E-Book, Deutsch, Band 526, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust
Parker Sehnsucht nach der Schwester
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-69049-303-1
Verlag: Blattwerk Handel
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sophienlust 526 – Familienroman
E-Book, Deutsch, Band 526, 100 Seiten
Reihe: Sophienlust
ISBN: 978-3-69049-303-1
Verlag: Blattwerk Handel
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Idee der sympathischen, lebensklugen Denise von Schoenecker sucht ihresgleichen. Sophienlust wurde gegründet, das Kinderheim der glücklichen Waisenkinder. Denise formt mit glücklicher Hand aus Sophienlust einen fast paradiesischen Ort der Idylle, aber immer wieder wird diese Heimat schenkende Einrichtung auf eine Zerreißprobe gestellt. Diese beliebte Romanserie der großartigen Schriftstellerin Patricia Vandenberg überzeugt durch ihr klares Konzept und seine beiden Identifikationsfiguren. »Andrea, ich habe das Gefühl, dass du dir ein bisschen zu viel zumutest.« Besorgt ruhte der Blick des jungen Tierarztes Doktor Hans-Joachim von Lehn auf dem schmalen Gesicht seiner Frau. »Du stehst jeden Morgen um die gleiche Zeit auf wie ich und arbeitest ununterbrochen«, fügte er hinzu und erhob sich von seinem Schreibtischsessel. Andreas Wangen röteten sich leicht. Der Glanz in ihren schönen Augen vertiefte sich. »Hans-Joachim, ich bin glücklich, dass ich dir helfen darf. Nicht wahr, du bist doch mit mir zufrieden?« Fragend sah sie ihn an. »Du ahnst ja nicht, was für Freude ich an meinem Aufgabenbereich habe. Ich könnte mir ein Leben ohne die Tiere nicht mehr vorstellen.« Hans-Joachim streckte seiner blutjungen Frau beide Arme entgegen. »Komm her zu mir«, bat er zärtlich. Andrea ließ sich das nicht zweimal sagen. Als seine Arme sie umfingen, gestand sie ein wenig beschämt: »Ich bin sehr glücklich mit dir, Hans-Joachim.« »Ich liebe dich, mein Kleines«, erwiderte er und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. »Ohne dich könnte ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen.« »Ich mir mein Leben auch nicht.«
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»Andrea, ich habe das Gefühl, dass du dir ein bisschen zu viel zumutest.« Besorgt ruhte der Blick des jungen Tierarztes Doktor Hans-Joachim von Lehn auf dem schmalen Gesicht seiner Frau. »Du stehst jeden Morgen um die gleiche Zeit auf wie ich und arbeitest ununterbrochen«, fügte er hinzu und erhob sich von seinem Schreibtischsessel.
Andreas Wangen röteten sich leicht. Der Glanz in ihren schönen Augen vertiefte sich. »Hans-Joachim, ich bin glücklich, dass ich dir helfen darf. Nicht wahr, du bist doch mit mir zufrieden?« Fragend sah sie ihn an. »Du ahnst ja nicht, was für Freude ich an meinem Aufgabenbereich habe. Ich könnte mir ein Leben ohne die Tiere nicht mehr vorstellen.«
Hans-Joachim streckte seiner blutjungen Frau beide Arme entgegen. »Komm her zu mir«, bat er zärtlich.
Andrea ließ sich das nicht zweimal sagen. Als seine Arme sie umfingen, gestand sie ein wenig beschämt: »Ich bin sehr glücklich mit dir, Hans-Joachim.«
»Ich liebe dich, mein Kleines«, erwiderte er und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn. »Ohne dich könnte ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen.«
»Ich mir mein Leben auch nicht.« Sie lachte fröhlich auf. Dann strich sie sich eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn. »Du, ich glaube, du musst noch fort«, erinnerte sie ihn an seine Pflichten. »Frau Köhler hat angerufen wegen ihrer Katzen. Dann hat Herr Meister darum gebeten, dass du noch einmal nach seiner Schäferhündin schaust. Ach ja, und Frau Doktor Knopp hat ebenfalls angerufen. Sie hat eine Dackeline. Die Hündin habe einen Brechdurchfall und sei völlig ohne Appetit.«
»Elfriede? Na, so was«, lachte HansJoachim und ließ Andrea los.
»Du kennst sie persönlich?«
»Aber ja. Elfriede ist sozusagen eine Sandkastenbekanntschaft.«
»Eine Sandkastenbekanntschaft?« Verwundert schüttelte Andrea den Kopf.
