E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Olsberg Galactic Gamers (Band 4) - Planet in Gefahr
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7320-1732-4
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Actionreiches Kinderbuch für Jungen und Mädchen ab 10 Jahren
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-7320-1732-4
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Karl Olsberg promovierte über künstliche Intelligenz, war Unternehmensberater, Manager bei einem Fernsehsender und gründete mehrere Start-ups. 2007 erschien sein erster Roman 'Das System', der es auf Anhieb in die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Seitdem schreibt er nicht nur erfolgreich Romane für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche und Kinder. Der Thriller 'Boy in a White Room' wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nominiert. Seine Minecraft-Romane, die er zunächst im Eigenverlag veröffentlichte, erreichten Platz 2 der Amazon-Bestsellerliste. Zudem wurde sein Start-up 'Papego', das die gleichnamige App zum mobilen Weiterlesen gedruckter Bücher entwickelt, auf der Frankfurter Buchmesse als 'Content-Start-up des Jahres 2016' ausgezeichnet. Der Autor lebt mit seiner Familie in Hamburg.
Weitere Infos & Material
Die doppelte Dilara
Den Rest der großen Pause lässt Stefan Felix und Dilara nicht aus den Augen. Er bemüht sich auch gar nicht mehr, sie unauffällig zu beobachten, sondern starrt sie ganz offen an und folgt ihnen auf Schritt und Tritt. So haben sie keine Chance, sich zu unterhalten. Schließlich kehren sie zu ihren Klassenräumen zurück.
»Wollen wir zusammen Mittag essen?«, fragt Felix Dilara, bevor er seine Klasse betritt.
»Gern«, erwidert sie. »Aber möglichst ohne Stefan.«
»Wenn wir früh genug dort sind, kriegen wir vielleicht einen Zweiertisch«, sagt Felix.
»Okay. Dann bis später.«
Zu Beginn der Mittagspause beeilt er sich, um als einer der Ersten aus der Klasse zu kommen. Er hastet über den Schulhof in Richtung Kantine, als er plötzlich Dilara entdeckt. Sie steht auf der anderen Seite des Schulhofs, dort, wo es zur Turnhalle geht.
Verwirrt läuft Felix zu ihr. »Wollten wir nicht versuchen, einen Zweiertisch in der Kantine zu bekommen?«, fragt er.
Dilara antwortet nicht. Stattdessen tippt sie sich an die Stirn. Jetzt erst fällt Felix auf, dass sie ein goldenes Stirnband übergestreift hat.
»Bist du verrückt?«, ruft er aus. »Du kannst doch den Kommunikator nicht offen hier in der Schule tragen!«
Dilara blickt ihn nur stumm an. Auf einmal verändert sich ihr Gesicht: Ihre Nase wird länger, der Mund breiter, und ein drittes Auge erscheint auf ihrer Stirn.
Endlich kapiert Felix. »Lysia? Was machst du denn hier?«
Lysia verändert ihr Äußeres, bis ihr Gesicht wieder Dilara ähnelt. In diesem Moment hört Felix Schritte hinter sich.
»Ihr beide schon wieder!«, ruft Stefan. »Ihr dachtet wohl, ihr könntet mich überlisten und so tun, als wenn ihr zusammen essen wollt – nur um euch dann woandershin zu verdrücken!«
Felix dreht sich um. »Lass uns in Ruhe, Stefan!«
»Warum?«, fragt Stefan. »Was habt ihr denn für ein großes Geheimnis, wenn es nicht die Außerirdischen sind?«
Felix überlegt fieberhaft. Er muss diesen nervigen Mitschüler unbedingt loswerden. Wenn Stefan merkt, dass Dilara gar nicht Dilara ist, und es Dr. Moron erzählt …
Ihm fällt wieder ein, wie seine Mutter Dilara und ihn in seinem Zimmer überrascht hat. Was sie wohl in dem Moment gedacht hat?
Da kommt ihm eine Idee. Er macht einen Schritt vor und küsst Lysia mitten auf den Mund. Es fühlt sich kühl an, so als ob man seine Lippen auf einen Wackelpudding drückt.
