E-Book, Deutsch, Band 5, 456 Seiten
Reihe: Der Patchwork-Club
Orlowski Der Patchwork-Club - Ein Kuss in St. Elwine - oder: Spätsommersprossen
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-317-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman: Band 5
E-Book, Deutsch, Band 5, 456 Seiten
Reihe: Der Patchwork-Club
ISBN: 978-3-98952-317-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Britta Orlowski, Jahrgang 1966, wohnt im Havelland und ist Mutter zweier Söhne. Sie arbeitete 20 Jahre als zahnmedizinische Fachangestellte, aber da sie in einer Zahnarztpraxis leider keine Geschichten erfinden durfte, widmete sie sich schließlich ihrem Traumjob, wurde Buchautorin und jobbte nebenbei in Buchhandlungen. Inzwischen arbeitet sie in einer Arztpraxis und lebt ihre Liebe zu Büchern trotzdem aus. Ihr Lebensmotto: Tu, was du liebst. Wenn sie nicht gerade Quilts näht, tummelt sie sich in ihrem geliebten Garten und/oder schreibt am nächsten Buch. Sie ist Mitglied im Schriftstellerverband des Landes Brandenburg, sowie bei DELIA und Organisatorin der DELIA Liebesromantage 2011 in Rathenow. Die Website der Autorin: www.britta-orlowski.de Die Autorin bei Facebook: https://www.facebook.com/Britta-Orlowski-155028824578718/?ref=bookmarks Die Autorin auf Instagram: https://www.instagram.com/brittaorlowski/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Reihe »Der Patchworkclub« mit den Einzelbänden »Rückkehr nach St. Elwine«, »Eine Liebe in St. Elwine«, »Sommertage in St. Elwine«, »Der Himmel über St. Elwine«, »Ein Kuss in St. Elwine« und »Herzklopfen in St. Elwine«.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Es war immer noch schön warm draußen. Nur die Schreie der Möwen waren zu hören, so wie in allen Orten, die am Meer lagen. Bis zum Mason’s war es nicht besonders weit. Die Fenster der Pension lagen im Dunkeln. Das konnte nur bedeuten, dass die anderen den Abend im Pub verbrachten und vermutlich auf sie warteten. Natürlich konnte sie es ihnen nicht verübeln, aber sie wollte jetzt lieber allein sein. Eine konkrete Antwort konnte sie ihnen ohnehin noch nicht liefern. Die Begegnung mit Joel DeLuca musste sie erst einmal verdauen. Fragen über seine Person beantworten, konnte sie zu einem späteren Zeitpunkt immer noch. Sie war sich allerdings nicht sicher, ob sie das überhaupt wollte. Was Joel betraf, war sie ziemlich durcheinander. Dennoch spürte sie tief in sich eine kleine Freude darüber, dass sie ihn wiedergesehen hatte. Freude, dass er so sexy aussah. Freude, dass er ihr nicht den Kopf abgerissen hatte, sondern immerhin versucht hatte, höflich zu sein, zumindest im späteren Verlauf des Abends. Genau, wie Norman es vorausgesagt hatte. Baylee beschloss, sofort ins Bett zu gehen. Sie war so müde wie schon lange nicht mehr. Unter der Dusche seufzte sie wohlig. Erst dort fiel ihr ein, dass sie Joels Frau verpasst hatte. Das war mit ziemlicher Sicherheit besser so.
Als Baylee erwachte, lag Trixi neben ihr und schnarchte leise. Sie roch nach Alkohol, viel Alkohol. Wenn sie so weiter machte, würde es ein Donnerwetter mit Ted geben. Er hatte die Singers mit harter Hand geführt. Als junger Mann hatte er eine Offizierslaufbahn bei der Royal Navy absolviert. Die strenge Erziehung und Disziplin dort hatten ihn mehr geprägt als gut für ihn war.
Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es gerade mal sechs Uhr früh war. Na gut, dann stand sie eben auf. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass sie sich in den vergangenen Monaten je so ausgeschlafen gefühlt hatte. Vorsichtig, um Trixi nicht zu wecken, holte sie frische Unterwäsche, ein Top und Shorts aus dem Schrank. Im Bad zog sie sich an, erledigte ihre Morgentoilette, schlüpfte in ihre Stilettos und schlich sich aus dem Zimmer.
Als sie die Treppe hinunterlief, begegnete sie der Wirtin, Ellen Mason.
