E-Book, Deutsch, Band 2, 540 Seiten
Reihe: Der Patchwork-Club
Orlowski Der Patchwork-Club - Eine Liebe in St. Elwine - oder: Pampelmusenduft
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-215-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman: Band 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 540 Seiten
Reihe: Der Patchwork-Club
ISBN: 978-3-98952-215-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Britta Orlowski, Jahrgang 1966, wohnt im Havelland und ist Mutter zweier Söhne. Sie arbeitete 20 Jahre als zahnmedizinische Fachangestellte, aber da sie in einer Zahnarztpraxis leider keine Geschichten erfinden durfte, widmete sie sich schließlich ihrem Traumjob, wurde Buchautorin und jobbte nebenbei in Buchhandlungen. Inzwischen arbeitet sie in einer Arztpraxis und lebt ihre Liebe zu Büchern trotzdem aus. Ihr Lebensmotto: Tu, was du liebst. Wenn sie nicht gerade Quilts näht, tummelt sie sich in ihrem geliebten Garten und/oder schreibt am nächsten Buch. Sie ist Mitglied im Schriftstellerverband des Landes Brandenburg, sowie bei DELIA und Organisatorin der DELIA Liebesromantage 2011 in Rathenow. Die Website der Autorin: www.britta-orlowski.de Die Autorin bei Facebook: https://www.facebook.com/Britta-Orlowski-155028824578718/?ref=bookmarks Die Autorin auf Instagram: https://www.instagram.com/brittaorlowski/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Reihe »Der Patchworkclub« mit den Einzelbänden »Rückkehr nach St. Elwine«, »Eine Liebe in St. Elwine«, »Sommertage in St. Elwine«, »Der Himmel über St. Elwine«, »Ein Kuss in St. Elwine« und »Herzklopfen in St. Elwine«.
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Kapitel 2
Das Ortsschild von St. Elwine huschte vorüber. Charlotte war endlich am Ziel ihrer langen Reise. Die kleine Stadt hieß sie willkommen. Alles schien noch genauso auszusehen, wie in ihrer Erinnerung und doch war es anders.
Während der Busfahrt war Charlys innere Anspannung stetig gewachsen. Zwischen ihren Schulterblättern ballten sich die Muskeln und Sehnen zu einem Knoten. Dafür lag wenigstens die Episode mit Tyler O’Brian hinter ihr. Noch immer war ihr der Abend peinlich, doch zum Glück würde sie diesen Mann nie wiedersehen. Zum Teufel – sie wusste nicht, warum sie ihm ihren richtigen Namen nicht hatte sagen wollen, war im Nachhinein jedoch froh darüber.
Das Gespräch mit Faye, als Charly – noch immer leicht beschwipst – die Suite betreten hatte, ging ihr durch den Kopf.
»Wo warst du nur so lange? Ich habe mir bereits Sorgen gemacht.«
Charlotte blieb halbwegs bei der Wahrheit.
Am nächsten Tag hatte Faye in ihrem Fach eine Mitteilung gefunden, dass Mr. O’Brian keine Betreuerin mehr für den Rest seines Aufenthaltes benötige, weil er die Stadt in Kürze verlassen werde.
Diese Tatsache hätte Charly zutiefst beunruhigt, wenn da nicht neben der Notiz noch Tickets für das Benefizkonzert am Abend gesteckt hätten. Faye war ganz aus dem Häuschen und Charly tat ihr den Gefallen, sie zu begleiten. Obwohl sie sich anfangs sträubte, musste sich Charlotte widerwillig eingestehen, dass ihr das Konzert gefiel. Weil sie keine Rockmusik mochte, hatte sie mehr auf andere Dinge geachtet. Sie fand beispielsweise die Wahl der Gaststars gut und auch das Konzept der Show. Alles schien gut durchdacht und die Liveatmosphäre tat ihr Übriges, um die Zuhörer zu wahren Begeisterungsstürmen hinzureißen.
Und dann kam er.
Seine Band begann langsam und eindringlich. Sie spielten mit Gitarren und einer Mundharmonika. Tyler zog das Publikum in seinen Bann. Selbst Charly hatte sich dem nicht entziehen können. Als er leise zu singen begann, schien seine Stimme sie zu liebkosen.
Liebe hätte sie vielleicht retten können. Ich sah schon lange die Schatten, schon, als sie noch lächeln konnte. Sie war nicht stark genug für diese Welt. Doch Liebe hätte sie vielleicht retten können.
