E-Book, Deutsch, 184 Seiten
Oshman Genug von mir
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98665-120-6
Verlag: Verbum Medien gGmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Freude finden im Zeitalter des Selbst
E-Book, Deutsch, 184 Seiten
ISBN: 978-3-98665-120-6
Verlag: Verbum Medien gGmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Jen Oshman war mehr als zwei Jahrzehnte als Missionarin und Pastorenehefrau in der Frauenarbeit tätig. Sie ist Mutter von vier Töchtern und lebt mit ihrer Familie derzeit in Colorado (USA), wo sie die Redemption Parker Gemeinde gegründet haben.
Autoren/Hrsg.
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Die Absicht des Schöpfers
Als mein Mann vierzig wurde, lebten wir in Europa. Ich plante ein besonderes Überraschungswochenende nur für uns beide in Florenz. Um die Feierlichkeiten abzurunden, hatte ich unsere Familie daheim gefragt, ob sie das Sahnehäubchen zur Überraschung beisteuern wollte: einen Ferrari. Keinen Ferrari für ihn, sondern die Möglichkeit, einen zu fahren, wenn auch nur für kurze Zeit. Ich wusste, es würde der krönende Abschluss unseres Wochenendes sein – ein Moment, der lange in Erinnerung bleibt. Wie passend für einen vierzigsten Geburtstag!
Mark hatte keine Ahnung, was auf ihn zukam. Wir machten uns auf den Weg, um die Stadt zu besichtigen, und ich führte ihn zum Piazzale Michelangelo, dem Treffpunkt für die Fahrt. Dort, die Stadt überblickend, mit dem Dom und der Ponte Vecchio in Sicht, stand der glänzend rote 488 Spider. Marks Augen und sein Mund wurden groß, als ich uns dem Ferrari-Typen vorstellte. Es war unbeschreiblich – für einen kurzen Moment. Das Ferrari-Fest begann zu bröseln, als der Mann uns zu verstehen gab, mit ihm zusammen einzusteigen – so, als würde er mit uns fahren, als bräuchten wir einen Babysitter.
Mark blieb optimistisch und nahm am Fahrersitz Platz, während ich versuchte, meine 1,80 m an dem Ort zusammenzufalten, den manche als Rücksitz bezeichnen würden. Der Motor heulte auf. Mark rückte seine Sonnenbrille zurecht, lächelte mich im Rückspiegel an und suchte vorsichtig seinen Weg aus den Menschenmengen und Straßenverkäufern in Richtung der italienischen Landstraßen. Dort kamen wir aber leider nie an.
Ich hatte mir vorgestellt, dass das Geld, das meine Familie zusammengelegt hatte, uns 20 Minuten Ferrari-Genuss bringen würde. Stattdessen kuppelte Mark 20 Minuten lang den ersten Gang ein und aus und schaltete nicht öfter als ein paar Mal in den zweiten, während wir im italienischen Verkehr feststeckten. Die Blicke im Rückspiegel verwandelten sich von aufgeregter Vorfreude über ernste Ernüchterung hin zu völliger Verzweiflung.
Hoffnungsvoll fragte Mark nach dem silbernen Knopf in der Mittelkonsole, auf dem »Launch« stand.17 »Auf keinen Fall drücken!«, sagte der Babysitter. Sowohl das Auto als auch der Fahrer verstummten. Der Ferrari wurde für eine einzige Sache konzipiert: Geschwindigkeit. Dieses langsame Tuckern durch die Stadt war nicht das, was seine Macher im Sinn hatten. Der dröhnende Motor, das Sportlenkrad, die sieben Gänge und der Hinterradantrieb bettelten um Beschleunigung.
Ich bin kein Auto-Experte, aber auch mir war klar, dass dieser Moment nichts mit der Behauptung im Werbeslogan zu tun hatte, dieser Wagen verbinde »die besten für die Rennstrecke entwickelten technologischen Lösungen mit der Freude des offenen Fahrens und verhilft dem Fahrer so zu einem berauschenden Erlebnis am Steuer«18. Dieses atemberaubende Fahrzeug würde nicht tun, wozu es erschaffen wurde. Es kam einfach nicht in die Gänge.
Ähnlich geht es uns, wenn wir nicht so leben, wie der Schöpfer es beabsichtigte. Wir leiden und verschmachten, wenn wir nicht gemäß dem leben, wozu wir erschaffen wurden. Wie der Ferrari brummen wir leise vor uns hin, stehen still und kommen nur langsam voran. Wir starten nie richtig durch. Wir heben niemals ab, erreichen nie die volle Geschwindigkeit oder unser volles Potential.
So wie der Rennwagen für Geschwindigkeit gemacht wurde, wurden du und ich für Gott gemacht. Er ist unser Schöpfer. Er hat uns für sich selbst entworfen. Wir sind von Gott für Gott geschaffen.
Was ist unsere Geschichte?
Als Menschen im 21. Jahrhundert fragen wir uns schnell, was wir tun sollten. Wir werden von Optionen für Bildung, Hobbys und Freizeit regelrecht überschwemmt. Es gibt unzählige gute Zwecke und Anliegen, für die wir eintreten könnten. Wir wollen wissen, wofür wir uns selbst, unsere Ressourcen und unsere Zukunft einsetzen sollen. Das Handeln hat für uns Priorität.
Bevor du und ich herausfinden können, was wir tun sollten, müssen wir allerdings wissen, Teil welcher Geschichte wir sind.19 Wie können wir wissen, was zu tun ist, wenn wir den Zusammenhang nicht kennen? Was ist die große Handlung um uns herum? Wer ist der Autor? An welche Stelle der Geschichte hat er uns gestellt? Die Bibel ist die Geschichte über Gott – und wir, seine Geschöpfe, kommen darin vor.
