E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Star Wars: Hunters
Oshiro Star Wars: Hunters - Kampf um die Arena
Neuauflage 2023
ISBN: 978-3-7367-9815-1
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman zum Videogame
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Reihe: Star Wars: Hunters
ISBN: 978-3-7367-9815-1
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Star Wars Hunters ist ein neues actiongeladenes Videogame aus der weit, weit entfernten SWGalaxis. In 4 gegen 4 - Partien liefern sich Spieler auf unterschiedlichen Star Wars Schlachtfeldern epische Duelle. Der offizielle Jugendroman zum Game nimmt die junge machtsensitive Waise Raise in den Fokus, die versucht, sich in brandgefährlichen Arena-Kämpfen zu beweisen.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Als Rieve Daq Dragus’ Tür aus ihren Schienen pustete, erinnerte sie sich, dass dies bereits das zweite Mal war, dass sie das tat.
Das erste Mal schien ein ganzes Leben lang zurückzuliegen. Sie war von Nar Shaddaa hierhergeeilt, nachdem sie im Holonet eine Werbung gesehen hatte, als sie in der Transportstation war:
SUCHEN SIE NACH ETWAS NEUEM?
BESITZEN SIE EINE BESONDERE GABE?
KÖNNEN SIE UM RUHM KÄMPFEN?
Im Hintergrund war ein Bild zu sehen: eine Rodianerin und ein Wookiee im Kampf. Dann wechselte es zu einem Kopfgeldjäger und einem Sturmtruppler, die mit Blastern aufeinander schossen.
Rieve fand die Idee, eine professionelle Jägerin in der Arena von Balada der Huttin zu werden, ansprechend. Viel wichtiger war jedoch, dass der Zeitpunkt perfekt war. Rieve konnte ihr Leben sauber hinter sich lassen. Sie hatte eine Wahl, anstatt zu etwas gezwungen zu werden, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen war.
Außerdem – auf eine völlig neue Art und Weise vor anderen auftreten? Das war aufregend. Es war ein bisschen beängstigend. Und es gab ihr neue Bahnen, in die sie ihre Energie lenken konnte. Sie bestieg den nächsten Transporter nach Vespaara und schwor sich, Eindruck zu hinterlassen.
Also beschloss sie, die Macht einzusetzen, um Daq Dragus’ Tür aufzubrechen.
Das Ding flog aus seinen Schienen und polterte auf den Boden, und Dragus sprang von seinem Schreibtisch auf. Er trug einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Hemd und dazu ein orangefarbenes Halstuch, und ihr wurde klar, dass sich Dragus immer so kleidete, als würde er gleich eine Show abziehen. „Was glauben Sie eigentlich, wer –“
„Ich bin hier, um Ihre nächste Jägerin zu werden“, verkündete sie. „Haben Sie irgendwelche freien Stellen?“
Er starrte sie mit vor Schreck offenem Mund an. „Haben Sie eben meine Tür zerstört?“
Rieve schaute neben sich auf sie herunter. „Sie ist noch ganz“, stellte sie fest.
Dragus trat, immer noch etwas vorsichtig, näher an sie heran. „Wie haben Sie das gemacht? Wurfhaken?“
Er musterte sie und sah, dass alles, was sie bei sich trug, ein großer Seesack in ihrer Hand war.
„Offensichtlich haben Sie keine Ausrüstung zu Hilfe genommen“, folgerte er. „Also … etwas anderes.“
„Die Macht.“
Dragus musste tatsächlich lachen. „Die Macht?“
„Jep.“
„So wie … die Macht?“
„Nennt man sie noch irgendwie anders?“
„Diese Sache, die diese mythischen Jedi nutzen?“
Jetzt trat Rieve etwas näher. „Sie täten gut daran, nicht zu vergessen, dass ich keine Jedi bin“, sagte sie. „War ich nie, werd ich nie sein …“
Regungslos, als wären sie Angehörige des vintianischen Felsvolks, sahen sie sich einen Moment lang einfach nur an.
