Palmer Krieger des Lichts - Ungezähmte Verlockung
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9602-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 120 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-8025-9602-5
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die erste Novella zur Krieger des Lichts-Reihe: Prickelnd, knisternd, actionreich! Zehn Jahre ist es her, dass Zee seiner Geliebten Julianne das Herz brach: Er wies ihre Liebeserklärung zurück und verschwand daraufhin spurlos. Doch jetzt ist Zee wieder da, gerade als Julianne in einer Notlage steckt. Auch wenn seine Unsterblichkeit dabei auf dem Spiel steht, will er ihr zur Seite stehen. Aber Julianne hat keinerlei Absichten, sich von ihm helfen zu lassen - auch wenn Zee ihre Gefühle noch immer in Aufruhr bringt ... (ca. 120 Buchseiten) "Die wendungsreiche und spannungsgeladene Handlung ist Garant für ein wahres Lesevergnügen!" LoveLetter
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2
Am Nachmittag des nächsten Tages klopfte es an der Tür. Das war der Moment, vor dem Julianne sich gefürchtet hatte. Auf einen Schlag verkrampfte sich ihr Nacken.
»Die Jungs haben gerade angerufen«, rief Cambria durch die Tür hindurch. »Zeelands Flugzeug ist pünktlich gelandet. Sie werden in ungefähr fünfzehn Minuten da sein.«
Julianne sprang das Herz fast aus der Brust. »Danke, Cam. Ich komme runter.« Während sie hörte, wie sich Cambrias Schritte entfernten, vergrub sie das Gesicht in beiden Händen.
Zeeland kehrt heim.
Wieder kam die alte, bittere Demütigung in ihr hoch, Schmetterlinge flatterten aufgeregt in ihrem Bauch, und heftige Sehnsucht zog ihr Herz zusammen, bis der Druck beinahe nicht mehr zu ertragen war.
Seit gestern hatte sie mindestens ein Dutzend Mal erwogen, in eine andere Enklave zu flüchten und dort so lange zu bleiben, bis Zeelands Besuch vorüber war … oder sich in ihrem Zimmer zu verstecken und die Tür abzuschließen. Doch seitdem ihr ständig Melisandes Besuche drohten, war ihr Zimmer auch kein Zufluchtsort mehr.
Außerdem kannte sie Zeeland viel zu gut. Er war so stur wie ein Ochse und so entschlossen wie eine Wildkatze auf der Jagd. Wenn er sich einmal entschieden hatte, sie sehen zu wollen, würde er sich von einer verschlossenen Tür nicht aufhalten lassen, und es gab keinen Ort, an den sie hätte flüchten können, wo er sie nicht aufspüren würde.
Wenn er sie aufspüren wollte. Ein sehr großes Wenn.
Nein, sie hatte keine andere Wahl, als seinen Besuch mit zusammengebissenen Zähnen durchzustehen und zu hoffen, dass er sie möglichst wenig beachtete. Der schwierigste Teil daran würde werden, selbst möglichst gleichgültig zu wirken.
Schnell schlüpfte sie in ein schmal geschnittenes türkisfarbenes Kleid, das sie vor ein paar Monaten mit Serenity und Cambria bei Lord & Taylor’s gekauft hatte. Danach setzte sie sich an ihren Schminktisch und trug etwas fahrig Make-up auf. Therianer mochten zwar ewig leben, aber sie legten Wert auf Mode und hatten Spaß daran, sich hübsch zu machen. Vor allem, wenn Gäste erwartet wurden … wie heute Abend.
Cambria und Serenity hatten den ganzen Tag gekocht und spontan ein Willkommensessen für Zeeland vorbereitet. Cambria hatte gesagt, dass vielleicht sogar ein paar Krieger des Lichts dazukommen würden. Zwar überragten alle therianischen Männer ihre menschlichen Geschlechtsgenossen, doch die Krieger des Lichts waren noch größer, stärker und zweifellos auch wilder als alle anderen Vertreter ihrer Rasse. Es wurde immer interessant, wenn die Krieger auftauchten.