Außerhalb der Kirche – und leider auch innerhalb der Kirche – wird die Bibel als ein nützliches Buch voller Lebensweisheiten angesehen. Wir behandeln sie wie einen christlichen Glückskeks – ein Haufen Fragmente mit einigen guten Ideen, die etwas oder vielleicht auch nichts mit uns zu tun haben. Die Gesellschaft klopft der Bibel auf die Schulter und bezeichnet sie als nette, aber uralte Literatur; sie ist veraltet und irrelevant.
Die Geschichte der Bibel überragt jedoch alles andere. Sie reicht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Sie ist die ultimative Realität, die absolute Wahrheit für alle Zeiten. Es ist die Geschichte, in die wir hineinpassen – und das ist besonders für uns heute von Bedeutung: Es ist keine Geschichte, die wir uns so anpassen, wie es uns gefällt, sondern eine Geschichte, der wir uns anpassen und in der wir unseren Platz finden müssen.
Menschen lieben Geschichten. Es ist ganz natürlich für uns, dass wir wissen wollen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Glenn Pauuw gibt uns dazu folgende Warnung: »Weil wir selbst ›unerbittlich narrativ‹ sind, werden wir versuchen, Teile der Bibel in eine Geschichte hineinzustecken, die wir irgendwo aufgeschnappt haben, wenn wir unsere Geschichte nicht aus der Bibel schöpfen. Wir haben keine andere Wahl, als unser Leben als eine Erzählung zu leben, die in eine größere Erzählung passt, von der wir glauben, dass sie der Welt einen Sinn gibt.«20
Wir sind »unerbittlich narrativ«. Um also unsere eigene Geschichte richtig zu verstehen, müssen wir die Bibel als das betrachten, was sie ist: eine zusammenhängende Erzählung, ein Metanarrativ, eine große Geschichte, die alles erklärt.
Die große Geschichte der Bibel
Obwohl die Bibel 66 Bücher enthält und in einer Spanne von über 1500 Jahren von 40 Autoren in drei Sprachen verfasst wurde, enthält sie eine einzige Geschichte: »Von Genesis bis Offenbarung berichtet uns die Bibel über die Herrschaft und Hoheit Gottes.«21
Die große Geschichte der Bibel besteht aus vier großen Abschnitten: Schöpfung, Sündenfall, Erlösung und Wiederherstellung. Einfach ausgedrückt, beschreibt die Schöpfung, wie wir auf diese Erde gekommen sind. Der Sündenfall handelt von unserer ersten Sünde und Rebellion gegen Gott. Die Erlösung finden wir in Jesus, der die Strafe für die Sünde an unserer Stelle bezahlt hat. Und die Wiederherstellung liegt noch in der Zukunft, wenn Gott alle Dinge auf der Erde und im Himmel neu machen wird.
Wenn wir uns einen langen Zeitstrahl vorstellen, wäre der rote Punkt, der unseren Standort markiert, irgendwo zwischen Erlösung und Wiederherstellung zu finden. Dort befinden wir uns im Moment. Die Menschheit hat die Schöpfung und den Sündenfall bereits durchlebt. Die Erlösung kam bereits in Christus, doch die Wiederherstellung ist noch nicht geschehen.
In diesem Kapitel geht es uns vor allem um den ersten Teil der großen Geschichte der Bibel: um die Schöpfung. Indem wir an den Anfang zurückgehen, verstehen wir besser, warum wir uns in der jetzigen Situation befinden und warum Frauen heute im 21. Jahrhundert so desillusioniert sind.
In Gottes Ebenbild und zu seiner Ehre geschaffen
Die Schöpfung ist heiß umkämpft, weil sie sich auf alles andere auswirkt. Wenn es wahr ist, dass wir einen Schöpfer haben und wir nicht durch Zufall hier sind, dann müssen wir uns an ihn wenden, um Antworten auf unsere großen Fragen zu bekommen. Die »wichtigste Implikation der Schöpfung ist, dass sie uns ein grundlegendes Verständnis davon gibt, wer wir sind; unsere Sicht auf den Ursprung bestimmt unsere Sicht der menschlichen Natur.«22
Du müsstest wahrscheinlich lange suchen, um jemanden zu finden, der nicht weiß, wo die Worte »Am Anfang schuf Gott« (1 Mose 1,1) zu finden sind. Obwohl sie nicht von vielen geglaubt werden, sind sie als Eröffnungsworte der Bibel weitläufig bekannt. Siebenundzwanzig Verse später – nachdem Gott Himmel und Erde, Tag und Nacht, Pflanzen und Bäume, Sonne, Mond und Sterne, Fische, Vögel und alle Tiere erschaffen hatte – schuf Gott »den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau« (1 Mose 1,27).
Du und ich wurden von Gott geschaffen, in seinem Bilde. Der Psalmist sagt: »Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk« (Ps 100,3). Wenn wir von Gott kommen, dann verdanken wir ihm nicht nur unsere Existenz. Auch kann nur Gott allein uns sagen, warum wir hier sind, was uns verletzt und wie wir aufblühen können. Der Geschichtenschreiber ist auch der Geschichtenerzähler. Er hat uns in seine Geschichte aufgenommen und kann uns alles über uns erzählen – er hat die Antworten.
Es mag offensichtlich erscheinen, aber du und ich sind nicht wie Bäume, Blumen, Hunde, Katzen und Elefanten. Wir reflektieren Gott. Natürlich ist Gott allein perfekt; nur er kann absolut liebevoll, gerecht, geduldig und freundlich sein.Aber auch wir haben diese Eigenschaften an uns. Obwohl nicht ohne Fehler, können auch wir...




