E-Book, Deutsch, Band 503, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust
Parker Niemand hat mich richtig lieb
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98986-458-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust 503 - Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 503, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust
ISBN: 978-3-98986-458-0
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. Ganz plötzlich hatte das Wetter umgeschlagen, ein stürmischer Wind brauste über das Land. Als die ersten Regentropfen gegen die Windschutzscheibe klatschten, schaltete Ina Reimann den Scheibenwischer ein. Dieses Wetter passt zu meiner traurigen Stimmung, dachte die junge Frau und blickte ihre kleine Tochter neben sich an, die leise schluchzte. »Wein doch nicht mehr, mein Liebling«, bat sie zärtlich. »Du wirst sehen, dass es dir in Sophienlust gefallen wird.« »Bring mich bitte nicht in das Kinderheim, Mutti«, flehte das Kind. »Ich will zu Großmama zurück.« Ina sah in das süße Kindergesicht mit den rot verweinten Augen, dabei wurde ihr noch schwerer ums Herz. »Petra, du musst mein vernünftiges kleines Mädchen sein. Großmama ist sehr krank und muss lange in der Klinik bleiben. Aber wir werden sie oft besuchen. Ich hole dich dann von Sophienlust ab. Nicht wahr, das ist doch fein?« »Großmama hätte nicht erlaubt, dass ich in ein Kinderheim komme«, widersprach Petra. Die Worte ihrer Tochter trafen Ina schwer. Sollte sie den Plan, Petra nach Sophienlust zu bringen, nicht doch lieber aufgeben? Sollte sie die Tatsache, dass ihre Schwiegermutter krank geworden war, als Wink des Schicksals ansehen und Petra unter diesen Umständen wieder an sich gewöhnen?
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Ganz plötzlich hatte das Wetter umgeschlagen, ein stürmischer Wind brauste über das Land. Als die ersten Regentropfen gegen die Windschutzscheibe klatschten, schaltete Ina Reimann den Scheibenwischer ein.
Dieses Wetter passt zu meiner traurigen Stimmung, dachte die junge Frau und blickte ihre kleine Tochter neben sich an, die leise schluchzte. »Wein doch nicht mehr, mein Liebling«, bat sie zärtlich. »Du wirst sehen, dass es dir in Sophienlust gefallen wird.«
»Bring mich bitte nicht in das Kinderheim, Mutti«, flehte das Kind. »Ich will zu Großmama zurück.«
Ina sah in das süße Kindergesicht mit den rot verweinten Augen, dabei wurde ihr noch schwerer ums Herz. »Petra, du musst mein vernünftiges kleines Mädchen sein. Großmama ist sehr krank und muss lange in der Klinik bleiben. Aber wir werden sie oft besuchen. Ich hole dich dann von Sophienlust ab. Nicht wahr, das ist doch fein?«
»Großmama hätte nicht erlaubt, dass ich in ein Kinderheim komme«, widersprach Petra.
Die Worte ihrer Tochter trafen Ina schwer. Sollte sie den Plan, Petra nach Sophienlust zu bringen, nicht doch lieber aufgeben? Sollte sie die Tatsache, dass ihre Schwiegermutter krank geworden war, als Wink des Schicksals ansehen und Petra unter diesen Umständen wieder an sich gewöhnen? Ja, überlegte Ina weiter, sie sollte auf der Stelle umkehren und wieder nach Hause fahren. Vielleicht war ihre Ehe doch noch zu retten. Eine Aussprache mit Eberhard würde viel dazu beitragen, alle Missverständnisse zwischen ihnen zu klären.
Doch nein, das war ein absurder Gedanke. Der Zeitpunkt für diese Aussprache war verpasst. Für sie beide gab es kein Zurück mehr. Dafür hatte schon Ursula Rüttgen gesorgt, die hübsche Journalistin, die es verstanden hatte, Eberhard einzufangen.
Aber trug Ursula Rüttgen wirklich die alleinige Schuld an der Zerrüttung ihrer Ehe, fragte sich Ina ehrlich. Hatte sie nicht auch dazu beigetragen? Als Eberhard nach Petras Geburt von ihr verlangt hatte, ihren Beruf aufzugeben, hätte sie ihm diesen Gefallen erweisen müssen. Dann wäre sicherlich alles ganz anders gekommen.
