Palmer Vamp City - Hinter den Zeiten
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9479-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 01, 400 Seiten
Reihe: Vamp-City-Reihe
ISBN: 978-3-8025-9479-3
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf der Suche nach ihrem Bruder gerät Quinn Lennox in eine dunkle Unterwelt, die nur sie sehen kann. Dort begegnet ihr der Vampir Arturo Mazza, der sie mit seinem gefährlichen Charme völlig in seinen Bann schlägt. Quinn glaubt, ihm nicht trauen zu können, doch wenn sie ihren Bruder retten will, ist sie auf seine Hilfe angewiesen.
Pamela Palmer hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und für eine Computerfirma gearbeitet, bevor sie beschloss, Schriftstellerin zu werden. Mit den Kriegern des Lichts hat sie einen internationalen Bestseller gelandet. Vamp City ist eine neue spannende Romantic-Fantasy-Serie aus ihrer Feder.
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1
Im kühlen Labor des Clinical Center des National Institute of Health in Bethesda, Maryland, saß Quinn Lennox auf ihrem Hocker und studierte die Untersuchungsergebnisse, die vor ihr auf dem Tisch lagen. Verdammt! Genau wie bei den anderen Tests zeigte auch dieser Befund nichts Ungewöhnliches. Nichts! Sie hatte wohl jeden wissenschaftlich bekannten Bluttest gemacht, doch bei allen kam heraus, dass der Patient ekelhaft gesund war. Vollkommen normal.
Die Untersuchungsergebnisse konnten also nicht richtig sein.
Der Patient war weder normal noch war er es jemals gewesen, und sie wollte unbedingt herausfinden, warum. Sie wünschte sich, auf eine wahnwitzige Zahl, auf einen der unzähligen Tests zeigen und sagen zu können: »Da. Das ist es. Das ist der Grund, warum mein Leben so verpfuscht ist.«
Denn es handelte sich dabei um ihre eigenen Untersuchungsergebnisse.
»Quinn.«
Als die Stimme ihrer Chefin von der Tür zum Labor zu ihr herüberdrang, zuckte sie schuldbewusst zusammen. Wenn jemand herausfinden sollte, dass sie die Laborgeräte benutzt hatte, um Bluttests von sich durchzuführen, würde sie sofort gefeuert werden. Sie widerstand dem Impuls, die Ergebnisse umzudrehen oder in ihrer Schreibtischschublade zu verstauen, legte das Blatt auf den Tisch und zwang sich, Jennifers Blick mit einer fragenden Miene zu begegnen.
»Hattest du Zeit, die McCluny-Tests durchzuführen?« Jennifer war eine rundliche Frau über vierzig mit einem großen Herzen und dem Drang, die Welt retten zu wollen.
»Natürlich«, antwortete Quinn lächelnd. »Die Ergebnisse liegen auf deinem Schreibtisch.« Sie mochte ja vielleicht unerlaubt Tests durchführen, tat das jedoch niemals zum Nachteil von jemand anderem.
»Hervorragend.« Jennifer grinste. »Ich wünschte, ich könnte dich klonen, Quinn.«
Bei der bloßen Vorstellung daran unterdrückte Quinn ein Stöhnen. »Eine von meiner Sorte ist mehr als genug.« Zumindest war es mit Sicherheit mehr, als sie vertragen konnte.
»Hey, ihr zwei.« Clarice blieb neben Jennifer im Türrahmen stehen. Sie trug ein T-Shirt, Shorts und hatte einen Kapuzenpullover aus Fleece um die Hüften geknotet. Es war nach sechs, und die meisten Labortechniker hatten schon Feierabend gemacht. Auch Clarice schien eindeutig auf dem Sprung zu sein, denn sie hatte bereits ihren weißen Laborkittel ausgezogen. Aber das sollte sie auch, schließlich würde sie in zwei Tagen heiraten. Die kurvige Rothaarige hatte in Quinns ersten beiden Jahren am NIH zu ihren besten Freundinnen gezählt. Bevor alles schiefgegangen war und Quinn sich von praktisch allen sozialen Aktivitäten hatte zurückziehen müssen.
