Otter | Karkloof Blue. Kriminalroman | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Otter Karkloof Blue. Kriminalroman


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95988-026-8
Verlag: CulturBooks Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-95988-026-8
Verlag: CulturBooks Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



KwaZulu-Natal, Südafrika heute. Journalistin Maggie Cloete ist in der Welt herumgekommen. Ein Job als stellvertretende Nachrichtenredakteurin der Tageszeitung Gazette bringt sie zurück in ihre Heimatstadt Pietermaritzburg, wo sie prompt zwischen die Fronten widerstreitender Interessen gerät: Der Papierkonzern Sentinel versteht sich gut aufs Greenwashing und stellt sich als Wohltäter der Region dar. Daran ändern auch die Proteste einer Truppe von Umweltschützern nichts, zu denen Maggies Bruder gehört. Die Konzernleitung will nämlich den Sektor Karkloof 7 roden, ein unberührtes Waldstück und Refugium selten gewordener heimischer Arten. Eigentlich war es Stammesland, doch mit den ursprünglichen Eigentümern hat man sich längst arrangiert. Überhaupt verfügt Sentinel über exzellente Beziehungen. Maggie argwöhnt, dass der Tod des Ökologen David Bloom nicht einfach der Selbstmord eines frustrierten Idealisten war, der eine bedrohte Schmetterlingsart retten wollte. Aber ihre Vorgesetzte pfeift sie energisch zurück: Sie will in der Gazette keine schlechte PR für Sentinel sehen. Dann machen die Forstarbeiter im Sektor Karkloof 7 einen grausigen Fund. Maggie mobilisiert ihre Recherchekünste und bekommt den Zipfel einer Vorgeschichte zu fassen, die zurückreicht in die Zeit von Segregation und staatlich protegiertem Mord. Haben hier neue Seilschaften unbekümmert das blutige Erbe der alten angetreten? Aber auf Maggie Cloete wartet noch die vielleicht bitterste Überraschung ihres Lebens ... »Karkloof Blue« ist ein atemloser, brisanter Politkrimi. Realitätsnah, glaubwürdig und geschmeidig erzählt Charlotte Otter eine brandaktuelle Story aus Südafrika: herb in den Konsequenzen, von ungeheuer lebendigen Figuren getragen, packend bis zum Showdown.

Die Südafrikanerin Charlotte Otter schreibt in englischer Sprache, lebt aber seit vielen Jahren in Deutschland. Sie hat als Kriminalreporterin, als Zeitungsredakteurin sowie als freie Journalistin und Autorin gearbeitet, gegenwärtig jobbt sie in der IT-Branche. Charlotte Otter lebt mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und Tonnen von Büchern in Heidelberg. »Balthasars Vermächtnis« ist ihr erster Roman.

