann und Frau. Wie sie sich begehren, finden und vereinigen. Ein wunderschöner Text, voller erotischer Bilder, den ich als Allegorie verstehe auf die Liebesbeziehung zwischen Mensch und Gott. In meinem Buch habe ich versucht, moderne Variationen des Hohelieds zu erfinden. Die Gedichte sollen die Leser hineinführen in das Geheimnis der Liebe – zum Partner und zu Gott. Deshalb die Wortwahl. Jedoch bin ich nicht so talentiert wie der Schöpfer des Hohelieds.“
„Haben Beatrice die Gedichte gefallen? War sie Ihre Inspiration? Oder warum haben Sie das Buch nach ihr benannt?“, fragte Steiner.
„Ach so … der Titel. Der Name Beatrice bedeutet: die Seligmachende. Getreu ihres Namens führt Beatrice den Erzähler in Dantes am Ende des Fegefeuers durch das Paradies, hin zur Seligkeit. Zudem gilt Beatrice in der Literatur als Metapher für eine unerreichbare Geliebte. Dementsprechend huldigt das lyrische Ich in meinem Buch seiner Geliebten, die aber genauso unerreichbar bleibt wie der von uns geliebte Gott. Zugegeben, dieses Spiel mit den Bedeutungsebenen ist auf den ersten Blick schwer ersichtlich. Deshalb habe ich es im Vorwort erklärt. haben Sie wohl nicht gelesen.“ Pater Thomas zwinkerte Makourek freundlich zu.
„Ihr Buch lag in Beatrices Rucksack, als sie ermordet wurde. Mit einer persönlichen Widmung von Ihnen“, sagte Steiner.
„Ich habe es dort nicht hineingelegt, Herr Kommissar. Signiert habe ich es sicher bei einer meiner Lesungen, die Beatrice besuchte, wie ich bereits sagte. Der Großteil meiner Leserschaft ist weiblich. Möglicherweise haben Frauen eine ausgeprägtere Sensibilität für spirituelle Themen.“
„Frauen ist ein gutes Stichwort“, meinte Makourek. „Sie sind der erste Mönch, dem ich begegne. Was ich schon immer wissen wollte: Wie schaffen Sie es, ohne Frau zu leben?“
Der Mönch warf einen Blick auf Makoureks Ehering. „Die Frage könnte ich Ihnen umgekehrt auch stellen. Wie schaffen Sie es, einer Frau zu leben?“
Makourek lachte auf. „In der Tat, das frage ich mich auch manchmal.“
„Sicher habe ich während meines Noviziats überlegt, ob die Ehelosigkeit richtig ist. Doch wenn ich bete oder meditiere, erlebe ich immer wieder Momente von Stimmigkeit. Da weiß ich, es ist gut so, wie es ist. Es ist gut, dass ich Mönch bin. Das ist mein Weg.“
„Muss schwierig sein, mit den hübschen Schulmädchen vor der Nase. Eine große Versuchung, oder?“, fragte Steiner.
„Oh, die Schulmädchen sind nicht die einzige Versuchung, Herr Kommissar. Wir haben auch weibliche Angestellte. Eine Rezeptionistin im Gästehaus, Zimmermädchen, Verkäuferinnen in der Bäckerei, sogar eine Goldschmiede-Gesellin. Wir sind von Schönheit umgeben.“
„Nie vom Pfad der Tugend abgewichen?“
Mohrs braune Augen funkelten. „Um den Duft einer Rose zu genießen, brauche ich ihren Kopf nicht abzuschneiden.“
„Interessanter Vergleich.“ Steiner zündete sich eine neue Zigarette an und blies den Rauch in Mohrs Richtung. „Sie sind Österreicher, richtig?“
„Ich bin in Wien geboren und aufgewachsen, habe dort Matura gemacht und angefangen, Theologie und Psychologie zu studieren. Ist Ihnen das Österreichisch genug?“
„Hitler kam auch aus Österreich.“
Das Grinsen des Mönchs wurde noch ein wenig breiter. „Wussten Sie, dass der Name Hitler bei google 138 Millionen Treffer erzielt, der Begriff Christus aber nur 21,3 Millionen. Es scheint, das Böse übt eine stärkere Faszination auf die Menschen aus. Das ist die Tragik unserer Zeit – und eine Herausforderung für uns Seelsorger.“
„Hallo, Pater Thomas!“ Rolf Thelen kam winkend aus der Kirche.