Aber ihre Reue kam zu spät. Sie hatte Eberhard durch ihren Starrsinn verloren. Jetzt blieb ihr nichts anderes übrig, als sich mit dieser Tatsache abzufinden und zu versuchen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. An Aufträgen würde es ihr nicht fehlen, denn als Grafikerin hatte sie bereits einen guten Namen. Später würde sie eine größere Wohnung mieten und eine zuverlässige Frau einstellen, deren Aufgabe es sein sollte, sich um Petra zu kümmern. Dann brauchte sie sich nicht mehr von ihrem Kind zu trennen.
»Mutti, ich wollte doch so gern in die Ballettschule gehen«, begann Petra wieder zu klagen. »Großmama hat doch gesagt, ich werde einmal eine berühmte Ballerina sein, der die Welt zu Füßen liegt. Warum ist Großmama nur krank geworden und hat mich allein gelassen? Niemand hat mich jetzt richtig lieb«, schluchzte sie.
»Aber mein Herzchen, wie kannst du nur so etwas sagen?«, antwortete Ina erschüttert. »Ich habe dich doch lieb. Und Vati auch.«
»Das glaube ich nicht«, erwiderte Petra bekümmert. »Großmama hat gesagt, ihr könnt mich gar nicht lieb haben, weil ihr euch so oft zankt. Auch würdest du viel mehr Zeit für mich haben, wenn du mich lieb hättest. Eine Mutti kümmert sich um ihr Kind. Ja, das hat Großmama gesagt«, trumpfte Petra auf und schob trotzig ihre Unterlippe vor.
Ina kam sich vor wie ein gescholtenes Kind. Ihre Schwiegermutter hätte mit Petra auf keinen Fall so darüber sprechen dürfen.
»Petra, du brauchst nicht lange in dem Kinderheim zu bleiben«, versprach Ina, um das Kind von seinen aufsässigen Gedanken abzulenken. Doch dann dachte sie daran, dass Petra möglicherweise wegen Platzmangels in Sophienlust gar keine Aufnahme finden werde. Dann würde sie das Kind wieder mit nach Hause nehmen müssen. Vielleicht würde sie für Petra einen Platz in einem Kindergarten bekommen. Aber was würde am Abend sein, wenn sie selbst einmal beruflich eingeladen war? Persönliche Kontakte waren in ihrem Beruf für einen guten Auftrag oft ausschlaggebend. Petra aber war erst fünf Jahre alt. Das Risiko, ein Kind in ihrem Alter unbeaufsichtigt allein in der Wohnung zu lassen, war zu groß.
Diese Überlegung hatte auch den Entschluss, Petra in einem Heim unterzubringen, in ihr reifen lassen. Nach Carola Dahms Worten musste dieses Sophienlust ein wahres Kinderparadies sein.
Ina dachte wieder an den Zufall, der sie nach so vielen Jahren mit Carola Dahm zusammengeführt hatte. Als sie vor einigen Wochen eine Kunstausstellung besucht hatte, war ihr der Name Carola Dahm im Katalog aufgefallen. Ob das dieselbe Carola Dahm ist, mit der ich in dem Kinderheim von Madame Merlinde, im Haus »Bernadette« war, hatte sie sich gefragt und sich dann erkundigt, ob die Malerin anwesend sei.
Carola war da gewesen. Über das unverhoffte Wiedersehen hatten sie sich beide riesig gefreut und sich mit dem Versprechen getrennt, weiterhin in Verbindung zu bleiben. Carola hatte versprochen, als Erste zu schreiben, um Ina nach Sophienlust einzuladen. Aber sie hatte ihr Versprechen nicht gehalten.
»Mutti, wann sind wir denn da?«, fragte Petra. Sie griff nach ihrem Teddybären, der neben ihr auf dem weichen Ledersitz saß, und nahm ihn in die Arme.
»Bald, mein Liebling. Da vorn sehe ich einen Wegweiser.« Ina trat auf die Bremse und las das Schild. »Noch zehn Kilometer, Petra.«
»Mutti, ich fürchte mich vor den anderen Kindern. Vielleicht sind sie böse und nehmen mir meinen Teddy weg. Ich habe ihn doch so lieb, weil Großmama ihn mir geschenkt hat«, bekannte sie und küsste den Bären auf die Nasenspitze.
»Keiner wird dir deinen Bären wegnehmen. Meine Freundin Carola hat mir erzählt, in Sophienlust gäbe es nur liebe Kinder. Sie sind lieb, weil sie dort glücklich sind. Auch du wirst dort glücklich sein, Petra. Glaub es mir.«
»Wirklich, Mutti?« Misstrauisch blinzelte Petra sie an. »Wenn du mich lieb hättest, würdest du mich nicht in ein Kinderheim bringen«, warf sie ihr vor.
