E-Book, Deutsch, Band 6, 367 Seiten
Reihe: Der Patchwork-Club
Orlowski Der Patchwork-Club - Herzklopfen in St. Elwine- oder: Dezembertage
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-318-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman: Band 6
E-Book, Deutsch, Band 6, 367 Seiten
Reihe: Der Patchwork-Club
ISBN: 978-3-98952-318-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Britta Orlowski, Jahrgang 1966, wohnt im Havelland und ist Mutter zweier Söhne. Sie arbeitete 20 Jahre als zahnmedizinische Fachangestellte, aber da sie in einer Zahnarztpraxis leider keine Geschichten erfinden durfte, widmete sie sich schließlich ihrem Traumjob, wurde Buchautorin und jobbte nebenbei in Buchhandlungen. Inzwischen arbeitet sie in einer Arztpraxis und lebt ihre Liebe zu Büchern trotzdem aus. Ihr Lebensmotto: Tu, was du liebst. Wenn sie nicht gerade Quilts näht, tummelt sie sich in ihrem geliebten Garten und/oder schreibt am nächsten Buch. Sie ist Mitglied im Schriftstellerverband des Landes Brandenburg, sowie bei DELIA und Organisatorin der DELIA Liebesromantage 2011 in Rathenow. Die Website der Autorin: www.britta-orlowski.de Die Autorin bei Facebook: https://www.facebook.com/Britta-Orlowski-155028824578718/?ref=bookmarks Die Autorin auf Instagram: https://www.instagram.com/brittaorlowski/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Reihe »Der Patchworkclub« mit den Einzelbänden »Rückkehr nach St. Elwine«, »Eine Liebe in St. Elwine«, »Sommertage in St. Elwine«, »Der Himmel über St. Elwine«, »Ein Kuss in St. Elwine« und »Herzklopfen in St. Elwine«.
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Kalendertürchen 1
Soeben passierten sie das Ortsschild von St. Elwine. »Wir sind da«, rief Matt und drosselte die Geschwindigkeit. Laut Navi war es bis zur Maple-Lodge nicht mehr weit. Seine Mutter saß auf dem Beifahrersitz und lächelte.
»Mhm«, meldete sich Dad.
Moms Lächeln wurde breiter. Sie hatte gewonnen. Die ersten Tage ihrer Reise hatte sein Vater schweigend neben ihnen gesessen. Matt war sich nicht sicher, ob er daran knabberte, demnächst auf seinen Sohn Tyler zu treffen, oder ob er sauer auf Mom war, weil sie ihn überrumpelt hatte. Wahrscheinlich traf beides zu. Er selbst hatte es vorgezogen, das Wohnmobil über den Highway zu lenken und sich St. Elwine und seinen Halbbruder vorzustellen. ›Dieses Weihnachten wird alles anders‹, klang ihm andauernd in den Ohren. Hoffentlich bedeutete das nicht, dass er vor Langeweile sterben würde. Oder, schlimmer noch, dass sich seine Eltern vollkommen zerstritten. Dad, weil das Zusammentreffen mit Tyler nach so vielen Jahren nicht funktionierte, und Mom, weil sie weder dekorieren, Plätzchen backen noch einen eigenen Weihnachtsbaum würde schmücken können. Schön blöd. Allerdings würde auch diese Zeit vorübergehen, und dann kehrten sie in ihr gewohntes Leben zurück. Seine Eltern konnten sich wieder aussöhnen und einander verzeihen, und er ginge auf Jobsuche. Bis dahin betrachtete er das Unternehmen St. Elwine als Urlaub. Jetzt hatte er allerdings genug von fünf Tagen on the road.
»Was hast du Tyler gesagt, wann wir kommen, Chad?«, fragte Mom.
Dad holte tief Luft. »Ich … war der Meinung, das hat noch Zeit.«
»Wie meinst du das?«
»Ich habe ihn noch nicht angerufen.«
Augenblicklich herrschte Schweigen im Wohnmobil. Na super. Vorweihnachtsstimmung gleich null. Da half es auch nicht, dass im Radio gerade ›Driving home for christmas‹ gespielt wurde. Eigentlich mochte Matt den Song nicht, doch beim Autofahren passte er. Tyler hatte also keinen Schimmer, dass dieser Teil der Familie zu den Feiertagen anrückte, sogar den gesamten Dezember im Ort verbringen würde. Sein Halbbruder tat ihm jetzt schon leid. Matt hatte sich immerhin halbwegs auf eine Begegnung einstellen können. In Sachen Überrumpeln stand Dad Mom offenbar in nichts nach. Oder sollte das seine Retourkutsche sein? Eigentlich passte das nicht zu seinem Vater, daher verwarf Matt den Gedanken und tippte auf dessen Hilflosigkeit. Dad war ratlos, wie er sich verhalten sollte. Was ehrlich gesagt kein Wunder war. Immerhin hatte Mom Weitsicht besessen. Sie hatten das Wohnmobil, ein Zimmer in einer Lodge und damit alle Möglichkeiten für spontane, individuelle Entscheidungen.
