Parker | Im Meer des Glücks | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Parker Im Meer des Glücks


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7427-8199-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-7427-8199-4
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der tragische Tod ihres kleinen Bruders wirft Emma aus der Bahn. Kurz vor ihrem Staatsexamen geht die angehende Ärztin nach Kalifornien, dort will sie einen Neuanfang wagen. Während der Reise lernt sie den attraktiven Rechtsanwalt Michael kennen. Sie erliegt seinem Charme und stürzt sich in eine heiße Affäre. Emma beendet ihre Ausbildung und fühlt sich zu ihrem Kollegen Paul hingezogen. Doch diese Freundschaft steht unter keinem guten Stern; eine belastende Vergangenheit, dunkle Familiengeheimnisse sorgen immer wieder für Unruhe und stellen Emmas Welt auf den Kopf. Wird sie in Kalifornien bleiben und ihren Weg alleine gehen, oder findet sie das, wonach sie immer gesucht hat, eine Liebe fürs Leben? Ein Liebesroman - gefühlvoll und prickelnd, tragisch und leidenschaftlich.

Unter dem Pseudonym Rachel Parker schrieb die Autorin im Juni 2016 ihren ersten modernen unkonventionellen Roman über Liebe, spannenden Charakteren und Medizin. Sie liebte es schon als Kind in fremde Welten abzutauchen. Nach zahlreichen Veröffentlichungen im Genre Medizin und Ratgeber, widme ich mich nun ganz dem Schreiben von Romanen.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1


Im Meer des Glücks

Roman

Rachel Parker

Gib dich dem Fluss des Atems hin,

er trägt dich in das Meer des Glücks.

(Hans-Christoph Neuert)

Der Anflug auf San Francisco versetzte mich in Hochstimmung. Strahlend blauer Himmel. Das Meer glitzerte wie kleine Kristalle im Sonnenlicht. Die Stadt schmiegte sich an die Hänge und erstreckte sich entlang der gesamten Küste. Deutlich erkannte ich bereits die Golden Gate Bridge – welch ein atemberaubender Anblick! Ich rutschte ungeduldig auf meinem Sitz herum. Endlich kam ich meinem Ziel näher und konnte auf diese große imposante Stadt im Süden Kaliforniens blicken. Die Autos schlängelten sich wie Spielzeuge durch die Straßen. Vereinzelt erkannte man nun Menschen; wie Ameisen wuselten sie zwischen den Häusern umher. Nach der Ansage des Kapitäns, landeten wir wenige Minuten später auf dem Flugrollfeld und er parkte unser Flugzeug an einer der Gangways. Sofort setzte Hektik ein, alle drängten gleichzeitig zum Ausgang der Maschine, um sich kurz darauf an der Gepäckausgabe zu treffen. Immer das gleiche Spiel, dachte ich genervt und setzte mich auf meinen Kofferwagen. Die empfundene Hochstimmung wich der Realität.

Mein Handy klingelt immer dann, wenn ich beschäftigt bin! So auch jetzt. In diesem Moment wurde ich wütend. Fast alleine stand ich am Gepäckband 10 des San Francisco International Flughafens und merkte, dass mir ein Koffer fehlte. Ich fror, denn wie in allen öffentlichen Gebäuden in Amerika zeigte das Thermometer Richtung Gefrierpunkt. Menschen verschiedener Nationalitäten hasteten vorbei, ein Mix aus allen Sprachen der Welt zog an meinen Ohren vorbei und es herrschte mehr Basar-Atmosphäre als Flughafen-Flair. Aber meine Sinne täuschten mich sicherlich, denn ich war übernächtigt und nervös. Was würde mich in dieser Metropole und an meinem neuen Arbeitsplatz erwarten? Das Display zeigte mir meine Mutter an.

»Hey, Mama«, begrüßte ich sie. Ich war genervt, oh, ja, das war ich wirklich.

»Emma, ich wollte nur fragen, ob du gut gelandet bist? Du hättest mir doch eine Nachricht schicken können … «

Immer diese Vorwürfe meiner Mutter! Oft unterschwellig aber dieser Vorwurf kam mal wieder sehr direkt.