„Mein lieber Rolf. Wie geht es dir heute?“, fragte Mohr.
„Danke, gut. Ich freue mich auf das Mittagessen. Es gibt Nudelsuppe, danach Bratwurst mit Sauerkraut und zum Nachtisch eine Quarkspeise. Am Nachmittag besuche ich die Gruppensitzung mit Pater Jonas zum Thema Krise und wie man mit leidvollen Erfahrungen umgeht.“
„Das hört sich spannend an. Wenn ich Zeit finde, treffen wir uns danach im Gemeinschaftsraum und spielen eine Partie Schach.“
„Das wäre vortrefflich. Bis später, Pater Thomas.“ Thelen ging über den Hof zum Gästehaus und Mohr wandte sich wieder Steiner und Makourek zu. „Ein lieber Junge. Er hat das Asperger-Syndrom. Eine Form des Autismus. Diese Menschen werden häufig als etwas wunderlich wahrgenommen, weil sie ihre Schwächen haben im Umgang und in der Kommunikation mit ihren Mitmenschen. Gleichwohl sind sie sehr intelligent, teilweise hochbegabt. Rolf verfügt über immenses Wissen und ein fotografisches Gedächtnis, was Bücher anbelangt. Bedauerlicherweise wird sein Talent nicht gefördert. Sehen Sie, ich halte viele Seminare für Manager. In den heutigen Firmen geht es vordringlich um Gewinnmaximierung und Funktionalität der Mitarbeiter. Außergewöhnliche Charaktere wie Rolf haben in diesem System keinen Platz. Sie fallen durchs Raster, weil es Arbeit und Zeit kostet, sich mit ihnen zu beschäftigen. Das ist den Betrieben zu mühsam. In Schwarzberg denken wir anders. Für Rolf ist das Kloster zugleich Rückzugsort und Kraftquelle. Er ist sehr gläubig und besucht uns regelmäßig seit einigen Jahren. Es ist für mich eine Freude, mit ihm zu sprechen, ihm den Rücken zu stärken und festzustellen, wie er Schritt für Schritt zu dem liebenswerten Menschen heranreift, als den Gott ihn geschaffen hat.“
„Welche Aufgabe haben Sie eigentlich im Kloster, wenn Sie nicht als Seelsorger arbeiten?“, fragte Makourek.
„Ich bin Cellerar. Dieses Amt wurde bereits im Jahr 530 nach Christus in der Regel des heiligen Benedikt von Nursia beschrieben. Heute würde man dazu im modernen Sprachgebrauch Manager sagen. Ich bin für die wirtschaftlichen Belange des Klosters verantwortlich und für die Führung des Personals. Da unterscheiden wir uns nicht von weltlichen Unternehmen.“
„Wann beginnen Sie mit der Arbeit?“, fragte Steiner.
„Um acht Uhr, in der Regel. Es sei denn, ich war am Vorabend unterwegs bei einem Vortrag und musste außerhalb des Klosters übernachten. Was schon mal vorkommt. Dann beginne ich später.“
„Wo waren Sie gestern zwischen sieben Uhr dreißig und acht Uhr?“
„Auf diese Frage habe ich die ganze Zeit gewartet“, antwortete Pater Thomas amüsiert. „Ich lese nicht nur die Bibel, sondern auch Krimis, Herr Kommissar. Und da Sie mich, aus welchem Grund auch immer, verdächtigen, etwas mit dem Mord an Beatrice zu tun zu haben, müssen Sie mich das fragen. Das ist die Zeit nach dem Konventamt und dem Frühstück. Diesen Abschnitt des Tages nutze ich, um zu schreiben. Allein in meinem Zimmer. Morgens sind die Gedanken noch frisch und jungfräulich.“
„Ich nehme nicht an, dass es dafür einen Zeugen gibt?“
„Doch. Den Besten, den ich mir vorstellen kann. Den Herrn“, sagte Bruder Thomas und schaute gelassen in den Himmel. „Haben Sie Fingerabdrücke gefunden? Spuren des...




