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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 7, 180 Seiten
Reihe: Stella Polaris
Ousland / Thorleifsson Den Nordpol umsegelt
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7557-0913-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 7, 180 Seiten
Reihe: Stella Polaris
ISBN: 978-3-7557-0913-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Børge Ousland, * 1962 in Oslo, von 1984 bis 1993 Tiefseetaucher, danach Militärdienst bei einer Marinespezialeinheit. Zahlreiche Expeditionen, 1996 Solodurchquerung der Antarktis, 2001 Solodurchquerung der Arktis von Sibirien nach Kanada über den Nordpol, 2004 Expedition durch Patagonien zus. mit T. Ulrich, 2006 zus. mit M. Horn erste Winterexpedition zum Nordpol, 2007 zus. mit T. Ulrich vom Nordpol nach Franz-Josef-Land zum Nachvollzug der Reise von F. Nansen und H. Johansen 100 Jahre zuvor. Bei Klaus Isele Editor sind folgende Bücher von ihm erschienen: »Allein zum Nordpol«, »Allein durch die Antarktis«, »Allein über den Nordpol«.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vorwort
Durch die Nordwest- und die Nordostpassage zu segeln, war 500 Jahre lang für Polarfahrer, Wissenschaftler, Seeleute und Abenteurer ein nasser und eiskalter Traum. Die Expeditionen führten in unbekanntem Gebiet in unerwartete Gefahren und bedeuteten äußerste körperliche Belastungen bei extremen Witterungsbedingungen. Die meisten Abenteurer kamen nicht zurück. Die Reise konnte drei Jahre dauern, wie zum Beispiel die -Expedition von Roald Amundsen von 1903 bis 1906, die erste Durchsegelung der Nordwestpassage. Einige Polarfahrer schafften es jedoch heimzukommen und konnten so in Tagebüchern, Reportagen, wissenschaftlichen Artikeln oder durch Vorträge und Fotos von ihrer Reise erzählen, wie zum Beispiel Fridtjof Nansen und Roald Amundsen. Oder wie es heute Børge Ousland schon oft getan hat, von dem einige Bücher erschienen sind.
Inspiriert durch die große norwegische Polartradition, segelten Børge Ousland und Thorleif Thorleifsson 2010 in einem einzigen Sommer durch beide Passagen – also rund um den Nordpol – und das in einem 31 Fuß langen Glasfiberkatamaran. Angesichts dieser Tatsache stellt ihre Expedition einen starken Kontrast dar zu Nansens und Amundsens damaligem Kampf gegen die Eiswüste. Ouslands und Thor leifssons Tour ist geprägt durch die Botschaft, dass die Arktis wegschmilzt; man kann inzwischen rund um den Nordpol herumsegeln. Und dies stellt uns Menschen im Norden vor neue Herausforderungen, gibt uns aber auch ungeahnte Möglichkeiten. ist deshalb ein abenteuerreiches, imponierendes, spannendes – aber auch ein be ängstigendes Buch.
Beängstigend vor allem deswegen, weil die Eisschmelze offen vor unseren Augen geschieht; der Prozess geht rasend schnell voran. Das, was da im Norden passiert, schickt uns eine deutliche Warnung vor der stattfindenden globalen Klimaveränderung. Die Forschung zeigt uns, dass die jährliche Durchschnittstemperatur in der Arktis doppelt so schnell steigt wie im Rest der Welt. Klimaveränderungen in der Arktis gehen schneller vor sich, als wir bislang annahmen. Das dicke mehrjährige Eis schwindet. Im Winter 2009 waren weniger als 15% des Eises im Nordpolarmeer älter als zwei Jahre. Auch das Ausbreitungsgebiet des Eises verändert sich stark. Dies alles konnte die Besatzung der auf ihrer Fahrt 2010 durch die Eismeerpassagen feststellen.
Børge Ousland und Thorleif Thorleifssons Expedition ist deutlich inspiriert von einer langen und stolzen norwegischen und europäischen Polartradition, bei der Forscherdrang, Neugier und Mut, kombiniert mit Innovation, Können und tatkräftigen Unterstützern zuhause, die Erfolgsformel ausmachten. Für eine große Anzahl von Expeditionen war es lange Zeit das erklärte Ziel, Westeuropas und Asiens Seewege über nördliche Routen in beide Richtungen zu verbinden. Seit ungefähr dem Jahr 1500 gab es viele strapaziöse Versuche, oft missglückten sie unter tragischen Menschenverlusten, bis es endlich Roald Amundsen gelang, mit dem kleinen Polarschiff durch die Nordwestpassage zu segeln.
Das Überwintern bei den Inuit, an einem Platz auf King William Island, der später getauft wurde, schaffte die Basis für die Kenntnisse, die entscheidend dazu beitrugen, dass Amundsens Vorstoß zum Südpol im Jahre 1911 glücken konnte. Der schwedisch-finnische Forscher Adolf Nordenskiöld war 1878-1880 der Erste, der durch die Nordostpassage segelte, während Amundsen, der die Nordostpassage mit der 1918-1920 durchfuhr, der Erste war, der beide magische Passagen bezwingen konnte.
Polarexpeditionen zur damaligen Zeit erforderten das Allerbeste an Technologie, Wissen und Können. Vor über 100 Jahren waren das beispielsweise speziell gebaute Polarschiffe wie die , oder , die sich dem Treibeis anpassen und dessen Kräfte aushalten konnten, wenn sie einfroren. In unserer Zeit ist dies mit der eine Nussschale aus Glasfiber, die so schnell durch die beiden Passagen segeln kann, dass ein kurzer Arktissommer dafür genügt. Beide Schiffstypen waren bzw. sind innovativ und auf der Höhe ihrer Zeit.
