Opitz | Das Lagunenbad | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 298 Seiten

Opitz Das Lagunenbad


2. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7460-2695-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 298 Seiten

ISBN: 978-3-7460-2695-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Mitarbeiter einer Bank wird entführt. Nach der Lösegeldübergabe taucht der Entführte unter. Seine Familie wartet ungeduldig auf seine Rückkehr. Steckt er mit den Kidnappern unter einer Decke oder ist er ermordet worden? Die Wahrheit kommt erst durch einen Zufall ans Licht.

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Zweiter Teil


7


Die Johannesklause war eine gemütliche kleine Vorstadtkneipe. Ganz in ihrer Nähe, nur ein paar Schritte entfernt, befand sich eine Berufsschule, die nach neunzehn Uhr verlassen war. Die Kneipenbesucher parkten daher gewohnheitsmäßig abends auf dem Schulparkplatz ihre Autos.

Die vier Personen, die am 1. September 2008 in einem anthrazitfarbenen Kleintransporter im Schritttempo an dem Parkplatz vorbeifuhren, hielten Ausschau nach einem silbergrauen VW mit einem bestimmten unauffälligen Kennzeichen, konnten ihn aber nicht entdecken. „Scheint heute kein Stammtisch zu sein“, sagte einer der Insassen des Kleintransporters. „Seid ihr sicher, dass es immer ein Montag ist, an dem sie sich treffen?“

„Udo hat es beiläufig während eines Termins bei dem Bankberater mitgekriegt, als der von einem Stammtischbruder angerufen wurde“, antwortete der Fahrer des Kleinbusses.

Die Insassen beschlossen, in die Innenstadt zurückzufahren. Sie wollten es später noch mal versuchen.

Es war gegen zweiundzwanzig Uhr dreißig, als der Kleintransporter wieder vor dem Parkplatz auftauchte, diesmal den gesuchten Pkw vorfand und neben ihm anhielt.

Eine junge Frau mit großrahmiger Sonnenbrille, blonden Strähnen und einer tief in die Augen gezogenen Baseballkappe stieg aus, ging in die Johannesklause und bat die Kellnerin hinter der Theke, den Fahrer des silbergrauen VWs zu bitten, nach draußen vor die Tür zu kommen. Es warte jemand auf ihn, der ihn kurz sprechen wolle.

Gleich darauf erschien der Gast am Eingang und sah sich suchend um. Die Frau mit der Baseballkappe tauchte aus dem Dunkel auf, sprach ihn an und bat ihn, mit ihr zusammen zu seinem Fahrzeug zu gehen.

Ungehalten folgte er der fremden Person zu seinem Wagen. Er vermutete einen ärgerlichen Blechschaden.

Als beide an den Pkw herantraten, sprangen plötzlich drei maskierte Männer ganz in Schwarz aus dem Kleintransporter, stürzten sich auf den verdutzten Mann und stießen ihn in den Transporter. Vor lauter Verwirrung fand er nicht mal Zeit zu schreien.

Dirk Mardhorst sprang auf den Fahrersitz, Ilona schlüpfte auf den Beifahrersitz, die beiden anderen Insassen schoben den gekidnappten Bankangestellten auf den Rücksitz, banden ihm die Hände auf dem Rücken fest und warfen die Schiebetür von innen zu.

Mardhorst startete den Motor und raste los.

Auf dem Rücksitz rechts und links eingeklemmt zwischen Loberg und Tobias, fing der Bankangestellte Friedrich an zu toben und nach Hilfe zu schreien, so laut er konnte, und trat mit den Beinen um sich wie ein angeschossener Elch.

Loberg zog dem Entführten eine schwarze Augenbinde über das Gesicht und setzte ihm Kopfhörer mit dröhnender Musik auf. Dann suchten sie nach dem Handy des Entführten und steckten es ein.

Tobias bog den Kopf des Gekidnappten nach hinten und spritzte ihm mit einer Pipette eine farblose Flüssigkeit in den laut schreienden Mund.

Loberg und Tobias hielten den Rasenden solange fest, bis er bewusstlos zur Seite sackte.

8


Mitten in der Nacht wachte der Entführte auf. Er fröstelte. Über seine momentane Lage konnte er keine Klarheit gewinnen. Seine Erinnerung an die letzte Nacht war ausgelöscht. In seinem Kopf breitete sich Panik aus. Er glaubte an einen Unfall, der ihm zugestoßen sein mochte. Aber dieser Ort war kein Krankenhaus. Er lag unter einer rauen Decke auf einer Luftmatratze auf blankem Holzfußboden, allein in einem dunklen Raum. Wo war seine Familie? Und wo war er?

Er schoss mit dem Kopf hoch, spähte verzweifelt in die Dunkelheit, vermochte erst allmählich und mit Mühe die Abgrenzungen des Raumes zu erkennen. Er hatte die Größe einer Stube. Hier drinnen war es zugig, dunkel, einsam und kalt.

Was war geschehen? Hatte ihn ein Autofahrer auf der Straße angefahren und hierher geschleppt zum Sterben? War er überfallen worden? Was war bloß geschehen? Unheimlich war das alles.

Er fuhr mit der Hand in seine Gesäßtasche. Die Brieftasche mit den Ausweisen und dem Geld sowie das Handy waren weg. Die Polizei konnte über das Handy Informationen über die Verbrecher erhalten, die sich seiner hier an diesem Ort entledigt hatten, und ihre Gespräche abhören. Mit dem Diebstahl seines Handys könnten sie sich einen Bärendienst erwiesen haben. Dieser Gedanke beruhigte ihn etwas.

