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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Oppermann Der Deutsch-Französische Krieg: 1870/71
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8438-0665-7
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-8438-0665-7
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
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Jochen Oppermann, geboren 1980 in Kaiserslautern, entwickelt schon als Kind die Leidenschaft für alles, was eine Geschichte hat. Über den Umweg einer Ausbildung im öffentlichen Dienst kam es dann doch zum Geschichtsstudium. Heute lebt er mit seiner Familie im geschichtsträchtigen Meisenheim am Glan, wo er Schülerinnen und Schüler von der Schönheit des Faches Geschichte zu überzeugen versucht. Im Jahr 2018 ist sein Erstlingswerk Im Rausch der Jahrhunderte - Alkohol macht Geschichte erschienen, das auch im Ausland für Aufsehen sorgte.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vorwort
I. Ringen um die deutsche Nation
II. Das Zweite Französische Kaiserreich
III. Julikrise 1870
Exkurs: Waffen, Truppen, Pläne
IV. Der Eisenbahnaufmarsch
V. Der Weg nach Lothringen
Exkurs: Heimatfront und Kriegswirtschaft
VI. Kämpfe im Elsass
VII. Die Schlachten um Metz
Exkurs: Das Rote Kreuz und das Sanitätswesen
VIII. Sedan
Exkurs: Franc-tireurs
IX. Die Ausrufung der Dritten Republik
X. Kapitulationen
XI. Kein Ende in Sicht
XII. Auf Messers Schneide
Exkurs: Die Marine
XIII. Die Nation ist gemacht
XIV. Paris kapituliert
XV. Frieden
XVI. Die Kommune
XVII. Das Reichsland Elsass-Lothringen
Literatur
I. RINGEN UM DIE DEUTSCHE NATION
»Die Worte ›Vaterland, Deutschland, Glauben der Väter usw.‹ elektrisieren die unklaren Volksmassen noch immer weit sicherer als die Worte:
›Menschheit, Weltbürgertum, Vernunft der Söhne, Wahrheit …!«
Heinrich Heine
Im Jahr 1814 brach die Herrschaft desjenigen zusammen, der maßgeblich dafür verantwortlich gewesen war, dass das Heilige Römische Reich deutscher Nation nach fast 900 Jahren sein Ende gefunden hatte. Napoleon Bonaparte (1769–1821) war 1806 auf dem Höhepunkt seiner Macht und hatte mithilfe des neu entstandenen Rheinbundes die Herrschaft über die meisten Länder übernommen, die einst das Reich der Deutschen bildeten. Doch Napoleon wurde niedergerungen, auch von deutschen Patrioten, die sich ihrer Nationalität immer bewusster wurden. Nicht umsonst entstanden in diesen Befreiungskriegen die Farben Schwarz-Rot-Gold als Ausdruck eines deutschen Nationalgefühls (vgl. u. a. Langewiesche, 2019, S. 64). Daran war Frankreich sowohl als Vorbild als auch als Gegner mitschuldig. Fast schon obsessiv sollte der Blick der Deutschen in der Folgezeit immer wieder über den Rhein gleiten.
Derweil hatte Preußen im Nordosten seine ganz eigenen Lehren aus dem militärischen Zusammenbruch gegen Napoleon gezogen. Die Reformen, die auf vielen Ebenen eingeleitet wurden, legten den Grundstein für den Aufstieg Preußens zur Führungsmacht innerhalb der deutschen Staaten. Gerade die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Öffnung des Offizierskorps für alle Schichten wirkten wie ein Brandbeschleuniger auf die Hoffnungen der jungen Menschen (Dierk, S. 470 ff.). Diese hatten im nationalen Kampf den Beginn größerer persönlicher Freiheiten gesehen. Waren dies nicht die revolutionären Gedanken aus Frankreich, die endlich in Deutschland, hier Preußen, Einzug hielten und für die es sich zu kämpfen lohnte? Vor allem, dass jeder »Anspruch auf Versorgung im Civildienst erhalten soll« (zitiert nach: Alter/Rumpf, S. 31), machte die Armee für die jungen Männer attraktiv. Dies hatte zum Anstieg der Freiwilligen in der preußischen Armee geführt, die im Anschluss, zusammen mit Österreich, England und Russland, Napoleon besiegen konnte.
