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E-Book, Deutsch, Band 0010, 144 Seiten

Reihe: Julia

Page Für heute und ein ganzes Leben


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-0673-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 0010, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7337-0673-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Ich werde niemals heiraten!' Mehr als eine lockere Affäre hat Jessie nicht im Sinn, als sie auf einer Hochzeitsfeier einen sexy Fremden kennenlernt. Denn Liebe bedeutet nichts als Schmerzen, davon ist sie überzeugt. Auch Nick behauptet, nur Nächte voller Lust und Leidenschaft mit ihr verbringen zu wollen. Und so scheint es für Jessie das perfekte Arrangement, als sie ihn zufällig in New York wiedertrifft. Bis sie schockiert feststellen muss, wer er wirklich ist. Und plötzlich fragt sie sich verletzt: Hat er sie etwa aus purer Berechnung verführt?

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1. KAPITEL

Jessie seufzte, als ihr Telefon läutete. Sie konnte unmöglich rangehen. Unter ihrem Schreibtisch zusammengekauert, suchte sie gerade verzweifelt nach einer funktionierenden Steckdose, wobei sie nicht zum ersten Mal die alten elektrischen Leitungen in ihrem Büro verfluchte. Bereits drei Mal an diesem Tag hatte es einen Kurzschluss gegeben. Und sie brauchte doch so dringend Strom für ihren Laptop …

Eines Tages würde sie neue Leitungen bekommen. Und wenn ihre Firma den neuen Großauftrag bekäme, um den Jessie gerade verhandelte, wäre dieser Tag vielleicht schon sehr bald.

„Gloria? Kannst du für mich ans Telefon gehen?“, rief sie in der Hoffnung, dass ihre Schwester sie hören konnte.

„Mach ich!“, schrie Gloria zurück und rannte über den polierten Holzboden in Richtung des Telefons.

„Guten Tag, hier ist Jessie Owens Büro. Ja, sie ist hier. Sie braucht nur eine Minute, um ans Telefon zu kommen. Mit wem spreche ich bitte?“

Gloria kniete sich auf den Boden und blickte Jessie an. „Ein Mann namens Nick sagt, ihr hättet euch auf Beckys Hochzeit kennengelernt.“

Nick? Das war eine Überraschung. Wenn man bedachte, wie schnell er geflohen war, nachdem Jessie ihn auf ihr Zimmer gebeten hatte, grenzte sein Anruf wohl an das achte Weltwunder.

Dummer Champagner. Sie hätte nicht so viel von diesem Zeug trinken dürfen. Ihr gesunder Menschenverstand war ihr dadurch abhandengekommen. Während sie sich aus einem Durcheinander von Kabeln befreite, streckte sie eine Hand nach ihrer Schwester aus. „Hilfst du mir bitte auf?“

Etwas zu euphorisch stellte sie sich vor den Schreibtisch, um ihre Schwester hervorzuziehen. Unglücklicherweise verlor sie dabei das Gleichgewicht, und die beiden Frauen stürzten zu Boden.

Sie sahen einander an und kicherten.

„Das war nicht gerade ladylike.“

„Am besten, wir behalten es für uns.“

Jessie lachte immer noch, als sie ins Telefon sprach.

„Hallo, hier ist Jessie.“

„Jessie. Es tut gut, Ihr Lachen zu hören. Ich hatte schon befürchtet, dass Sie nicht mit mir sprechen wollen“, sagte die ruhige, tiefe Stimme am anderen Ende der Leitung.

„Ich war eher davon ausgegangen, dass Sie nicht mit mir sprechen wollen. Nachdem Sie, so schnell Sie konnten, von Beckys Hochzeit verschwunden sind …“

„Es lag nicht an Ihnen.“ Nick klang beinahe reuevoll. „Es lag an dem Strumpfband. Ich wollte auf keinen Fall bei diesem idiotischen Spiel mitmachen.“

Jessie lachte wieder. Sie konnte das verstehen. Nachdem sie das Bouquet gefangen hatte, war sie von einer ganzen Schar überhoffnungsvoller Frauen beglückwünscht worden, nur um ein paar Minuten später mit dem alternden, dicken Junggesellen tanzen zu müssen, der das Strumpfband gefangen hatte.

