Parker | Wie zähmt man eine Prinzessin? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2137, 144 Seiten

Reihe: Julia

Parker Wie zähmt man eine Prinzessin?


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0079-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2137, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7337-0079-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit Lucas Garcia an den Hof von Arunthia reisen? Niemals! Seit ihre Eltern sie als Kind in eine Londoner Klinik verbannten, hat Prinzessin Claudine mit dem Königshaus gebrochen. Ihre schwere Krankheit hat die Schöne zwar besiegt, ihre Selbstzweifel jedoch nicht. Ist es Begierde oder Ablehnung, die in Lucas' Augen steht? Die unerfahrene Claudine weiß es erst, als der sexy Bodyguard sie nach einem Streit mit einem leidenschaftlichen Kuss bezähmt. Doch sie darf ihrem jäh erwachten Verlangen nicht nachgeben. Denn Lucas nutzt jede Schwäche, um sie in den Palast zurückzuzwingen ...



Victoria Parkers erste Liebe war ein heldenhafter Fuchs namens Robin Hood aus dem gleichnamigen Disney Klassiker. Mit der Zeit wurde er durch den charmanten Mr Darcy, schließlich Lady Chatterley's rauen Liebhaber und letzten Endes eine ganze Reihe weiterer Romanhelden abgelöst. Obwohl sie wegen ihrer Untreue ein schlechtes Gewissen hatte, setzte sie die Suche nach ihrem literarischen Mr Right unablässig fort, bis sie endlich zwischen den Seiten einer Mills & Boon Romance fündig wurde. Ihre Leidenschaft war geweckt. Wenn das Leben doch auch die Leichtigkeit eines Romans besäße! Trotz der Ermunterungen ihres Lehrers, selbst zu schreiben, fehlte ihr zunächst der Mut dafür, und sie versuchte sich in verschiedenen Jobs. Erst als sie der unaufhörlich drängenden Stimme nachgab und endlich ihren ersten Liebesroman zu Papier brachte, fand sie ihre Bestimmung. Alles stehen und liegen zu lassen, um kecke Heldinnen und verwegene Helden zu erschaffen, die bereits auf den ersten Blick füreinander brennen, war für sie die beste Entscheidung der Welt. Ihr ganz persönliches Happy End lebt Victoria heute mit ihrem eigenen Helden und ihren Kindern im Nordosten Englands. Um ihre Geschichten zu Papier zu bringen, macht sie so manche Nacht zum Tag. Sie liebt es immer noch, sich in ein Buch zu vergraben, genießt es allerdings genauso, fremde Länder zu entdecken und etwas mit ihrer zauberhaften Familie zu unternehmen.
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1. KAPITEL

Lucas, ich bitte Sie. Nehmen Sie diesen Auftrag an. Sie würden mir damit einen persönlichen Gefallen erweisen.

Lucas Garcia fluchte leise vor sich hin, als er sich die Worte ins Gedächtnis rief. Er fürchtete sich vor nichts und meisterte die gefährlichsten Situationen, aber es gehörte nicht zu seinem Spezialgebiet, ein störrisches Mädchen in London aufzuspüren, das sich den Wünschen seines Vaters widersetzte, sich einen Teufel um die Familie scherte und den Pflichten gegenüber seinem Land entzog.

Zu allem Überfluss begann es jetzt auch noch zu regnen, und er trug Zivil. Die feinen Lederschuhe stellten sich als nicht wasserdicht heraus, durch den dünnen Wollstoff seines Anzugs drang Feuchtigkeit. „Dios, was für eine elende Stadt!“, murmelte er und suchte unter der grün-weiß gestreiften Markise eines Cafés am Regent Square Schutz. Selbst einem hartgesottenen Kerl wie ihm wurde es hier ungemütlich. Von Anfang an hatte ihm dieser Auftrag nicht behagt.

