Panic | Glücksbringer auf leisen Pfoten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Panic Glücksbringer auf leisen Pfoten

Liebesroman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95576-859-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Liebesroman

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-859-1
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Warum sind Menschen nur so kompliziert? Die Katzen Luna und Colette schlagen die Pfoten über dem Kopf zusammen. Da wohnen ihre Frauchen Sonja und Marie-Claire schon in Paris, der Stadt der Liebe, und dennoch stellen sie sich in Herzensdingen mehr als ungeschickt an. Merkt Sonja denn nicht, dass der attraktive Restaurator Nicolas viel besser zu ihr passt als Jonas - der ohnehin nur Augen für Bistrobesitzerin Marie-Claire hat? Für die Samtpfoten ist klar, dass sie ihren Menschen auf die Sprünge helfen müssen, damit es zum Happy End unterm Eiffelturm kommt.
»Vier Herzen, Liebeschaos und zwei kluge und findige Samtpfoten, die nichts unversucht lassen, um ihren geliebten und doch manchmal so begriffsstutzigen Menschen zu ihrem Glück zu verhelfen. Eine turbulente und romantische Geschichte vor der Kulisse der romantischsten Stadt der Welt.«
Petra Schier
»Eine tolle Liebesgeschichte mit Niedlichkeitseffekt.«
Leserstimme auf LovelyBooks über »Die Liebe kommt auf Samtpfoten«



Bevor sie anfing, sich Geschichten auszudenken, hat Ira Panic sich hauptberuflich mit dem wahren Leben beschäftigt - als Reporterin, Redakteurin und Textchefin bei verschiedenen Tageszeitungen und Magazinen. Seit der Jahrtausendwende lebt und arbeitet sie als freie Autorin und Publizistin. Am liebsten in Wassernähe, meist in Hamburg und gelegentlich (vor allem im Winter) auch in Florida.

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1. Kapitel

Wow. Paris. Und Jonas, aber inmitten des Ankunftstrubels auf der Gare de l’Est (was eine Million Mal charmanter klang als »Ostbahnhof«) überwog die Vorfreude auf die Stadt sogar die Aussicht, Jonas wiederzusehen. Außerdem, dachte Sonja, während sie sich mit Sack und Pack sowie Katzenreisetasche vorsichtig durch die Menschenmenge zum nächstgelegenen Ausgang mit einem Taxisymbol schob, befand sie sich in der wunderbaren Situation, zehn Monate lang sowohl Paris als auch Jonas ausgiebig genießen zu können. Glück im Doppelpack sozusagen. Allerdings wusste Jonas noch nichts davon, wie fest sie dieses Glück bereits in ihr Leben eingeplant hatte. Und das könnte unter Umständen problematisch werden.

Sonja seufzte. Noch keine fünf Minuten in der Stadt ihrer Träume, und schon hatte sie es geschafft, ihre fröhliche Stimmung durch schlecht getimte Grübelei auszubremsen. Typisches Eigentor einer amtlich beglaubigten Bedenkenträgerin, würde ihre chronisch optimistische Freundin Marie-Claire ihr jetzt unter die Nase reiben. Völlig zu Recht übrigens. Denn wer angesichts der Perspektive, den Frühling und den Sommer in Paris zu verbringen, auch nur einen Hauch Trübsal blies, dem war wirklich nicht mehr zu helfen. Aus der geräumigen Transporttasche in ihrer rechten Hand erklang ein bestätigendes Maunzen.

Sonja grinste. »Es gehört sich nicht, unaufgefordert anderer Leute Gedanken zu kommentieren, Luna«, wies sie ihre Katze zurecht. Obwohl sie ziemlich laut gesprochen hatte, erntete sie keine komischen Blicke. Noch vor zehn Jahren wäre man einer offenbar mit sich selbst sprechenden Person vermutlich weiträumig ausgewichen. Aber heutzutage nahmen die paar Menschen, die ohne Knopf im Ohr unterwegs waren, wohl einfach an, dass sie mit irgendwem telefonierte.

