Olden | Mord am Mikro | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 190 Seiten

Reihe: Steiner-Krimi

Olden Mord am Mikro

Steiners fünfter Fall
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944124-53-7
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Steiners fünfter Fall

E-Book, Deutsch, Band 5, 190 Seiten

Reihe: Steiner-Krimi

ISBN: 978-3-944124-53-7
Verlag: mainbook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Selbstmord aus Liebeskummer? Als ein junger Radio-Moderator tot aufgefunden wird, zweifeln seine Eltern daran und bitten den ehemaligen Hauptkommissar Bernd Steiner, der seit seinem letzten Einsatz außer Dienst ist, um Hilfe. Zunächst will er von dem Auftrag nichts wissen, doch sein Instinkt, Verbrecher zu jagen und die Gier, sie zu kriegen, siegt. Er entwickelt eine Antenne für den Fall und nimmt die Ermittlungen in einem Rundfunk-Sender auf. Im fünften Band der Krimi-Reihe mit Bernd Steiner lässt Autor Martin Olden seinen raubeinigen Helden neue Wege erkunden. Steiner ermittelt im Columbo-Stil! Schauen Sie dem Detektiv bei seiner Arbeit über die Schulter und entdecken Sie mit ihm, welche kleinen, aber entscheidenden Fehler der Täter beging ... Nach 'Gekreuzigt', 'Der 7. Patient', 'Wo bist du?' und 'Böses Netz' ermittelt Bernd Steiner in seinem 5. Fall in 'Mord am Mikro'

Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbauchtors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der 'Frankfurter Neuen Presse'. Ebenso ist er als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller 'Frankfurt Ripper'. Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher 'Mach mich ganz', 'Wer hat den Wald gebaut?', 'Wo ist der Tannenbaum?' und 'Graue Pfote, Schwarze Feder'. (Autorenwebsite: www.sonnige-sendung.de)
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2


Als Dieter Brandt seine Morning Show beendete und die Tür des Studios aufschloss, wartete Daniel „Danny“ Eck bereits auf dem Gang. Er war der Moderator der nachfolgenden Sendung Kulturcheck.

„Sonnigen Morgen, mein Junge. Alles gut bei dir?“, fragte Brandt heiter. Danny nahm die Stöpsel seines MP3-Players aus dem Ohr und meinte: „Häh?“

„Ich habe dir einen guten Morgen gewünscht“, sagte Brandt, etwas lauter als zuvor.

„Cool. Dito“, entgegnete Danny, wobei er nicht aufhörte, das Stückchen Kaugummi zwischen seinen Zähnen zu bearbeiten.

„Was hast du heute für ein Thema? Leben im Ghetto? Du siehst jedenfalls wieder aus wie ein Gangster-Rapper“, sagte Brandt.

Danny trug ein himmelblaues, ärmelloses Converse T-Shirt, weiße Baggy-Hosen und eine Baseball-Mütze, die verkehrt herum auf seiner braunen Wuschelmähne saß. Um seinen Hals baumelte eine Goldkette.

„Jeder hat seinen Stil. Deiner war auch mal hip. So kurz nach dem Krieg“, grinste der breitschultrige junge Mann. „Ehrlich, ich glaube, du bist der einzige DJ der Welt, der mit Anzug und Krawatte on air geht.“

Dieter Brandt lächelte zurück. „Das, mein Lieber, ist eine Frage des Respekts vor dem Publikum.“

