Parker / Mayer | Goldeneye | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 504 Seiten

Parker / Mayer Goldeneye

Ian Fleming und Jamaika - Wo James Bond zur Welt kam
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-903061-66-8
Verlag: Septime Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ian Fleming und Jamaika - Wo James Bond zur Welt kam

E-Book, Deutsch, 504 Seiten

ISBN: 978-3-903061-66-8
Verlag: Septime Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die großartige Biografie über Ian Fleming, seine geniale Erfindung James Bond und die Rolle der Insel Jamaika in der Entstehung der Legende. Von 1946 bis zum Ende seines Lebens verbrachte Ian Fleming jedes Jahr zwei Monate in Goldeneye, dem Haus, das er an der Nordküste Jamaikas oberhalb eines schmalen weißen Sandstrandes hatte erbauen lassen. Hier schrieb er sämtliche Romane und Erzählungen rund um James Bond. Schon bei seinem ersten Besuch war Fleming von Jamaika fasziniert, das damals noch ein entlegener Winkel des britischen Empire war. Hier, inmitten bezaubernder Naturschönheiten, konnte er die englische Nüchternheit und den Niedergang des postkolonialen Großbritanniens vergessen. Auf Jamaika fand Fleming das perfekte Zusammenspiel von britischem Konservativismus alter Schule und einer Atmosphäre von Gefahr und Sinnlichkeit vor. Diese außergewöhnliche Mischung prägte auch sein Schreiben und trug wesentlich zum Erfolg seiner Werke bei. Diese Biografie zeichnet Flemings Leben und Werk anhand seiner Aufenthalte in Goldeneye nach und verbindet die Entwicklung der Person und des Werkes mit den politischen Entwicklungen der Nachkriegszeit, wie etwa dem Kalten Krieg, dem Weg Jamaikas in die Unabhängigkeit und dem Zerfall des britischen Empire.

Matthew Parker, wurde 1970 in El Salvador als Sohn einer Auswanderer-Familie geboren und wuchs in England, Norwegen und Barbados auf. Er schrieb für mehrere Zeitungen in England, arbeitete an einer Vielzahl an TV- und Radio-Programmen mit und unterrichtete auf der ganzen Welt. Zudem arbeitete er in diversen Bereichen der Buch-Branche. Zu seinen Bestsellern und von Kritikern gefeierten Büchern zählt - neben Monte Cassino, Panama Fever und The Sugar Barons - Goldeneye, das nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Er lebt mit seiner Familie in East London.
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1943

Fleming und Jamaika – der erste Kontakt

Juli 1943. In der jamaikanischen Hauptstadt Kingston findet eine britisch-amerikanische Marinekonferenz mit hochrangigen diplomatischen Vertretern statt. Deutsche U-Boote haben in der Karibik schwere Zerstörungen angerichtet und die Flotte der Alliierten empfindlich getroffen.

Der Leiter der britischen Marineaufklärung entsendet seinen Assistenten Ian Fleming auf die Insel. Dieser soll dabei helfen, eine Lösung für das drängende Problem zu finden. Gerüchten zufolge hat der schwedische Millionär Axel Wenner-Gren, dem Verbindungen zu Hermann Göring nachgesagt werden, auf Hog Island, einer Insel der Bahamas, die sich in seinem Privatbesitz befindet, einen geheimen U-Boot-Stützpunkt errichten lassen. Um weitere Bedrohungen für die Schifffahrtsroute vom Golf von Mexiko nach Europa und Afrika abzuwenden, ist rasches Handeln erforderlich.

Fleming reist zusammen mit Ivar Bryce, einem Freund aus Kindertagen, der ebenfalls für den Geheimdienst arbeitet. Bryce will die Gelegenheit nutzen, um Fleming Jamaika zu zeigen, wo seine Frau kürzlich das Anwesen Bellevue gekauft hat, ein ehemaliges Herrenhaus einer Plantage, das rund 450 Meter oberhalb von Kingston liegt und wo die beiden während ihres Aufenthalts auch wohnen werden.

Fleming und Bryce treffen sich in New York und reisen von dort aus mit dem Schnellzug Silver Meteor nach Miami – dieselbe Fahrt, die später Bond und Solitaire in Leben und sterben lassen (Live and Let Die) machen werden (LSL, 171 f.). Von Miami fliegen sie nach Kingston, wo es »in Strömen goss und die Luft vor Hitze flirrte, wie in einem türkischen Hamam«. Die fünftägige Konferenz findet im Myrtle Bank statt, einem der größten und besten Hotels der Insel, das in Kingston direkt am Meer liegt. Doch dank Ivars Gastfreundlichkeit kann Fleming sich jeden Abend aus der schwülen Hitze der Stadt in die Abgeschiedenheit des höher gelegenen Bellevue zurückziehen.