»Ja, mein Schatz. Wir sind fast im gleichen Alter. Unsere Eltern waren früher befreundet. Und wir Kinder haben miteinander Sandkuchen gebacken. Ich wollte Elfriede sogar mal heiraten«, setzte er humorig hinzu und packte bereits seine Utensilien in die Arzttasche ein.
»Ist sie sehr hübsch?« Andrea errötete leicht bei dieser Frage. Obwohl sie ihre Eifersucht auf Hans-Joachims Vergangenheit tapfer bekämpfte, kam sie doch immer wieder an die Oberfläche.
Hans-Joachim schmunzelte. »Ich kann dir das nicht sagen. Soweit ich mich erinnern kann, hat sie dunkle Augen und dunkle Haare. Ja, und eine Stupsnase. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Sobald ich zurückkomme, gebe ich dir einen genauen Bericht«, spottete er gutmütig.
»Jetzt machst du dich über mich lustig.« Andrea drohte ihm scherzhaft mit dem Finger. »Aber fahr jetzt. Denn heute Abend kommen doch Mutti und Vati, vielleicht auch Nick.«
»Ich werde mich beeilen.« Er gab seiner Frau noch einen schnellen Kuss. »Ruh dich ein bisschen aus, mein Herzchen.«
»Ich muss erst noch ins Tierheim.«
»Du bist unverbesserlich. Ich werde demnächst jemanden für das Tierheim einstellen.« Er lachte sie an und verließ die Praxisräume. Andrea folgte ihm.
In der Diele wurden die beiden mit freudigem Gebell von der Dogge Severin und dem Dackel Waldi begrüßt, die nebeneinander in dem großen Hundekorb gelegen hatten.
Waldi sprang an Hans-Joachim hoch.
»Nein, mein Kleiner, heute kann ich dich nicht mitnehmen«, sagte der Tierarzt lächelnd.
»Waldi, sei brav!«, rief Andrea. »Wir gehen jetzt zum Tierheim hinüber. Du darfst heute das Säckchen mit dem Vogelfutter tragen.«
Waldi warf seinem Herrchen noch einen fragenden Blick zu. Endlich
schien er begriffen zu haben, dass heute nichts mit ihm anzufangen war. Deshalb folgte er seinem Frauchen in die Küche und wartete mit leuchtenden Augen auf das versprochene Säckchen.
Andrea blickte noch einmal aus dem Fenster und sah, dass Hans-Joachims Wagen das Grundstück verließ. Dann rief sie: »Severin! Waldi! Kommt!«
Übermütig umsprangen die Hunde sie, als sie das Haus verließ. Draußen gab Andrea dem Dackel das Säckchen. Stolz und mit hocherhobenem Schwanz wackelte er vor seinem Frauchen einher.
Jedes Mal, wenn Andrea das Tierheim WALDI betrat, weitete sich ihr Herz vor Glück. Das lang gestreckte, ebenerdige Gebäude war ein Hochzeitsgeschenk ihres Vaters. Hans-Joachim und sie aber hatten das Tierheim mit viel Liebe ausgestattet. Sie taten alles für die pflegebedürftigen Tiere, die ihnen immer wieder gebracht wurden. Auch die Kinder von Sophienlust hatten schon manches kranke Tier, das sie gefunden hatten, abgeliefert. Außerdem gab es Dauerpensionäre in dem Tierheim. Da war der Igel Mumps, der Feldhase Langohr, die beiden Füchse Pitt und Patt, und der Waldkauz Fabby, der nach einem kurzen Ausflug in die Freiheit freiwillig ins Tierheim zurückgekommen war. Seit kurzem gehörte auch noch die Dohle Dolly zu den Dauerpfleglingen.
Alle diese Tiere kannten Andrea gut, ebenso den Dackel Waldi, der es gelernt hatte, sich in dem Tierheim sehr still zu verhalten. Er folgte Andrea stets auf dem Fuß, wenn sie die einzelnen Tiere fütterte und mit ihnen wie mit Menschen sprach. Die Dogge Severin dagegen durfte nicht ins Tierheim. Zwar war sie ebenfalls sehr brav, doch ihre Größe erschreckte die Tiere immer wieder.
Bei den Füchsen hielt sich Andrea etwas länger auf. Pitt und Patt waren sehr zutraulich. Sie hatte sie mit der Flasche aufgezogen. Ohne weiteres konnte man die Tür ihres Geheges offenstehen lassen. Die beiden Füchse dachten nicht daran, davonzulaufen.
Auch das Reh Bambi, das winters wie sommers draußen war, war ganz zahm geworden und schien keine Sehnsucht nach den Wäldern zu haben. Andrea war sehr froh, dass ihre Lieblinge in ihrer Obhut blieben. Denn solange sie bei ihr waren, konnte sie keiner erschießen.