»Guten Morgen. Frühstücken Sie allein oder warten Sie auf die anderen?«
»Darf ich schon um diese Zeit?«
»Natürlich. Der Kaffee ist gleich durchgelaufen, oder möchten Sie lieber Tee?«
»Kaffee klingt himmlisch.«
»Suchen Sie sich einen Platz aus und bedienen Sie sich. Kaffee kommt sofort.«
Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Es dauerte nicht lange, bis Ted die Stufen herunterkam. Doch an Frühstück war bei ihm erst zu denken, nachdem er sein morgendliches Lauftraining absolviert habe, erklärte er ihr und verließ das Haus. Baylee war froh, noch eine Weile ihre Ruhe zu haben. Sie schenkte sich eine zweite Tasse Kaffee nach und aß einen weiteren Bagel. Die waren hier ausgesprochen gut. Danach entschloss sie sich, einen Erkundungsgang durch St. Elwine zu machen. Suchte sie insgeheim bereits eine neue Bleibe und einen Job? Weil sie nun wusste, dass Joel hier lebte? Mhm, kein Kommentar, Baylee Scott. Sie frequentierte einen kleinen Supermarkt und betrat ihn in Ermangelung eines festen Zieles. Milch, Orangensaft, Obst, Frühstücksflocken und Honig wanderten in den Einkaufswagen. Außerdem Wurst und Käse. In der Backabteilung griff sie nach einem Baguette und zwei niedlichen Blaubeer-Muffins, die wunderbar aussahen. Nachdem sie bezahlt hatte, stapelte sie alles in eine Einkaufstüte und stöckelte hinaus. Plötzlich blieb sie mit dem Absatz im Abtreter hängen. Sie fühlte förmlich den Moment, als der Absatz brach, nachdem sie vergeblich einen ungeschickten Befreiungsversuch eingeleitet hatte. Der Stiletto ruckte, und sie stand mit dem rechten Fuß quasi eine Etage tiefer. Dadurch geriet sie ins Straucheln, wollte sich abfangen, wobei ihr die Einkaufstüte aus den Händen rutschte. Die Schachtel mit den Muffins, die obenauf gelegen hatte, schlug aufs Pflaster, klappte auseinander und das Gebäck kullerte geradewegs vor die Schnauze eines Havaneser-Yorkscher-irgendwas-Wischmop-Mix, der nur darauf gewartet zu haben schien.
»Wag es nicht!«, rief sie, doch es war längst zu spät. Mit wahrem Heißhunger stürzte er sich auf die Leckerbissen.
»Mistviech.«
Immerhin wusste Baylee, wann eine Schlacht als verloren galt und kümmerte sich stattdessen darum, den Rest des Einkaufs zu retten. Stolpernd und hinkend stöckelte sie weiter, bis ihr und ihrem Becken der Gang zu anstrengend wurde. Sie steuerte die nächstgelegene Parkbank an, stellte ihre Tüte ab und zog sich die Riemchen über die Fersen. Barfuß laufen war ja neuerdings wieder angesagt. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie eine Bewegung und wandte den Kopf. Der freche Köter setzte sich nicht weit von ihr auf die Hinterbeine.
»Mach bloß, dass du wegkommst.«
Er legte den Kopf schief, an seiner Nase hing noch etwas von der lila Zuckercreme. Baylee verkniff sich ein Grinsen, als er versuchte, sie mit der Zunge zu entfernen.
»Hoffentlich bleibt es ewig klebrig.«
Wischmop-Mix wedelte mit dem Stummelschwanz.
»Soll mich das etwa für dich einnehmen? Vergiss es. Da haben schon ganz andere mit dem Schwanz gewedelt.« Jetzt musste sie wirklich lachen, während ihre Gedanken zu Joel DeLuca wanderten. Sofort blieb ihr das Lachen in der Kehle stecken. »Gut, du hattest deinen Spaß. Satt bist du auch, also geh dahin, wo du hergekommen bist.«
Mauzte er etwa?
»Los, Abmarsch!« Sie griff nach ihrer Tüte und schob die Riemchen ihrer Sandaletten über den kleinen Finger. »Ich habe jetzt keine Zeit mehr«, brabbelte sie mehr zu sich selbst und ging weiter. Als sie die Straße überquert hatte und hinter sich ein Hupen vernahm, blickte sie über die Schulter. »Bist du verrückt geworden?«, rief sie dem Streuner auf vier Pfoten zu.
Der sah sie an, als wäre er Super-Dog.
