E-Book, Deutsch, Band 531, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust
Parker Andi, der Försterbub
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69049-431-1
Verlag: Blattwerk Handel
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust 531 – Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 531, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust
ISBN: 978-3-69049-431-1
Verlag: Blattwerk Handel
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. Klaus Schröder schaltete in den zweiten Gang zurück, als er die Abzweigung erreichte, die zu dem Forsthaus führte. Dort wollte er seine neue Stellung als Revierförster antreten. So schön hatte er sich die Gegend hier jedoch nicht vorgestellt. Die Straße, in die er nun einbog, führte durch einen herrlichen Laubwald. Die einfallenden Sonnenstrahlen tauchten ihn in ein goldgrünes Licht und zauberten eine Stimmung herbei, die den jungen Mann beglückt aufatmen ließ. Nun bereute er es nicht mehr, sich um diese Stellung beworben zu haben. Vorbei war die Überzeugung, sich hier keine Stunde wohlfühlen zu können. Denn er hatte geglaubt, nur in Rottach am Tegernsee glücklich sein zu können. Dort war er aufgewachsen. Aber seine Mutter hatte ihm zugeredet, für ein Weilchen fortzugehen, um nach seiner Enttäuschung einmal etwas anderes kennenzulernen. Obwohl sie aus sehr einfachen Verhältnissen stammte, war sie eine kluge Frau und traf stets die richtigen Entscheidungen, wenn es um Herzensdinge ging. Auch diesmal schien ihr Instinkt sie wieder nicht im Stich gelassen zu haben, dachte Klaus Schröder dankbar. Hoffentlich waren die Bullingers nette Leute. Der Oberförster hatte ihm einen ziemlich kurzen Brief auf seine Bewerbung geschrieben, aus dem er nicht viel hatte herauslesen können. Demnach schien er ein sehr kurz angebundener Mann zu sein. Nun, er würde sich einfach überraschen lassen. Schon wenig später konnte sich der junge Mann davon überzeugen, dass der Oberförster Bullinger seinen Vorstellungen entsprach. Auf einen so herzlichen Empfang war Klaus Schröder nicht gefasst gewesen. Frau Frieda Bullinger war eine mütterliche Frau, die man einfach gernhaben musste. Wilhelm Bullinger aber sah mit seinem langen weißen Bart, der gesunden rotbraunen Gesichtsfarbe und dem etwas gedrungenen Körper wie der Weihnachtsmann aus dem Bilderbuch aus.
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Klaus Schröder schaltete in den zweiten Gang zurück, als er die Abzweigung erreichte, die zu dem Forsthaus führte. Dort wollte er seine neue Stellung als Revierförster antreten.
So schön hatte er sich die Gegend hier jedoch nicht vorgestellt. Die Straße, in die er nun einbog, führte durch einen herrlichen Laubwald. Die einfallenden Sonnenstrahlen tauchten ihn in ein goldgrünes Licht und zauberten eine Stimmung herbei, die den jungen Mann beglückt aufatmen ließ.
Nun bereute er es nicht mehr, sich um diese Stellung beworben zu haben. Vorbei war die Überzeugung, sich hier keine Stunde wohlfühlen zu können. Denn er hatte geglaubt, nur in Rottach am Tegernsee glücklich sein zu können. Dort war er aufgewachsen.
Aber seine Mutter hatte ihm zugeredet, für ein Weilchen fortzugehen, um nach seiner Enttäuschung einmal etwas anderes kennenzulernen. Obwohl sie aus sehr einfachen Verhältnissen stammte, war sie eine kluge Frau und traf stets die richtigen Entscheidungen, wenn es um Herzensdinge ging.
Auch diesmal schien ihr Instinkt sie wieder nicht im Stich gelassen zu haben, dachte Klaus Schröder dankbar. Hoffentlich waren die Bullingers nette Leute. Der Oberförster hatte ihm einen ziemlich kurzen Brief auf seine Bewerbung geschrieben, aus dem er nicht viel hatte herauslesen können. Demnach schien er ein sehr kurz angebundener Mann zu sein. Nun, er würde sich einfach überraschen lassen.
Schon wenig später konnte sich der junge Mann davon überzeugen, dass der Oberförster Bullinger seinen Vorstellungen entsprach. Auf einen so herzlichen Empfang war Klaus Schröder nicht gefasst gewesen. Frau Frieda Bullinger war eine mütterliche Frau, die man einfach gernhaben musste. Wilhelm Bullinger aber sah mit seinem langen weißen Bart, der gesunden rotbraunen Gesichtsfarbe und dem etwas gedrungenen Körper wie der Weihnachtsmann aus dem Bilderbuch aus. Seine polternde Stimme sollte wohl sein gütiges Herz verbergen. Der Ausdruck seiner Augen war der Beweis dafür.
