E-Book, Deutsch, 378 Seiten
Reihe: LYX.digital
Park 180 Seconds - Und meine Welt ist deine
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-1153-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 378 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-1153-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manchmal passiert das Unerwartete. Manchmal bringt dich jemand dazu, deine eigenen Regeln zu brechen.
Nachdem sie als Kind von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht wurde, glaubt Allison nicht mehr daran, dass irgendetwas im Leben von Dauer ist. Sie verbringt ihre Zeit am College zurückgezogen und meidet den Kontakt zu anderen. Das ändert sich, als sie zufällig Teil eines sozialen Experiments wird: 180 Sekunden soll sie Augenkontakt mit einem Fremden halten. Doch weder sie noch Esben, der Social-Media-Star, der ihr gegenübersitzt, rechnen damit, dass dies ihr Leben für immer verändert ...
'Eines dieser Bücher, die Besitz von deinem Herz ergreifen und es nie wieder loslassen. Ihr werdet euch in Allison und Esben verlieben.' THE BOOKISH SISTERS
Der große Self-Publishing-Erfolg aus den USA - endlich auf Deutsch!
Jessica Park lebt in New Hampshire, wo sie einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringt, über Rocker-Jungs und ihre Gitarren, stark koffeinhaltige Getränke und Traumurlaube in den Tropen nachzudenken. Bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen sie imstande ist, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, schreibt sie.
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1
Vögelchen
Das dritte Collegejahr fängt an, was bedeutet, dass es nur noch zwei Jahre dauert, bis ich frei bin. Jeden Tag werde ich daran erinnert, wie sehr ich mich von meinen Kommilitonen unterscheide, und mir ist permanent bewusst, dass ich nicht in der Lage bin, gesellig, glücklich und unbeschwert zu sein. Es ist nicht immer leicht, mich hier für mich zu halten, doch ich tue mein Bestes.
Simon muss zwanzig Minuten lang um den Campus von Andrews College herumfahren, um einen Parkplatz zu finden. Am Ankunftstag herrscht hier immer völliges Chaos. Studenten strömen aus Autos, vollbepackt mit Kisten und Taschen, die ganze Straße ist in Zweierreihen zugeparkt, und überall stehen Eltern, mit Tränen in den Augen, im Weg. Die Fahrt von Boston nach Nord-Maine hat fast fünf Stunden gedauert, und dieser Tag Anfang September fühlt sich eher nach August an als nach Herbstanfang. So ist das in New England. Wegen der mangelhaften Klimaanlage bin ich verschwitzt, doch beim Aussteigen versuche ich, mir mit meinem T-Shirt unauffällig Luft zuzuwedeln, während ich mich an dem leichten Wind erfreue.
»Das mit der Klimaanlage tut mir leid«, meint Simon entschuldigend. »Dieses Auto ist alt, aber es erfüllt seinen Zweck.« Von der Fahrertür aus schaut er mich über das Auto hinweg an und lächelt versonnen, während er die Motorhaube tätschelt und dabei trotz der Hitze fit aussieht. »Sie ist zu einem schlechten Zeitpunkt ausgefallen, ich weiß. Lass es uns als eine Art Wellness-Entgiftung betrachten, so was ist doch gerade angesagt. Volvo würde das bestimmt prima finden.«
Ich lächle und nicke. »Klar. Das dritte Jahr sollte mit irgendeiner Art von Reinigung beginnen.«
»Nicht wahr? Ehe du dich wieder voll ins Studentenleben stürzt und deinen Organismus verseuchst. Partys, Mensaessen …« Er macht eine Handbewegung, und ich weiß, er hofft, dass ich den Witz aufgreife.
Simon gibt sich große Mühe mit mir, und ich lasse ihn regelmäßig hängen. Ich bin mir dessen bewusst, aber zu mehr bin ich einfach nicht in der Lage. Es liegt nicht an ihm, sondern an mir. Er ist ein ausgesprochen netter Mann. Wahrscheinlich zu nett. Zu freigiebig und verständnisvoll.
Außerdem, rufe ich mir in Erinnerung, ist Simon mein Vater. Es ist peinlich, wie oft ich mir das in Erinnerung rufen muss, schließlich habe ich die Adoptionsunterlagen gesehen. Herrgott noch mal, ich war dabei, als sie unterzeichnet wurden und ich offiziell – und für immer – all die Pflegefamilien hinter mir ließ, mit immerhin sechzehneinhalb Jahren.
