E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Orloff Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 672
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5417-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Meine Welt bist du
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7517-5417-0
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufgrund einer bösen Verleumdung ist der junge Arzt Dr. Joachim Warren gezwungen, seine gute Stellung an einer renommierten Klinik in der Stadt aufzugeben. Unterkommen kann er bei seinem Onkel Dr. Hans Raabe. Der alte Landarzt ist fest von der Unschuld seines Neffen überzeugt und sogar bereit, ihm seine Dorfpraxis zu übergeben.
Joachim gibt sich alle Mühe, aber die Dörfler sind skeptisch und wollen sich nicht von dem Arzt aus der Stadt behandeln lassen.
Doch dann wendet sich von einem Tag auf den anderen das Blatt. Eine furchtbare Flutkatastrophe sucht das Dorf heim, und Joachim rettet zwei Menschen aus den reißenden Fluten. Nun ist er der Held des Tages. Nicht nur die Praxis füllt sich mit Patienten, auch zwei junge Mädchen buhlen um seine Gunst ...
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Meine Welt bist du
Edith kämpft um den Mann ihres Herzens
Aufgrund einer bösen Verleumdung ist der junge Arzt Dr. Joachim Warren gezwungen, seine gute Stellung an einer renommierten Klinik in der Stadt aufzugeben. Unterkommen kann er bei seinem Onkel Dr. Hans Raabe. Der alte Landarzt ist fest von der Unschuld seines Neffen überzeugt und sogar bereit, ihm seine Dorfpraxis zu übergeben.
Joachim gibt sich alle Mühe, aber die Dörfler sind skeptisch und wollen sich nicht von dem Arzt aus der Stadt behandeln lassen.
Doch dann wendet sich von einem Tag auf den anderen das Blatt. Eine furchtbare Flutkatastrophe sucht das Dorf heim, und Joachim rettet zwei Menschen aus den reißenden Fluten. Nun ist er der Held des Tages. Nicht nur die Praxis füllt sich mit Patienten, auch zwei junge Mädchen buhlen um seine Gunst ...
Fahles Licht goss der silberne Vollmond über das alte Doktorhaus in dem kleinen Gebirgsort Wiehlbach, als ein einsamer Wanderer eilig den schmalen Weg empor zu dem etwas abseits gelegenen Anwesen ging. Der junge Mann im Regenmantel atmete erleichtert auf, als er durch die Ritzen der Vorhänge an den Fenstern Licht schimmern sah.
Er drückte auf den Klingelknopf neben der Tür. Oben, im Mansardenzimmer, wurde das Fenster geöffnet.
»Wer ist da?«, ertönte eine Bassstimme.
»Ich bin es, Onkel Hans. Dein Neffe Joachim.«
»Junge, das ist wirklich eine Überraschung. Lina kommt schon herunter.«
In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet, und die fünfundfünfzigjährige Haushälterin schaltete die Lampe über der Tür ein. Groß, breit und gewichtig stand sie da, eine dunkelhaarige Frau mit misstrauischen Augen in dem runden Gesicht.
»Guten Abend, Doktor Warren. Sie kommen ziemlich spät«, begrüßte sie den Gast mit unverhohlenem Vorwurf.
Der junge Arzt, Dr. Joachim Warren, konnte sich stets eines Widerwillens nicht erwehren, wenn er diese geschwätzige, herrschsüchtige Frau sah. Er begriff nicht, dass sein alter Onkel mit ihr auskam.
In der Diele wurde nun eine Tür geöffnet, Dr. Hans Raabe, der Onkel des jungen Arztes, kam mit ausgebreiteten Armen auf den Besucher zu. Die beiden Männer schüttelten sich die Hände, und der alte Dorfdoktor strahlte über das ganze faltige Gesicht.
