Panic | Die Liebe kommt auf Samtpfoten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Panic Die Liebe kommt auf Samtpfoten

Eine herzerwärmende Katzengeschichte
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95649-927-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Eine herzerwärmende Katzengeschichte

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95649-927-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Katze Kaila freut sich auf gemütliche Wintertage am Kamin. Vorher muss sie aber dafür sorgen, dass ihr Pflegefrauchen Miriam wieder glücklich wird - zum Beispiel mit dem netten Architekten Sascha? Kaila hat gleich gespürt, dass er der Richtige für Miriam sein könnte. Und so setzt die kluge Katzendame alles daran, diese zwei Menschen zum Fest der Liebe zu vereinen.
'Eine herzerwärmende Geschichte, die die dunkle Jahreszeit aufs Angenehmste erhellt. Für Katzenfreunde und solche, die es (vielleicht) werden wollen.'
Petra Schier, Autorin



Bevor sie anfing, sich Geschichten auszudenken, hat Ira Panic sich hauptberuflich mit dem wahren Leben beschäftigt - als Reporterin, Redakteurin und Textchefin bei verschiedenen Tageszeitungen und Magazinen. Seit der Jahrtausendwende lebt und arbeitet sie als freie Autorin und Publizistin. Am liebsten in Wassernähe, meist in Hamburg und gelegentlich (vor allem im Winter) auch in Florida.

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1. KAPITEL


Ich hasse die Kasseler Berge“, murmelte Miriam vor sich hin, während sie hinter einem Lkw abbremste, der bei acht Prozent Steigung und Graupelschauern unbedingt den vor ihm fahrenden Laster überholen musste, weil er ungefähr zwei Stundenkilometer mehr draufhatte als die Konkurrenz. Zwar verfügte die Autobahn ausnahmsweise mal wieder über drei Spuren – jedenfalls bis zur nächsten Baustelle –, aber links vorbeiziehen ging nicht. Dafür war Miriams alte Klapperkiste zwischen all den Power-Volvos und BMWs auf der Überholspur definitiv zu schwach auf der Brust.

Zumal sie ihn so vollgestopft hatte wie nur irgend möglich, schließlich sollte ihr Aufenthalt in Beerfelden nicht nur eine Auszeit von ein paar Monaten sein, um Tante Juliane zu helfen, sondern vielleicht – hoffentlich – sogar der Auftakt zu einem Neuanfang, der sie überallhin führen konnte.

Natürlich würde sie nie auch nur denken, wie gut Tante Juliane ihren Glatteis-Unfall getimt hatte. Dafür mochte sie die exzentrische große Schwester ihres spießigen Vaters viel zu gern. Aber tatsächlich hätte der ebenso kleinlaute wie wortreiche Anruf aus der Uniklinik Heidelberg zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. Er riss Miriam nicht nur aus ihren selbstmitleidigen Grübeleien, sondern versprach auch genug Abstand von dem Desaster, das sich ihr Leben nannte, sodass sie in Ruhe die Trümmer ihrer Existenz sortieren konnte.

Beim Gedanken an das, was ihr Mistkerl von Ex sich zum bitteren Ende ihrer privaten und geschäftlichen Partnerschaft so alles geleistet hatte, trat Miriam so heftig aufs Gaspedal, dass ihr altersmüder Polo förmlich an dem endlich wieder rechts eingescherten Lastwagen vorbeischoss, was nur deshalb klappte, weil es gerade mal wieder abwärts ging. Wütend drückte sie auf den Senderknöpfen des Radios herum, aber das gab hier auf der Grenze zwischen Niedersachsen und Hessen nur ein nerviges Rauschen von sich. Schließlich schaltete Miriam auf CD um. Rihanna, ungekrönte Queen of Bad Boyfriends, passte ohnehin gerade besser zu ihrer Stimmung als Inforadio in Endlosschleife. Die poppigen, trotzigen Liebesballaden und die helle Stimme der Sängerin brannten scharf und hoffentlich desinfizierend in den Wunden ihres gebrochenen Herzens.

Fast sieben Jahre war sie mit Richard zusammen gewesen; sie hatten sich während des Fotografiestudiums kennengelernt und – bis über beide Ohren verknallt – beschlossen, sich auch beruflich zusammenzutun. Gleich nach dem Abschluss gründeten sie ein kleines Studio für Food- und Produktfotografie.

