E-Book, Deutsch, Band 1, 300 Seiten
Reihe: New England Love
Paris Lynnwood Falls – Sommer der Liebe
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-9415-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 300 Seiten
Reihe: New England Love
ISBN: 978-3-7325-9415-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wo die Liebe auf dich wartet ...
Hope ist erfolgreiche Tierärztin in New York und führt ein schönes Leben mit ihrem Freund Colin. Bis ein familiärer Notfall sie dazu zwingt, in ihre Heimatstadt zurückzukehren: Lynnwood Falls. Hope will vorübergehend in der Tierarztpraxis ihrer Eltern aushelfen, in der auch Ryan arbeitet - ihre erste große Liebe. Doch die Beziehung ist vor Jahren im Streit auseinandergebrochen. Viele Dinge stehen zwischen ihnen, weshalb sie immer wieder aneinandergeraten. Hope will so schnell wie möglich wieder zurück nach New York. Gleichzeitig fühlt sie sich in der beschaulichen Kleinstadt seit langem erstmals wieder geborgen. Und dann bringt ausgerechnet Ryan ihre Vorsätze zum Schmelzen ...
Der erste Band der romantischen Reihe rund um die kleine Stadt Lynnwood Falls in Maine, in der verlorene Herzen ein Zuhause finden.
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Kapitel 1
Hope
New York
Die Wirkung der Narkose ließ allmählich nach. Die großen Ohren der Französischen Bulldogge bewegten sich leicht, als Hope sich zu ihr hinunterbeugte, ihren massigen Hals kraulte und ihr zuraunte: »So, jetzt hast du es geschafft, meine Gute. Nun müssen wir nur noch sehen, wie wir deiner Mummy möglichst schonend beibringen, dass sie dich vernünftiger ernähren soll.«
Hope sah auf die Uhr, die kurz vor halb drei anzeigte, und nickte ihrer TFA Lara, der Tiermedizinischen Fachangestellten, zu, um deren Mundwinkel ein Schmunzeln zuckte. »Der Venenkatheter kann gezogen werden. Und geben Sie bitte Mrs Carrington Bescheid, dass sie ab circa fünfzehn Uhr vorbeikommen kann, wann immer es ihr zeitlich passt. Lassen Sie mich bitte informieren, wenn sie unten am Eingang ist.«
Lara lächelte. »In Ordnung, Doktor Archer.«
Hope blieb somit noch genug Zeit, sich die Ergebnisse der zurückliegenden Kernspintomografie anzusehen und sich den Papieren auf ihrem Schreibtisch zu widmen. Das Quietschen ihrer Sohlen auf dem schieferfarbenen Linoleum übertönte die dezenten Klassikklänge, die aus den verborgenen Lautsprechern drangen, als sie den Gang in Richtung ihres Büros hinuntereilte. Von irgendwoher zog Kaffeeduft zu ihr herüber. Genießerisch hob sie die Nase und sog den Geruch ein. Sie könnte jetzt auch einen Kaffee gebrauchen.
Sie bat ihre Sekretärin um einen Cappuccino und schloss die Bürotür hinter sich. Die makellosen weißen Möbel wurden vom hereinfallenden Sonnenlicht in einen hellen Schein getaucht. Heute war ein herrlicher Tag, endlich war das Wetter dem Mai würdig.
Hope trat ans Fenster. Nicht nur hier drin wirkte durch die elegante Einrichtung alles hell und freundlich, auch draußen schimmerte der nördliche Central Park wie frisch gewaschen nach dem Dauerregen der letzten Wochen. Hope riss sich nur widerwillig von dem Anblick des sonnigen Tages los und ließ sich in das weiche, weiße Leder des Bürostuhls sinken. Sie kippte ihn nach hinten und schloss für einen Moment die Augen.
