Orloff | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 530 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 530, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

Orloff Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 530

Doch Tränen ändern nichts
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7517-0600-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Doch Tränen ändern nichts

E-Book, Deutsch, Band 530, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

ISBN: 978-3-7517-0600-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Berauscht von der ersten Liebe verlässt Ursula von Blumenau das elterliche Schloss und zieht mit dem mittellosen Studenten Werner Reimann in eine ärmliche Mansardenwohnung. Es ist ein hartes Leben voller Entbehrungen, aber Ursula ist trotzdem glücklich - bis sie Werner gesteht, dass sie ein Kind bekommt. Da merkt sie an seiner entsetzten Reaktion, dass er sie niemals geliebt hat, sondern lediglich von der Verbindung mit einer Komtess profitieren wollte.
Ursula ist tief getroffen, doch ihr Stolz verleiht ihr ungeahnte Kräfte. Tapfer nimmt sie von diesem Tage an ihr Leben selbst in die Hand ...

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Doch Tränen ändern nichts

Nach einer Enttäuschung muss Ursula ihr Leben selbst in die Hand nehmen

Berauscht von der ersten Liebe verlässt Ursula von Blumenau das elterliche Schloss und zieht mit dem mittellosen Studenten Werner Reimann in eine ärmliche Mansardenwohnung. Es ist ein hartes Leben voller Entbehrungen, doch Ursula ist trotzdem glücklich – bis sie Werner gesteht, dass sie ein Kind bekommt. Da merkt sie an seiner entsetzten Reaktion, dass er sie niemals geliebt hat, sondern lediglich von der Verbindung mit einer Komtess profitieren wollte.

Ursula ist tief getroffen, doch ihr Stolz verleiht ihr ungeahnte Kräfte. Tapfer nimmt sie von diesem Tage an ihr Leben selbst in die Hand ...

»Das ist doch nicht möglich!« Die rundliche Mamsell von Schloss Blumenau reckte den Hals und spähte aufgeregt aus dem Küchenfenster. »Die Komtess kommt auf Besuch! O Gott, wird das wieder eine Aufregung geben! Und Tränen sicherlich auch.«

»Lass mich sehen, Frieda!« Leni, das Küchenmädchen, musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um aus dem Fenster schauen zu können. »Wahrhaftig, sie ist es«, seufzte sie. »Komtess Ursula von Blumenau. Was für eine blendende Erscheinung!«

»Ja, weiß Gott! Warum sie sich nur an einen Mann hängen musste, der ihr nichts als Unglück bringt! Ich kann die Tränen der Gräfin schon verstehen, glaub mir.«

»Ob sie nun für immer hierbleibt?« Leni ließ die Komtess, die langsam den Kiesweg der Auffahrt heraufkam, nicht aus den Augen.

»Unsinn! Du hast von allem keine Ahnung.« Frieda wandte sich vom Fenster ab und begann wie wild in einem Topf auf dem Herd zu rühren.

»Weshalb sie wohl gekommen ist?«, überlegte Leni, die sich wieder vor den großen Bottich gesetzt hatte, in den sie die geschälten Kartoffeln für die Herrschaften und das ganze Schlosspersonal warf.

Die Mamsell seufzte. »Das möchte ich auch gerne wissen. Vielleicht braucht sie Geld. Der junge Mann verdient ja noch nichts, wie ich gehört habe. Sicher, das wird es sein – sie wird ihre Eltern um Geld bitten«, sinnierte Frieda und hielt einen Moment im Rühren inne. »Die arme Komtess! Das wird ein harter Kampf mit ihrem Stolz gewesen sein, ehe sie sich zu solch einem Schritt entschloss.«

???

»Schlag dir das aus dem Kopf, von mir auch nur einen Pfennig zu bekommen!«, tobte Graf von Blumenau. Er schritt nervös im Kaminsalon auf und ab und warf seiner einzigen Tochter böse Blicke zu. »Ich habe dir schon oft gesagt, dass ich diese Liaison nicht unterstütze. Mein Gott, man kann ja bestraft werden, wenn man für so etwas auch noch Geld gibt! Das hieße, alle Moralbegriffe über Bord zu werfen.«

»Eberhard!« Gräfin Eleonore warf ihrem Gatten einen beschwörenden Blick zu. »Nun rede doch nicht so hart mit Ursula! Freue dich lieber, dass sie uns besuchen kommt. Seit zwei Monaten war sie nicht mehr hier.«

Ursula von Blumenau saß in einem Sessel, dicht neben der Mutter. Sie hielt den Kopf gesenkt.

Es war falsch von mir, herzukommen und Vater um Geld zu bitten, dachte sie. Er wird Werner nie akzeptieren. Aber ich musste es probieren, weil ich unser letztes Geld ausgegeben habe ...

»Werner ist ganz anders, als du denkst, Vater«, wagte sie noch einmal schüchtern vorzubringen.

»Wenn du ihn liebst, Kind«, warf ihre Mutter ein und drückte innig die Hände ihrer Tochter, »dann wird er schon in Ordnung sein.«

»Dummes Zeug!«, entgegnete Eberhard von Blumenau unwirsch. »Ein Student im zwölften Semester Jura! Wo gibt es denn so etwas? Da haben andere längst ihr Examen bestanden und sind erfolgreiche Rechtsanwälte oder tüchtige Referendare.«

»Er musste noch zwischendurch arbeiten, weil er Waise ist. Wovon sollte Werner sein Studium bezahlen?«, wagte Ursula leise zu sagen.