Bei seinen Worten lief ihr ein Schauder über den Rücken, Schwermut erfasste sie. Nur mit Mühe gelang es ihr, die Gefühle in den Griff zu bekommen, und das allein deshalb, weil sie sich auf das Zupfen der Gitarrensaiten und die eindringlichen, gospelartigen Soul-Stimmen der Chorsängerinnen im Hintergrund konzentrierte. Dann war ein gefühlvolles Schallala gefolgt, das sich wie der Hauch einer Berührung über sie gelegt hatte.
Mit dem Song Desire war es rockig geworden auf der Bühne. Für Charly hatte es sich angefühlt, als würde er nur für sie singen. Was natürlich völliger Blödsinn war, denn Faye und die anderen meinten genau dasselbe.
Der Bus stoppte. Charly erhob sich und stieg aus.
Mühelos fand sie das Haus ihres Großvaters. An der Pforte hing noch immer das Schild Dr. Johann Svenson – Zahnarzt und den Sprechzeiten mit dem Hinweis Auf Wunsch auch nach Vereinbarung. Inzwischen war es leicht verwittert.
Charlotte ging die Auffahrt entlang. Hinter dem Fenster machte sie eine Bewegung aus und blieb zögernd stehen. Die Tür wurde aufgerissen und dann stand er da und lächelte sie an.
Sie flog in seine Arme, als wäre sie wieder ein kleines Mädchen.
Grandpa drückte sie fest an sich, während Tränen über seine Wangen liefen. »Du bist wirklich und wahrhaftig gekommen, mein Kind. Ich kann es kaum glauben. All die langen Jahre, in denen ich mich Tag für Tag gefragt habe, wie es dir wohl geht. Lass dich anschauen, Charly!« Er hielt sie auf Armeslänge von sich, strich durch ihr Haar, fuhr mit einem Finger sachte über ihre Wange. »Du hast keine Stupsnase mehr.«
Sie lächelte. »Zum Glück. Ich bin mittlerweile sechsunddreißig. Wie würde ich wohl damit aussehen?«
»Du siehst zauberhaft aus. Viel hübscher, als ich es mir immer vorgestellt habe. Aber ich sage dir, du siehst keinen Tag älter aus als zwanzig.«
»Du bist noch immer ein Schmeichler, Grandpa.«
Eine kräftige Frau mit einer Schürze um den Bauch trat zu ihnen. Sie wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. »Jetzt lassen Sie das Kind doch nicht vor der Tür stehen, Dr. Svenson! Kommen Sie rein, meine Liebe! Hier ist es kühler. Ich habe bereits Zitronenlimonade gemacht, oder ist Ihnen Eistee lieber?« Eilig wies sie in das Innere des Hauses. »Sie möchten sich sicher frisch machen und ein wenig ausruhen. Ich habe Ihr altes Zimmer hergerichtet.« Sie wischte sich ihre Rechte an der Schürze ab. »Ach, wie unhöflich von mir. Bertha Chappell.«
»Die Bertha, die die besten Schokoladenplätzchen in ganz St. Elwine gemacht hat? Und außerdem noch in Grandpas Praxis assistierte? Die den Patienten tröstend die Hand hielt oder resolut mit der Zahnbürste wedelte?« Charlotte erinnerte sich lebhaft.
»Oh, Dr. Svenson, sie weiß es noch.« Gerührt zog die ältere Frau ein Taschentuch hervor und schnäuzte sich.
»Natürlich, wie könnte ich mich nicht an dich erinnern.«
Bertha zog sie in ihre Arme. »Ach, Charly, mein Kind. Wie schön, dass du wieder da bist. Du weißt gar nicht, wie glücklich du deinen Großvater machst. Wirst du bleiben und seine Praxis übernehmen? Wirst du hierbleiben, Charly?«
»Bertha! Wie müssen Sie immer gleich mit der Tür ins Haus fallen?«, brummte Grandpa.
»Papperlapapp! Sie reden doch seit Wochen von nichts anderem. Bertha, was glauben Sie, wird meine Charly bei mir bleiben? Wird Sie hier leben und arbeiten wollen? Was denken Sie? Und jetzt darf ich mal wieder meine Meinung für mich behalten, wie?«, äffte die Ältere Grandpa nach.