Dass die Mini-Firma sich zunächst ganz vielversprechend anließ, lag vor allem daran, dass Miriam, angetrieben von ihrem väterlicherseits geerbten Sicherheitsbedürfnis, alle künstlerischen Ambitionen auf Eis gelegt und sich mit Feuereifer in die Aufgabe gestürzt hatte, Aufträge an Land zu ziehen. Dass Richard sich immer wieder „Auszeiten“ für diverse abgedrehte Projekte nahm und dann leider für die appetitliche Inszenierung eines veganen Geschnetzelten „Zürcher Art“ oder das ansprechende Arrangement der neuen Kampagne für Feuchtklopapier mit Kamillenessenz nicht zur Verfügung stand, fing erst an, sie zu stören, als die erste – und zweite und dritte – Verliebtheit abgeklungen war.

Großer Gott, um Richard nicht bei seiner künstlerischen Entfaltung zu behindern, hatte sie sogar noch eine Teilzeit-Assistentin angeheuert. Wie blöd konnte man eigentlich sein? Steffi, von Miriams bester Freundin Jana auch „das blonde Gift“ genannt, war nicht nur ziemlich effizient mit Licht, Kamera und Photoshop, sie hatte auch ein bemerkenswert gutes Händchen im Umgang mit ihrem Boss. Statt wie sonst meist durch Abwesenheit zu glänzen, tauchte Richard plötzlich verdächtig oft im Studio auf. Und kam abends immer später nach Hause.

Tja, dass die beiden partout nicht die Finger voneinander lassen konnten, auch nachdem Miriam die allzu diensteifrige Assistentin in hohem Bogen gefeuert und ein zerknirschter Richard ihr mit tränenerstickter Stimme „nun aber wirklich“ ewige Treue geschworen hatte, war schon schlimm genug.

Aber was ihr endgültig den Rest gab, als die Beziehung schließlich doch mit einem Riesenknall (und ziemlich viel zerschlagenem Geschirr) in die Brüche ging, war die Entdeckung, dass ihr zum Arschloch mutierter Traumprinz sich auch noch schamlos vom Firmenkonto bedient hatte.

Im Spätsommer war Miriam nichts anderes übrig geblieben, als Insolvenz anzumelden. Jetzt stand sie mit ihrer Fotoausrüstung und einer Menge Schulden da, denn sie hatte nicht nur ihre gesamten Ersparnisse in das Studio gesteckt, sondern war auch noch auf einem privat abgeschlossenen Kredit sitzen geblieben, der allein auf ihren Namen lief – womit Richard fein raus war. Wie gesagt, schön blöd.

Nach drei verheulten Nächten mit Wein, Ben & Jerry’s „Peanut Butter Cup“ und einem hirnerweichenden „Downton Abbey“-Marathon mit Jana hatte Miriam ihre Wohnung in Eimsbüttel gekündigt – zu groß, zu leer, zu teuer –, ihr Bett und ihre Regalwand an Freunde verkauft, den restlichen Kram über eBay verscherbelt, ein paar Kisten mit Klamotten und persönlichen Dingen gepackt und war bis auf Weiteres zu ihren Eltern nach Bahrenfeld gezogen, wo sie ihr altes Kinderzimmer wieder in Beschlag nahm, abwechselnd Zukunftspläne schmiedete und wieder verwarf und Trübsal blies.

Mama und Paps gaben sich zwar redlich Mühe, Begeisterung darüber zu verströmen, dass ihre einzige Tochter mit achtundzwanzig Jahren wieder bei ihnen untergekrochen war, konnten aber nicht ganz verbergen, dass sie bei Gelegenheit doch ganz gern ihre hart erarbeitete Privatsphäre wiederhätten.

Höchstens bis Jahresende, das hatte Miriam sich fest vorgenommen. Länger würde sie ihnen nicht zur Last fallen. Vielleicht würde sie sich für den Übergang eine WG suchen, auch wenn sie nicht wirklich der Typ für Gruppenwohnen war. Aber viel wichtiger war, dass sie sich darüber klar wurde, wie es beruflich weitergehen sollte.