Beim Wiener Kongress, der von September 1814 bis Juni 1815 stattfand, wurden die Hoffnungen dieser Freiwilligen auf nationale Einheit und politische Mitwirkung bitter enttäuscht. Außenpolitisch war der Kongress indes ein Erfolg. Nach Jahrzehnten des Krieges und unzähliger Kriegstoter und Verstümmelter mutet es wie eine besondere Leistung der Kongressteilnehmer an, mit dem besiegten Frankreich einen Versöhnungsfrieden ausgehandelt zu haben. Schon zu Beginn wurde eine französische Delegation unter Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754–1838) als gleichberechtigte Verhandlungspartner eingeladen (Langewiesche, 1993, S. 7). Selbst als Napoleon, aus seiner Verbannung zurückgekehrt, während des Kongresses nochmals für hundert Tage die Macht an sich reißen konnte, wurde von dieser Haltung nicht abgerückt. Besonders wichtig – im Hinblick auf die in diesem Buch dargestellte Entwicklung – ist das fehlende Gefühl von Demütigung in einem besiegten Frankreich trotz Entschädigungszahlungen und anderen, vor allem materiellen, Forderungen nach der Unterzeichnung der Wiener Schlussakte am 9. Juni 1815. Bereits 1818 nach Erfüllung aller Forderungen wurde Frankreich wieder als vollberechtigtes Mitglied in den Kreis der Großmächte aufgenommen (ebd., S. 11). Blieb noch die Frage nach dem, was aus den deutschen Staaten werden sollte. Diese fanden sich in einem mehr oder weniger lockeren Bund aus verschiedenen Einzelstaaten mit unterschiedlicher politischer Auffassung wieder. Manche zeigten sich recht liberal, manche eher weniger. Die ständig tagende Bundesversammlung und der Bundesrat waren die gemeinsamen Organe, die in Frankfurt am Main saßen. Den Vorsitz des Rates hatte Österreich, das im Kriegsfall ein Bundesheer einberufen konnte, das sich aus den verschiedenen Ländern zusammensetzte. Eine 1821/22 eingeführte Kriegsverfassung regelte Genaueres, musste allerdings niemals ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen (Nipperdey, Bürgerwelt, S. 355). Generell kann bereits hier gesagt werden, dass die Jahre, die auf die Gründung des Deutschen Bundes folgten, eine für Zentraleuropa ungewöhnlich friedliche Zeit waren, die jedoch innenpolitisch mit Zensur und Unterdrückungsmaßnahmen einherging. Erst 1848/49 sollten in dieser Region wieder Schlachten geschlagen werden, die aber lokal sehr begrenzt blieben, wie die Italienischen Unabhängigkeitskriege oder der Schleswig-Holsteinische Krieg von 1848–51.
Preußen verfolgte bereits früh Bestrebungen, die nord- und süddeutschen Staaten zu einer Zollunion zusammenzuschließen. Am 1. Januar 1834 wurde der »Deutsche Zollverein« gegründet, der die meisten deutschen Staaten außer Österreich umfasste. Mit der Gründung des Zollvereins war Preußen endgültig zur Führungsmacht zunächst in wirtschaftlicher Hinsicht aufgestiegen (Winkler, S. 85). Auch wenn sich der kleindeutsche Nationalstaat – also ein Staat ohne Österreich – damit andeutete, war noch längst nicht klar, dass dieser genauso entstehen würde.