„Du hast Mumm“, sagte Dragus.
„Hab ich.“
„Starke Art.“
Dabei schnaubte sie. „Denke schon.“
„Und du fürchtest dich offensichtlich nicht, mich zu reizen.“
Rieve lächelte. „Nicht in diesem Zusammenhang.“
Dragus wandte sich von ihr ab und ging wieder zu seinem Schreibtisch. „Ich habe eine Partnerin“, sagte er. „Balada die Huttin. Sie hat diesen Planeten gegründet. Für gewöhnlich suche ich die Jäger aus, aber sie hat bei allen das letzte Wort. Es ist ihre Arena, und ich arbeite für Balada, nicht umgekehrt. Sie ist es, die man beeindrucken muss.“
„Wollen Sie andeuten, dass ich sie nicht beeindrucken kann?“
Jetzt musste Dragus schallend lachen. „Oh, du bist mir ja eine! Das gefällt mir.“ Er rieb sich das Kinn. „Gut. Du bist dabei.“
Und einfach so hatte sie die Chance bekommen, eine Jägerin zu werden. Trotz Baladas späteren Protests – Dragus hatte noch niemandem ein Trainingsangebot gemacht, den Balada nicht zuvor kennengelernt hatte – schloss sich Rieve einer Handvoll Rekruten an, Kämpfer, Krieger und Querulanten aus der ganzen Galaxis, die es alle auf die heiß begehrten Stellen als Jäger abgesehen hatten. So hatte ein knapper Monat voller Training und Tests begonnen. Jeden Tag stand sie auf, ging zur Arenaanlage und unterzog sich zahllosen Drills und Kursen in Techniken und Übungen zur Rollenbildung. Bei Letzterem flippte sie ein bisschen aus.
„Warum muss ich meine ‚Rolle‘ aufbauen, Dragus?“, fragte sie ihn nach ihrer ersten Trainingswoche. „Kann ich nicht einfach kämpfen?“
„Rieve, Rieve, Rieve“, sagte er, während er auf dem Ausbildungsgelände um sie herumging. Sie standen zwischen zwei Reihen von Trainings-Bots, die darauf programmiert waren, aufs Geratewohl durchzustarten, um die Reaktionszeit zu schärfen. „Du wirst nicht nur eine Kämpferin in der Arena sein. Du wirst eine Jägerin sein.“
„Und was jage ich?“ Sie machte spitzbübisch große Augen. „Etwas, das ich essen kann?“
„Nicht diese Art Jagd, Rieve“, sagte er und verdrehte die Augen. „Wir bauen hier etwas Besonderes auf, und ich weiß, du hast die Kämpfe in der Arena gesehen.“
„Klar. Sieht nach ’ner Menge Zusammenschlagen und Zusammengeschlagenwerden aus. Genau mein Ding.“
„Es ist nicht nur das. Vergiss nicht, dass ich ein Unterhaltungskünstler bin.“ Er breitete die Arme aus. „Ein Jäger zu sein, bedeutet mehr, als nur andere zu verprügeln. Nimm Sentinel. Seine Rolle ist die des Sturmtrupplers, der das Imperium verteidigt hat, bis es ihm nicht mehr passte, und der seine Fähigkeiten jetzt für die Kämpfe einsetzt. Die Leute kommen, um ihm zuzuschauen, weil man ihn so leicht hassen kann. Was du verstehen wirst, falls du es auf eine Spielerliste schaffst und eine Jägerin wirst.“
„Okay“, sagte Rieve. „Aber sind alle so?“
„Nein, gar nicht“, erklärte Dragus. „Der halbe Spaß ist die Entwicklung all der Charakterzüge und Merkmale, die deine Rolle in der Arena ausmachen. Nimm Utooni, die Jawa-Zwillinge. Die lieben es wirklich, ihren närrischen, listigen Kampfstil hochzuspielen. Du verstehst die Idee dahinter?“
„Denke schon“, sagte sie und strich den langen weißen Haarstreifen, der sich über die Mitte ihres Schädels zog, zur Seite. „Aber wenn ich reinkomme und eine Jägerin werde … wer werde ich dann sein?“
„Tatsächlich kam mir die Idee dazu, als du mein Büro so unsanft betreten hast.“
„Die Richtung gefällt mir schon mal“, sagte sie.