»Mama, ich bin vor Kurzem gelandet und habe andere Sorgen, als dir zu schreiben. Einer meiner beiden Koffer fehlt.«

»Ach, Kind, du weißt doch, wie ich mir Gedanken mache. Aber das mit dem Koffer schaffst du. Der wird schon noch auftauchen. Vielleicht ist er der Letzte. Habe doch etwas Geduld, sei nicht immer so negativ. Melde dich bald mal.«

Die Leitung wurde unterbrochen. Na toll, erst Vorhaltungen machen und dann einfach auflegen. Wie ich das hasse. Aber so war sie, meine Frau Mama. Immer taff, um keine Antwort verlegen und desinteressiert, was mich betraf. Frei nach dem Motto: Das wird meine Tochter schon selber meistern. Ich sah sie bildlich vor mir, mit ihrem breitkrempigen Strohhut, den sie im Sommer so gerne trug und auch in ihrer Galerie nie absetzte. Egal welche Jahreszeit, meine Mutter setzte immer einen Hut auf, mal sportlich, mal elegant. Ihre dunkelbraunen Haare trug sie meistens hochgesteckt. Sie hatte eine schlanke Figur wie ich auch, das Einzige, was ich augenscheinlich von ihr hatte.

Ansonsten ähnelte ich meinem Vater, der ein besonnener und herzlicher Mensch war, immer für andere da, eher zurückhaltend und er drängte sich niemandem auf. Wir standen beide nicht gerne im Mittelpunkt, ganz anders als meine Mutter. Ihr oder besser gesagt mein Glück war es, dass uns nun Tausende von Kilometern trennten. Und damit auch ein gemeinsames Erlebnis vor Jahren, das unsere Familie entzweite.

»Vermissen Sie auch Ihren Koffer?«

Ein junger Mann, etwa in meinem Alter, war neben mich getreten. Gedankenverloren wie ich vor mich hin starrte, hatte ich ihn gar nicht bemerkt. Ich blickte mich um. Wir waren mittlerweile die letzten Passagiere, die auf ihr Gepäck warteten.

»Mir fehlt noch ein großer Koffer. So ein Mist aber auch. Und nun?« Frustriert richtete ich meine Frage an den Unbekannten, was gar nicht meine Absicht war. Genau in diesem Moment wurde das Förderband abgestellt. Eigentlich nicht meine Art, aber ich fühlte mich verloren und schob meinen Ausbruch auf die Übermüdung vielmehr der Erschöpfung nach einem Langstreckenflug zurück. Ich band meine langen blonden Haare mit einem Gummiband locker zusammen. Dies tat ich immer, wenn ich erschöpft übermüdet und angespannt war. »Das kann doch alles nicht wahr sein!«

»Kommen Sie, ich hatte das schon zweimal und weiß, wo man sich hinwenden muss.«

Dankbar und müde schloss ich mich ihm an.

»Übrigens, ich heiße Michael Metzler.« Freundlich reichte er mir seine Hand. Jetzt schaute ich ihn mir näher an und blickte in funkelnde blaue Augen. Er war etwas größer als ich und von schlanker Gestalt. Auf jeden Fall wirkte er frischer als ich; als käme er gerade aus einem Bürotag hierher, aber ohne jede Spur von einem Langstreckenflug über den Atlantik.

»Ich bin Emma Ritter.«

Keine hundert Meter von der Gepäckausgabe war der Schalter für verlorene Gegenstände und Sperrgüter. »So, da wären wir. Soll ich mich auch für sie erkundigen?«

»Ja gerne. Ich stehe ja gleich neben Ihnen und kann dann Auskunft über meinen Koffer geben.«

Die Dame am Schalter war sehr entgegenkommend und nahm versiert unsere Suchanfrage auf, denn im Flugzeug waren unsere vermissten Koffer definitiv nicht. In London war etwas schiefgelaufen und nun befanden sich beide Gepäckstücke auf einer anderen Reise.

Michael lobte meine Englischkenntnisse. Ich nickte. Was sollte ich dazu auch sagen.