1840 kam es zur »Rheinkrise«, der Forderung Frankreichs nach linksrheinischen Gebieten. Ihren Anstoß hatte diese zwar nicht in Europa, sondern in Frankreichs Engagement im Nahen Osten (Langewiesche, 1993, S. 17), jedoch waren die Folgen zutiefst europäisch, weil dadurch die seit 1815 abgeklungene Franzosenfeindlichkeit wieder an Nahrung gewann. Die »Wacht am Rhein«, das Lied, das zur inoffiziellen Nationalhymne im Deutschen Kaiserreich werden sollte, entstand zu diesem Anlass. Doch man war im Deutschen Bund gerade stark innenpolitisch beschäftigt, weshalb die »Rheinkrise« nur einen kurzen Aufreger darstellte. Frankreich war zu sehr Vorbild, um den deutschen Fürsten als Feindbild zu dienen. Sie hatten andere Sorgen: ein immer stärker werdendes Bürgertum, das politisches Mitspracherecht forderte, und verelendende Arbeiter, die ein menschenwürdiges Leben haben wollten. Auch dieses Mal flogen die Funken aus dem Westen herüber und entzündeten die deutschen Pulverfässer. In Berlin versammelten sich am 13. März 1848 rund 20 000 Menschen, um gegen Wucherer und Kapitalisten zu demonstrieren. In Paris war es bereits ab dem 21. Februar zu Unruhen gekommen, die nach drei Tagen den französischen »Bürgerkönig« Louis-Philippe (1773–1850) ins Exil trieben. Doch König Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861) in Berlin dachte nicht daran, seinen von Gott gegebenen Thron zu verlassen, und zog sein Militär zusammen. Häuserkampf, Erstürmung und Verteidigung von Barrikaden, der Einsatz von Artillerie und letztlich ein besonnener General, der seinem König davon abriet, weiter auf das eigene Volk zu schießen – das waren die Zutaten der »Märzrevolution« in Berlin (Nipperdey, Bürgerwelt, S. 599). Letztlich senkte König Friedrich Wilhelm IV. sein Haupt vor den »Märzgefallenen«. Die Revolution schien gesiegt zu haben.
Daraufhin wurde ein Jahr lang in Frankfurt heftig zwischen den Abgeordneten debattiert, bis schließlich am 28. März 1849 die »Paulskirchenverfassung« verabschiedet wurde. Diese war eine kleindeutsche Lösung ohne Österreich, bei der der preußische König als Kaiser vorgesehen war. Dieser musste nur noch zustimmen, und die Hoffnung so vieler Deutscher seit den Befreiungskriegen gegen Napoleon auf Freiheit und Einheit ginge in Erfüllung. Am 3. April 1849 traf die Delegation aus Frankfurt in Berlin ein, um Friedrich Wilhelm die Kaiserkrone anzubieten. Er, der König von Gottes Gnaden, sollte eine Krone tragen, die Bauern, Handwerker, einfache Bürger ihm anboten? Friedrich Wilhelm lehnte den »imaginäre[n] Reif, gebacken aus Dreck und Lettern« ab, weil der »Ludergeruch der Revolution« an ihm klebe (zitiert nach: Winkler, S. 122). Dies bedeutete das Ende der Nationalversammlung, die ohne eine Exekutive gescheitert war. Gleichzeitig sammelte sich die Gegenrevolution und es kam zu Kämpfen, die mit der Niederschlagung des Maiaufstandes am 23. Juli 1849 bei Rastatt endeten. Preußen versuchte noch im Nachgang der Revolution, einen deutschen Nationalstaat unter seiner Führung zu etablieren, was jedoch in die Herbstkrise 1850 mündete. Krieg zwischen Österreich, Russland, einigen deutsche Staaten wie Bayern einerseits und Preußen andererseits stand kurz bevor und wurde gerade noch verhindert. Im Vertrag von Olmütz, unterschrieben am 29. November 1850, gab Preußen nach und stimmte der Wiederherstellung des Deutschen Bundes zu (Gall, 1997, S. 42). Im Grunde war damit der Preußisch-Österreichische Dualismus unaufhebbar geworden – eine Entscheidung lag in der Luft.
Noch während der Revolution war es 1848 zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung gekommen. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein waren Teil des Deutschen Bundes, aber in Personalunion mit dem Königreich Dänemark verbunden. Im Großen und Ganzen ging es darum, dass die meist deutsche Bevölkerung sich...