„Ich möchte, dass du ein Sith-Lord wirst.“
Zunächst hasste sie die Idee, weil … nun, weil sie kein Sith-Lord war. Sie war Kurierin auf Corellia gewesen und hatte in einer Band auf Nar Shaddaa gespielt. Nichts, was mit der Macht zu tun hatte. Sie war nur empfänglich für sie. Sie schenkte ihr ein paar Fähigkeiten – wenn man die Energieausbrüche, zu denen sie neigte, Fähigkeiten nennen mochte –, aber das war’s auch schon.
Doch je mehr sie übte und trainierte und ihre Wut und Wildheit auslebte, desto unterhaltsamer fand sie die Rolle des berüchtigten Sith-Lords. Sie übte eine Stimme ein. Einen Kampfstil. Sie half sogar mit beim Entwerfen eines Kostüms.
Noch hatte sie keine Chance gehabt, irgendetwas davon in der Arena einzusetzen, zumindest nicht wirklich.
Jetzt, als sie wieder vor Dragus in dessen Büro stand, war sie sich nicht sicher, ob sie dazu überhaupt einmal in der Lage wäre. Sie hielt ihr Datapad in der Hand, und dieses Mal war Dragus nicht allein; seine Geschäftspartnerin, Balada die Huttin, machte sich auf der anderen Seite des Büros breit. Baladas Anwesenheit beunruhigte Rieve. Die meiste Zeit verbrachte sie an Bord des riesigen Schiffes, das über der Arena schwebte, es sei denn, sie war unterwegs, um die Galaxis nach möglichen neuen Waffen, Schmuckstücken oder Jägern zu durchkämmen, die sie ihrer Sammlung hinzufügen konnte.
Nun, Rieve würde sich diesen Moment zunutze machen.
„Weißt du, normalerweise klopfen wir hier an“, sagte Dragus mit einem kühlen Lächeln.
„Me keepuna wermo“, murmelte Balada, und obwohl Rieves Kenntnisse in Huttisch begrenzt waren, verstand sie das Wesentliche:
Ich werde diese Närrin erschießen.
Rieve ignorierte sie. Sie knallte ihr Datapad auf Dragus’ Schreibtisch, gleich neben die braunen Stiefel, die er darauf hochgelegt hatte.
„Wo bin ich?“, fragte sie.
Dragus lächelte, schaute aber nicht auf das Datapad. „Du bist auf Vespaara.“
Sie starrte ihn wütend an. Oh, er hatte also eine dieser Launen. Das hatte sich für sie an dem Tag ausgezahlt, als sie in sein Büro geplatzt war. Aber jetzt? Er musste sie ernst nehmen! Sie war so weit gereist, um hierherzukommen; sie konnte nirgendwo sonst hin. Auf keinen Fall zurück nach Coronet City.
Selbst wenn man sie dort willkommen heißen würde, nachdem …
Auch egal.
„Cheekta rocka rocka.“
Okay, sie hatte keine Ahnung, was das jetzt bedeutete.
„Also, ich glaube nicht, dass mit Rieves Gehirn irgendwas nicht stimmt“, sagte Dragus, drehte sich dann aber in seinem Stuhl herum, um sie anzusehen. „Du etwa?“
„Sie haben meine Frage nicht beantwortet.“ Sie tippte mit dem Finger auf das Datapad. „Wo bin ich? Ich habe den Trainingsplan dreimal durchgesehen. Ich finde meinen Namen nirgends darauf.“
„Das ist mir klar.“ Dragus stand auf und ging um seinen Schreibtisch...