»Das ist es also!«, ruft Stefan. »Ihr seid verknallt!«
Felix dreht sich um. »Verschwinde endlich!«
»Schon gut, ich gehe. Ist ja eklig, wie ihr hier vor aller Augen rumknutscht.« Damit stapft er davon.
Als er im Kantinengebäude verschwunden ist, kramt Felix den Kommunikator aus der Hosentasche und legt ihn um. »Was ist los?«, fragt er. »Was machst du hier, Lysia?«
»Die nächste Runde der Galactic Games beginnt in Kürze«, erklärt sie. »Aber um daran teilzunehmen, muss Bargel zuerst seinen Lokator wiederbeschaffen.«
»Wo ist Bargel?«
»Er ist in dem Raum, in dem du ihn neulich versteckt hast.«
Sie wendet sich um und stakst mit steifen Schritten in Richtung Turnhalle.
Als sie den Turnhallenkeller erreichen, öffnet Felix die Tür, schlüpft mit der unechten Dilara rasch hinein und schließt die Tür hinter sich. Erst dann wagt er es, das Licht einzuschalten.
Sobald die Tür ins Schloss gefallen ist, zerfließt Lysia in ihre natürliche, geleeartige Form.
Bargel sitzt auf einem Stapel Turnmatten und schnüffelt an einem der leeren Gurkengläser, die seit seinem letzten Besuch hier herumliegen. Neben ihm liegt ein großer Ledersack.
»Hallo, Felix«, sagt der Anführer des Teams Tentakelfaust. »Kannst du mir ganz schnell noch ein paar Gläser Gürzwurken besorgen?«
»Hallo, Bargel«, erwidert Felix. »Tut mir leid, aber ich habe Schule und kann jetzt nicht einkaufen gehen.«
»Haaaallllooooo«, erklingt da eine tiefe, seltsam lang gezogene Stimme in seinem Kopf.
Erschrocken sieht Felix sich um. »Was war das?«
»Iiiichh waaar dassss«, antwortet die Stimme.
Kam das etwa von dem seltsamen braunen Sack?
»Übrigens, das ist Schnock«, sagt Bargel und deutet mit einem seiner Tentakelarme auf das Gebilde neben sich. »Unser neues Teammitglied.«
Der Sack richtet sich sehr langsam auf. Er hat keine erkennbaren Gliedmaßen oder Sinnesorgane. Aber Felix sieht jetzt, dass ein goldenes Band um sein oberes Ende gewickelt ist.
»Frrrreuuut miiich, diiiich kennnnennnzuuulerrrrnnnennn«, brummt die tiefe Stimme. »Könnnnnen wiiiirrr jetzzzzt ennnndllliiich deeeennn Looookaaaatooor hooolllennnn?«
Für die beiden Sätze braucht das braune Wesen fast eine Minute. Wenn er sich genauso schnell bewegt, wie er spricht, dann wird dieser Schnock das ganze Team aufhalten. Wie sollen sie so einen Wettkampf bei den Galactic Games gewinnen? Doch Felix hat gelernt, nicht vorschnell zu urteilen. Schließlich ist es noch nicht lange her, seit Thorax, der Dämon, ihn selbst als unnützen Ballast im Team Tentakelfaust bezeichnet hat.
»Ich dachte mir, es wäre ganz nützlich, einen Bewohner des Planeten Zappdusel zwölf im Team zu haben«, erklärt Bargel.
Felix fällt die Begegnung mit Stefan wieder ein.
»Ihr müsst hier sofort verschwinden!«, sagt er. »Ein Junge aus der Schule hat von Dr. Moron den Auftrag bekommen, Dilara und mir nachzuspionieren. Wenn er merkt, dass Lysia nicht die echte Dilara ist …«
»Hast du deshalb vorhin dein Gesicht gegen meins gedrückt?«, fragt Lysia.
Felix merkt, wie er rot wird. »Das … das machen wir hier so, wenn … wenn wir uns gernhaben. Man nennt es küssen.«
»Ihr drückt eure Gesichter gegeneinander?«, fragt Bargel ungläubig. »Stoßt ihr dabei nicht mit den Rüsseln aneinander?«
»Nicht, wenn man es richtig macht. Aber ihr müsst jetzt wirklich hier weg! Ich fürchte, es wird nicht lange dauern, bis …«
»Jetzt warte doch mal, Stefan!«, hört er in diesem Moment Dilaras Stimme von draußen.