»Das ehrt den Herrn natürlich sehr, dass er wie viele andere auch selbst ein bisschen dazu beigetragen hat, sein Studium zu finanzieren. Bis er dich traf ...« Der Graf lachte bitter auf. »Jetzt hat er es nicht mehr nötig. Schickt seine Geliebte auf Betteltour. Was für ein Mensch ist das nur, der seine Frau zu Hause um Geld betteln lässt.«

»Eberhard! Gehst du nicht ein wenig zu weit?« Gräfin Eleonore legte beschützend einen Arm um die zuckenden Schultern ihrer Tochter. »Du kennst Herrn Reimann doch überhaupt nicht – wie also kannst du zu einem solchen Urteil kommen?«

»Diesen sauberen Herrn brauche ich nicht erst zu sehen, um mir ein Urteil zu bilden. Manche Leute erkennt man an ihren Handlungsweisen und Erfolgen im Leben.«

»Ich – ich gehe dann besser wieder«, sagte Ursula leise und wollte sich erheben, aber ihre Mutter drückte sie energisch in den Sessel zurück. Empörung lag auf dem Gesicht der Gräfin.

»Kommt überhaupt nicht infrage!«, protestierte sie. »Kaum bist du hier, willst du schon wieder gehen. Ich weiß ja bald nicht mehr, ob ich überhaupt noch eine Tochter habe.«

»Das weiß ich schon lange nicht mehr!« Graf Eberhard stand nun am Fenster und starrte verbissen hinaus. »Seit sie damals weggegangen ist ...«

»Sie ist volljährig, Eberhard. Sie konnte selbst bestimmen, was sie aus ihrem Leben macht.«

»Hat sie ja auch.« Der Graf wandte sich mit einem Ruck herum und schaute seine Gattin fast böse an. »Aber dann soll sie jetzt nicht kommen und uns um Hilfe angehen. Warum arbeitet dein hoher Herr denn nicht mit?«

»Er muss doch lernen ...«

»Ach, immer dasselbe! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.«

»Gib ihr doch etwas, Eberhard ...« Die Gräfin, der die Tränen in den Augen standen, war aufgestanden und legte ihrem Gatten besänftigend die Hand auf den Arm.

»Ich pflege meine Entscheidungen nicht innerhalb weniger Minuten umzustoßen, Eleonore. Das solltest du wissen.« Der Graf wischte die streichelnde Hand von seinem Arm. »Ursula soll heimkommen und diesen zweifelhaften Status aufgeben, dann wird sie es so herrlich wie früher haben. Ich werde ihr auch nichts nachtragen, nur aus freien Stücken muss sie heimkommen.«

»Ich liebe Werner doch.« Ursula sagte es sehr innig. »Und er braucht mich. Ich kann ihn nicht aufgeben!«

»Gut, du hast dich entschieden, nun musst du die Konsequenzen tragen. Von mir bekommst du keinen Pfennig. So, und nun möchte ich nichts mehr davon hören. Ich werde einen Ausritt machen, Eleonore. Ich brauche ein bisschen frische Luft. Zum Essen bin ich wieder zurück.«

Der Graf verbeugte sich leicht vor seiner Gattin, schritt dann aufrecht zur Tür. Hart und energisch schloss er sie hinter sich.

Ursula stand auf. »Vater hat recht, ich muss die Folgen meiner Entscheidung selbst tragen. Es war dumm von mir, ihn um Geld zu bitten.«

»Du willst also wirklich schon gehen? Obwohl du fast zwei Monate nicht mehr hier warst?«

»Ich komme bald wieder«, sagte Ursula und wusste zugleich, dass es leere Worte waren. Man sah ihrem Gesicht nicht die Scham und die Verzweiflung an, aber in ihrem Innern brannte sie heiß. »Darf ich noch einmal in mein Zimmer hinaufgehen?«, fragte sie die Mutter. »Ich meine – ich meine in mein früheres Zimmer ...«

Gräfin Eleonore schluchzte auf. »Wie du das sagst, Kind!«

»Es ist doch nicht mehr meins, Mutter.«

»Doch. Und wenn Eberhard tausendmal anders denkt – es wird immer dein Zimmer bleiben. Auch wenn du bei diesem Mann in der Ferne lebst.«

Bei diesem Mann ... Ursula zog unwillkürlich die Schultern hoch, als friere sie.

Im Grunde denkt Mutter auch so abwertend von Werner, sonst hätte sie nicht diese Bezeichnung gebraucht.

»Danke«, sagte sie ein wenig herber, als sie es gewollt hatte, »ich – ich gehe dann nach oben. Ich möchte ein paar Bücher holen, die Werner vielleicht für sein Studium ...«

Sie schwieg, als sie den abwehrenden Zug im Gesicht ihrer Mutter bemerkte. Sie lief mehr aus dem Zimmer, als sie ging. Auf dem Flur konnte sie fast nichts sehen, denn Tränen verschleierten ihr den Blick.

Zehn Minuten später verließ die junge Komtess das Schloss. Sie ging zu Fuß. Das Angebot ihrer Mutter, sich doch vom Chauffeur bis zum Bahnhof fahren zu lassen, hatte sie höflich abgelehnt.

Aber die zweihundert Mark, die die Mutter ihr beim Abschied verstohlen zugesteckt hatte, die hatte sie angenommen – und deswegen hielt sie den Kopf noch tief gesenkt.

Ich musste sie nehmen, sagte sie sich immer wieder. Ich durfte in diesem Fall keinen falschen Stolz zeigen, denn sonst wüsste ich nicht, wovon ich morgen einkaufen sollte. Und Werner hat keine Ahnung, dass wir kein Geld mehr haben ... Ich habe ihm nichts davon gesagt, um ihn nicht zu belasten.

Mit schwerem Herzen ging die junge Komtess in Richtung Bahnhof.

???

»Du bist schon da, Werner?«

Ursula flog auf den geliebten Mann zu, nachdem sie die kleine...



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