Panizza | Erzählungen Schriften und Satiren | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 444 Seiten

Panizza Erzählungen Schriften und Satiren

Dämmerungsstücke, Aus dem Tagebuch eines Hundes, Genie und Wahnsinn, Psichopatia criminalis, Christus in psicho-patologischer Bleuchtung
4. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7584-9008-8
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Dämmerungsstücke, Aus dem Tagebuch eines Hundes, Genie und Wahnsinn, Psichopatia criminalis, Christus in psicho-patologischer Bleuchtung

E-Book, Deutsch, 444 Seiten

ISBN: 978-3-7584-9008-8
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Buch enthält die Erzählungen 'Das Wachsfigurenkabinet', 'Der Stationsberg', 'Die Menschenfabrik' und 'Eine Mondgeschichte'. 'Das Verbrechen in Tavistock-Square' ist ein ironischer Protest gegen die prüde Sexualmoral der damaligen Zeit. 'Aus dem Tagebuch eines Hundes' wirft durch einen philosophischen Dackel ein spöttischen und kritischen Blick auf die Menschen. Im zweiten Teil findet sich die psychologische Abhandlung über 'Genie und Wahnsinn', die wie eine vorweg genommene eigenen Diagnose wirkt. 'Psichopatia criminalis' ist eine Anleitung um die vom Gericht für notwendig erkannten Geisteskrankheiten psychiatrisch zu eruieren und wissenschaftlich festzustellen. Sie stellt im Stile einer wissenschaftlichen Abhandlung eine Satire auf die gesellschaftlichen Zustände dar. 'Christus in psycho-pathologischer Beleuchtung' untersucht die psychische Gesundheit von Jesus Christus. Er wird dort als ein psychopathologischen Fall und Paranoiker diagnostiziert.

Oskar Panizza wat ein deutscher Schriftsteller, Satiriker, Publizist, Religionskritiker, Psychiater und Psychiatriekritiker. In seinen Schriften attackierte er den Obrigkeitssaat, die katholische Kirche, gesellschaftliche Moralvorstellungen und sexuelle Tabus. Er nimmt zwischen Naturalismus und Expressionismus eine Sonderrolle in der deutschen Literaturgeschichte ein. Kaum ein anderer Autor des wilhelminischen Deutschland war so sehr von der Zensur betroffen. Beschlagnahmungen und Haft führten bei ihm immer mehr zu Halluzinationen und Verfolgungswahn. Die letzten 13 Jahre verbrachte er entmündigt in Heilanstalten. Seine Familie unterstützte ihn nicht und weigerte sich sogar die Urheberrechte freizugeben. Daher konnte eine Rezeption seiner Werke erst in den späten 1960er Jahren einsetzen.
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Selbstbiographie