Die öde Produktfotografie war nie ihr Traum gewesen, es schien damals nur der beste Weg zu sein, sich ein Leben mit Richard aufzubauen. Eine nicht gerade brillante Idee, wie sich im Nachhinein herausgestellt hatte …

Aber Miriam war wild entschlossen, aus ihren Fehlern zu lernen. Nie wieder würde sie Privates und Berufliches mischen! Und sie würde auch keine Frühstücksflocken mehr fotografieren. Sondern ihren künstlerischen Ambitionen folgen, sobald sie etwas mehr Klarheit darüber hatte, was genau sie gern machen würde.

Mode vielleicht? Wäre schon spannend, keine Frage, aber es war verdammt schwierig, ohne Beziehungen einen Fuß in diese hart umkämpfte Szene zu kriegen.

Fotoreportagen über interessante Ecken der Welt? Kunstvolle Landschaftsinszenierungen? Auch eine Möglichkeit. Aber dafür müsste sie reisen, und wer sollte das bezahlen?

Tiere? Die verkauften sich immer gut, aber Miriam war keine Hundeflüsterin und konnte einen Vogel nur dann vom anderen unterscheiden, wenn es sich bei dem ersten um einen Storch, beim zweiten um ein Rotkehlchen handelte. Außerdem hatte sie einen Heidenrespekt vor jedem Lebewesen, das größer als ein Schaf war, womit Pferde – und leider auch Büffel und Zebras vor der atemberaubenden Kulisse der afrikanischen Savanne – schon mal durchs Raster fielen. Tauchen konnte sie nicht, vor Spinnen und Schlangen hatte sie Angst, für Schnecken und Schmetterlinge fehlte ihr die Geduld. Nein, eine Tierfotografin war wohl nicht an ihr verloren gegangen.

Mitten in diesen immer wieder von Heulattacken unterbrochenen Grübeleien war Miriam von ihrem vibrierenden Handy unterbrochen worden, und auf dem Display erschien das Bild einer rothaarigen Frau in mittleren Jahren, mit einem riesigen Strohschlapphut auf dem Kopf und einer zierlichen schwarz-weißen Katze auf der Schulter.

Natürlich war Miriam rangegangen. Einen Anruf von Tante Juliane ignorierte man nicht, Liebeskummer plus Zukunftsangst hin oder her.

„Dummheit schützt vor Strafe nicht“, hatte Juliane geächzt, nachdem sie sich in allen Einzelheiten über ihren Unfall ausgelassen hatte. „Wie konnte ich nur denken, es wäre eine gute Idee, mit Satinpumps aus den Sechzigerjahren – übrigens von Bally – in den gefrorenen Garten zu gehen? Aber ich wollte nur noch mal rasch nach den Christrosen sehen, die mir ein bisschen schwächlich vorkamen, und dann zu Susi nach Darmstadt düsen, erst Lunch, dann Theater, unser übliches sonntägliches Kulturprogramm halt. Und wer hätte denn auch mit derart frühem Frost gerechnet? Ende Oktober? Letztes Jahr um diese Zeit haben wir noch draußen sitzen können. Ohne Mantel! Nun ja, ein falscher Schritt und plumps, da lag ich und sah Sterne. Meine Liebe, du kannst dir nicht vorstellen, wie hart so ein Winterbeet sein kann.“

Miriam war noch dabei, ihrem Mitgefühl Ausdruck zu verleihen, als Juliane ihr energisch das Wort abschnitt. „Ich brauche deine Hilfe, meine Liebe. Denn wie mein gut aussehender junger Arzt mir gerade mitgeteilt hat, komme ich erst in eine Spezialklinik nach Bayern und anschließend dort in die Reha – offenbar die erste Adresse für komplizierte Beckenbrüche, da will ich natürlich nicht protestieren. Wofür zahle ich schließlich jeden Monat ein Vermögen an die Krankenkasse? Wenn ich wieder halbwegs zugange bin, steht eventuell noch ein Kuraufenthalt am Gardasee an. Warum auch nicht, dann ist dort schon wieder Frühling!“

Tante Juliane holte noch einmal tief Luft, bevor sie endlich, aber für ihre Verhältnisse doch ziemlich zügig auf den Punkt kam. „Vor Ende Februar, Anfang März stehe ich auf keinen Fall...



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