Der Kontrast zwischen Nansens und Amundsens rustikalen Eismeerkuttern und dem eleganten Glasfiber-Rennboot macht die Entwicklung in unseren polaren Gebieten deutlich. Vor 100 Jahren konnte sich ein Polarschiff nicht vor dem Packeis davonstehlen, sondern musste sich mit bis zu einem Meter dicken Schiffswänden schützen, wie z. B. die , und mit Spezialkonstruktionen versehen, die es ermöglichten, das Schiff auf dem Packeis intakt zu halten, wenn die Naturkräfte ihre Gewalt ausspielten. 2010 konnten Ousland und Thorleifsson im selben öden Nordmeer mit einem Schiffsrumpf von 2-3 cm Dicke um die Eisberge herum navigieren. Diese Entwicklung ist faszinierend und gleichzeitig ein wenig beängstigend.
Die vielen Expeditionen Ouslands sind, wie die von Sverdrup, Nansen und Amundsen, geprägt von akribischer Planung und langer, intensiver Erfahrung. Wissen um die örtlichen Gegebenheiten, neue Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse flossen mit ein. Selbst wenn heutige Polarabenteurer wie Ousland keine neuen Inseln, Berge und Fjorde mehr entdecken oder Farbe auf die weißen Flecken der Weltlandkarten setzen können wie ihre Helden ein Jahrhundert zuvor, haben sich Ousland und sein Team in diesem Polargebiet auf neuartige Weise und mit neuen Techniken fortbewegt.
Seit meinem ersten Tag als norwegischer Außenminister richtete auch ich meine Aufmerksamkeit gegen Norden. Von Norwegens Wirtschaftsgebieten erfährt der Norden momentan die stärksten Veränderungen. Wir sehen darin große Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten, die sich aufgrund des wachsenden Interesses an Ressourcen und aufgrund der Folgen der Klimaveränderung ergeben. Neue wirtschaftliche Seewege können erschlossen werden. Dabei steht Norwegens entspanntes Verhältnis zu seinen Nachbarländern im Zentrum, inklusive des großen Nachbarn im Osten, Russland. Eine große Verantwortung für unsere Regierung besteht darin, dafür zu sorgen, dass Norwegen eine klare politische Strategie verfolgt und alles dafür tut, damit Norwegens Führungsposition im Norden, wie sie seit Ende des 19. Jahrhunderts besteht, gewahrt bleibt.
Für die Außenpolitik der Regierung haben seit 2005 die nördlichen Gebiete wichtigste strategische Bedeutung. Die übergeordneten außenpolitischen Ziele für die Politik in diesem Gebiet sind, den Frieden zu sichern, für Stabilität in der Region zu sorgen, eine tragfähige Verwaltungsstruktur aufzubauen und die Ressourcen unter Stärkung der internationalen Zusammenarbeit auszunützen, um den gemein samen Herausforderungen in der Region begegnen zu können. Wenn wir es schaffen, diese übergeordneten Ziele zu erreichen, können wir auch den Rahmen schaffen für das Erreichen der eher innenpolitischen Ziele wie der Stärkung der Beschäftigungsstruktur, der wachsenden wirtschaftlichen Wertschöpfung und der Erhöhung des Lebensstandards im ganzen Land.
Der verstärkte Einsatz für die nördlichen Gebiete kann mit den drei Schlüsselwörtern Aktivität, Kenntnisreichtum und Präsenz ausgedrückt werden. Als Erstes sollte Norwegen den Ehrgeiz haben, vorherrschend auf den wichtigsten Gebieten wirtschaftlicher Aktivitäten im Norden zu sein. Zweitens sollte Norwegen führend auf allen Wissensgebieten sein, die für den Norden wichtig sind, also Polar- und Klimaforschung, Wirtschaftsentwicklung und Geopolitik. Und drittens sollte Norwegen das Ziel haben, das Leben im Norden durch eine gute Wohnungsbaupolitik, durch Erhöhung der Wertschöpfungsmöglichkeiten für die Menschen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Unterstützung vielfältiger kultureller Aktivitäten zu sichern. Das Ziel sollte sein, dass Menschen in allen Teilen des norwegischen Festlandes und der umliegenden Meeresgebiete leben und wirken können.
Mit der Wahl von Tromsø als Sitz für das neue ständige Sekretariat der Organisation ›Arktischer Rat‹ im Jahr 2011 hat Norwegen ein weiteres Mal seine Rolle in der Entwicklung der nördlichen Gebiete und der Arktis gestärkt. Auf einen Nenner gebracht geht es für Norwegen vor allem um die natürlichen Ressourcen, das Klima und das Verhältnis zu Russland, was die Entwicklung im Norden »treibt« und antreibt: Der Klimawandel fordert die Umwelt und die Menschen in der Arktis heraus. Die Polarregion ist ein Laboratorium, ein Warnsystem für die großen globalen Klimaveränderungen, die momentan vor sich gehen. Es zeigt, wie verletzlich Arktis und Antarktis gegenüber menschlichen Einflüssen sind, zum Beispiel durch die Vermüllung mit Schwermetallen und anderen Umweltgiften. Die Folgen für die Gesundheit der Menschen in diesen Regionen sind vehement, vor allem für die Ureinwohner.
Ein einzelnes Land kann diese Herausforderungen nicht allein meistern. Es muss sich mit anderen Ländern zusammentun, wenn es gelingen soll, die Möglichkeiten zu nutzen, die der Rückzug des Eises in der...