„Aber die Leute sehen uns doch nicht.“

„Tja, und genau da liegst du falsch. Genau wie viele andere deiner jungen Kollegen, die denken, sie können Barfuß und in Strandklamotten vor dem Mikro lümmeln und keiner, der ihre Sendung verfolgt, würde es mitbekommen.“ Brandt hob mahnend den Zeigefinger. „Da irrt ihr euch gewaltig! Die Art und Weise wie wir während einer Show sitzen oder stehen, uns bewegen, denken, fühlen, atmen – das alles beeinflusst unsere Stimme und überträgt sich durch den Äther in das Bewusstsein der Hörerinnen und Hörer. Sie spüren, ob man glaubwürdig und seriös ist, ob man seine Arbeit ernst nimmt oder nur so tut und sich im Grunde nicht wirklich für seine Themen und die Menschen interessiert. Eine Sendung zu gestalten, ist wie eine Theater-Aufführung. Dafür wählt man eine angemessene Garderobe. Oder hast du schon mal gesehen, dass ein Regisseur oder ein Intendant mit Jogging-Hosen auf der Bühne stand und den Applaus der Zuschauer entgegen genommen hat?“

„Bei modernen Stücken schon“, feixte Danny. Beruhigend klopfte er auf Brandts Schulter. „Aber ich weiß, wir machen hier nichts Modernes. Wir machen Papas Radio. Vertrau mir, ich vergraul dir die alten Leutchen nicht. Kein Bushido – nur Beethoven.“

„Beethoven muss nicht sein. Die Beach Boys würden reichen. Passen ebenso gut zu deiner Kostümierung“, sagte Brandt mit einem verklemmten Grinsen.

„Fun, Fun, Fun, till her daddy takes the T-Bird away“, sang Danny und lief mit federndem Gang ins Studio.

„Und nimm den Kaugummi raus, bevor du anfängst!“, rief Brandt hinterher. Brandt ging über den mit grauem Teppichboden ausgelegten Gang in sein Büro, das dem Studio gegenüber lag. An seinem Schreibtisch, direkt unter einem handsignierten Tournee-Plakat von Cliff Richard saß Bruno Scattone, ein weiterer junger Moderator und obendrein Webmaster des Senders.

„Na, Bruno! Hast du heute Morgen zugehört? Hat wieder tierischen Spaß gemacht. Wahnsinn!“, frohlockte Brandt, während er sein weinrotes Jackett auszog, die Krawatte lockerte und sich eine Zigarette anzündete. „Zwischen 7 und 8 habe ich eine Stunde lang Titel von den Eagles gespielt. Von Take it Easy bis Hotel California. Wo hört man das sonst im Radio? Nirgendwo! Nur auf Memory Music FM!“

„Ich muss mit dir reden“, sagte Bruno ernst. Er hatte die Hände auf der Tischplatte gefaltet und wirkte in seinem weißen Polo-Shirt und dem schwarzen Pullunder wie ein Pfarrer, der einen Sünder zum Beichtgespräch bat. Er warf seinem Chef einen strengen Blick aus tiefblauen Augen zu und presste die Lippen in seinem Kindergesicht zusammen, das von dunklen Locken umspielt wurde. Dieter Brandt zog genüsslich an seiner Zigarette. „Falls es noch mal um die Sache mit deinem Gehalt geht: Ich habe mit meinem Buchhalter gesprochen. Uns ist da ein dummer Fehler bei der Überweisung passiert. Ich habe ihm deine Kontonummer telefonisch durchgegeben und dabei versehentlich eine 0 und eine 1 vertauscht. Blöde Sache, geb ich zu. Kommt beim nächsten Mal nicht mehr vor. In ein paar Tagen kriegst du die volle Summe. Alles, was wir dir noch schulden. Doppelt oder nichts wie in der Spielbank“, scherzte er.

„Da tippe ich eher auf nichts“, sagte Bruno gepresst. „Genau darum geht es nämlich, wir…“

Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen und die Praktikantin Sophia Clausen rauschte mit wallendem Blondhaar und wogendem Busen in das Büro.

„Dieter, ich wollt fragen, ob die Umfrage okay war, die wo ich für dich gemacht habe. Die über die Hitze und was die Leute dagegen tun“, nuschelte sie.

„Könnt ihr das später klären, Sophia? Dieter und ich wollten gerade etwas besprechen“, sagte Bruno.