Ich erhasche einen Blick auf mein Spiegelbild in der Autoscheibe. Mein langes dunkles Haar ist zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden, dessen Gewicht sich auf meinem Rücken bleischwer anfühlt. Mein dichter Pony klebt mir vor lauter Schweiß an der Stirn, und meine Wangen sind gerötet.
Das ist jedoch keine Reaktion auf die Hitze. Das ist aufsteigende Angst.
Ich brauche Wasser.
Ich muss heute nicht nur eine neue Mitbewohnerin kennenlernen, sondern mich auch noch von Simon trennen. Um ihm eine peinliche Verabschiedung zu ersparen, nehme ich mir vor, mich zusammenzureißen und meine Rolle gut zu machen. Ich bin einfach nicht allzu gut darin, jemandes Tochter zu sein, aber ich will es versuchen. Obwohl er mir so viel bedeutet, fällt es mir immer noch schwer, ihm das zu zeigen.
Ich setze ein Lächeln auf und gehe um das Auto herum an den Kofferraum. »Denkst du, wir schaffen das in einer Tour?«, frage ich. »Wenn ja, lade ich dich zum Mittagessen ein.«
»Bei deinem scheußlichen Studentenwerk? Das ist kein wirklicher Anreiz.« Simon nimmt eine Kiste aus dem Kofferraum. Er versucht es zu verbergen, doch ich sehe, wie er grinst. »Ich trage deine Schuhe einzeln rein, wenn mich das davor bewahrt.«
»Tatsächlich dachte ich eher an ein arabisches Lokal nicht weit von hier.« Der Koffer, den ich heraushole, wiegt nicht viel. Ich bin Minimalistin, daher reise ich mit leichtem Gepäck.
Simon strafft sich, neigt den Kopf und zieht eine Augenbraue hoch, wobei er seine Freude nicht länger verbirgt. »Arabisch? Mit Schawarma? Und Hummus?«
Ich nicke. »Und Baba Ghanoush.«
Er verlagert die Kiste, sodass sie an seiner Hüfte ruht und er eine Hand frei hat. Er hebt die Stimme: »Nimm, was du kannst, und beeil dich! Nimm nur das mit, was du brauchst! Und jetzt nichts wie los!« Er zerrt eine kleine Reisetasche aus dem Auto und sprintet zum Gehsteig, während er mir über die Schulter zuruft: »Komm schon, Allison! Nicht trödeln!«
Ich lache, nehme die einzige andere Tasche, die ich besitze, hinten aus dem Auto und knalle dann den Kofferraum zu. Simon will mich nur ärgern, denn tatsächlich ist sein Auto bereits leer. Mein Adoptivvater versucht herunterzuspielen, dass ich nicht in der Lage bin, irgendwo richtig Wurzeln zu schlagen, weil ich mir selbst nur einen Bruchteil der Dinge zugestehe, mit denen andere Studenten ihre kleinen Wohnheimzimmer vollstopfen. Das erinnert mich wieder daran, wie lieb und verständnisvoll er ist, was meine Schwächen angeht. Während die meisten Studenten Stunden brauchen, um ihre Autos auszuladen und ihre Kisten aus den Lagerräumen auf dem Unigelände zu holen, haben wir das Auto innerhalb von fünf Sekunden leer.
Ich muss mich sputen, um Simon einzuholen – der ist so weit vorausgerannt, dass ich mich über meine Unfähigkeit, mit ihm mitzuhalten, ärgere –, und schleife dabei meinen Koffer die Treppe hoch und auch ein Stück über den Rasen, als ich eine Abkürzung zwischen den Wohnheimen hindurch nehme, um zu meinem zu gelangen. Außer Atem erreiche ich Kirk Hall, wo Simon auf der Umzugskiste hockt und völlig entspannt wirkt.