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2
Montag, 6 Uhr früh
Sie schüttete gemahlenen Kaffee in einen Filter und befüllte die Röchelmaschine. Während das Wasser durchlief, packte sie ihre Füße und dehnte ihre Oberschenkelmuskeln. Die Laufstrecke heute früh war mörderisch gewesen – die ganze Old Howick Road hoch bis nach Hilton und wieder zurück. Hügel gab es auch in Joburg, aber längst nicht so bösartig steile wie den Town Hill. Mit dem Kaffee in der Hand ging sie durch den Linoleumkorridor Richtung Newsroom. An den Wänden hingen in schwarzen Plastikrahmen wahllos Titelseiten aus der Geschichte der Zeitung. Statt wie früher im viktorianisch-altehrwürdigen Herzen der Stadt residierte die Gazette jetzt in einem grauen, gesichtslosen Büropark am Stadtrand, umgeben von anderen Unternehmen, deren Tage in den roten Backsteinbauten gezählt gewesen waren. Alles hier wirkte in jedem Sinne billig. Kostenfaktoren nannte es die Chefredakteurin bei einem ihrer Vorgespräche. Redaktion und Druckerei unter einem Dach. Synergie war das Wort, das Tina Naidoo gern benutzte und bei dem Maggie unwillkürlich zusammenzuckte. Sie schaltete ihren Computer ein und sah die Agenturmeldungen durch, um sich einen Überblick über die Tagesnachrichten zu verschaffen: Kriminalität, Korruption und Stromausfälle in Südafrika, die Hölle im Gazastreifen, ein Flugzeugabsturz in den USA, die Tories geißelten Großbritannien mit ihrer Austeritätspolitik. Wenigstens war der Rest der Welt genauso vermurkst. Die Schwingtür zur Redaktion flog auf, und Menzi kam herein, begleitet von einem unterschwelligen Beat. Er war der Kriminalreporter, immer früh da, immer ein Lächeln auf den Lippen und gigantische Kopfhörer auf den Ohren. »Morgen, Chefin«, er winkte im Vorbeischlendern, und seine kurzen Dreadlocks wippten. Sie winkte zurück, blätterte die Montagsausgabe durch und prägte sich für ihre Morgenbesprechung mit Patti um sieben ein, welche Storys ein Nachfassen lohnten. Sie und die Chefin vom Dienst hatten letzte Woche keinen guten Start gehabt. Je weniger Patti von ihr sah, desto glücklicher war sie. »Hey, Chefin, die Cops melden einen Selbstmord an den Howick Falls«, rief Menzi ihr von seinem Schreibtisch zu. »Gibt’s einen Namen?« Den würden sie aus Rücksicht auf die Familie nicht drucken, aber der journalistische Spürsinn saß tief. Hol dir den Namen und roll die Story von vorn auf. »Dave Bloom, dreiundvierzig, aus Clarendon, Frau und zwei Kinder.« »Okay, nur eine Kurzmeldung, Menzi.« Sie würde sie irgendwo auf Seite fünf unterbringen. Jetzt hörte sie Patti ankommen. Sie wartete, bis die Chefin vom Dienst ihren ersten Kaffee intus hatte, dann ließ sie sich auf einen Stuhl neben ihrem Schreibtisch plumpsen. »Nachrichtenredakteurin meldet sich zur Stelle.« Patti sah kurz auf. Nickelbrille und kurzgeschorenes graues Haar rahmten ihr Gesicht ein. »Tag.« Nichts an ihr wies auf den strahlend sonnigen Wintermorgen hin. Stattdessen umwehte sie dicke Luft wie der ewige Nebel von Hilton. Maggie ignorierte den Smog. »Ich hab eine Liste möglicher Storys. Gehen wir sie durch.« Sie rasselte die geplanten Artikel des Tages herunter, während Patti auf ihren Monitor starrte. »Gibt irgendwas eine Titelstory her?« Die CvD wandte sich ihr zu und schob sich die Brille auf die Stirn. Es war das erste Mal, dass sie Maggie direkt ansah. »Menzis Farm-Mord vielleicht, wenn die Indizien sich erhärten. Ich sag nach der Morgenbesprechung Bescheid.« Patti schürzte skeptisch die Lippen. Ihr konnte Maggie nichts recht machen. Ed hatte ihr den Grund dafür erklärt. »Kurz gesagt, du warst nicht die Kandidatin ihrer Wahl«, verriet ihr der Bildredakteur an ihrem ersten Tag, als sie vor dem Gebäude auf einer Bank in der Sonne hockten und traurige Sandwichs vom Kantinenwagen aßen. »Wen wollte sie denn?« »Johnny Cupido war scharf auf den Posten. Patti hat sich für ihn ausgesprochen.« »Und warum haben sie dann mich genommen?« »Du bist eine Externe.« »Soll heißen?« Ed legte ihr die Hand auf die Schulter. Sie sah Fortunate am Empfang die Ohren spitzen. »Soll heißen, du bist leichter wieder loszuwerden.« »Ich bin also entbehrlich. Schöne Scheiße.« »Kommt noch schöner«, sagte Ed. »Da ist auch Geld im Spiel. Es läuft eine Bürowette.« »Worüber?« Fortunates Lauscher krochen förmlich auf sie zu. »Ob du dich hältst. Den Quoten nach dürfte Patti gewinnen und Johnny im Dezember Nachrichtenredakteur sein.« »Was macht ihn zum Favoriten und nicht mich?« Ed grinste und gab ihr einen Klaps auf den Rücken. »Dein Ruf, Maggie. Jeder weiß doch, dass du Ärger anziehst wie ein Magnet.