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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 527, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust

Parker Flucht nach Wildmoos

Sophienlust 527 – Familienroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69049-304-8
Verlag: Blattwerk Handel
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Sophienlust 527 – Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 527, 100 Seiten

Reihe: Sophienlust

ISBN: 978-3-69049-304-8
Verlag: Blattwerk Handel
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. Der Landregen, der auf den nächtlichen Gewittersturm folgte, passte so recht zu Pünktchens trübsinniger Stimmung. Mit tränenfeuchten Augen stand sie am Fenster ihres Zimmers und blickte in die graue Welt hinaus. Dabei dachte sie an die kommenden zwei Wochen, in denen Dominik nicht hier sein würde. Für sie war das eine Ewigkeit. Natürlich gönnte sie Nick die Reise mit seinen Großeltern und deren Adoptivtochter Kati von ganzem Herzen, aber gleichzeitig fühlte sie auch Neid in sich. Wie schön wäre es doch, wenn man sie ebenfalls mitnehmen würde. Die bayerische Hauptstadt München hätte sie schon lange gern kennengelernt. Nick würde diese Stadt nun aber ohne sie kennenlernen. Pünktchen wischte sich die Tränen fort und atmete tief durch. Sie musste tapfer sein. Vor allen Dingen durfte sie keine verweinten Augen haben. Denn Nick würde gleich nach Sophienlust kommen, um sich von allen hier zu verabschieden. Gegen elf Uhr würden dann seine Großeltern und Kati kommen, um ihn mit dem Auto abzuholen. Und heute Abend würden die glücklichen Vier bereits in München sein. Pünktchen wusste, Nick konnte es nicht leiden, wenn sie weinte oder gerötete Lider hatte. Darum ging sie in das anschließende Badezimmer und wusch ihr Gesicht mit kaltem Wasser. Dann bürstete sie ihre Haare und band sie im Nacken mit einer hellblauen Schleife zusammen. Schließlich schlüpfte sie in ihre weiße Leinenhose und zog den kurzärmeligen Pulli über den Kopf. Obwohl es draußen in Strömen goss, war es doch noch immer recht schwül. Jetzt stellte Pünktchen sich wieder ans Fenster und wartete auf den Wagen von Tante Isi, die Nick gewiss nach Sophienlust bringen würde.

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Der Landregen, der auf den nächtlichen Gewittersturm folgte, passte so recht zu Pünktchens trübsinniger Stimmung. Mit tränenfeuchten Augen stand sie am Fenster ihres Zimmers und blickte in die graue Welt hinaus. Dabei dachte sie an die kommenden zwei Wochen, in denen Dominik nicht hier sein würde. Für sie war das eine Ewigkeit. Natürlich gönnte sie Nick die Reise mit seinen Großeltern und deren Adoptivtochter Kati von ganzem Herzen, aber gleichzeitig fühlte sie auch Neid in sich. Wie schön wäre es doch, wenn man sie ebenfalls mitnehmen würde. Die bayerische Hauptstadt München hätte sie schon lange gern kennengelernt.

Nick würde diese Stadt nun aber ohne sie kennenlernen.

Pünktchen wischte sich die Tränen fort und atmete tief durch. Sie musste tapfer sein. Vor allen Dingen durfte sie keine verweinten Augen haben. Denn Nick würde gleich nach Sophienlust kommen, um sich von allen hier zu verabschieden. Gegen elf Uhr würden dann seine Großeltern und Kati kommen, um ihn mit dem Auto abzuholen. Und heute Abend würden die glücklichen Vier bereits in München sein.

Pünktchen wusste, Nick konnte es nicht leiden, wenn sie weinte oder gerötete Lider hatte. Darum ging sie in das anschließende Badezimmer und wusch ihr Gesicht mit kaltem Wasser. Dann bürstete sie ihre Haare und band sie im Nacken mit einer hellblauen Schleife zusammen. Schließlich schlüpfte sie in ihre weiße Leinenhose und zog den kurzärmeligen Pulli über den Kopf. Obwohl es draußen in Strömen goss, war es doch noch immer recht schwül.

Jetzt stellte Pünktchen sich wieder ans Fenster und wartete auf den Wagen von Tante Isi, die Nick gewiss nach Sophienlust bringen würde.

Aber nicht ihr Auto bog bald darauf in das Hoftor ein, sondern das von Onkel Alexander. Pünktchen beobachtete, wie zuerst Nick, dann Henrik und Tante Isi und schließlich Onkel Alexander ausstiegen.