Er grub in seinem Kopf nach den Ereignissen des vorangegangenen Abends. Zu vorgerückter Stunde, die genaue Uhrzeit wusste er nicht, war er von einer Frau aus der Kneipe zu seinem geparkten Auto gerufen worden. Während er es auf mögliche Blechschäden hin untersuchte, tauchten plötzlich neben ihm zwei Unbekannte auf, warfen sich auf ihn, stießen ihn in einen Transporter und fuhren mit ihm davon. Gegen die zwei Männer hatte er nicht die Spur einer Chance. Danach riss die Erinnerung ab.

Im Raum roch es nach Moder, Baumharz und kalter Asche. Vorsichtig hob er die Decke beiseite und stand von seinem primitiven Lager auf dem Holzboden auf, tastete mit den Fingerspitzen an den Wänden entlang. Sie bestanden aus Holz, aus runden feuchten rissigen rohen Stämmen. Dazwischen zwei kleine Fenster mit fettigem Glas und Fensterläden, die versperrt waren. Ein Blockhaus? Ein Wochenendhaus? Seine Fausthiebe gegen die Stämme bewirkten nichts.

Er saß darin fest wie in einem Verlies. Mit etwas Spielraum ließ sich die Eingangstür in ihrem Vorhängeschloss knarrend hin und her bewegen, zu knapp, um mehr als klare, kalte Luft, Finsternis, leises Rauschen und Rascheln aus der Umgebung aufzufangen. Es mussten Bäume in der Nähe sein, vielleicht war er in einem Wald? Geruch von Nadelhölzern und Heidelbeersträuchern meinte er auszumachen.

Tür und Wände widerstanden seinen heftigen Fußtritten. Durch die Ritzen der Balken kam kalte Nachtluft herein, so dass er wieder Frösteln verspürte. Er tastete sich weiter und fand eine Seitentür zu einem Verschlag mit einem primitiven Plumpsklo darin, in das er sich erleichterte.

Was waren das für Leute, die ihn hierher verschleppt hatten und was hatten sie mit ihm vor? Wer hatte ein Interesse an seiner Person? Wenn er nach einigen Tagen nicht zur Arbeit erschien, würde er seinen Job in der Bank verlieren. Was wurde dann aus seiner Familie? Dann konnte Kira nicht aufs Internat beim Eissportzentrum und Sascha nicht nach Salem. Und das war doch der größte Wunsch Martinas. Sie lebte doch nur für ihre Familie und wollte nur das Beste für ihre Kinder.

Hatte es vielleicht damit zu tun, dass er in einer Bank arbeitete? Vielleicht glaubten die Entführer, denn es konnte sich ja nur um solche handeln, dass er ein wohlhabender Banker sei, ein einflussreicher Vorstandsvorsitzender, schillernder Börsenhai. Wie sehr sie irrten! Angestellter im mittleren Bankmanagement war er, schlichter Finanzberater. Es konnte sich also nur um eine Verwechslung handeln. Alles würde sich sehr bald aufklären.

Martina hatte natürlich noch am selben Abend, an dem er nicht nach Hause gekommen war, eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgegeben. Seine Stammtischkumpel, die nach einer gewissen Zeit draußen nach ihm Ausschau gehalten haben dürften, fanden nur seinen VW verlassen auf dem Parkplatz vor. Darauf sind sie wahrscheinlich zu Martina gefahren, die im hastig übergeworfenen Morgenmantel ans Telefon gestürzt war, um die Polizei anzurufen. Mit Sicherheit war die Suche der Polizei schon in vollem Gange. Diese Vorstellung beruhigte ihn zusätzlich. Man musste nur optimistisch sein.

Wieder lauschte er nach draußen. Keine Straße, kein Autoverkehr in der Nähe, keine Schritte von Passanten. Ganz abgeschieden war es hier draußen. Sein Versteck schien weit weg von jeglicher Zivilisation. Ob die Polizei ihn hier überhaupt finden würde?

Er versuchte sich immer wieder an den letzten Abend im Stammlokal zu erinnern, an die anderen Gäste. Es war ihm an diesem Abend nichts Besonderes aufgefallen, keiner kam ihm verdächtig vor. Es war wie immer. Nichts Ungewöhnliches! Normales, unauffälliges Abendpublikum. Die Bedienung wie immer, die Gespräche wie sonst auch: Politik, Bundesliga, der Job, die Kollegen, Nachbarn, die Kinder, die Marotten der besseren Hälften.

Beim Herumlaufen in dem finsteren Raum stolperte der Verschleppte über einen Bierkasten und wäre fast gestürzt. Eine Bank stand an der Wand, davor ein großer Tisch und mehrere Stühle, dahinter ein Schrank mit Plastikgeschirr. Es galt, jetzt nicht den Kopf zu verlieren. Er hielt die Augen dicht über die Armbanduhr. Es war in der Nacht kurz nach drei.

Hellwach und zitternd vor Kälte und Angst legte der Gefangene sich die Decke über die Schultern und setzte sich auf die Bank. Auf einmal vernahm er draußen ein knirschendes Geräusch wie von Schritten auf Kies. Offenbar schlich jemand um die Hütte herum. Mit angehaltenem Atem lauschte er und wartete, was kommen würde.

Das Vorhängeschloss klapperte, jemand machte sich draußen daran zu schaffen. Die Tür wurde von außen aufgerissen. Der Strahl einer Taschenlampe leuchtete ihm ins Gesicht.

Ein Mann trat in den Raum: „Regen Sie sich nicht auf und...



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