»Du hättest mir doch schreiben können, dann hätte ich dich von der Bahn abgeholt«, sagte er. »Komm rein. Wir haben lange nichts mehr voneinander gehört, und ich freue mich unbändig, dich bei mir zu haben. Hoffentlich bleibst du einige Tage. Wo hast du denn deine Koffer?«
»Am Bahnhof, Onkel Hans. Ich würde mich gern einige Zeit bei dir aufhalten«, erwiderte Joachim.
Wohlgefällig betrachtete der alte Dr. Raabe den Sohn seiner verstorbenen Schwester.
»Lina, holen Sie eine Flasche Wein aus dem Keller und machen Sie ein paar dicke Scheiben Schinken mit Schwarzbrot für uns zurecht«, trug er seiner Wirtschafterin auf, die immer noch mit verbissenem Gesicht dastand, um sich kein Wort der Unterhaltung entgehen zu lassen.
Joachim zog seinen Regenmantel aus und folgte seinem Onkel in das behaglich und etwas altmodisch eingerichtete Herrenzimmer. Sie setzten sich an den Rauchtisch. Der junge Arzt blickte starr und verzweifelt vor sich hin.
»Was hast du denn, Joachim? Ich sehe dir doch an, dass irgendetwas mit dir nicht in Ordnung ist.«
»Ich erzähle es dir später, Onkel«, antwortete Joachim Warren hastig. »Lina darf nichts davon hören. Sie sperrt sowieso immer ihre Ohren auf, wenn jemand nur ein Wort sagt. Ich habe Furchtbares erlebt und bin am Ende. Meinen Posten in der Klinik musste ich aufgeben. Glaub mir, ich bin unschuldig. Eine Frau hat mich ruiniert, und nun weiß ich nicht, was ich tun soll.«
Dr. Raabe legte seine Rechte auf den Arm seines Neffen.
»So schlimm wird es nicht sein, mein Junge. Allerdings bin ich erstaunt, dass du deinen Posten aufgeben musstest ...«
Er brach mitten in seiner Rede ab, weil die Haushälterin fast geräuschlos hereingekommen war und nun mit einem Tablett auf den Händen an das Tischchen trat. Sie hatte die zuletzt gesprochenen Worte mitbekommen und war begierig zu erfahren, was die beiden Männer zu besprechen hatten.
»Danke, Lina. Stellen Sie die Sachen nur auf den Tisch«, trug ihr Dr. Raabe auf. »Wir benötigen Sie heute nicht mehr. Machen Sie nur noch das Bett für meinen Neffen im Gästezimmer zurecht. Gute Nacht.«
Die Haushälterin brummte einen Gruß vor sich hin und ging hinaus. Vor der Tür blieb sie stehen und machte sich an dem Läufer zu schaffen.
Sie hörte das helle Zusammenklingen der Gläser und dann die Stimme ihres Dienstherrn.
»Nun erleichtere dein Herz, Joachim, und erzähle mir alles.«
Von dem, was der junge Dr. Warren sagte, konnte Lina nur Bruchteile verstehen, weil er sehr leise sprach.
»... schwöre dir, Onkel Hans, dass ich keinen Anlass dazu gab ... diese Frau muss wahnsinnig geworden sein ... einen Skandal entfesselt ...« Die Stimme des Besuchers sank zu einem Flüstern herab.
»Junge, lieber Junge, das ist doch nicht möglich!«, ertönte da ein Ausruf des alten Arztes. »Nein, ich glaube dir. Das ist ja eine ungeheure Beschuldigung.«
Wieder waren es nur Bruchstücke, die an das Ohr der Lauscherin drangen und die sie sich sorgfältig einprägte, um einen Zusammenhang zu finden.
»... zum Prozess gekommen ... falsche Aussagen ... mangels Beweisen ...«
»Nein, du kannst nicht zurückgehen«, ertönte dann die Stimme des alten Dr. Raabe. »Du weißt doch, dass ich mich schon lange zur Ruhe setzen will. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo du meine Praxis übernehmen kannst. Du bleibst bei mir, ich habe Vertrauen zu dir. Schließlich kenne ich dich von Kindheit an.«
Nun begann Dr. Raabe Einzelheiten aus seiner Praxis zu berichten, und Lina Mertens schlich von der Tür weg in ihr Zimmer.