Die meisten Menschen, die mit ihr aus dem Bahnhof strömten, schienen die Métro anzusteuern, daher war die Schlange am Taxistand überschaubar. Als sie an der Reihe war, drückte Sonja dem Fahrer den Griff ihres Koffers in die Hand und ließ sich erleichtert auf den Rücksitz des Wagens sinken. Vorsichtig stellte sie die Tasche mit Luna neben sich. Die Zugfahrt hatte nicht mal vier Stunden gedauert, dennoch hatte sie das Gefühl, eine Riesenstrecke hinter sich gebracht zu haben. Kein Wunder, schließlich war das hier so etwas wie ein Mini-Neubeginn, sowohl karrieretechnisch wie auch privat. Streng genommen wäre es privat eher die Fortsetzung eines Mini-Neubeginns, der sich vor drei Monaten in Heidelberg so verheißungsvoll angelassen hatte. Natürlich wusste sie nicht hundertprozentig, ob Jonas das genauso empfand. Der leidenschaftliche Kuss zum Abschied hatte zwar definitiv Potenzial gehabt, andererseits war es weder zu Treueschwüren noch zu irgendwelchen Versprechungen gekommen. Womöglich fühlte er sich sogar von ihr verfolgt, ausgerechnet jetzt, wo er doch alle Hände voll zu tun hatte, um seine erste große Ausstellung vorzubereiten.

Aus Lunas Tasche ertönte ein aufforderndes Schnurren. Sonja merkte, dass sie schon seit mindestens einer Minute stirnrunzelnd auf ihre im Schoß gefalteten Hände gestarrt hatte, und hob den Blick. Der Taxifahrer sah sie erwartungsvoll an.

»Oh, ähm, Rue Barbette, s’il vous plaît«, sagte sie hastig. Marie-Claire hatte mit der Szene-Bar im Künstlerviertel Marais, die sie vor einigen Jahren von der alteingesessenen Wirtin übernommen hatte, alles richtig gemacht. Ihre Wohnung, die direkt über dem bei der örtlichen Bohème äußerst populären Eck-Bistro lag, war groß genug für eine temporäre Mitbewohnerin, und Sonja war, naturellement, herzlich willkommen, so lange zu bleiben, wie sie wollte. Das hatte es ihr erspart, nach einer Unterkunft zu suchen, als sie das Stipendium für die École du Louvre erhalten hatte. Es bot sich ihr die einmalige Chance, auf ihren Heidelberger Bachelor in Kunstgeschichte noch einen internationalen Master in Kunstgeschichte und Museologie draufzusatteln: die perfekte Voraussetzung, um später einen Job als Kuratorin zu ergattern. Und irgendwann einmal, wer weiß, eine spektakuläre Schau des berühmten Malers Jonas Gellner zu organisieren.

Der Taxifahrer war augenscheinlich zu dem Schluss gelangt, dass sie eine Touristin war, die sicher nichts gegen einen kleinen lukrativen Umweg einzuwenden hätte. Jedenfalls fuhr er nicht direkt ins 4. Arrondissement, sondern steuerte zügig – oder so zügig es eben möglich war – den Boulevard Saint-Denis an. Sonja war zwar nicht zum ersten Mal in Paris, aber eine kleine Auffrischungstour konnte sicher nicht schaden. Aufgeregt blickte sie durchs Fenster nach draußen in den sonnigen Vorfrühlingstag. Die Luft war noch kühl, doch an den Bäumen bildeten sich bereits zarte Knospen und ein Hauch von Grün. Bunte Krokusse reckten ihre Köpfchen durchs Gras der Verkehrsinseln. Der Boulevard Montmartre sah unter dem zartblauen, leicht bewölkten Himmel beinahe so aus wie auf Camille Pissarros berühmtem Bild Matinée de Printemps. Ein (Vor-)Frühlingstag, in der Tat … Vor jedem Café standen Tische auf dem Bürgersteig, fast alle waren besetzt von schicken Männern und Frauen, die oversized Mäntel trugen und lässig ihre nackten Knöchel zeigten. Socken oder Strümpfe waren wohl selbst bei zehn Grad Lufttemperatur nur was für stillose Ignoranten … Kurz hinter dem Musée Grévin, das mit farbenfroher Fassade für seine legendären Wachsfiguren warb, bog der Fahrer auf die Rue de Richelieu ab. Der Verkehr war so dicht, dass es nur langsam voranging, doch Sonja hatte es nicht besonders eilig.