»Läufst du mir etwa nach? Was soll das? Brauchst du deutlichere Worte? Hau ab! Aber lauf nicht gleich in das erstbeste Auto.« Bei dem Gedanken zuckte sie zusammen. »Ich hab’s nicht so gemeint. Tut mir leid.« Also wirklich, Baylee Scott, kriechst du hier vor einem Hund zu Kreuze? Sie hatte sie echt nicht mehr alle.
Kopfschüttelnd setzte sie ihren Weg fort und begriff erst, als sie direkt vor dem Pfarrhaus stand, was ihr ihr Unterbewusstsein suggeriert hatte: Joel DeLucas Kühlschrank aufzufüllen. Was war denn heute mit ihr los? Möglicherweise bekam es ihr nicht, mehrere Stunden am Stück zu schlafen.
Sie wunderte sich, dass die Haustür sperrangelweit offenstand. Baylee erklomm die drei Stufen. Sie hatte keine Hand frei, um anzuklopfen. »Hallo?« Aus dem Inneren drangen die Staubsauger Geräusche. Niemand würde ihren Ruf hören. Jetzt wurde es interessant. Wie erklärte sie seiner Frau, dass sie für ihn eingekauft hatte? Fieberhaft legte sie sich eine Geschichte von alter Freundin und Hilfsbereitschaft zurecht und vertraute darauf, die richtigen Worte im richtigen Moment zu finden. Als sie einen Schritt in das Haus tat, huschte ein schneeweißes Fellknäuel in rasendem Tempo an ihr vorbei. In derselben Sekunde verstummte der Staubsauger, dafür ertönte ein kampfbereites Fauchen, unterbrochen durch wildes Gekläffe, bis es in der Küche schepperte und dann klirrte. Was nur einen Schluss zuließ: Sämtliches Geschirr war gerade zu Bruch gegangen. Als sich eilige Schritte näherten, zog Baylee den Kopf ein.
»Wer sind Sie, wenn ich fragen darf?«
Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit dieser Portion Altjüngferlichkeit. Das Alter der Frau ließ sich absolut nicht einschätzen, ihr Haar war hochgesteckt, der Blick streng, das Gesicht wirkte verkniffen. Sie war korrekt, aber altmodisch gekleidet und erwartete eine Antwort.
»Baylee Scott. Guten Tag, ich möchte zu Joel.«
Die Augenbrauen der Frau schossen in die Höhe. Danach ließ sie ihren gestochen scharfen Blick über Baylees lange nackte Beine schweifen, die knappen Shorts und das hautenge Top bis hin zu den großen Kreolen, die ihr von den Ohren baumelten. Baylee erntete bestenfalls Missbilligung.
»Ist das Ihr Hund?« Die Frau deutete auf das weiße Fellknäuel, besser bekannt als Muffin-Dieb.
»Nein.«
Joel erwachte, als es unter ihm einen gewaltigen Schlag gab. Handelte es sich etwa um ein Erdbeben? Er riss erschrocken die Augen auf und saß sofort kerzengerade im Bett. Dann sprang er auf die Füße, schlüpfte ungeschickt in seine Jeans und rannte los. Er war sich sicher, dass etwas passiert sein musste. Sein Blick traf auf den Wecker, herrje, er hatte verschlafen.
Mehrere Stufen auf einmal nehmend, blieb er schließlich abrupt stehen, als sich ihm ein Ausmaß an Verwüstung an der Küchentür auftat. »Was zum Geier …«
»Guten Morgen, Reverend DeLuca.«
Die näselnde Stimme der gestrengen Haushälterin riss ihn aus seiner Starre. »Mrs. Higgins, guten Morgen.«
»Eine … äh … D… Sie haben Besuch, Sir.« Damit wandte sie sich diskret ab. »Wenn Sie erlauben, kümmere ich mich um den Verbleib von Butterfly Kiss.«
Wahrscheinlich sah er so dämlich aus der Wäsche, immerhin war er überstürzt aus dem Bett gesprungen, dass sie sich bemüßigt fühlte, »meine Katze« hinzuzufügen.
»Natürlich.« Aus dem Garten drang Hundegekläff herein.
Mrs. Higgins lief eilig nach draußen.
»Ich wundere mich ernsthaft, dass ein Reverend wie du so unverfroren lügt.«
Erst jetzt entdeckte er Baylee in der Diele.
»Wie meinst du das?«
»Von wegen, deine Frau ist noch unterwegs.«
»Das hast du angenommen, ich habe nie von meiner Frau gesprochen«, verteidigte er sich.
»Du wohnst mit diesem Hausdrachen...




