E-Book, Deutsch, Band 7, 150 Seiten
Reihe: Steiner-Krimi
Olden Vergiftetes Land
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944124-60-5
Verlag: mainebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Steiners siebter Fall
E-Book, Deutsch, Band 7, 150 Seiten
Reihe: Steiner-Krimi
ISBN: 978-3-944124-60-5
Verlag: mainebook Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Kinderbuchautors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der 'Frankfurter Neuen Presse'. Ebenso ist er als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Im Jahr 2013 veröffentlichte er zudem seinen ersten Thriller 'Frankfurt Ripper'. Weitere Titel von Marc Rybicki sind die Kinderbücher 'Mach mich ganz', 'Wer hat den Wald gebaut?', 'Wo ist der Tannenbaum?' und 'Graue Pfote, Schwarze Feder'.
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3
Lars klopfte auf die breite Schulter seines Gastes, der vor dem Schreibtisch saß und eine Zigarette rauchte. „Erik! Welche Freude dich wiederzusehen, großer Bruder! Hast du Mama schon Hallo gesagt?“
„Wir haben telefoniert. Sie hat mir versprochen, mein Lieblingsessen zu kochen.“
„Sauerbraten mit Klößen, was? Fein. Dann erwartet uns ein schönes Familienessen heute Abend.“ Lars lächelte noch immer, während er in seinem Ledersessel Platz nahm. „Was kann ich für dich tun? Nein, sag nichts. Ich kann mir denken, weshalb du hier bist.“
„Wirklich?“ Erik Jacobsen bedachte seinen Bruder mit einem spöttischen Blick. „Da bin ich aber gespannt.“
„Im Grunde habe ich dich viel früher erwartet. Immerhin ist Vater bereits seit einer Woche tot. Was hat dich denn aufgehalten? War es wieder das Spielcasino? Oder irgendeine billige Prostituierte?“
Amüsiert strich Erik über seine von Aknenarben zerfurchten und wettergegerbten Wangen. „Donnerwetter! Deine hohe Meinung von mir hat sich nicht geändert.“
„Du hast in den vergangenen dreißig Jahren auch alles getan, um dir deinen Ruf redlich zu verdienen, werter Bruder.“ Lars verschränkte die Hände auf der Tischplatte. Seine kalten, blauen Augen hafteten auf Erik. Das Dauerlächeln machte einem unnachgiebigen Ausdruck Platz. „Vater hat dich enterbt. Und ich sehe keinen Grund, seinen Willen zu ändern. Von mir bekommst du nicht einen Cent. Und ich werde auch dafür sorgen, dass Mama dir nichts gibt. Egal wie sehr du bettelst. Für einen Herumtreiber wie dich ist in unserer Familie kein Platz. Habe ich mich verständlich ausgedrückt?“
Erik lachte rau und fuhr sich durch das zerzauste Haar, dunkelblond wie das seines Bruders. „Ich habe nicht erwartet, dass du mir die Kohle unseres ach so geliebten Vaters auf einem Silbertablett servierst.“ Er stieß eine Rauchwolke zur Decke. „Ich bin gekommen, um dir ein Geschäft vorzuschlagen.“
„Ach! Welches Geschäft sollte ich ausgerechnet mit dir eingehen wollen?“
„Du und Big John …“
Lars unterbrach. „Ich hasse es, wenn du Vater so nennst.“
„Du und Big John“, fuhr Erik ungerührt fort, „ihr zwei seid immer gegen mich gewesen. Weil ich es gewagt habe, die heilige Tradition zu verraten und mein Leben nicht mit der Aufzucht von Kartoffeln verbringen wollte.“
„Nein, du hast dich lieber in halbseidenen Bars und an Pokertischen rumgetrieben.“
„Ich habe noch eine ganze Menge mehr gemacht“, sagte Erik. „Und viel gelernt. Dumm war ich jedenfalls nie.“ Er schnippte die Zigarette in Lars‘ Kaffeebecher und zündete sich sofort die nächste an. Auf den ersten Zug folgte ein kurzer Hustenanfall, ehe er erklärte: „Anfang des Jahrs hatte ich in Peru zu tun. Dabei ist es leider zu einem kleinen Zusammenstoß mit der Polizei gekommen und ich musste ein paar Tage im Gefängnis von Lima verbringen. Im Knast habe ich einen Bauern getroffen. Nennen wir ihn Pedro. Du weißt sicher, dass Peru die Heimat der Kartoffel ist. Seit ungefähr siebentausend Jahren werden die Dinger dort angebaut. Es ist noch immer eines der Hauptnahrungsmittel der Peruaner. Leider Gottes häuft sich in diesem Land die Zahl der missgebildeten Säuglinge. Die Behinderungen sind auf dem Mist von Typen wie meinem Zellenkumpel Pedro gewachsen – ein gewissenloser Bauer, der seine Felder mit Pestiziden gedüngt hat. Genauer gesagt mit Maleinsäurehydrazid.“
Erik versuchte eine Reaktion im Gesicht seines Bruders abzulesen, doch er zeigte ein undurchsichtiges Pokerface. „Das Gift wird auf dem Feld verteilt, von der Kartoffelpflanze aufgenommen und in die Knolle transportiert. Dagegen hilft auch kein Waschen oder Schälen. Es schädigt das Erbgut. Das haben Wissenschaftler erwiesen.“
„Schreckliche Sache“, sagte Lars. „Aber was hat das mit dem Geschäft zu tun, das du mir vorschlagen wolltest?“