Aber der Einzige, den sie unbedingt sehen wollte, war Zeeland – auch wenn sie sich gleichzeitig vor der Begegnung fürchtete.
Julianne zog das Gummiband aus ihrem Haar, sodass die dunklen Locken auf ihre Schultern fielen. Sie griff nach ihrer Bürste und war fast fertig mit Kämmen, als sie einen nur allzu vertrauten Energiestoß spürte.
Ihr stockte der Atem. Die aufsteigende Furcht brachte ihre Haut zum Kribbeln, als eine unnatürliche, nach Pinien duftende Brise durch ihr Zimmer wehte, und die Härchen auf ihren Armen stellten sich auf.
Im Spiegel ihres Schminktisches sah sie, wie Melisande – die schemenhafte Gestalt einer Frau – hinter ihr erschien. Julianne sprang auf, wirbelte herum und wich vor ihrer Nemesis zurück.
»Melisande.« Unwillkürlich stieß sie den Namen hervor, doch er kam nur wie ein Hauch über ihre Lippen.
Die geisterhafte Frau schwebte vor ihr und strahlte leicht rotorangefarben. Die schlanke, zierliche Melisande trug wie ein Krieger aus alten Tagen eine braune Tunika und lohfarbene Beinkleider. An ihrer Taille hing ein Messer. Ihr Antlitz war täuschend hübsch und zart und wurde von goldblondem Haar eingerahmt, das zu einem langen Zopf geflochten war.
Für jeden, dem der kühle Blick oder der grausame Zug um ihren Mund entging, wirkte sie lieb und harmlos.
Tausend Jahre lang hatten die Therianer geglaubt, Melisandes Volk, die Ilinas, wären ausgestorben. Tausend Jahre lang waren sie einem Irrtum aufgesessen.
»Der Mondstein, Julianne.« Melisandes Augen funkelten warnend.
Einmal – ganz am Anfang – hatte Julianne wissen wollen, warum sie ihn haben wolle. Melisande hatte ihr erklärt, dass die Königin der Ilinas krank sei und der Stein gebraucht werde, um sie zu heilen.
Julianne hob die leeren Hände. »Ich habe überall gesucht. Immer wieder. Gib mir einen Hinweis, Melisande. Irgendetwas, was die Suche eingrenzt.«
Melisande sah sie finster an. »Er ist irgendwo in diesem Haus. Ich spüre seine Macht, kann ihn aber nicht lokalisieren.« Melisande trat … schwebte … näher heran. »Du bist nutzlos, Schwesterchen. Wertlos. Aber du wirst diesen Mondstein finden.«
Melisandes hellblaue Augen funkelten drohend. »Ich gebe dir noch einen Tag, Julianne. Wenn ich morgen wiederkomme, wirst du ihn mir geben.«
Julianne starrte sie an, während es in ihrem Innern langsam dumpf zu brodeln begann – Angst und aufsteigende Wut kämpften miteinander. »Du hörst mir nicht zu. Ich habe überall gesucht. Er ist nicht hier.«
»Er ist hier! Wenn ich selber nach ihm suchen könnte, würde ich es tun.«
Doch sie konnte nicht, denn die Ilinas waren fest entschlossen, weiter zu verheimlichen, dass es sie überhaupt gab. Soweit Julianne wusste, hatten die Ilinas vor tausend Jahren ihren Untergang vorgetäuscht, um ihr Volk vor einem gefährlichen Gegner zu verstecken. Und sie würden töten, um dieses Geheimnis zu bewahren.
Juliannes Mutter hatte sich jedoch nicht daran gehalten und Juliannes Vater von ihrer wahren Herkunft erzählt … Sie war zur Hälfte eine Ilina gewesen. Sie hatten beide einen hohen Preis für dieses winzige bisschen Wahrheit bezahlen müssen.
Julianne würde es nie jemandem erzählen. Nie und nimmer. Sie würde die Leute, die sie liebte, damit niemals in Gefahr bringen.