Oskar Panizza, Schriftsteller, geboren 12. XI. 1853 in Bad Kissingen, stammt aus belasteter Familie. Onkel litt an partiellem religiösem Wahnsinn und starb nach 15jährigem Irrenhausaufenthalt in der Irren-Abt. des Würzburger Juliusspitals. Ein anderer Onkel begieng in jugendlichem Alter Selbstmord. Eine Tante starb an Schlaganfall, eine andere Tante noch am Leben, ist psychisch sonderbar, teils gemacht geistreich, teils schwachsinnig. Alle diese Verwandtschaftsgrade beziehen sich auf die mütterliche Seite. Die Mutter noch am Leben jährzornig, energisch, starke Willensperson, fast männliche Intelligenz. Vater starb an Typhus, war von italienischer Abstammung, leidenschaftlich, ausschweifend, jährzornig und gewandter Weltmann, schlechter Haushalter. Von den Geschwistern des Patienten sind die zwei jüngeren, wie Patient selbst in früheren Jahren melancholischen Zufällen ausgesetzt gewesen. Jüngere Schwester begieng zweimal Selbstmordversuch (vielleicht kompliziert mit Hysterie). In der ganzen Familie besteht prävalierende Geistestätigkeit mit Neigung zur Diskussion religiöser Fragen. Mutter und Patient schriftstellern. Patient selbst litt an den üblichen Kinderkrankheiten, Masern, Keuchhusten, lernte sehr schwer lesen, zeigte keine Begabung, hatte bei seinen Geschwistern den Beinamen »der Dumme«, kam auf dem Gymnasium schwer vorwärts, war bei fruchtloser, üppiger Phantasie und steter Insich-Versunkenheit unfähig, die Notwendigkeit einer geregelten, systematischen Vorbereitung für einen Lebensberuf zu begreifen, wandte sich vorübergehend der Musik zu und absolvierte endlich in vorgerückten Jahren, 24 Jahre alt, das humanistische Gymnasium. Während seiner Masernerkrankung hatte er mit circa 12 Jahren einen leichten somnambulen Anfall: er verließ bei Tag in unbewußtem Zustand das Bett, lief im Krankenzimmer umher und wurde schließlich betend vor seinem Bette kniend gefunden und aus seinem Trans gerettet. Wandte sich nach absolviertem Gymnasium mit großer Liebe und Eifer dem medizinischen Studium zu, wurde Coassistent bei Ziemßen, arbeitete unter demselben auf dem klinischen Institut, promovierte 1880 mit summa cum laude und erhielt noch in demselben Jahre die Aprobazzion. Als Student infizirte er sich mit Lues, die, obwohl lege artis Jahre hindurch behandelt, noch heute in Form eines mächtigen gemma an der rechten tibia manifest ist und jeder noch so energischen Behandlung durch Jodkali spottet. Nach Absolvierung seiner militärischen Dienstpflicht als Unterarzt im Militärlazaret und Ernennung zum Assistenzarzt II. Classe der Reserve ging Pazient, von Ziemßen mit zahlreichen Empfehlungen versehen, nach Paris, besuchte aber nur wenig Spitäler, sondern wante sich dem Studium der französischen Literatur, besonders der dramatischen, zu, für die ihn die Kenntnis der französischen Sprache, die im Elternhause in Folge hugenottischer Abkunft der Mutter stets gepflegt wurde, besonders geeignet machte. Im Jahre 1882 nach München zurückgekehrt, trat er als IV. Assistenzarzt in die Oberbairische Kreis-Irrenanstalt unter Gudden ein und servirte daselbst, inzwischen zum IV. (?) Assistenzarzt vorgerückt, während zweier Jahre. Beeinträchtigung seiner Gesundheit und wissenschaftliche und andere Differenzen mit seinem Schef ließen ihn 1884 diese Stelle aufgeben, und er wante sich nun, abgesehen von kleinen vorübergehenden medizinischen Dienstleistungen als prakt. Arzt, definitiv der Literatur zu, die seit Paris nicht mehr aus dem Auge verloren war. Teils unter Nachwirkung einer in der Irrenanstalt aufgetretenen gemütischen Depression, die fast ein Jahr anhielt, entstand das lirische Gedichtbuch »Düstre Lieder« (Leipzig 1885), das unter Heineschem Einfluß steht. Durch diese literarische Entlastung wesentlich gehoben und erfrischt, besuchte er noch im gleichen Jahre England, welchem Besuch eine intensive Beschäftigung mit der englischen Sprache und Literatur unter Mrs. Callway vorausgegangen war und woselbst er ein volles Jahr auf dem British Museum sich literarisch beschäftigte. Als Frucht dieses Aufenthaltes entstanden »Londoner Lieder« (Leipzig 1887). Im Herbst 1886, nach vorübergehendem Aufenthalt in Berlin, Rückkehr nach München, 1888 erschien »Legendäres und Fabelhaftes«, Gedichte, zum Teil die Frucht der Beschäftigung mit den altenglischen Balladen. In den folgenden Jahren Erlernung und Studjum der italjenischen Sprache und Literatur unter Sgra Luccioli in München, da intensive Beschäftigung mit fremden Sprachen und literarische Produktzjon als das beste Ableitungsmittel für allerlei psichopatische Anwandlungen sich herausstellte. Wiederholte Reisen nach Italien. Vom Jahre 1890 an erschienen in Folge Bekanntschaft mit M.G. Conrad eine Reihe von teils wissenschaftlichen, teils literarischen und künstlerischen Aufsätzen in der »Gesellschaft«, deren Begründer und Leiter M.G. Conrad war. Im Jahre 1899 waren schon »Dämmerungsstücke«, eine Sammlung fantastischer Novellen, die teilweise unter dem Einfluß des amerikanischen Novellisten Edgar Poe stehen, erschienen. Durch M.G. Conrad in die »Gesellschaft für modernes Leben« in München eingeführt, hielt Pazient daselbst einige Vorträge, unter Anderem »Schenie und Wahnsinn« (München, Pößl 1891), die die Aufmerksamkeit der Behörden, die Feindschaft der ultramontanen Presse: »Sozialdemokraten im Frack« und Remonstrazzionen des Landwehr-Bezirks-Kommandos zur Folge hatten. Von letzterem Kommando zum Austritt aus der »Gesellschaft für modernes Leben« aufgefordert, weigerte sich Pazient und wurde in Folge dessen aus einem Militär-Verhältnis, in dem er inzwischen zum Assistenzarzt I. Classe vorgerückt war, mit »schlichtem Abschied« entlassen.