»Also ehrlich, Simon? Woher … woher wusstest du überhaupt, wo du hinmusst?«
»Ich habe mir letzte Woche den Lageplan des Unigeländes angeschaut. Und gestern irgendwie auch. Und dann noch mal heute Morgen, ehe wir los sind.« Simon schafft es auf wundersame Weise, so cool und attraktiv wie immer auszusehen, ohne eine Spur von Schweiß auf seinem roten Leinenhemd. Seine Frisur, die ihm stets modisch in die Stirn fällt, sitzt perfekt. Seine Fähigkeit, scheinbar ohne jegliche Mühe so ausgeglichen zu wirken, selbst in schwierigen Situationen, ist bewundernswert. Er wendet mir seine Pilotensonnenbrille zu. »Ich war erst ein paarmal hier oben, und ich kann doch nicht wie ein ahnungsloser Angehöriger aussehen, der darauf angewiesen ist, dass sein Kind ihm den Weg zeigt. Ich will aussehen, als wüsste ich, was ich tue.«
Ich fühle mich schlecht, weil ich ihn in den letzten zwei Jahren nicht öfter hierher eingeladen habe. Vielleicht wird es dieses Jahr ja anders. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr, ihn an mich heranzulassen. Das wäre schön.
Mein Herzschlag normalisiert sich allmählich, aber ich schwitze schon wieder. »Also bist du lieber wie ein Irrer über den Campus gehetzt?«
Er grinst. »Ja. Komm, schauen wir uns dein Zimmer an.«
Bei der Wohnungslotterie letztes Frühjahr hatte ich gehofft, ich würde Glück haben und eines der heiß begehrten Einzelzimmer ergattern, doch wie zu erwarten zog ich die Arschkarte. Ich hatte stundenlang angestanden, um mir auf einem schlecht gezeichneten Lageplan mein Zimmer auszusuchen, nur um festzustellen, dass alle Einzelzimmer bereits belegt waren. Unglaublich, dass man sich die Zimmer nicht online aussuchen konnte. Ich habe das vorsintflutliche System verflucht, während ich die letzten freien Zimmer durchging. Der zuständige Student fragte mich mehrmals, ob ich nicht eine Freundin wüsste, mit der ich mir das Zimmer teilen könnte, und ich habe ihn fünfmal abgeblockt, bis ich quasi schreien musste: »Nein, okay? Nein, ich habe niemandem, mit dem ich mir das Zimmer teilen kann. Deshalb will ich ja ein Einzelzimmer!«
Möglicherweise habe ich eine ziemliche Szene hingelegt, aber ich war zu sehr in Panik, als dass es mir etwas ausgemacht hätte. Schließlich entschied ich mich für eine halbe Zweiersuite, die mir wenigstens ein eigenes Schlafzimmer bot, zusammen mit einem Gemeinschaftsraum. Ich würde durch diesen kleinen Wohnbereich, den wir uns teilen würden, rein- und rausgehen müssen, aber ansonsten könnte ich wohl einigermaßen für mich bleiben. In positiv gestimmten Momenten wagte ein Teil von mir zu hoffen, dass diese mysteriöse Mitbewohnerin und ich uns vielleicht verstehen würden. Wunder gibt es schließlich immer wieder. Trotzdem habe ich jetzt Angst davor, sie zu treffen.
Es dauert nur ein paar Minuten, mich beim Wohnheim anzumelden und meinen Schlüssel zu bekommen. Dann betrete ich mit beträchtlichem Bangen meine Bleibe, die sich im Souterrain befindet.
Simon lacht, als ich hörbar aufatme. »Bist du erleichtert, dass sie noch nicht da ist?«
Ich ziehe meinen Koffer in eines der leeren Schlafzimmer und lasse mich dann auf das steinharte, scheußliche orange Sofa im Wohnbereich fallen. Simon holt sich einen Schreibtischstuhl aus meinem Zimmer und rollt ihn zu mir, ehe er sich darauf niederlässt. »Warum machst du dir solche Sorgen?«
Ich verschränke die Arme und schaue mich im Raum um, betrachte die Betonwände. »Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Wahrscheinlich ist sie supernett. Bestimmt werden wir Seelenverwandte, und sie macht mir Zöpfe, und wir veranstalten leicht bekleidete Kissenschlachten und haben eine innige lesbische Liebesaffäre.« Ich kneife die Augen zusammen, als ich ein Spinnennetz entdecke. Bestimmt gibt es hier Spinneneier, und gleich schlüpft die Brut und verteilt sich im Zimmer.
»Allison?« Simon wartet, bis ich ihn anschaue. »Das geht nicht. Du kannst nicht lesbisch...