Melisandes zarte Hand schloss sich um das Heft ihres Messers. »Wenn du den Mondstein nicht bis Morgen gefunden hast, wirst du meinen Zorn zu spüren bekommen, Schwesterchen.« Ihre Stimme wurde leise und bekam einen grausamen Klang. »Morgen wird einer deiner Lieben sterben.«
Julianne zuckte zusammen, als wäre sie geschlagen worden, und sie sah Melisande mit weit aufgerissenen Augen an. »Das kannst du nicht machen! Sie wissen von nichts. Ich habe ihnen nie etwas erzählt, damit ihnen nichts passiert!«
»Dann finde den Mondstein!«
Juliannes Miene wurde nun kämpferisch, denn ihre Wut gewann die Oberhand und spülte die Angst fort, die seit einem Monat ihr ständiger Begleiter war. Sie spürte, wie sich ein merkwürdiges Kribbeln in ihren Gliedern ausbreitete.
Mit finsterem Blick sah sie die Ilina an. »Nimm deine Drohung zurück, sonst werde ich dir nicht mehr helfen.«
Ein spöttisches Lächeln breitete sich auf dem geisterhaften Antlitz der Frau aus. »Du willst mir drohen?«
»Ich habe nur aus einem einzigen Grund eingewilligt, dir zu helfen – ich will meine Freunde schützen. Wenn du ihnen also trotzdem etwas antust, werde ich dir nicht mehr helfen. Such diesen Mondstein selber.«
Melisande presste die Lippen aufeinander, und ihre Augen wurden zu schmalen Schlitzen, während das Kribbeln in Juliannes Körper immer schlimmer wurde. Es fühlte sich an, als wäre ihr Blut mit Kohlensäure versetzt worden und würde in ihren Adern wie Champagner perlen.
Melisande gab einen angewiderten Laut von sich.
Julianne hob eine Hand … und konnte den Blick nicht mehr davon abwenden.
Ihre Finger waren genauso durchscheinend und schemenhaft wie Melisandes Erscheinung. Sie keuchte und riss vor Entsetzen die Augen weit auf. Die letzten Zweifel an ihrer Herkunft wurden zerstreut, als sie ihren verräterischen Körper anstarrte.
»Warum passiert das mit mir?«
Der bösartige und wütende Ausdruck war aus Melisandes Miene verschwunden und hatte Resignation Platz gemacht. »Die heftigen Emotionen haben offensichtlich den Wandel bei dir ausgelöst. Als du jung warst, habe ich immer gehofft, dass du zu wenig Ilina-Blut in dir trägst, um dich in Nebel zu verwandeln. Ich hatte gehofft, du könntest ein Leben führen, in dem du nie von uns erfahren würdest. Aber ich spürte, wie sich der Funke in dir entzündete, als du erwachsen wurdest. Ich habe befürchtet, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis es so weit ist. Und ich hatte recht.«
»Du hast mich beobachtet?«
»Dein ganzes Leben lang. Genau wie ich deine Mutter immer im Auge behalten habe.«
»Warum?«
»Es ist meine Aufgabe, alles zu beseitigen, was das Geheimnis unseres Volkes bedrohen könnte.« Sie streckte ihre Hand aus. »Du musst mit mir mitkommen, Schwesterchen.«
Julianne starrte die kleine, schemenhafte Hand an. »Du wirst mich umbringen.«
»Du wirst nur für eine Weile im Kristallreich bleiben.«
»Dort werde ich dann sterben. Halte mich nicht zum Narren, Melisande. Man mag zwar seit tausend Jahren nichts mehr von den Ilinas gehört haben, aber wir haben euch nicht vergessen. Und jeder weiß, dass Wesen mit einem festen Körper dort nicht lange überleben.«
Ihr Magen zog sich vor Angst zusammen. Sie war jetzt zu einer echten Bedrohung für sie geworden. »Sag mir, wie ich mich wieder zurückverwandeln kann, Melisande.« Ihre Worte klangen halb fordernd, halb flehend. »Sag mir, wie ich verhindere, dass es wieder...