Dort, in Bellevue, nimmt die Geschichte von Fleming und Jamaika ihren Anfang. Dort verliebt Fleming sich in die Insel, auf der seine berühmteste Schöpfung das Licht der Welt erblicken wird, eine Ikone der Popkultur: der britische Geheimdienstagent James Bond.

Mit einem geliehenen Auto fuhren Fleming und Bryce im Dauerregen durch die einsetzende Dunkelheit nach Half Way Tree (damals noch ein Vorort von Kingston), bogen von der Hauptstraße ab und schlugen einen steil ansteigenden, kurvigen Weg ein, »der einem Flussbett glich«. Nach »unzähligen Haarnadelkurven«, die mit sorgfältiger Fahrkunst gemeistert werden wollten, erreichten sie schließlich Bellevue. Im Inneren des Hauses brannte kein Licht, die Türen waren verschlossen und das Anwesen hatte offensichtlich schon bessere Zeiten gesehen. Sie machten sich durch Klopfen und Rufen bemerkbar, bis nach einer Weile die alte jamaikanische Haushälterin Elizabeth erschien, sie hineinließ und ihnen ein »zähes und fades« Hühnchen sowie »gewöhnungsbedürftige« Yamswurzeln vorsetzte. Alkohol gab es nicht, nur eine Flasche Grenadine, mit der sie sich an diesem ersten Abend begnügen mussten. Fleming nahm sein Glas mit der rosa schimmernden Flüssigkeit mit hinaus auf die Veranda und setzte sich so weit nach vorn, wie der Schleier des unaufhörlich niedergehenden Regens es erlaubte. Von dort aus blickte er in die wasserschwere Dunkelheit und hing seinen Gedanken nach.

Zweihundert Jahre lang waren Würdenträger, die die Insel besuchten, und hochrangige Kolonialbeamte vor der Hitze und der Feuchtigkeit der unterhalb liegenden Stadt in das Herrenhaus geflüchtet. Auch Admiral Nelson – den Fleming sehr bewunderte – hatte dort logiert. Seit damals war Bellevue durch die Hände zahlreicher Besitzer gegangen, und auf der dazugehörigen kleinen Plantage waren im Lauf der Zeit Kaffee, Piment, Ingwer, Avocados und Bananen angebaut worden. In Flemings Tagen erstreckten sich unterhalb des Anwesens, am Fuß der westlich gelegenen, rötlich schimmernden Hügel, weitläufige grüne Zuckerrohrfelder. Hinter dem Haus lag ein dicht mit tropischen Pflanzen bewachsener Garten, in dem auch eine Reihe Muskatnussbäume stand. Am östlichen Horizont erhoben sich die Berge mit ihrem höchsten Gipfel, dem 2.256 Meter hohen Blue Mountain Peak, und von der Vorderseite des Anwesens bot sich eine faszinierende Aussicht auf Kingston, die Bucht und die azurblaue See.

Blanche Blackwell, geborene Lindo, später Flemings Geliebte und engste Freundin in Jamaika, kam Ende der 1920er-Jahre als Teenager zu Besuch nach Bellevue. Sie erlebte das Anwesen als einen außergewöhnlichen, aber auch bedrohlichen Ort. Sie erinnert sich noch gut an die »bezaubernden Anlagen«, die es umgaben, aber auch daran, dass das Haus eine »düstere Geschichte« hatte. Der Sage nach hatte sich einst eine junge Frau von dem Felsvorsprung am Rand des Grundstücks gestürzt. »Dort spukte es, ganz ohne Zweifel.« Während ihres Besuchs versuchten Blanche und ihre Brüder, mithilfe eines Ouijabretts Kontakt zum Geist der Verstorbenen aufzunehmen.

Heute sind von dem ursprünglichen Gebäude nur noch die steinernen Partien zu sehen: die Küche, ein Regenbecken, die Grundmauern und eine Außentoilette. In den Räumen, die noch erhalten sind, hat sich ein Aufpasser eingenistet, der dafür sorgt, dass das Gestrüpp dem verrammelten Gebäude nicht zu nahe kommt. Ein Hund stromert über das zugewachsene Gelände, auf dem alle nur erdenklichen Früchte von den Bäumen fallen: Akipflaumen, Jackfrüchte, Kakaobohnen, Zimtäpfel und Breiäpfel. Nur wenige davon werden aufgelesen, und die herumliegenden Früchte wimmeln nur so von Wespen, Fliegen und krabbelnden Insekten. In der drückend heißen Luft liegt ein süßlicher, fauliger Geruch. Im rückwärtigen Teil des Anwesens steht inmitten von wild wucherndem Gestrüpp eine hässliche Ansammlung von Häusern, manche davon unfertig. Von der Vorderseite des Gebäudes bietet sich jedoch noch immer der Blick über Kingston. Der gegenwärtige Besitzer, ein leicht ungepflegter, blauäugiger, aber dunkelhäutiger Jamaikaner, kennt die angeblichen Spukgeschichten, betont jedoch, er glaube nicht an Geister, allerdings nicht ohne mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: »Woher wollen Sie wissen, dass ich kein Geist bin?«