Nach einem tiefen Atemzug und einem schnellen Blick in den Spiegel verließ die Kleine ihr Zimmer und lief nach unten. Die anderen Kinder hatten sich an diesem Vormittag alle in der Halle versammelt, um Nick auf Wiedersehen zu sagen.

Pünktchen blieb auf der halben Treppe stehen, denn wieder schossen ihr heiße Tränen in die Augen. Wie durch einen Nebelschleier sah sie, dass die anderen lebhaft auf Nick einredeten. Sie hörte auch sein munteres Lachen und dann die Frage: »Wo steckt denn Pünktchen?«

»Ich weiß es nicht«, antwortete Isabel. »Gleich nach dem Frühstück ist sie nach oben gelaufen.«

»Sie hat Abschiedsschmerz«, meinte die rundliche Vicky vergnügt. »Sie tut ganz so, als ob du monatelang fortbleiben wolltest.«

Pünktchen schluckte und flitzte wieder nach oben. Obwohl sie sich meist recht gut mit Vicky verstand, hatte sie manchmal auch eine richtige Wut auf sie wegen ihrer anzüglichen Bemerkungen.

Dominik hatte Pünktchen noch im letzten Augenblick erspäht und folgte ihr nach oben. Er holte sie auf dem Gang des Seitenflügels ein und hielt sie am Arm zurück. »Hallo, Pünktchen«, grinste er. »Du weinst doch nicht etwa meinetwegen?«

»Ich weine überhaupt nicht«, fauchte sie ihn an und wollte sich von ihm losreißen.

»Natürlich weinst du nicht.« Auf einmal klang seine Stimme ungewöhnlich sanft. »Weißt du, Pünktchen, die vierzehn Tage gehen schnell vorüber.«

»Ja, für dich!«, stieß sie schluchzend hervor. »Ich wäre doch auch so gern mitgefahren. Ich …«

»Ich weiß das ja, Pünktchen. Ich habe Omi auch gefragt, ob du nicht mitfahren könntest. Aber der Wagen ist doch voll. Opa fährt doch nicht selber. Ich sitze vorn neben dem Chauffeur, meine Großeltern und Kati hinten.«

»Ja, Nick.« Sie lächelte ihn unter Tränen an. »Nick, ich bin sehr glücklich in Sophienlust, aber manchmal tut es doch weh, wenn man niemanden hat.« Wieder flossen die Tränen.

»So etwas darfst du niemals sagen, Pünktchen. Du hast doch uns alle. Mutti hat erst neulich zu mir gesagt, sie liebe dich wie eine Tochter. Und Vati wünscht sich, dass du seine Tochter wärst. Eines Tages, wenn wir beide groß sind und ich dich heiraten werde, wirst du ja auch ihre Tochter.«

Plötzlich strahlte Pünktchen übers ganze Gesicht. Wenn Nick von ihrer gemeinsamen Zukunft sprach, fühlte sie sich wie im siebten Himmel.

»Nick! Nick!«, rief Fabian hinter ihm. »Deine Großeltern sind da! Sie wollen gleich weiterfahren.«

»Danke, Fabian.« Dominik lächelte dem Jungen zu, dann küsste er Pünktchen ungeschickt auf die Wange. »Also, bitte wein nicht mehr«, bat er leise und ließ sie dann einfach stehen.

*

Irene von Wellentin sah an diesem Tag auffallend gut aus. Sie trug ein überaus elegantes Sommerkostüm und einen dazu passenden Hut, der sie besonders jugendlich machte. Auch ihr Mann Hubert von Wellentin machte einen sehr lebhaften Eindruck, als er seinen Enkel begrüßte.

»Na, fertig, mein Junge?«, fragte er in bester Laune und blickte dann mit väterlichem Stolz auf seine Adoptivtochter. Kati hatte einen entzückenden hellroten Hosenanzug an, der wundervoll zu ihrem aschblonden Haar, das sie offen trug und das ihr weit über die Schultern fiel, kontrastierte. Die großen grauen Augen mit den langen dunklen Wimpern waren so klar wie ein frischer Quell. Ja, er würde sehr achtgeben müssen auf das Mädchen, damit es nicht einem unrechten Mann in die Hände fiel, dachte er mit plötzlicher Sorge. »Wir müssen jetzt fahren«, sagte er und reichte Denise die Hand zum Abschied. »Auf deinen Filius passen wir gut auf. Wir bringen ihn schon wieder gesund heim.«

Dominiks Koffer war bereits im Auto verstaut. Er selbst hatte sich schon von allen verabschiedet, nur noch nicht von seinen Eltern und Henrik. Das holte er jetzt schleunigst nach. Doch er war so aufgeregt vor Freude auf die kommenden Ereignisse, dass er nicht mehr nach oben schaute, bevor er in den Wagen stieg, sonst hätte er Pünktchen an einem der Fenster im oberen Stockwerk noch gesehen und ihr auch zugewinkt.