»Echt Mist, ausgerechnet mir passiert das. Hoffentlich wird mein Koffer bald nachgeschickt.« Erschöpft rollte ich mit den Augen.

»Haben Sie noch Lust auf einen schnellen Espresso?« Michael strahlte mich an und war die Ruhe selbst. Er trug eine Reisetasche und einen Aktenkoffer bei sich. Sein Rasierwasser duftete frischherb, trotz langer Flugstrecke wie eben erst aufgetragen, und ich zögerte keinen Moment. Einen Kaffee fand ich unverfänglich, denn in kürzester Zeit würden sich unsere Wege trennen.

»Gerne, bevor ich mich ins nächste Chaos stürze.«

Gemeinsam steuerten wir eine Kaffee-Bar in unmittelbarer Nähe an, die sich etwas abseits vom ganzen Trubel befand. Ein himmlischer Duft nach Kaffee spornte mich zur Eile an. Ich zog mein restliches Gepäck hinter mir her und folgte dem gut aussehenden Fremden.

»Unsere Koffer sind sicher in zwei Tagen hier, da habe ich so meine Erfahrungen. Es ist nunmehr das dritte Mal, dass mir das passiert. Wie sagt man so schön? ›Aller guten Dinge sind drei‹, nicht wahr?«

Michael bestellte zwei Espressi, ohne abzuwarten, ob ich mit dieser Kaffeeart einverstanden war. Ich versuchte, ihn unauffällig zu mustern. Erst jetzt bemerkte ich, wie attraktiv er war und wie sportlich chic gekleidet. Keine Klamotten von der Stange oder billige Massenware, sondern alles Markenartikel wie die ganzen Logos auf Hose und Jackett bewiesen.

Etwas angeberisch, wenn man solche Etiketten nicht entfernte, aber ich verwarf den Gedanken sofort wieder. Sein markantes Gesicht zierte ein Dreitagebart und die dunkelbraunen Haare trug er kurz. Auf seiner Nase saß eine schlichte, braun melierte Brille, durch die er mich betrachtete. Ich kam mir richtig schäbig vor; ich trug im Sommer meine Winterstiefel, den Wollmantel über dem Arm. Beide Kleidungsstücke hatten partout nicht mehr in meine Koffer gepasst.

»Sind Sie das erste Mal in San Francisco, Emma?« Die Bedienung reichte uns zwei Tassen über die Theke. Kaffeeduft mischte sich mit dem typischen Geruch einer Flughafenhalle. Kühle Temperaturen, hektische Menschen. Mit unseren Tassen stellten wir uns an einen Stehtisch.

»In Kalifornien ja, doch habe ich nach der Elften ein Jahr lang eine High-School in Colorado besucht.« Ich holte kurz Luft. »Sie sprechen aber ebenfalls ein perfektes Englisch.«

»Ich bin bei einer internationalen Bank in Frankfurt beschäftigt. Oft hab ich hier geschäftlich zu tun. Morgen ist ein großes Meeting in unserer Zweigstelle in der City. Und was führt Sie hierher, wenn ich fragen darf?«

»Ich habe in Marburg Medizin studiert und werde hier am Memorial Hospital mein praktisches Jahr absolvieren.«

Ich zog merklich die Luft ein, denn dieser Mann nahm mir den Atem. Sein Aftershave kitzelte in meiner Nase und verursachte ein Kribbeln in meinem Bauch. Warum erzählte ich einem fremden Menschen meine halbe Lebensgeschichte? Ich war selbst von mir überrascht. Aber er strahlte auch eine solche Freundlichkeit und Souveränität aus.

»Na, dann auf eine erfolgreiche Zeit. Wenn Sie möchten, gebe ich Ihnen meine Handynummer, falls Sie Fragen zu Beginn Ihres Einlebens haben oder bei Gängen zu Ämtern. Ganz unverfänglich, versteht sich. Ich bin mindestens einmal im Monat für ein paar Tage in der Stadt.«

Freundlich schaute mir Michael in die Augen. Er brachte die Tassen an die Theke zurück und bezahlte die Espressi.

»Wenn ich ehrlich sein soll, sehr gerne. Ich komme mir momentan noch...



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