Trotzdem ließ er den großen gläsernen Eingang von ComTech nicht aus den Augen. Hier, bei dem führenden biomedizinischen Forschungsinstitut, arbeitete Claudia Verbault. Irgendwann musste sie schließlich hier aufkreuzen.

Bringen Sie meine Tochter nach Hause. Ich traue Ihnen zu, was anderen nicht gelungen ist.

Die hohen Erwartungen in ihn waren natürlich schmeichelhaft, doch aus Eitelkeit hatte er den Auftrag nicht angenommen. Er sah ihn als Befehl an, und Befehle pflegte er auszuführen. Erfolgreich, natürlich. Seit drei Jahren war er Chef der Nationalen Sicherheit von Arunthia. Gehorsam gehörte zu seinem Berufsethos. Gehorsam, Schutzbereitschaft und Ehre bildeten das Dreigestirn, dem er sich moralisch verpflichtet fühlte. Aber diesmal …?

Ich habe ihr geschrieben, sie gebeten. Sie reagiert nicht darauf.

Das Gespräch hatte vor zwei Tagen im Büro seines Auftraggebers stattgefunden. Seitdem fühlte er sich irgendwie unwohl. Lucas zog unwillig an seinem Hemdkraken. Die Krawatte engte ihn ein. Er hasste es, mit so einem Strick um den Hals herumzulaufen.

Was trieb diese Frau dazu, ihr Erbe und Geburtsrecht zu ignorieren? Was für ein Mensch war sie? Wer gab denn ein solch luxuriöses Leben freiwillig auf? Wer verließ Arunthia, ein Land mit angenehm warmen Temperaturen und einer herrlichen Landschaft, um in einem Moloch von Großstadt für den eigenen Unterhalt zu arbeiten?

Kaum hatte er sich diese Fragen gestellt, hielt ein schwarzes Taxi und heraus stieg die Frau, die als Einzige seine Fragen beantworten konnte. Sie war in einen langen grauen Regenmantel gehüllt, unter dem hin und wieder schlanke Fesseln hervorblitzten. Auf schwarzen Halbschuhen eilte sie Richtung Eingang. Das streng hochgesteckte dunkle Haar musste recht lang oder sehr schwer sein, denn der Knoten in ihrem Nacken war alles andere als klein. Mit der großen getönten Brille wollte sie wohl so viel wie möglich von ihrem Gesicht verdecken. Aber das machte sie umso auffälliger und verführte andere dazu, über ihre Augenfarbe zu grübeln. Ihn jedenfalls.

Viel von Prinzessin Claudine Marysse Verbault konnte er nicht erkennen. Aber zweifelsfrei war sie es. Mit hochgezogenen Schultern hastete sie durch den Regen. Lucas spürte förmlich ihre Angst, zu einer Sitzung zu spät zu kommen, die gar nicht stattfand. Dafür hatte er selbst gesorgt.

Mit Mühe unterdrückte er den Impuls, ihr nachzulaufen und sie zu beruhigen. Aber das gehörte nicht zu seiner Aufgabe. Ihre Gefühle gingen ihn nichts an. Mitgefühl war vollkommen unangebracht. Das Flugzeug wartete. Vier Stunden hatte er für den Aufenthalt veranschlagt. Mehr Zeit durfte die Unternehmung nicht in Anspruch nehmen. Er schaute der Prinzessin nach, wie sie ohne Rücksicht auf Pfützen durch den Regen stürmte, und rieb sich nachdenklich das Kinn.

Kampferfahren, wie er war, und gewohnt, die Schwächen des Gegners aufzuspüren, sollte diese Aufgabe eigentlich ein Kinderspiel für ihn sein. Schließlich war die Frau nur eine harmlose Biochemikerin, und er hatte schon wirklich gefährliche Typen festgesetzt. Trotzdem …

Als Claudia Verbault ihr Labor betrat, traf sie fast der Schlag. Der große Raum wirkte wie ausgestorben. Ein Blick auf die Wanduhr, und sie wusste, dass alles zu spät war. „Oh, nein!“, stieß sie hervor und hielt sich am Türrahmen fest, weil ihre Knie nachzugeben drohten.