»Dieser junge Warren darf hier nicht Fuß fassen«, murmelte sie. »Ich werde dafür sorgen, dass die Patienten Bescheid wissen, wie wenig er taugt. Warum hat er nur seinen Posten aufgegeben? Irgendetwas muss dahinterstecken. Aber ich werde es herausbekommen. Wie ich ihn hasse! Wenn Doktor Raabe seine Praxis aufgibt, bin ich erledigt.«
???
»Wir müssen morgen die Genehmigung zur Ausübung der Praxis einreichen«, sagte Dr. Raabe gerade zu seinem Neffen, als das Telefon im Flur läutete.
»Na also. Es geht schon los.« Mit diesen Worten stand er auf, und Joachim hörte durch die angelehnte Tür, wie er seinen sofortigen Besuch zusagte. Dann kam er herein und legte dem Neffen die Hand auf die Schulter.
»Du kannst mich zum nächsten Dorf begleiten. Asthma cardiale bei einer sechsundfünfzigjährigen Witwe. Komm, nimm meine Tasche. Du kannst den alten Wagen steuern, er macht's immer noch.«
Als sie zusammen das Zimmer verließen, erschien die Wirtschafterin im Flur.
»Wohin geht's denn, Herr Doktor?«, fragte sie. »Ich muss doch wissen, wo Sie stecken, falls ein Anruf kommt.«
»Wir fahren zu Frau Krone. Sie hat wieder ihr Herzasthma.«
Joachim Warren fuhr den Wagen die im hellen Mondlicht liegende Straße entlang.
»Junge, wie dir das nur passieren konnte«, sagte Dr. Raabe. »Ist denn diese Frau verrückt? Es muss entsetzlich für dich gewesen sein, vor Gericht zu erscheinen. Und was nützt es schon, dass du mangels Beweisen freigesprochen wurdest. In unserem Beruf ist man dann erledigt. Es ist nur gut, dass Professor Holthausen von deiner Unschuld überzeugt war. Immerhin, er konnte dich auch nicht halten.«
Joachim Warren sah im Geiste den Gerichtssaal und den überfüllten Zuhörerraum vor Augen. Er hörte die Stimme jener Frau, die er nur flüchtig gekannt und die seine Existenz, seine Hoffnungen und seine Zukunft vernichtet hatte.
»Mach dir keine Sorgen, Joachim«, hörte er nun den Onkel sagen. »Du fängst jetzt ein neues Leben an. Denk, es sei ein böser Traum gewesen. Für mich bist du der anständigste Mensch auf der ganzen Welt, und wenn sich alle gegen dich wenden.«
»Danke, Onkel Hans«, erwiderte sein Neffe ergriffen, »Ich wusste, dass du mir glaubst.«
»Und nun kein Wort mehr darüber«, brummte Dr. Raabe. »Wir sind übrigens gleich am Ziel. Du musst jetzt den kleinen Weg den Berg hinauffahren. Siehst du die elende Hütte da oben? Es sind arme, brave Leute, die Witwe und ihre Tochter. Sie haben oben Licht über der Tür brennen lassen, damit wir den Weg nicht verfehlen.«
???
Etwa zwanzig Meter unterhalb der Hütte, die auf einer Anhöhe lag, musste Joachim Warren den Wagen stoppen. Er nahm die Tasche und ging neben seinem Onkel die wenigen Schritte. Als sie vor dem Häuschen standen, kam ein junges Mädchen heraus, seltsam bleich und erregt sah es in dem fahlen Mondschein aus.
»Guten Abend, Fräulein Edith.« Der alte Arzt reichte dem Mädchen die Hand. »War der Anfall Ihrer Mutter sehr stark? Diesmal sorge ich...