Der Vormittag war anstrengend gewesen, vor allem die Operation am Kreuzband einer Bordeaux Dogge. Nur schwerlich widerstand Hope der Versuchung, die Füße auf den gläsernen Schreibtisch zu legen, doch ihr Kaffee wurde sicherlich gleich gebracht. Resolut setzte sie sich auf, es gab genug zu tun. Sie zog das Smartphone aus der Hosentasche. Ihre Uhr, die mit dem Telefon verbunden war, hatte vorhin einen Anruf vermerkt, als keine Zeit gewesen war, sich darum zu kümmern. Vielleicht hatte Colin sich gemeldet? Doch das Display zeigte nicht die Nummer ihres Freundes, sondern einen verpassten Anruf ihrer Mutter an.
Kurz überlegte sie, den Rückruf auf den Abend zu verschieben, aber vielleicht war es wichtig. Normalerweise rief ihre Mutter sie tagsüber nur in seltenen Fällen an. Unruhe überkam Hope, und sie drückte die Rückruftaste.
Mary Archer nahm direkt beim ersten Läuten ab, als hätte sie am Telefon gesessen. Was gut möglich war. Die Tierarztpraxis ihrer Eltern war schließlich quasi dauerhaft besetzt.
»Sweetheart! Wie schön, dass du anrufst!« Ihre Mutter klang auch mit fünfundfünfzig noch wie ein junges Mädchen, und die Freude war ihrer Stimme deutlich anzuhören. Wenigstens war sie wohl nicht besorgt! Erleichterung durchflutete Hope.
»Hi, Mom! Ich hatte gesehen, dass du versucht hast, mich zu erreichen. Gibt‘s etwas Wichtiges?«
Ihre Mutter lachte, doch in der Fröhlichkeit schwang ein Unterton mit, den Hope nicht deuten konnte. »Muss es etwas Wichtiges geben, damit ich mich bei meiner Tochter melden darf?«, fragte sie in gutmütigem Spott.
»Nun ja, du rufst sonst selten bei der Arbeit an.« Hope versuchte, mit einem Lachen den leichten Vorwurf zu kaschieren, den sie selbst heraushörte.
»Oh, du arbeitest am Samstag? Gab es einen Notfall?«
Hope schob unwillig die Unterlippe vor. Glaubte ihre Mutter denn, es wäre das Privileg einer Landarztpraxis wie der ihrigen, Tag und Nacht erreichbar zu sein? Hätte ihre Tochter auf einem Nine-to-five-Job beharrt, wäre sie nicht mit dreißig Jahren zur Leiterin der Orthopädie-Abteilung in einer der renommiertesten Tierkliniken im gesamten Nordosten der Vereinigten Staaten ernannt worden. Ansässig in der Upper East Side in New York – das musste man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Auch sie musste hart für den Erfolg arbeiten. Das zahlte sich schließlich aus; ihr Name wurde bereits lobend in Fachzeitschriften erwähnt. Dr. Hope Archer war jemand, über den man sprach! Doch das sagte sie besser nicht.
»Einen Notfall?«, echote sie stattdessen.
Waren Haltungsschäden eines Löwenäffchens, hervorgerufen dadurch, dass der Schneider seine Weste zu eng genäht hatte, wirklich dringlich? Oder die schiefe Gangart eines Chihuahuas, weil seine Krallen durch das ständige Herumtragen im Täschchen zu lang waren? War die Französische Bulldogge ein Notfall, nur weil ihre Besitzerin Mrs Carrington gerade heute von ihrem Wohnsitz aus Long Island vorbeikam, um sie untersuchen zu lassen? Weil sie samstags immer in der dem Klinikum angrenzenden Fifth Avenue einkaufen ging und ihren Liebling nicht allein in der Obhut der Hundesitterin zur Untersuchung schicken wollte, da sie selbst später die Ergebnisse besprechen wollte?