Ein Aufsatz des Pazienten »Das Verbrechen in Tavistock Square« (eine englische Erinnerung) im »Sammelbuch der Münchner Moderne« (München, Plößl, 1891) führte zu einer Erhebung der gerichtlichen Anklage wegen »Vergehens gegen die Sittlichkeit«, die aber von der Strafkammer des Amtsgerichts München I eingestellt wurde. Im Jahre 1892 erschien ein Tragi-Humoristikum »aus dem Tagebuch eines Hundes«, illustriert von Choberg in Leipzig. Im folgenden Jahr »Visjonen«, eine Novellensammlung, wieder zum Teil im fantastischen Stil und Auffassung Edgar Poe's. 1893 erschien »Die unbefleckte Empfängnis der Päpste« (Zürich, Schabelitz), ein in anscheinend serjösestem Stil durchgeführter teologischer Versuch, das von Pius IX. im Jahr 1894 proklamierte Dogma der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria auf die Päpste auszudehnen mit allen embriologischen, antropologischen und teologischen Konsequenzen, die Pazient nach dem Titelblatt aus dem Spanischen übersetzt hatte. Diese Schrift wurde in Folge Denunzjation in Stuttgart gerichtlich beschlagnahmt und im sogen. objectiven Verfahren für das ganze Deutsche Reich verboten. Heftige Kritiken von Seite der katolischen wie protestantischen kirchlichen Presse sowie öffentliche Warnungen vor Ankauf schlossen sich an. Im Jahre 1894 erschien »Der teutsche Michel und der römische Papst« mit Vorwort von M.G. Conrad, worin die gravamina Deutschlands gegen Rom in Tesenform tendenzjös, aber auf Grund geschichtlicher Nachricht und unter ausgiebiger Quellenangabe, zusammengefaßt waren. Dieses Werk wurde 1895 ebenfalls in objectivem Verfahren, d.h. nach Ablauf der zur Erhebung der Anklage und strafrechtlichen Verfolgung abgelaufenen Zeit, beschlagnahmt. 1894 erschien außerdem »die Himmelstragödie das Liebeskonzil« (Zürich, Schabeliz), in dem, unter Benützung eines Ulrich von Hutten'schen Zitats, das Erscheinen der Sifilis in Italien zu Ende des XV. Jahrhunderts, als in Folge des lasterhaften Treibens am päpstlichen Hofe unter Alexander VI. erfolgt, in Form eines mittelalterlichen Misterjums unter moderner Beleuchtung durchgeführt ward. Dieses Buchdrama brachte den Pazienten im Frühjahr 1895 vor die (!) Münchner Asisen, wo er nach § 166 R.-Str.-G.-B. zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt wurde, ein Urteil, das bald darauf das Reichsgericht in Leipzig bestätigte. Patient verbüßte seine Strafe im Gefängnis zu Amberg, woselbst auf nachträgliche Geltendmachung des Einwurfs des Verteidigers auf Geisteskrankheit (ohne Befragen des Gefangenen) eine summarische Untersuchung desselben quoad psychen intactam erfolgte – »Sind Sie geisteskrank?« – »Nein.« –, die zu einem negativen Resultat führte. Nach verbüßter Strafe verabschiedete sich Pazient von München mit der kleinen Broschüre »Abschied von München« (Zürich 1896), die Beschlagnahmung und steckbriefliche Verfolgung des inzwischen nach Zürich übersiedelten Verfassers zur Folge hatte. Noch im gleichen Herbst veröffentlichte Pazient die sittengeschichtliche Studje »Die bayrischen Haberfeldtreiben« (Berlin, G. Fischer), in welcher auf Wunsch des ängstlich gewordenen Verlegers einige Stellen des Textes wie auch einige Verse der im Original mitgeteilten »Haberer-Protokolle«, die wenige Jahre vorher vom Pazienten in einem Aufsatz der »Neuen Rundschau« (im gleichen Verlage) anstandslos veröffentlicht worden waren, durch Punkte in dem bereits druckfertigen Saz ersetzt wurden.

Pazient hatte inzwischen das bayrische Indigenat aufgegeben, in der Absicht, nach zweijährigem Aufenthalt in Zürich das schweizerische Bürgerrecht zu erwerben. Im folgenden Jahre gründete Pazjent, da nun auch Schabeliz in Zürich Schwierigkeiten machte, seinen eigenen Verlag unter dem Titel der gleichzeitig gegründeten Zeitschrift »Züricher Diskussionen« und veröffentlichte die im Gefängnis zu Amberg entstandenen »Dialoge im Geiste Huttens«, in denen die Besprechung öffentlicher Zustände in dem frischen und unschenirten Stil der Streitschriften zu Beginn des XVI. Jahrhunderts versucht ward. Im folgenden Frühjahr 1898 schrieb Pazjent die politische...



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