„Das kann man Ihnen nicht zum Vorwurf machen. Es war ein dämliches Spiel“, pflichtete sie Nick bei.

„Auf Hochzeiten ist so etwas normal. Wenn wir gemeinsam auf Ihr Hotelzimmer gegangen wären, hätten Becky und Mark uns ganz sicher zum nächsten Ehepaar erklärt.“

„Nein, Becky kennt mich. Sie weiß, dass ich nicht heiraten möchte. Die Ehe ist für mich pure Zeitverschwendung.“

Nick lachte. „Ich hoffe, dass Sie in Bezug auf Becky und Mark nicht genauso denken?“

„Natürlich nicht. Nur in Bezug auf mich“, antwortete Jessie, während sie nach dem gerahmten Bild von sich selbst und ihrer besten Freundin griff, das ihren Schreibtisch zierte. Becky in ihrem wunderschönen Brautkleid und Jessie in ihrem hübschen Brautjungfernaufzug. „Die Hochzeit ist lange her. Mindestens drei Monate. Sie sind offenbar sehr beschäftigt gewesen.“

„Ich bin von London nach New York gezogen. Und nebenbei musste ich eine neue Firmensparte ins Leben rufen, die unser Familienunternehmen ins 21. Jahrhundert führen soll. Es war viel los.“

Wieder musste Jessie lachen. „Das mit dem Umzug hätte als Entschuldigung gereicht. Ich bin nicht sauer auf Sie.“

„Gut“, sagte er.

Für ein paar Sekunden war es still. Bis Jessie plötzlich ausrief: „So ein Mist.“

„Was?“, fragte Nick verwirrt.

„Ich bin zu spät dran.“

„Wofür?“

„Ich habe eine Besprechung mit Neukunden und ihrer Agentur. Es wird sowieso kein leichtes Unterfangen, und jetzt komme ich auch noch zu spät.“

„Das klingt anstrengend. Aber Sie sind nicht allein. Ich bin ebenfalls auf dem Weg zu einem schwierigen Unterfangen. Ich muss einen unserer Kunden vor einer riesigen Dummheit bewahren.“

„Das klingt genauso anstrengend“, erwiderte Jessie, zog eine marineblaue Anzugjacke vom Garderobenhaken in ihrem Büro und stürmte dann schnurstracks aus dem rötlich braunen Sandsteingebäude, in dem sich ihre kleine Agentur befand.

„Das wird es wohl auch.“

„Also. Was kann ich für Sie tun?“, fragte Jessie, während sie in Richtung ihrer U-Bahn-Haltestelle rannte. „Ich möchte Sie nicht unter Druck setzen, aber in etwa drei Minuten habe ich meine Metrostation erreicht, und Sie wissen, was das für den Handyempfang bedeutet.“

„Dann komme ich am besten gleich zur Sache. Ich habe mich gefragt, ob Sie mich vielleicht morgen Abend zu einem Wohltätigkeitsball begleiten würden. Ich weiß, dass ich in letzter Minute frage, doch mein Vater hat mich selbst erst gerade darüber informiert, dass ich hingehen muss. Und Sie sagten doch auf Beckys Hochzeit, dass Sie gerne einmal auf einem Ball tanzen würden.“

„Holen Sie mich in einer kürbisförmigen Kutsche ab?“

„Wenn Sie versprechen, gläserne Schuhe zu tragen, dann mache ich das“, antwortete er.

„Die habe ich nicht“, sagte Jessie, als sie die Stufen zur U-Bahn erreichte. „Aber ich komme gerne mit. Wo treffen wir uns?“

„Oh – ich hole Sie wirklich ab, wenn auch nicht in einer Kutsche. Mark hat mir Ihre Adresse gegeben.“

„Okay. So gegen acht Uhr?“

„Sieben wäre besser.“

„Gerne. Bis dann“, antwortete Jessie und versuchte, unbeeindruckt zu klingen.