Mom blickte aus dem Fenster. »Oh, es ist hübsch hier. Lauter kleine Holzhäuser mit Veranden.«
Die Läden, Cafe’s und Plätze waren weihnachtlich dekoriert. Der Ort wirkte ein bisschen altmodisch, irgendwie aus der Zeit gefallen. Kein Wunder, dass er seiner Mutter gefiel.
»Morgen könnten wir einen kleinen Bummel durch die Geschäfte machen. Chad, was meinst du?«, fragte Mom.
»Von mir aus.« Dad’s Umschreibung für: Nett, dass du mich noch nach meiner Meinung fragst.
Mom seufzte.
Das Navi zeigte an, dass sie St. Elwine’s Stadtkern wieder verlassen mussten. Maple-Lodge lag etwas außerhalb. Die Straße führte schnurgeradeaus, das Gelände ringsum wirkte wie eine Parkanlage. Sie kamen nur an zwei Anwesen mit mehreren Gebäuden vorbei: ›Tanner House‹ und ›New Heaven‹. Während Tanner House wie ein Schloss – es gab sogar einen Turm – aussah, wirkte Letzteres wie ein Gutshof mit herrschaftlicher Villa. Danach wurde die Landschaft waldiger. Hohe, alte Eichen, Ahorn und Kastanienbäume standen dichter beieinander. Es war viel dunkler hier als eben noch auf der Mainstreet von St. Elwine. An einem verwitterten grünen Hinweisschild, das ein zweigeschossiges Steinhaus auf einem Hügel zeigte, bog Matt nach rechts ab.
Mom wirkte wenig begeistert, wahrscheinlich hatte sie sich die Maple–Lodge anders vorgestellt. So, dass sich ein romantisches Blockhaus neben einem riesigen Ahornbaum präsentierte und nicht, dass die Ferienunterkunft von Ahorn und anderen Bäumen verschluckt wurde und praktisch von der Straße aus nicht auszumachen war. Tja, gut, dass er nicht an ausgleichende Gerechtigkeit glaubte.
Das Gelände stieg an, und tatsächlich kam oben auf dem Hügel das Haus in Sicht. Hinter den Fenstern war es dunkel, das Gebäude wirkte verlassen, als gammelte es seit ein paar Jahren vor sich hin. Hatte Mom tatsächlich hier gebucht? Er fuhr auf den Parkplatz und ließ das Fahrzeug ausrollen, bevor er den Motor abstellte.
»Bist du nun zufrieden?«, fragte Dad und warf Mom einen Blick zu.
»Natürlich nicht. Ich dachte …«
Da Mom den Tränen nah war, sprang Matt aus dem Wagen. »Ich sehe mich mal um. Es gibt bestimmt eine Erklärung für all das.« Mit den Händen machte er eine umfassende Bewegung.
Auch außerhalb des Wohnmobils wirkte das Anwesen wenig einladend. Tja, die Situation war nun einmal, wie sie war. Matt konnte es nicht ändern und suchte nach der Eingangstür. Dafür ging er um das Haus herum und fand sie am Giebel. Er klopfte an. »Hallo?«
Nichts rührte sich. Entschlossen drückte er die Klinke hinunter und trat in einen dunklen Flur. »Hallo. Ist hier jemand?« Es war kein Mensch zu sehen, aber immerhin hörte er einen Staubsauger, was erklärte, warum ihm niemand antwortete. Matt ging vorsichtig weiter, seine Augen hatten sich an das wenige Tageslicht gewöhnt. Er kam dem Staubsaugergeräusch näher und entdeckte schließlich einen Empfangstresen. Dort brannte sogar Licht.
Eine ältere Frau in Jeans und Pullover wandte ihm ihre Kehrseite zu und fuhr über den Teppichboden. Matt wartete höflich, statt ihr auf die Schulter zu klopfen. Endlich schaltete sie den Staubsauger mit dem Fuß aus, drehte sich um und schrie auf.
»Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken«, sagte Matt.
»Ist Ihnen eins a gelungen, junger Mann. Bin soeben knapp an einem Herzkasper vorbeigeschrammt«, blaffte sie.
»Das tut mir aufrichtig leid.«
»Davon kann ich mir auch nichts kaufen.«
Netter Empfang.
»Wir haben übrigens geschlossen.« Sie ließ das Kabel einrollen.
Echt jetzt? »Da liegt sicher ein Missverständnis vor. Meine Mutter hat hier für den gesamten Dezember gebucht.«
»Sogar bis zum 07. Januar und im Voraus alles bezahlt«, schnarrte sie nicht besonders freundlich.
»Also, dann scheint ja alles in bester Ordnung zu sein.«
Sie trat hinter den Tresen. »Ist es nicht.«
»Wieso, wenn ich fragen darf?« Der Tresen aus dunklem Holz sah solide aus. An dem großen Brett aus demselben Holz, an der Wand dahinter, hingen nummerierte Schlüssel. Was dafür sprach, dass hier tatsächlich keine Gäste logierten. Oder gerade alle gleichzeitig durch St. Elwine spazierten, was eher unwahrscheinlich war.
Die Frau war seinem Blick gefolgt. »Wie ich bereits sagte: Wir haben geschlossen.«
»Aber meine Mom hat gebucht und bezahlt, wie Sie selbst bestätigt haben.«
»Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht geht. Im Übrigen hat Ihre Mutter mir auch nicht zugehört.«
Das lag im Bereich des Möglichen. Im Eifer für die Mission Tyler, den im Stich gelassenen Sohn, war eventuell die Begeisterung mit Mom durchgegangen. Das würde Matt später mit ihr klären. Jetzt musste er sich wohl erst mal um eine neue Unterkunft bemühen. Hoffentlich rückte die schroffe Dame im Strickpullover das Geld wieder heraus.
»Wir werden uns sicher einig«, sagte er und lächelte, was das Zeug hielt.
Irgendwo in der Nähe fiel eine Tür ins Schloss. Die Strickpulli-Frau spähte in Richtung Flur.
»Oh …, hi, Entschuldigung«, ertönte eine weibliche Stimme.
Matt blickte über die Schulter und starrte die junge Frau an. Sie hatte endlos lange Beine, große braune Augen und drehte sich einmal im Kreis.
»Wir haben geschlossen.« Die Geduld der Strickpullover-Frau von der Maple-Lodge wurde offensichtlich auf eine harte Probe gestellt.
»Die ältere Dame draußen auf dem Parkplatz sagt aber etwas anderes«, konterte die junge Frau.
»Tja, dann hat sie sich eben geirrt.«
Die beiden konnten nur Mom meinen. »Verzeihen Sie, wenn ich das sage«, wandte sich Matt an die Dame von der Maple–Lodge. »Dieses Gästehaus sieht aus, als brauchte es jede Menge Buchungen, und da wir schon mal hier sind … Es muss einen triftigen Grund geben, warum meine Mom bei Ihnen gebucht hat. Wir sind seit Tagen unterwegs. Meine Eltern haben sich so auf diese Reise gefreut.« Matt kreuzte auf dem Rücken den Mittel- über den Zeigefinger. »Bitte, schlagen Sie ihnen den Aufenthalt hier nicht ab. Der Ort hat eine große Bedeutung für die beiden.« Zur Bekräftigung drückte er hinter dem Rücken mit dem Mittelfinger fester zu.
»Sie meinen, sie haben hier ihre Hochzeitsreise verbracht?« Das Gesicht der Strickpullover-Frau sah nicht mehr ganz so abweisend aus.
Matt wollte nicht wirklich lügen, daher beantwortete er die Frage nicht, sondern strahlte die Frau mit all seinem Charme an. Miss-ich-hab-die-längsten-Beine-der-Welt verdrehte die Augen, doch darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen. »Wenn Sie meinen Eltern ihren Dezembertraum verwirklichen lassen, bin ich gern bereit, mich hier ein wenig nützlich zu machen, Miss …«
»Mrs., ich bin Dorothea Butler, die Besitzerin.«
»Freut mich sehr. Matt Carmichael.« Er streckte ihr seine Hand entgegen und fragte sich bereits, ob er gerade einen Fehler machte.
Mrs. Butler nickte und schien nicht sicher zu sein, was sie von seinem Angebot...