»Ich hatte heute Morgen eine OP«, murmelte Hope schließlich, ohne zu erwähnen, dass es ein Kreuzband gewesen war, das im Grunde nicht so dringlich gewesen wäre, dass es am Samstag hätte operiert werden müssen. Aber sie hatte sich nach den Terminen der finanzstarken Besitzer zu richten, da kamen Ausnahmen durchaus vor. So nahe sie sich standen und obwohl sie von ihren Eltern nie einen Vorwurf gehört hatte – ja, die beiden ermunterten sie sogar zu ihrer Karriere –, so spürte sie doch instinktiv, dass es ihnen lieber gewesen wäre, wenn sie in die elterliche Praxis eingestiegen wäre, wie ursprünglich zu Beginn ihres Veterinärmedizin-Studiums geplant.
Bevor ihre Mutter näher darauf eingehen und sie nach ihren Fällen fragen konnte, setzte Hope schnell hinzu: »Wie läuft es bei euch? Was macht Pops?«
»Der alte Hank hat eine trächtige Elchkuh angefahren. Dein Vater und Ryan sind noch dort. Ich denke, sie mussten das Kalb holen.«
»Ach, herrje!«, gab Hope bestürzt zurück und redete sich ein, dass ihr Herzschlag sich durch den Gedanken an das Unglück beschleunigt hatte und nicht durch Erwähnung ihres Ex-Freundes. Der nun an ihrer statt in die Praxis ihrer Eltern eingestiegen war. Ryan. Ihre Jugendliebe. Ihr erster richtiger Freund. Unwillkürlich vermeinte sie, den Duft nach Kiefern zu riechen, spürte den weichen Waldboden in ihrem Rücken, hörte das sanfte Murmeln des Williams Creek und das Rauschen des Windes in den Bäumen. Sah Ryans zerzauste kastanienbraune Haare und das übermütige Grinsen vor sich, das ihm stets einen verschmitzten Ausdruck verlieh und seine dunklen Augen zum Funkeln brachte. Sah die tiefe Zuneigung in seinem Blick, als er sich zu ihr hinunterbeugte …
»Weißt du schon mehr über die Elche?«, warf sie schnell ein und fragte sich, warum bei Gesprächen mit ihrer Mutter stets sämtliche Überlegungen über ihr Leben über sie hereinbrachen.
»Nein, ich werde es nachher erfahren, wenn die Männer heimkommen«, kam es pragmatisch wie immer zurück. Obwohl ihr das Leid der Tiere sehr naheging, würde ihre Mom es nie zeigen, dazu war sie als TFA professionell genug.
In dem Moment klopfte es an der Tür, und Hopes Sekretärin kam mit einer Kaffeetasse herein, die sie auf dem Schreibtisch abstellte. In den Milchschaum war ein Farnblatt gezeichnet. Hope lächelte ihr zu und formte mit den Lippen ein »Danke«.
»Mom, ich muss noch ein paar Sachen erledigen. Lass uns heute Abend …«, da fiel ihr ein, dass sie mit ihrem Freund einen Termin hatte, »nein, heute Abend bin ich mit Colin bei einem Violinkonzert im Madison Square Garden. Eingeladen von wichtigen Förderern unserer Klinik.« Den Stolz konnte sie nicht ganz aus ihrer Stimme fernhalten. Schließlich stand auch ihr eigener Name auf den Einladungen, seit sie selbst eine der leitenden Fachtierärzte war, und sie war nicht mehr nur das Anhängsel des großen Dr. Colin Harper, des Chef-Kardiologen der Veterinärklinik.
»Oh, wie schön!« Doch eine echte Begeisterung schwang nicht in den Worten mit.
Hope unterdrückte ein resigniertes Seufzen. Sie spürte selbst, wie sich ihre Interessen hier in der Großstadt zunehmend von denen ihrer Eltern auf dem Land entfernten. »Lass uns morgen noch mal telefonieren, okay?«
Die Antwort ließ auf sich warten. »Natürlich, Liebes. Und wenn du am Wochenende zu beschäftigt bist …«
»Ich finde schon Zeit zum Telefonieren«, unterbrach Hope sie und schaffte es nicht ganz, die Ungehaltenheit zu unterdrückten.
»In Ordnung. Dann mach’s gut.« Klang ihre Mutter enttäuscht?
»Ich hab dich...