Pünktchen schluchzte leise auf, als der Wagen abfuhr. Denise zeigte ebenfalls ein trauriges Gesicht, denn wenn eines ihrer Kinder fortfuhr, war ihr jedes Mal sonderbar schwer ums Herz.

Alexander hakte sich bei ihr unter. »Er kommt ja bald wieder, mein Liebes«, flüsterte er ihr zu.

»Ich weiß, dass ich mich lächerlich benehme«, erwiderte sie ebenso leise. »Aber ich kann nichts dafür. Wirklich nicht.«

Henrik fasste nach ihrer Hand. »Nicht wahr, Mutti, wenn ich so groß bin wie Nick, dann darf ich auch mit Omi und Opa mal verreisen?«

»Natürlich.« Denise lächelte schon wieder.

Alexander fuhr seinem Jüngsten liebevoll durch den Haarschopf. Es amüsierte ihn immer wieder, dass der Kleine so fest davon überzeugt war, dass Irene und Hubert von Wellentin auch seine richtigen Großeltern seien.

*

Für Kati und für Nick wurde die Reise nach München ein großes Erlebnis.

Hubert von Wellentin hatte allerdings nur wenig Zeit für seine Familie, denn er hatte wichtige geschäftliche Konferenzen. Irene von Wellentin aber durchstreifte mit den beiden jungen Leuten die Isarmetropole. Sie war genauso wie diese über die Veränderungen begeistert. Trotzdem spürte sie doch ein bisschen, dass sie keine junge Frau mehr war, und gestattete deshalb den beiden, auch ein bisschen allein umherzulaufen.

Kati und Dominik fanden das wunderbar. Sie suchten in den Kaufhäusern Geschenke für ihre Lieben daheim aus und fuhren immer wieder mit der U-Bahn. Dabei bemerkte Nick, dass die Männer Kati immerzu anschauten, worüber er sich ein bisschen ärgerte. Denn Kati gab manchen Männerblick lächelnd zurück.

»So etwas darfst du nicht tun«, empörte sich der Junge später, als sie zum Hotel zurückgingen.

»Was darf ich nicht tun?«, fragte sie mit dem unschuldigsten Gesicht der Welt.

»Die Männer anlächeln.«

»Aber warum nicht, wenn sie freundlich sind? Du, Nick, es ist eigentlich schade, dass Sascha nicht hier ist.«

Überrascht blickte er sie an. »Sascha? Wieso Sascha?«

»Versprichst du mir, dass du niemandem erzählst, was ich dir jetzt sage?«, fragte sie und errötete bis zu den Ohren.

»Wenn du mich darum bittest, schweige ich natürlich wie ein Grab.« Dominik sah sie gespannt an. Alles, was mit Geheimnissen zu tun hatte, interessierte ihn nach wie vor brennend.

»Ach, ich traue mich doch nicht.« Ihre Wangen wurden noch rosiger, und der tiefe Glanz in ihren schönen Augen gab Nick zu denken.

»Sei keine Gans«, brummte er. »Erst deutest du etwas an, und dann spannst du mich auf die Folter. Das ist unfair.«

»Also gut. Ich bin in deinen Bruder Sascha verliebt. Er darf es aber nie wissen. Wenn ich wirklich einmal heirate, heirate ich nur ihn«, fügte sie schnell hinzu und senkte den Kopf vor Verlegenheit.

»Donnerwetter!«, rief Dominik burschikos. »Auf diese Idee wäre ich niemals gekommen. Aber warum nicht? Dann würde Sascha seine Tante heiraten.«

»Hör doch damit auf«, kränkte sie sich. »Immer wieder neckst du mich mit solch dummem Zeug. Ich bin doch nie und nimmer seine Tante.«

»Doch, das bist du. Also, pass mal auf«, begann er verschmitzt lächelnd. »Du bist meine Tante, das ist klar. Und weil Sascha mein Bruder ist, dann …«

»Nick, hör auf! Ich …« Plötzlich prustete sie los. »Ach, Nick, und wenn schon. In unserer Familie sind sowieso verzwickte Verhältnisse. Warum sollen sie nicht noch verzwickter werden?«

»Du, Kati, ich habe eine grandiose Idee. Wir werden Omi und Opa oder Mutti und Vati, wie du meine Großeltern titulierst, bitten, über Heidelberg nach Sophienlust zurückzufahren. Dann können wir Sascha dort besuchen. Ist das nicht...



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