Schritte nähern sich. Rasch macht Felix das Licht aus. Im nächsten Moment betreten Stefan und Dilara den Turnhallenkeller.
»Siehst du, hier ist niemand!«, sagt Dilara. »Du hast dir das bloß eingebildet.«
Stefan macht das Licht an. Felix erschrickt. Doch zu seiner Verblüffung sind Bargel und Lysia verschwunden. Nur das neue Teammitglied Schnock liegt immer noch auf den Matten. Mit etwas Glück wird Stefan ihn ebenfalls für einen großen Ledersack halten.
»Von wegen, hier ist niemand!«, sagt Stefan, als er Felix erblickt. »Wo ist das andere Mädchen?«
»Welches andere Mädchen?«, fragt Felix zurück.
»Die, die so aussah wie Dilara. Und die du geküsst hast.«
Dilara sieht Felix mit hochgezogener Augenbraue an.
»Das war Dilara, die ich geküsst habe!«, behauptet Felix, während er knallrot anläuft.
»Ach ja? Und wieso habe ich sie dann kurz darauf in der Kantine getroffen und dich nicht?«
»Weil …« Felix hebt eines der Gurkengläser vom Boden auf. »Weil ich Lust auf Gürzwur… ich meine, Gewürzgurken hatte«, erklärt er.
Verwirrt blickt Stefan das Glas an. »Echt jetzt? Die sind doch total eklig!«
Felix hört ein schnaufendes Geräusch. Es kommt von einem großen Medizinball neben den Turnmatten. Einem sehr großen Medizinball, wie ihm plötzlich auffällt. Das muss Lysia sein, die Bargel umhüllt und sich das Aussehen eines Balls gegeben hat!
»Was war das?«, fragt Stefan.
»Was war was?«, erwidert Felix unschuldig.
»Dieses Schnaufen! Es kam von da drüben.«
Stefan geht auf die Turnmatten zu und streckt seine Hand nach Schnock aus. »Was ist das denn?«, fragt er.
Als er das Wesen berührt, stößt er einen Schreckensschrei aus. »Das Ding hat sich bewegt!«, ruft er.
In diesem Moment stößt Schnock ein lang gezogenes Geräusch aus, das an einen Seufzer erinnert, und richtet sich langsam auf.
»Waaaas iiiisssst deennnn loooosss?«, erklingt seine Stimme in Felix’ Kopf.
»Hilfe!«, schreit Stefan. »Eine lebendige Riesenkackwurst! Das muss ich sofort Dr. Moron sagen!«
Ehe Felix es verhindern kann, stürmt sein Mitschüler aus dem Turnhallenkeller.
»Was … was ist das?«, fragt Dilara erschrocken.
»Das ist Schnock«, erklärt Felix. »Das neuste Mitglied von Team Tentakelfaust.«
»Äh, sehr erfreut«, meint Dilara, während sie ihr Stirnband hervorholt und es sich umlegt.
»Gaaaannnz meiiinnnnerrrsseiiittts«, erwidert Schnock.
Der übergroße Medizinball zerfließt und zerteilt sich in Lysia und Bargel.
»Hallo, Dilara«, sagt Bargel.
»Ich bin Lysia«, erklärt der glibbrige Geleehaufen neben ihm. »Wir haben ja schon miteinander gesprochen. Schön, dich persönlich kennenzulernen, Dilara.«
»Äh, dich auch«, erwidert sie.
»Wir müssen sofort von hier verschwinden!«, mahnt Felix. »Stefan wird bestimmt Dr. Moron anrufen.«
»Felix hat recht«, stimmt Dilara zu. »Als ich heute Morgen in die Schule gekommen bin, habe ich draußen vor dem Schulgelände einen schwarzen Wagen parken sehen, in dem zwei Typen saßen. Die waren bestimmt von Blasting Verteidigungssystemen.«
»Das trifft sich gut«, meint Bargel. »Dann können sie mir gleich meinen Lokator zurückgeben.«
»Das werden die bestimmt nicht tun«, widerspricht Dilara. »Im Gegenteil, sie werden dich betäuben und in ihr Labor schleppen – und Lysia und Schnock...