„Oh Mann, ey. Nie hat einer Zeit für mich“, nörgelte das Mädchen und wollte auf dem Absatz umdrehen.

Brandt sagte: „Nein, bleib hier, mien Deern. Ich hab immer Zeit für dich.“ Er griff nach ihrer Hand und hielt sie länger fest als nötig. „Also, deine Umfrage war wirklich sehr schön“, lobte er, während sein Blick unstet zwischen Sophias großen braunen Augen, ihren rosa Lippen und dem Ansatz ihres Dekolletees schwankte. „Doch bei den Musikwünschen, die du auf der Straße einsammelst, musst du die Menschen in vollständigen Sätzen antworten lassen. Wenn ich deine Aufnahmen von der Mini-Disk abspiele, höre ich sie nur sagen: Hans Meier, Waterloo. Das klingt, als seien unsere Hörer Analphabeten. Und das wollen wir nicht, oder?“ Er tätschelte ihren Arm. „Sie sollen sich vorstellen, ihren Wunsch äußern und Grüße durchgeben. Nach dem Motto: Ich heiße Erwin Lindemann und eröffne in Wuppertal eine Herrenboutique mit dem Papst.“ Brandt lachte auf. Sophia sah ihn verständnislos an, weil sie seine Anspielung auf einen alten Loriot-Sketch nicht begriff. „Die wollen nicht so viel sagen“, meinte sie.

„Klar, weil sie schüchtern sind. Stell dir mal vor, plötzlich steht ein junges hübsches Mädchen vom Radio vor dir – da findet man erst mal keine Worte. Du musst ihnen ein bisschen helfen und sie zum Sprechen bringen.“

„Wie denn?“

„Auf die gleiche Art, wie du dich mit deinen Freunden unterhältst. Zu denen kannst du bestimmt sehr charmant sein.“

„Die wünschen sich aber doch keine Musik von mir“, entgegnete die Praktikantin schleppend.

Innerlich verdrehte Brandt die Augen. „Weißt du was: Schreib den Text auf einen Zettel und halte ihn den Passanten hin. Schreib darauf: Mein Name ist XXX und ich wünsche mir das Lied XYZ für ABC. Versuch das mal, okay?“

Sophia seufzte. „Okay. Kann ich jetzt Pause machen? Ich bin schon seit 8 Uhr da.“

„In Ordnung. Wenn sonst noch etwas sein sollte, meine Liebe, immer Papa Dieter fragen.“ Als sie hinausging, warf er der Kehrseite ihrer hautengen Jeans einen sehnsuchtsvollen Blick nach. Brunos nüchterne Stimme riss ihn aus süßen Gedanken. „Können wir jetzt reden?“

„Ja, nun schieß schon los. Was hast du denn auf dem Herzen?“

Bruno Scattone schluckte. Seine Hände zitterten leicht. Er hatte lange geprobt, was er sagen wollte, aber jetzt, da Dieter Brandt mit seiner hünenhaften Statur von fast 1,90 Meter vor ihm stand, fiel es schwer, die bereitgelegten Worte zu finden. „Du erinnerst dich, als du vorgestern die Nummer der Megastar Eventagentur nicht finden konntest? Du hast mich von zu Hause angerufen und mich gebeten, im Posteingang deines Rechners nachzusehen? Dieses Rechners“, sagte Bruno und deute auf den Computer auf Brandts Schreibtisch.

„Ja, und?“

„Die Nummer war nicht drin. Also habe ich vorsichtshalber im Ordner gelöschte Objekte nachgesehen. Dabei bin ich auf Folgendes gestoßen.“ Er zog ein Bündel bedruckter Seiten aus der Hosentasche. „Das sind Mahnungen von der Telekom, Unitymedia, dem Vermieter unserer Büros, ja sogar vom Caterer, der das Essen bei unserer Eröffnungsfeier im März angeliefert hat. Wenn ich all das zusammen zähle, komme ich auf eine Summe von fast 250.000 Euro.“

„Längst bezahlt“,...



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