Doch innerlich jubelte sie. Sie würde zusammen mit dem gutaussehenden Sohn eines Geschäftsmagnaten auf einem Ball tanzen. Es wäre wie bei Cinderella – wenn auch nur für eine Nacht. Und dieser Gedanke machte die bevorstehende Besprechung um vieles leichter erträglich.

Nick sah auf seine Uhr und wünschte sich, dass sein Fahrer endlich die klassische Musik ausschalten und das Gaspedal durchtreten würde. Ungeduldig lehnte er sich in seinem Sitz nach vorn, bevor er fragte: „Bob, könnten Sie vielleicht etwas schneller fahren?“

Der freundliche Familienchauffeur drehte sich zu ihm um.

„Warum? Kommen Sie zu spät zu einem heißen Date?“

„Nein. Nur zu einer Besprechung mit der wichtigsten Kundin unserer Agentur.“

„Die Kundin, für deren Auftragsrettung Sie aus London zurückgeholt wurden?“

„Genau die.“

„Dann ist mir alles klar. Schnallen Sie sich an, mein Junge.“

Während die Limousine durch eine der elegantesten Alleen der Stadt raste, lehnte Nick sich auf seinem Sitz zurück.

Diese Besprechung machte ihm größere Sorgen, als er zugeben wollte. Wenn er den Kosmetikkonzern mit seinen Ideen zufriedenstellen konnte, wäre die Zukunft seiner Agentur erst einmal gesichert. Dann könnte er den Drohungen vieler Aktionäre, in naher Zukunft aus dem Unternehmen auszusteigen, vielleicht ein Ende setzen.

Innerlich verfluchte Nick seinen Vater dafür, dass er mit Thornton & Co. an die Börse gegangen war, ohne sich mit ihm abzusprechen. Denn seit dem Börsengang war das Unternehmen langsam aber sicher in die roten Zahlen abgerutscht. Wenn Nick nicht ein paar Dinge änderte, würde sein Vater bald die gesamte Firma verkaufen müssen. Und Nick wäre nicht in der Lage, etwas dagegen zu tun. Dabei hatte er seinem Großvater versprochen, dem Familienkonzern auch im 21. Jahrhundert Erfolge zu sichern.

Nick sah aus dem Autofenster und dachte zurück an all die Male, die sein Vater nicht zu den Football- und Fußballspielen seiner Schule erschienen war. Sein Großvater jedoch war immer dort gewesen, um Nick anzufeuern. Er war auch derjenige, der Nick bei den Hausaufgaben half, wenn seine Eltern keine Zeit für ihn hatten. Und derjenige, der ihn zur Abschlussfeier seiner Highschool begleitet hatte.

Alles für das Familienunternehmen zu tun, war das Mindeste, das Nick ihm zurückgeben konnte. Besonders, weil es das Einzige war, worum sein Großvater ihn jemals gebeten hatte.

Nick seufzte. Um den Schaden, den sein Vater angerichtet hatte, wieder gutzumachen, lagen Monate harter Arbeit vor ihm. Wahrscheinlich Jahre. Er musste mit kleinen Schritten anfangen. Zuerst einmal musste er das Vertrauen des Kosmetikriesen Goddess zurückgewinnen. Dann konnte er weitersehen. Der einzige Lichtblick in all dem Chaos war der bevorstehende Abend mit Jessie.

Seit er sie bei Marks Hochzeit in den Armen gehalten hatte, war es Nicks größter Wunsch, sie wiederzusehen. Niemals würde er den Klang ihres Lachens vergessen, und zu den unpassendsten Gelegenheiten hallten ihre verträumten Worte „Wie wär’s, wenn ich Ihnen die Schlüsselkarte für mein Hotelzimmer gebe?“ durch seine Ohren. Vor allem dann, wenn seine Mutter ihn bei gesellschaftlichen Anlässen wieder einmal mit irgendwelchen reichen Erbinnen verkuppeln wollte.

Nick fragte sich, was seine Mutter wohl sagen würde, wenn sie ihn mit Jessie sah? Wahrscheinlich würde sie einfach nur den Kopf...



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