Charlotte lachte und hakte sich bei beiden unter. »Ich bin hergekommen, um mich in St. Elwine niederzulassen und die Praxis zu übernehmen. Hier ist mein Zuhause – ist es immer gewesen.« Jetzt, wo sie die Worte ausgesprochen hatte, begriff sie erst, dass sie der Wahrheit entsprachen. Charly schmiegte sich an Grandpa. »Celina wollte dich mir wegnehmen. Aber sie hat es nie geschafft, nie.«
»Ich weiß, mein Herz.« Ihr Gr0ßvater tätschelte ihre Hand.
Charly erwachte schon früh am Morgen. Sie lag in ihrem alten Zimmer in der oberen Etage. Es sah noch fast genauso aus wie damals. Zarte, pastellfarbene Tapete mit einer Bordüre aus Früchten, luftige Gardinen, ebenfalls mit kleinen Obstmotiven. Bis auf eine große Stoffpuppe, die damals ihre Lieblingspuppe gewesen war, war das Spielzeug fortgeräumt worden. Die Puppe hieß Mopsi, wie sich Charly erinnerte. Sie trug ein hübsches blaues Kleid mit einer Schürze, auf die Grandma ein Mädchen und einen Jungen sowie einen Apfelbaum mit großen roten Äpfeln aufgenäht hatte. Mopsis langes helles Wollhaar steckte unter einem hübschen, breitkrempigen Hut, dessen vorderer Teil hochgesteckt war. An diesem Krempenstück prangten ebenfalls Äpfel, Birnen, Kirschen und Erdbeeren, die ihre Großmutter aus Stoff gefertigt hatte. Über der Puppe hing ein kleiner Wandquilt mit den gleichen Applikationen wie auf der Schürze. Mopsi and her Quilt hatte Großmutter ihre Kreation genannt. Charly strich liebevoll darüber.
Sie tappte ins angrenzende, kleine Bad. Es war ebenfalls in Gelb gehalten und typisch schwedisch, mit weißen Holzschränkchen, eingerichtet. Auf dem Waschtisch stand ein Glasteller mit Seifenstückchen, die wie ein Obstsalat mit winzigen Sonnenblumen arrangiert waren. Charlotte hegte von klein auf eine Vorliebe für Obst-, Gemüse- oder Blumenmotive. Ihre Großeltern hatten diese Macke geteilt, wenn nicht erst ausgelöst.
Charly stellte sich unter die Dusche und nahm eine Handvoll Showergel mit Erdbeerduft.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Bertha und Grandpa sah sie sich in Ruhe das ganze Haus an. Im oberen Stockwerk befanden sich neben ihrem Zimmer noch die Räume, die früher ihren Eltern gehört hatten. Bertha bewohnte sie schon seit Jahren. An Charlys Zimmer grenzten zwei weitere, die früher als zusätzliche Kinderzimmer vorgesehen waren, aber sie war ein Einzelkind geblieben. So hatte ihre Großmutter die Räume zum Nähen und Lagern ihrer zahlreichen Stoffe genutzt.
Die Möbel waren mit Laken abgedeckt.
Charly würde Grandpa fragen, ob sie diese Räume mitbenutzen dürfte.
In der unteren Etage befanden sich auf der einen Seite die große Küche und die Räume ihres Großvaters, auf der anderen Seite die Praxis. Der Haupteingang zum Haus führte über eine kleine Treppe, ein Seiteneingang zur Praxis.
Die hintere Hausfront war mit einer offenen Veranda versehen, auf der gemütliche Holzsessel zum Verweilen einluden. Die Polster und Kissen hatte noch Grandma genäht, in fröhlichen blaugelben Stoffen. Im Garten duftete es nach Blumen. Charly erinnerte sich an die zahlreichen Rosenstöcke. Grandpa war leidenschaftlicher Hobbygärtner. Der Garten war noch genauso zauberhaft, wie in ihren Erinnerungen, nur dass sie ihn jetzt nicht mehr als selbstverständlich ansah. Da blühten Lavendel, Rittersporn, Gladiolen, Margeriten. Im Spätsommer würden Sonnenblumen, Dahlien und noch mehr Rosen aufblühen.
Charlotte ging den schmalen, gewundenen Pfad entlang, den sie als kleines Mädchen unzählige Male passiert hatte. Da stand der hölzerne Pavillon, in dessen Innerem sie oft mit ihren Puppen gespielt hatte. Sie hatte dort Teepartys mit ihren Cousinen Angelina und Victoria veranstaltet. Ob die beiden noch immer in St. Elwine lebten? Charlotte würde sie liebend gern wiedersehen.
Sie sah Angie und Vicky vor sich, wie sie eines Tages mit ihren...