Clarice klatschte in die Hände und strahlte dabei eine solche, fast schon greifbare Aufgeregtheit aus, dass Quinn es noch auf ihrem Platz in der Mitte des Labors spüren konnte. Die Worte zukünftige Braut tanzten der Frau quasi in sprudelnden Champagnerbläschen über dem Kopf. »Kommt ihr beiden morgen Abend zu meiner Wohnung oder treffen wir uns gleich in Georgetown? Larry und zwei seiner Trauzeugen fahren später jede nach Hause, die gebracht werden möchte.«
Der Junggesellinnenabschied … Bar-Hopping in Georgetown … Quinn biss sich leicht auf die Zunge, um es sich zu verkneifen, prompt abzulehnen. Nein, sie würde zu dieser Veranstaltung nicht hingehen. Auf gar keinen Fall! »Für mich ist es einfacher, wenn ich euch dort treffe«, entgegnete sie. Außer einer plötzlichen Erkrankung fiel ihr keine gute Ausrede ein. Doch dafür war es noch zu früh.
»Ich komme zu deiner Wohnung.« Jennifer tätschelte der jüngeren Frau die Schulter. »Du strahlst und siehst glücklich aus, Clarice. Kein bisschen wie eine dieser gestressten, verrückt gewordenen Personen, in die sich so viele Bräute heutzutage verwandeln.«
»Oh, ich bin verrückt, keine Sorge. Ich bin bloß verrückt vor Glück.«
»Dann bleib so. Bis morgen, Ladys«, verabschiedete sich Jennifer mit einem Winken und verschwand den Gang hinunter.
Clarice kam ins Labor, in dem sich nun nur noch Quinn befand, und setzte sich auf den Hocker neben sie. »Ich muss noch eine Million Dinge erledigen. Zwei Millionen.«
Quinn bedachte sie mit einem halb mitfühlenden, halb ungläubigen Blick. »Was machst du dann noch hier?«
»Aufschieben. Sobald ich hier zur Tür raus bin, werde ich, bis ich im Bett liege, mit hundert Sachen pro Stunde durch die Gegend rasen. Falls ich da heute Abend überhaupt noch reinkomme.«
Quinn nahm Clarices Hand. »Ich freue mich für dich.«
»Danke.« Clarice drückte nun leicht zu. »Ich bin so froh, dass du morgen Abend mit uns weggehst, Quinn.«
»Ich auch«, erwiderte sie schwach und hasste sich selbst dafür, dass sie nicht mitkommen würde, immerhin war ihre letzte Partynacht schon Ewigkeiten her und die kommende versprach richtig lustig zu werden. Und sie verabscheute es, Clarice zu enttäuschen. Doch sie wagte es nicht, mitzugehen. Nicht nach Georgetown. »Das will ich auf keinen Fall verpassen.«
Clarice löste ihre Hand aus Quinns Griff und sprang vom Hocker auf. »Genug aufgeschoben. Ich muss los.«
»Schlaf heute Nacht ein wenig.«
Clarice verdrehte die Augen. »Ich werde in den Flitterwochen schlafen.«
»Da hat Larry eventuell was anderes vor.«
Lachend verschwand ihre Kollegin um die Ecke.
Quinn ging zurück an ihren Tisch, faltete den Laborbericht zusammen und steckte ihn in ihre Handtasche. Dann zog sie ihren Kittel aus, blickte an sich hinunter auf ihre Kleidung und merkte, wie sich vor Anspannung ihr Magen verkrampfte. Oberflächlich betrachtet war sie für einen Arbeitstag im Labor ja ganz normal angezogen – trug Jeans (lilafarben), ein T-Shirt (rot) und Tennisschuhe (hellblau). Das Problem war nur, dass ihr Oberteil ursprünglich eine gelbe Farbe gehabt hatte, die Jeans blau gewesen waren und die Schuhe weiß, als sie sie am Morgen angezogen hatte. Das Schimmern war auf dem Weg zur Arbeit aufgetreten, so wie mittlerweile fast jeden Tag. Warum? Warum passierte das alles mit ihr und mit niemand anderem?