Oberförster Bullinger führte seinen jungen Mitarbeiter in die gute Stube und bat ihn, Platz zu nehmen. Seine rundliche Ehehälfte brachte Gläser und eine Flasche. Mit lächelnder Miene schenkte sie ein.
»Herzlich willkommen bei uns, junger Freund«, sagte der Oberförster fröhlich. »Bei uns hat sich bisher jeder wohl gefühlt.«
»Davon bin ich überzeugt«, erwiderte Klaus Schröder ebenso fröhlich und trank. Der Schnaps brannte ihm in der Kehle.
Ein Weilchen unterhielten sich die beiden Männer über berufliche Dinge. Dann führte Frau Bullinger den jungen Revierförster in eine abgeschlossene, sehr hübsch eingerichtete Wohnung des Forsthauses. »Natürlich steht es Ihnen frei, sich die Räume nach Ihrem Gutdünken einzurichten«, erklärte sie.
»Vorläufig werde ich alles so lassen, wie es ist. Mir gefällt es sehr gut.« Seine Worte entsprachen der Wahrheit. Wenn die Zimmer auch etwas altmodisch wirkten, so strahlten sie doch eine wohnliche Wärme aus, die ganz nach seinem Sinn war und ihn in gewisser Weise an das Haus seiner Eltern in Bayern erinnerte.
»So, und nun lasse ich Sie allein.« Frieda Bullinger sah ihn lächelnd an. »Ich nehme an, Sie möchten die Mahlzeiten gern mit uns einnehmen. Zwar ist in Wildmoos, das ist das nächstliegende Dorf, eine gutgeführte Gastwirtschaft mit annehmbaren Preisen, aber es ist doch etwas weit. Ich möchte vorausschicken, dass mein Hausmädchen Meta und ich recht gute Köchinnen sind«, fügte sie humorvoll hinzu. »Der Beweis dafür ist mein Mann. Ich muss ihn immer stoppen beim Essen.«
»Ich bin Ihnen für Ihr Angebot unendlich dankbar. Hausmannskost ist doch unübertreffbar.« Klaus Schröder erwiderte ihr Lächeln.
Dann war er allein. Er ging durch die Räume und betrachtete sie eingehend. Danach packte er seine beiden Koffer aus. Die übrigen Sachen wollte ihm seine Mutter nach und nach schicken. Denn er hatte erklärt, er wolle sich erst einmal an Ort und Stelle davon überzeugen, wie lange er es hier aushalten würde. Nach seinen bisherigen Erfahrungen blickte er jedoch recht optimistisch in die Zukunft.
Wilhelm Bullinger schmauchte währenddessen seine Pfeife. Seine Frau beobachtete ihn ein Weilchen, um schließlich zu fragen: »Wie findest du ihn?«
»Recht nett«, brummte er in den Bart. Ein größeres Zugeständnis wollte er noch nicht machen. Zugegeben, der mittelgroße braunhaarige junge Mann mit den klaren grauen Augen gefiel ihm gut, sogar sehr gut. Doch seine beruflichen Erfahrungen im Laufe vieler Jahrzehnte hatten ihn vorsichtig gemacht. Bevor er ein Urteil über einen Menschen fällte, musste er ihn erst besser kennenlernen.
Frieda Bullinger schmunzelte. Dieses »recht nett«, stellte sie einigermaßen zufrieden. Ihr Wilhelm war nicht mehr der jüngste. Er sollte endlich an seine Gesundheit denken und sich einige ruhige Stunden gönnen. Der junge Förster sah ganz so aus, als könnte er seinen Mann stehen. So wie sie die Lage beurteilen konnte, würde er eine tüchtige Hilfe für ihren Mann sein.
Schon nach einigen Tagen kam das Ehepaar zu der Überzeugung, dass Klaus Schröder wirklich sehr tüchtig war und auch eine Menge von seinem Beruf verstand. Auch war er ein aufgeschlossener, stets gut gelaunter Mann, der für alles Neue starkes Interesse zeigte. Schnell fand er sich in sein neues und umfangreiches Betätigungsfeld hinein. Sein sympathisches Wesen war auch für die Bewohner der umliegenden Ortschaften eine reine Freude. Für jeden hatte er ein gutes Wort.
Auch die Kinder von Sophienlust, für die das Forsthaus immer wieder ein beliebtes Ausflugsziel war, fühlten sich sofort zu dem netten Revierförster hingezogen, der so viele Geschichten zu erzählen wusste.
Besonders Dominik von Wellentin-Schoenecker, der Erbe von Sophienlust, belegte ihn bei seinen Besuchen im Forsthaus mit Beschlag.