Daran dachte die junge Frau, als sie mit den beiden Hunden zum Haus zurückkehrte. Severin und Waldi legten sich auf das Eisbärfell vor dem offenen Kamin im Wohnzimmer und warteten auf die Rückkehr ihres Herrchens.
*
Hans-Joachim fuhr langsam durch die engen Straßen von Bachenau. Er liebte diese kleine Stadt, in der er aufgewachsen war. Er kannte jedes Haus und auch die meisten Einwohner. Seine Augen leuchteten vor Glück, als er hin und wieder einen Blick in die Gärtchen warf, in denen sich bereits der Frühling bemerkbar machte. Obwohl seit Tagen ein kühler Ostwind blies und die Nächte noch sehr kühl waren, sprießte es überall. Schneeglöckchen und Veilchen waren schon da, auch Krokusse steckten schon hin und wieder ihre Köpfchen aus der Erde.
Hans-Joachim hielt vor einem alten Haus, das Frau Köhler gehörte. Seit dem Tod ihres Mannes galt ihre ganze Liebe ihren vier Angorakatzen. Im Augenblick hatte sie sich in den Kopf gesetzt, ihre Lieblinge sterilisieren zu lassen, weil sie befürchtete, dass sie sonst Kinder auf die Welt brächten, deren Stammbaum nicht ganz rein war.
Hans-Joachim begrüßte die alte Dame freundlich und wandte sich dann den bildschönen Katzen zu. Besonders die silbergraue mit den hellblauen Augen war eine Schönheit.
»Nicht wahr, Herr Doktor, Sie werden sie sterilisieren?«, fragte Frau Köhler leise.
»Gern tue ich das nicht, Frau Köhler. Die Tiere werden danach meist fett und lustlos. Sie verlieren ihr Temperament und ihre große Lebensfreude.«
»Wirklich? Dann meinen Sie, ich sollte es nicht machen lassen?«
»Ja, das meine ich, liebe Frau KöhIer. Es gibt doch andere Möglichkeiten, zu verhindern, dass sie Junge bekommen.«
»Das schon. Nun gut, ich tue es nicht. Meine Lieblinge sollen so fröhlich bleiben, wie sie sind. Ich werde ein Gehege im Garten errichten lassen, das so dicht ist, dass keine unerwünschten Besucher eindringen können.« Die alte Dame atmete sichtlich auf.
»Ja, Frau Köhler, Ihre Katzen sind Prachtexemplare, und es wäre ein Jammer, wenn sie etwas von ihrer Schönheit einbüßten.«
Hans-Joachim verabschiedete sich freundlich. Er war froh, dass es ihm gelungen war, die alte Dame davon zu überzeugen, dass eine Sterilisation ein schwerer Eingriff in die Natur war. Vergnügt fuhr er weiter.
Der Rentner Meister erwartete ihn schon voller Aufregung. Seine Schäferhündin Kora hatte seit kurzem einen Schleier über den Augen. Als Hans-Joachim den Hund untersuchte, wusste er, dass Kora es nicht mehr lange machen würde. Immerhin war die Hündin schon dreizehn Jahre alt. Das war für einen Schäferhund ein beachtliches Alter. Doch Hans-Joachim brachte es nicht übers Herz, dem alten Mann zu sagen, wie es um Kora stand. Er verschrieb eine Medizin für den Hund und verabschiedete sich. Dann fuhr er zu der Kinderärztin Doktor Elfriede Knopp. Sie wohnte etwas außerhalb in einem kleinen hübschen Haus.
Auf dem Weg dorthin dachte HansJoachim an Andrea. Wie sehr er sie liebte! Eigentlich hatte er sie schon immer geliebt, schoss es ihm durch den Kopf. Schon als Halbwüchsige hatte sie ihm gefallen. Doch damals war er noch viel zu jung gewesen, um an eine gemeinsame Zukunft mit ihr zu denken.
Auch hatten ihn zu jener Zeit nur gleichaltrige Mädchen und manchmal sogar ältere Frauen interessiert. Wenn er aber genau darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass er jedes Mädchen, jede Frau unbewusst mit Andrea verglichen hatte. Es schien so, dass das Schicksal sie füreinander bestimmt hatte. Eines Tages würden sie auch Kinder haben. Doch damit wollte er noch warten, bis Andrea älter war. Er hatte sie ja direkt von der Schulbank weggeheiratet.
Hans-Joachim hielt jetzt vor einer niedrigen Gartentür, über die sich ein Bogen spannte, an dem sich Efeu emporrankte. Er stieg aus und drückte auf den Messingknopf. Kurz darauf trat eine dunkelhaarige schlanke Frau...