Sie atmete tief durch und genoss das erwartungsvolle Kribbeln im Bauch. »Du hast dir definitiv die schönste Zeit im Jahr für dein Stipendium ausgesucht«, hatte Marie-Claire fröhlich erklärt – als hätte Sonja auch nur den geringsten Einfluss auf die Festsetzung des Zeitraums gehabt. Es war schlicht Glück gewesen; es hätte leicht passieren können, dass sie erst im Herbstsemester zum Zuge gekommen wäre. Viel zu lange hin für ein Wiedersehen mit Jonas. Noch glücklicher traf es sich, dass Marie-Claire, die seit ihrem Au-pair-Jahr in Heidelberg Sonjas beste Freundin war, sie sofort eingeladen hatte, bei ihr zu wohnen. Zwar hegte Sonja (leichte!!) Bedenken, ob sie wirklich so lange das Apartment der viel beschäftigten Wirtin belagern konnte, aber Paris war ein sündhaft teures Pflaster. Außerdem würde sie auch regelmäßig im Bistro aushelfen, um sich für das großzügige Angebot zu revanchieren. Und Luna hätte es nicht besser treffen können. Marie-Claire liebte Katzen, schließlich hieß ihr Laden nicht ohne Grund Le Tigre de Salon, also Stubentiger. Logisch, dass sie nicht nur Sonja, sondern auch deren heiß geliebte Siamkatze mit offenen Armen empfangen würde. Luna in Heidelberg zurückzulassen war nie eine Option gewesen, auch wenn sich dort nette Leute um sie gekümmert hätten. Schließlich wurde schon jeder Kurzurlaub für Sonja zur Gewissensprüfung, sobald sie in die wunderschönen blauen und zum Abschied tieftraurigen Augen ihrer süßen Samtpfote schaute.

Was besagte Samtpfote natürlich ganz genau wusste und schamlos ausnutzte. Zumindest würde sie sich im Tigre nicht einsam fühlen; die dreifarbige Glückskatze Colette, eigentliche Herrin der Bar und Marie-Claires absoluter Augenstern, würde den vierbeinigen Gast bestimmt gern mit der neuen Umgebung vertraut machen, da war Sonja sich ganz sicher.

Der Taxifahrer deutete nach links. »Le Palais Royale, Mademoiselle.« Oh ja, daran würde sie sich wohl gewöhnen müssen. Zwar hatte Frankreich die Anrede für junge, unverheiratete Frauen vor mehr als sechs Jahren offiziell abgeschafft, doch das war den meisten Franzosen – und Französinnen – herzlich egal. Viele Frauen fanden es sogar schmeichelhaft, mit Mademoiselle angesprochen zu werden. »Pass auf«, hatte Marie ihr prophezeit. »Am Ende bist du sogar beleidigt, wenn jemand Madame zu dir sagt.«

Sie näherten sich der Place du Carrousel und damit Sonjas künftigem Wirkungsort. »Le Louvre«, verkündete ihr Fahrer unnötigerweise. Die gläserne Pyramide im Innenhof war kaum zu übersehen. Sonja war schon sehr gespannt auf ihr Studium, zu dem nicht nur Seminare, Führungen und Vorlesungen gehörten, sondern auch ganz praktische »Exkursionen« ins reale Leben von Kuratoren und Museumsmanagern. Genauso freute sie sich darauf, in den Pausen die Umgebung zu erkunden: das Seine-Ufer, die Parkanlagen, die Restaurants und Cafés. Und falls es mal regnen sollte, dann würde sie einfach im eleganten Carrousel du Louvre shoppen und in den zahlreichen Läden dort stöbern.

Als sie den Pont du Carrousel überquerten, glitzerte unter ihnen die Seine in der Nachmittagssonne. Nun befanden sie sich auf der Rive Gauche, dem linken Ufer, und fuhren entlang des Quai Anatole France. Der Mann deutete auf die andere Flussseite. »Les Jardin des Tuileries.« In dem einstigen Barock-Schlosspark, der gleich hinter dem Louvre begann – oder endete, je nachdem –, würde Sonja sicher viel Zeit verbringen. Sie mochte kunstvolle Grünanlangen, und die dort drüben gehörte zu den schönsten Gärten Europas. Sonja stellte sich das sommerliche Treiben dort ein wenig so vor wie auf Édouard Manets Gemälde »Musik im Tuileriengarten«. Okay, vermutlich mit etwas weniger Stoff am Leib, aber ähnlich heiter und ausgelassen.

Sie kamen am Musée d’Orsay vorbei, das ebenfalls ganz oben auf Sonjas To-do-Liste stand. Der Taxifahrer, der sich offenbar...



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