Klaus Schröder beantwortete nur zu gern die wissbegierigen Fragen des Jungen. Er erwiderte seine Sympathie. Ja, ihm gefiel dieser hübsche schwarzhaarige Junge mit den klugen dunklen Augen sehr. Obwohl er aus einem sehr vornehmen Haus stammte und zudem noch enorm wohlhabend sein sollte, hatte er doch nichts von seiner frischen Natürlichkeit eingebüßt.
»Ich finde den jungen Förster einfach pfundig«, erklärte Nick seiner kleinen Freundin Pünktchen nach einem Nachmittagsbesuch im Forsthaus. »Unser lieber alter Herr Bullinger scheint auch sehr zufrieden mit ihm zu sein.«
»Das stimmt!«, rief das Mädchen.
»Ich habe gehört, wie er zu dem Hausmädchen Meta sagte, der Herr Schröder sei für ihn das ganz Große Los.«
»Hoffentlich bleibt er sehr lange da, Pünktchen. Dort, wo er herkommt, muss es herrlich sein. Rottach am Tegernsee! Vielleicht reisen wir später mal dorthin, Pünktchen.«
Nicks Worte ließen ihr Herz höher schlagen. Sie waren für sie wieder einmal der Beweis dafür, dass auch er an eine gemeinsame Zukunft mit ihr dachte. Denn ihr größter Wunsch war es, Nick später zu heiraten, um bis zu ihrem Lebensende mit ihm beisammen sein zu können.
*
Verliebt blickte der junge Tierarzt Dr. Hans-Joachim von Lehn seine bildschöne Frau Andrea an, als sie aus dem Haus kam und auf die Terrasse trat. »Endlich, mein Schatz!«, rief er. »Ich verhungere bereits.«
»Verzeih, Hans-Joachim, aber zu meiner Morgentoilette brauche ich immer etwas länger. Warum hast du nicht schon mit dem Frühstück angefangen?« Andrea gab ihm einen zärtlichen Kuss und setzte sich an den runden Tisch. »Da kommt Betti auch schon mit dem Kaffee.«
»Und die Post ist auch schon da!«, rief er, als das Hausmädchen einige Briefe neben sein Gedeck legte. Schnell durchblätterte er sie. »Nichts von Bedeutung. O ja, da ist ein Brief von meinem Studienkollegen Anton Brugger.«
»Von dem Münchener?« Neugierig sah Andrea ihn an.
»Ja, mein Schatz. Er hat eine gut gehende Tierpraxis in der bayerischen Hauptstadt. Er war immer ein lustiges Haus.« Hans-Joachim schnitt das Kuvert auf und entfaltete den Briefbogen.
Andrea schenkte Kaffee ein. Dabei beobachtete sie ihren Mann mehrmals. Wenn er so ein Gesicht machte, beschäftigte ihn meist ein schwieriges Problem.
»Ist was los?«, fragte sie, als er immer noch schwieg.
»Wie man’s nimmt, Andrea. Anton schreibt mir von einer gewissen Sabine Klinger. Sie hat auch Tiermedizin studiert und jetzt ihre Examina abgelegt. In den nächsten Monaten will sie promovieren. Anton schreibt weiter, sie stamme aus einer sehr guten und wohlhabenden Familie in München. Ihr Vater sei ein bekannter Bauunternehmer. Eigentlich bräuchte sie kein Geld zu verdienen, aber …«
»Will dein Kollege sie heiraten?«, fragte Andrea leicht ungeduldig über die langatmige Einleitung.
»Nein, das nicht. Anton fragt mich, ob ich dieses Fräulein Klinger nicht für ein oder zwei Monate bei mir praktizieren lassen könnte.«
»Bei dir!«, rief Andrea überrascht. »Wie kommt er denn ausgerechnet auf dich? Ja, willst du sie denn nehmen?« Sie sah ihn kopfschüttelnd an.
»Das weiß ich noch nicht, Andrea. Dir täte es ja auch mal gut, ein bisschen auszuspannen und …«
»Dann bist du nicht mit mir zufrieden, was?«, fragte sie gekränkt. »Dabei habe ich geglaubt, ich würde dir schon wirklich helfen können.« Sie blickte ihn unglücklich an.
»Du bist fantastisch, Andrea. Ich habe dir doch immer wieder gesagt, an dir ist eine gute Tierärztin verlorengegangen. Aber ich möchte auch nicht, dass du dich zu viel abrackerst. Warum sollen wir diesem jungen Mädchen eigentlich nicht den Gefallen erweisen?«
»Aber es gibt genügend Tierärzte in Bayern, bei denen sie praktizieren könnte.« Andrea passte es ganz und gar nicht, dass...