« Niemand wusste das besser als Ed. Sie hatten jahrelang bei der Gazette zusammengearbeitet, bevor der Glanz der Großstadtlichter Maggie in die Ferne lockte. Damals hatte sie mehr verbunden als nur die Arbeit, aber jetzt knisterte nichts mehr zwischen ihnen. Es gab bloß noch Freundschaft, so vertraut und gemütlich wie lange getragene Hausschuhe. »Wann sollen wir heute zur Chefredakteurin?«, fragte sie die CvD, deren Stirn in einem Dauerrunzeln erstarrt war. Patti setzte ihre Brille wieder auf die Nase und stierte statt Maggie den Monitor finster an. »Um drei.« In jeder anderen Nachrichtenredaktion, die sie kannte, war die Besprechung mit dem Chefredakteur eine regelmäßige Sitzung zu festgesetzter Zeit. Diese willkürlich anberaumten Treffen fand sie absolut nervtötend, aber Patti hatte ihr letzte Woche unmissverständlich klargemacht, dass Beschwerden nicht geduldet wurden. Tina Naidoo war ihr eigenes Gesetz. Um neun ging sie rüber zum Konferenzraum. Das kleine Nachrichtenteam war fast vollzählig. Einige sahen sie erwartungsvoll an, andere saßen über ihre Smartphones gebeugt, tippten und wischten. Sie hörte den sausenden Sound, der mit dem Verschicken einer E-Mail einherging. Johan Liebenberg nahm geräuschvoll einen Schluck Kaffee und knallte seinen Becher auf den Konferenztisch. Ob er Geld auf Maggies vorzeitigen Abgang gesetzt hatte? Sie deutete auf Menzi. Aus den Kopfhörern, die er um den Hals trug, wummerte es leise. »Was steht bei dir an?« »Also, der Farm-Mord ist vor Gericht. Die Verteidigung will heute Beweise vorlegen, wenn alles nach Plan läuft.« »Danke, Menzi. Das ist vorerst unsere potenzielle Titelstory. Ed, wie sieht’s mit Fotos aus?« »Kriegst du, Maggie. Ahmed ist schon vor dem Gericht in Stellung, um ihn beim Reinkommen zu erwischen. Wenn er ihn jetzt nicht vor die Linse kriegt, versuchen wir’s noch mal in der Mittagspause.« Die Zeiten von Leuchttisch und Kontaktbögen waren vorbei. Eds Team betrieb eine Phalanx von Rechnern, auf denen sie Bilder auswählten und archivierten. Es war eine kleine Abteilung – ein paar Digitalfreaks für die Computer und den Online-Auftritt der Zeitung, dazu drei Fotografen. Die Computerfreaks standen im Ruf, nur mit ihresgleichen zu reden, und die Fotografen waren bekannt für ihre lässige Haltung, ihren Schlag bei Frauen und dafür, dass sie den besten dagga in ganz KwaZulu-Natal auf Tasche hatten. »Sonst noch was von den Cops, Menzi?« »Hab heute früh mit Ernest gesprochen. Nur der Selbstmord.« »Selbstmord?« Liebenberg sah auf. »Ein Mann namens David Bloom hat sich Samstagnacht die Howick Falls runtergestürzt.« Liebenberg keuchte auf und schlug sich die Hand vor den Mund. »Du kennst ihn?«, fragte Maggie. »Ich habe lange mit ihm gearbeitet, bei Sentinel.« Johan Liebenberg war der neue Umweltreporter der Gazette, erst kürzlich der Forstindustrie abgeworben. Naidoo hatte ihr beim Vorstellungsgespräch stolz erklärt, die Zeitung müsse sich bei Umweltthemen (Zitat) zum topaktuellen Leitmedium mausern, und Johan werde sie dorthin führen. Bis jetzt hatte sie von Liebenberg nichts Topaktuelles gesehen. Das galt auch für seinen heutigen Beitrag – eine Presseerklärung von Sentinel über eine neue Rennpiste in einer ihrer Plantagen im Distrikt Zululand. »Downhill oder Motocross?« Maggies Gelände-Sternstunden waren Vergangenheit, aber die Plantagen der Stadt waren ihr Spielplatz gewesen. »Downhill«, sagte Liebenberg. »Sentinel sponsert kein Motocross. Sie sagen, es ist zu laut und nicht umweltfreundlich.« »Na klar, das müssen die gerade sagen.« Alex Field zufolge hatte Sentinel das Savannenland von KwaZulu-Natal ausgemerzt, um auf Tausenden von Hektar identische Bäume für die Papierindustrie anzupflanzen, trotzdem brachte der Konzern es fertig, sich als Inbegriff ökologischer Nachhaltigkeit zu präsentieren. Fatima Rajab, Gesundheitsreporterin und Amateurfußballfan, hatte eine Story über eine neue Diät, die Gewichtsverlust im Turbo-Tempo garantierte. Der Hit bei den Schulmädchen von Pietermaritzburg, die im Unterricht dutzendweise in Ohnmacht fielen. Als sie durch waren, klatschte Maggie in die Hände. »An die Arbeit, Leute. Gebt mir bis zur Mittagspause Bescheid, wie ihr mit euren Artikeln vorankommt. Dass uns ja nichts durchrutscht.« Alle verdrückten sich. Menzi enteilte zum Gericht, und Maggie starrte ihm nach. Am liebsten wäre sie mitgegangen – raus an die frische Luft, raus in die Welt, in der sich alles ereignete, ein Körnchen Neuigkeit aufstöbern, der Sache nachgehen und das vertraute Prickeln im Nacken spüren, wenn eine...



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