„Wart´s ab“, meinte Erik grinsend. „Pedro war Bio-Bauer. Genau wie du. Und er hat sich gedacht, dass er einen guten Schnitt macht, wenn er das konventionell angebaute Giftzeug als naturreine und wesentlich teurere Bio-Ware umdeklariert und an seine Abnehmer in Deutschland, Dänemark, Österreich und den Niederlanden vertickt. Seine Rechnung ist aufgegangen. Er hat damit in zwei Jahren einen Gewinn von umgerechnet zweieinhalb Millionen Euro erzielt. Dummerweise wurde er von einem Konkurrenten verpfiffen. Ergebnis: acht Jahre Gefängnis.“
„Pech für ihn“, sagte Lars und sah auf seine Breitling-Uhr. „Allerdings verstehe ich immer noch nicht, was du von mir willst, Erik, und ich verliere allmählich die Geduld.“
Erik lächelte schief. „Nun, ich denke, dass du sicher keine Lust hast für acht Jahre hinter Gitter zu wandern und wir einen kleinen Handel abschließen können.“
„Du redest wirres Zeug! Die südamerikanische Sonne hat dir wohl den letzten Rest deines Verstandes weggebrannt!“
„Als mir Pedro erklärt hat, wie viel man mit Bio-Schwindel absahnen kann, da hat‘s sofort hier oben geklingelt.“ Er tippte sich an die Stirn. „Mensch, habe ich mir gesagt, der alte Big John und mein lieber Bruder Lars haben sicher ihre Finger mit im Spiel. Wenn es um Profit ging, war euch das Schicksal der Menschen immer egal. Ich weiß ja, wie Big John seine Saisonarbeiter behandelt hat – kaum besser als Sklaven.“
„Komm zum Punkt!“ Lars mahlte angespannt mit dem Unterkiefer.
„Der Punkt ist, dass ich vor einer Woche schon mal hier gewesen bin. Nachts. Es war nicht schwer, das Schloss von deinem schicken Kühlhaus zu knacken, in dem du deine Kartoffeln für den Weiterverkauf an die Großhändler aufbewahrst. Zumindest nicht schwer für mich. Wie du dich erinnern wirst, sind Bernd Steiner und ich früher um die Häuser gezogen. Vor uns war keine Gartenlaube sicher – auch nicht Big Johns Cadillac.“ Die Erwähnung vergangener Jugendtage ließ seine braunen Augen aufleuchten. „Na ja, ich bin also in dein Lager eingestiegen, habe mir ein paar Kartoffeln eingesteckt und sie in einem Labor analysieren lassen. Keine Angst, ich habe denen nicht verraten, woher ich sie hatte. Interessiert dich das Ergebnis?“
Lars erhob sich und lief zu einem mit Flaschen und Gläsern bestückten Bartisch, der an der Wand unter der Replik eines mächtigen Wikingerschwerts stand. „Wieso hat Leo nicht gebellt, als du bei mir eingebrochen bist? Wahrscheinlich hat ihn Nils wieder mit ins Bett genommen, verdammt!“, murrte er vor sich hin. „Du nimmst bestimmt auch einen Drink. Oder bist du mittlerweile trocken?“
„Ich trinke nur noch zu besonderen Anlässen – wie heute zum Beispiel. Du kannst mir einen Whisky geben. Pur bitte und nicht so verseucht wie deine Kartoffeln. Die enthalten nämlich auch Spuren von Maleinsäurehydrazid, und das ist im Bio-Landbau streng verboten. Doch das wusstest du ja, oder?“
„Mach dich nicht lächerlich!“ Lars schenkte Erik einen Jack Daniels ein, füllte sich auch ein Glas und leerte es in einem Zug. „Mein Hof wird regelmäßig kontrolliert. Wer um alles in der Welt sollte glauben, dass meinem verkommenen Bruder etwas aufgefallen ist, das jeder Kontrolleur übersehen hat?“
„Ich habe mich erkundigt. Die Kontrollstellen konkurrieren wirtschaftlich gegeneinander. Um im Preiskampf zu bestehen, greifen manche auf unerfahrenes Personal zurück und den Anfängern kann ein gewiefter Schleimbeutel wie du jeden Bären aufbinden. Die stolpern auf dem Hof rum und checken nichts. Das Verteilen von Schmiergeldern an andere Schlüsselfiguren, etwa die Prüfer, die Stichproben deiner Knollen nehmen, wird dir Big John sicher beigebracht haben. Spritzen hat er die Bestechungen genannt. Ja, Bruderherz. Ich weiß Bescheid wie‘s läuft. Wenn die Summe stimmt, drücken die Damen und Herren Lebensmittelkommissare ein Auge zu und du bekommst für deinen Pestizid-Kram ein Bio-Siegel. Ausbaden müssen es die armen Leute, die deinen Dreck fressen.“
Lars‘ Augen schossen Giftpfeile ab. „Du meinst zu wissen, wie es läuft, ja? Dann will ich dir mal was sagen über deine armen Leute, mit denen du so großes Mitleid hast. Früher war Bio ein Glaubensbekenntnis für die Jesuslatschenträger. Heute ist es ein hippes Lifestyle-Produkt. Alle wollen Bio. Und sie wollen es schmackhaft, formschön und vor allem billig. Die Zeiten der verknorzten Kartoffel als Erkennungszeichen für Bio-Kost sind längst vorbei. Die Ware muss genormt und fehlerfrei sein. Der Kunde lässt sie liegen, wenn die Optik nicht stimmt. Mit Kartoffeltüten, aus denen die Erde rieselt hat man keine Chance. Jede fünfte Kartoffel schafft es nicht mal in den Handel, weil ihre Form den Erwartungen der...