An den folgenden fünf Tagen fuhren Fleming und Bryce frühmorgens nach Kingston hinab, nahmen in der schwelenden Hitze der Stadt an der Konferenz teil und machten sich in der Dunkelheit auf den beschwerlichen Rückweg hinauf nach Bellevue, wo mittlerweile der unentbehrliche Gin bereitstand, dazu »eine größere Auswahl an Speisen sowie Körbe voll schmackhafter, uns völlig unbekannter Früchte«. Nur das Wetter kannte kein Erbarmen. »Es schüttete wie aus Kübeln«, notierte Fleming. Bryce berichtete, dass »über Nacht kleine Pilze in unseren Lederschuhen wuchsen«. Er bedauerte, dass er Fleming nicht die ganze Pracht des Anwesens von Bellevue und der anderen »romantischen« Sehenswürdigkeiten der Insel zeigen konnte, von denen er ihm ausführlich erzählt hatte. »Ich hatte gehofft, Ian würde Gefallen an Jamaika finden und vielleicht bei uns wohnen, wenn der Krieg jemals ein Ende nähme«, schrieb er. Doch leider hatte Jamaika sich »von seiner abscheulichsten Seite gezeigt«.

Doch als auf der Rückreise ihr Flugzeug in den Himmel über Kingston stieg, schloss Fleming plötzlich seine Aktentasche und wandte sich an Bryce: »Ivar, ich habe eine weitreichende Entscheidung getroffen. Wenn wir diesen vermaledeiten Krieg gewonnen haben, werde ich mich auf Jamaika niederlassen. Ich werde auf Jamaika leben, die Insel in vollen Zügen genießen, im Meer schwimmen und Bücher schreiben.«

Die viel gelobte Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London präsentierte den zahlreichen Fernsehzuschauern auf der ganzen Welt Szenen aus der britischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dieser Bilderbogen stellte Großbritannien in einem ausschließlich positiven Licht dar – keine Spur von Kolonialgeschichte oder Sklaverei – und verfolgte unübersehbar das Ziel, eine bestimmte Vorstellung von Britishness zu bekräftigen, eine Mischung aus Verschrobenheit, Ideenreichtum und Toleranz, die wir alle guten Gewissens bejubeln konnten.

Den unumstrittenen Höhepunkt der Show bildete natürlich der Auftritt der Queen – zusammen mit James Bond. Die beiden großen britischen Anachronismen. In einem vorbereiteten Film war Bond zu sehen, wie er die Queen im Buckingham Palace abholt und mit ihr einen Hubschrauber besteigt. Dieser erschien kurz darauf am Nachthimmel, und zu den Klängen der wohl bekanntesten Erkennungsmelodie der Filmgeschichte sprangen Bond und ihre Majestät mit Fallschirmen in das Rund des Olympiastadions.

Das war eine witzige Idee und es war durchaus erstaunlich, dass die Queen sich bereit erklärt hatte, gemeinsam mit dieser fiktionalen Figur ersten Ranges in einer kurzen Sequenz aufzutreten, die sich über ihr Alter lustig machte und in deren Anschluss ihr Double mit einer Handtasche im Arm in das Stadion segelte. Doch als das Lachen verklungen war, vertrieben wohl auch von der ernsten Miene der echten Queen, die nun auf den Rängen erschien, dürfte sich so mancher Zuschauer am Kopf gekratzt und »ein zweites Mal hingeschaut« haben: Wie war es dazu gekommen, dass Ian Flemings James Bond zu solchen Weihen aufgestiegen und zu einer nationalen Ikone geworden war?

Der erste James Bond-Roman erschien 1953, im Jahr der Krönung Elizabeths II. Seitdem haben sich Flemings Bücher über sechzig Millionen Mal verkauft. Nun ließe sich einwenden, dass nicht die Bücher, sondern die Filme der Figur James Bond ihren Platz in der Gegenwartskultur verschafft haben. Aber wie John Pearson, Flemings Freund und erster Biograf,...


Matthew Parker, wurde 1970 in El Salvador als Sohn einer Auswanderer-Familie geboren und wuchs in England, Norwegen und Barbados auf. Er schrieb für mehrere Zeitungen in England, arbeitete an einer Vielzahl an TV- und Radio-Programmen mit und unterrichtete auf der ganzen Welt. Zudem arbeitete er in diversen Bereichen der Buch-Branche. Zu seinen Bestsellern und von Kritikern gefeierten Büchern zählt – neben Monte Cassino, Panama Fever und The Sugar Barons – Goldeneye, das nun erstmals auf Deutsch vorliegt. Er lebt mit seiner Familie in East London.



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