»Petra, bitte rede dir so etwas nicht ein! Viele Muttis bringen ihre Kinder in ein Heim, weil sie Geld verdienen müssen und keine Zeit haben.«
»Aber Vati verdient doch Geld«, stellte Petra leise fest. »Großmama hat gesagt, dass du eine verschwenderische Person bist und nur Geld verdienen willst, um dir lauter Firlefanz zu kaufen. Großmama hat auch gesagt, ein Auto sei genug in einer Ehe.«
Ina presste die Lippen zusammen, damit ihr kein unbedachtes Wort über ihre Schwiegermutter entschlüpfte. Es war ihr unverständlich, warum diese solche Weisheiten in die Welt hinausposaunte. Dabei hatte sie sich doch immer gut mit ihr verstanden. Hatte sich denn die ganze Welt gegen sie verschworen, fragte sie sich verzweifelt. Was hatte sie nur falsch gemacht?
Ina dachte an das letzte Telefongespräch mit Eberhard, als sie ihn in seinem Büro angerufen hatte, weil er nicht mehr nach Hause gekommen war. Sie hatte ihn gefragt, ob er etwas dagegen habe, Petra bis zur Klärung ihrer Differenzen in einem Kinderheim unterzubringen. Sofort hatte er seine Zustimmung gegeben. Hatte sie tatsächlich gehofft, er werde sie um eine Aussprache bitten? Ja, sie hatte es gehofft. Dabei wusste sie doch, dass er für sich bereits eine Wohnung gefunden hatte und so bald wie möglich ihre gemeinsame Wohnung verlassen würde.
Wie dumm von ihr, sich solchen Hoffnungen hinzugeben. Er trennte sich doch nur deshalb räumlich von ihr, um sich in seinem neuen Appartement ungestört mit Ursula Rüttgen treffen zu können. Nun würde er auch bald die Scheidung anstreben.
Ina schluckte die Tränen herunter. Schon allein die Vorstellung, dass Ursula Rüttgen ihren Platz in Eberhards Leben einnehmen würde, war unerträglich für sie.
Dass ihre Ehe mit Eberhard, den sie noch immer heiß und innig liebte, so traurig enden würde, hätte sie sich niemals träumen lassen. Als sie sich vor ungefähr sechs Jahren kennengelernt hatten, war es bei jedem von ihnen Liebe auf den ersten Blick gewesen. Schon nach wenigen Wochen hatten sie geheiratet und geglaubt, das glücklichste Paar auf Erden zu sein. Damals war Eberhard noch Reporter gewesen, während sie als Graphikerin bereits viel Erfolg gehabt hatte. Sie hatten Zukunftspläne geschmiedet. Ihr Traum war ein kleines Haus außerhalb der Stadt. Da sie beide fantasiereich waren, hatten sie das Haus mit allen Raffinessen eingerichtet, freilich nur auf dem geduldigen Papier.
Aber dann hatte sich Petra angemeldet. Als Eberhard davon erfahren hatte, war er vor Freude ganz aus dem Häuschen gewesen. Seine Pläne für die Zukunft hatten sich geändert.
»Natürlich gibst du deinen Beruf auf«, hatte er erklärt. »Eine Mutter gehört zu ihrem Kind. Ich bin jetzt glücklicherweise Redakteur geworden und dadurch in der Lage, meine Familie standesgemäß zu ernähren.«
Im Überschwang ihrer großen Freude über das Kind hatte sie ihm alles versprochen, was er wollte. Aber als Petra ein Vierteljahr alt gewesen war, hatte sie heimlich einige Aufträge angenommen. Als Eberhard dahintergekommen war, hatte es zwischen ihnen den ersten hässlichen Streit gegeben, dem weitere folgten. Keiner von ihnen wollte nachgeben. So war allmählich eine unüberbrückbare Kluft zwischen ihnen entstanden.
Tagelang war Eberhard am Abend nicht nach Hause gekommen. Die vielen einsamen Stunden, über die ihr auch die Arbeit nicht hatte hinweghelfen können, hatten ihr viel Zeit zum Nachdenken gelassen. Schließlich war sie innerlich bereit gewesen, klein beizugeben. Aber da hatte sie erfahren, dass Eberhard die Abende häufig mit...