Sie verließ das Gebäude und machte sich auf den langen Weg quer über das NIH-Gelände zu ihrem Auto. Auf die lange anstrengende Fahrt durch den Washingtoner Verkehr freute sie sich nicht gerade. Mit der Metro zur Arbeit zu fahren war so viel einfacher gewesen. Aber auch öffentliche Verkehrsmittel kamen für sie nun nicht mehr infrage. Was, wenn sie einen Schimmer durchquerten? Wie zur Hölle sollte sie den anderen Fahrgästen den Farbwechsel erklären?
Aufgrund der Hitze an diesem späten Augusttag schwitzte sie bereits, bevor sie ihr Auto, einen zehn Jahre alten Ford Taurus, erreicht hatte. Als sie schließlich die Tür öffnete und auf das pinkfarbene Wageninnere starrte, das eigentlich schiefergrau hätte sein sollen, nahm das ungute Gefühl in ihrem Bauch sogar noch zu. Mit einem resignierten Schnaufen stieg sie ein, um wieder nach Washington D. C. hinein nach Hause zu fahren.
Ihr Leben war schon immer ein bisschen eigenartig verlaufen. Doch nun wurde es langsam ziemlich verrückt.
So lange sie sich erinnern konnte, geschahen merkwürdige Dinge, bisher allerdings eher selten. Lediglich zwei Mal waren sie auf beängstigende Weise seltsam und nicht bloß so dämlich wie diese Farbwechsel gewesen. Und nach dem zweiten schlimmen Vorfall in der Highschool hatte sich zunächst einmal gar nichts mehr ereignet. Erst vor ein paar Jahren war dann das Spiel mit diesen Schimmern losgegangen.
Vor ein paar Wochen hatten zudem noch die Visionen begonnen.
Ja, ihr Leben gestaltete sich so langsam wirklich verrückt.
Als sie sich dem Naval Observatory auf der Washington Avenue näherte, sah sie wie ein schwaches Glänzen im Sonnenlicht einen der Schimmer über sich, fast wie einen Regenbogen, den man manchmal im Dunst sehen konnte. Sie befanden sich immer an derselben Stelle, bewegten sich weder, noch ließen sie jemals nach – als wären es unsichtbare Wände in verschiedenen Teilen von Washington, die sie schon immer hatte sehen und auch ohne Zwischenfälle passieren können. Bis vor Kurzem zumindest … Nun mied sie sie nach Möglichkeit wie die Pest. Aber es gab nicht einen Weg zur Arbeit, auf dem man nicht mitten durch einen Schimmer hindurchfahren musste.
Und leider verlief einer mitten durch Georgetown, weshalb sie sich unmöglich am nächsten Tag mit Clarice, Jennifer und den anderen treffen durfte. Wie betrunken müssten die anderen Frauen wohl alle sein, um nicht zu bemerken, dass sich die Farbe von Quinns Kleidung direkt vor ihren Augen veränderte? Zu betrunken, deshalb war es ein viel zu großes Risiko.
Während sie durch den Schimmer fuhr, stellten sich ihr wie immer die Haare an den Unterarmen auf, das Innere ihres Wagens wurde wieder grau und auch ihre Klamotten sowie die Schuhe nahmen wieder ihre normalen Farben an.
Irgendwie hatte sie sich an diese Eigenartigkeit gewöhnt, doch im Großen und Ganzen machte es ihr Angst. Denn diese Wechsel traten mittlerweile immer häufiger auf, und sie wurde das ungute Gefühl nicht los, dass dies erst der Anfang war.
Sie konnte nicht anders, als sich zu fragen …
Was würde als Nächstes passieren?
Quinn schloss die Tür zu ihrer Wohnung, die am Rand des Campus der George Washington University lag, auf und öffnete sie. Zur Begrüßung wehte ihr der Geruch nach warmer Peperoni-Pizza entgegen, und die heimeligen Geräusche einer Computerspielschlacht waren zu hören.
»Oh, schöner Schlag«, erklang Zacks tiefe, sonore Stimme aus dem...