Über die Ruhe, die hier herrschte, wäre sie an jedem anderen Tag dankbar gewesen. Doch heute hätte der Raum voller Menschen sein sollen. Menschen mit Geld, die bereit waren, ihre Forschungsarbeit zu unterstützen. Deshalb schlug die Wucht der Stille sie fast nieder, und ihre Kehle brannte vor Verzweiflung.

Sie war zu spät gekommen. Zwanzig Minuten zu spät. Nur weil nach ihrem Besuch in der Kinderstation des St. Andrew Krankenhauses, in dem sie über Wochen Daten erhoben hatte, monsunartige Regenfälle den Straßenverkehr fast zum Erliegen gebracht hatten.

Seit Tagen hatte sie sich auf den Termin vorbereitet und deshalb vor Aufregung nachts schlecht geschlafen. So wichtig war er gewesen. Ihr stiegen die Tränen in die Augen. Die vielen gerahmten Fachzeitungsartikel, mit denen sie die Wände geschmückt hatte, damit sich die potenziellen Spender von ihrer Qualifikation und der Bedeutung ihrer Arbeit hätten überzeugen lassen können, verschwammen vor ihren Augen.

Nur noch ein paar Wochen und ihr wäre der Durchbruch gelungen, um an JDMS erkrankte Kinder zu heilen oder ihnen zumindest das Leben zu erleichtern. Aber nach fünfzehn Monaten intensiver Forschung war ihr Budget erschöpft. Und jetzt stand sie vor dem Aus. Die Schuld daran konnte Claudia nur sich selbst geben.

Bevor Selbstvorwürfe ihre Beine lähmten, zwang sie sich, durch den steril weißen Raum zu staksen und sich mit den Unterarmen auf eine der stählernen Arbeitsplatten aufzustützen. Nachdem sie ihren nassen Mantel ausgezogen hatte, ließ sie sich auf einen Stuhl fallen, warf die Brille achtlos auf den Tisch und barg das Gesicht in den Händen. Was für ein Unglückstag! Schlimmer hätte es nicht kommen können.

„Entschuldigen Sie …“

Claudia fuhr herum und wäre vor Schreck fast vom Sitz gefallen. Dann schnappte sie nach Luft und strich unwillkürlich den feucht gewordenen weißen Laborkittel über den Knien glatt. „Wie sind Sie hier hereingekommen?“

Sie hätte den Mann, der plötzlich im Türrahmen stand, doch früher bemerken müssen. An einem Geräusch oder an einer Erschütterung des Fußbodens vielleicht. Erdbeben kündigten sich doch immer irgendwie an. Jetzt traf es sie jedoch unvorbereitet und schüttelte sie durch.

Wahrscheinlich stand sie unter Schock, weil gerade eben all ihre Hoffnungen und Pläne zerplatzt waren. Mit dem Mann hatte der Aufruhr in ihrem Inneren gewiss nichts zu tun. Normalerweise ließ sie sich nicht von Männern aus der Ruhe bringen. Aber dieser war irgendwie besonders …

Attraktiv, beeindruckend und geradezu umwerfend fand sie ihn mit seinen mindestens eins neunzig, dem warmen bronzenen Ton seiner Haut und dem welligen schwarzen Haar. Und wie er gekleidet war! Der dunkelgraue Anzug saß wie auf den Leib geschneidert. Das blütenweiße Hemd betonte sein markantes klares Gesicht. Seine Haltung drückte Strenge und Autorität aus. Schließlich blieb ihr Blick auf seiner Seidenkrawatte hängen, auf dem Windsorknoten unter seiner Kehle. Er wirkte so selbstsicher, dass sich ihr Magen verkrampfte. Vor Neid oder Angst, sie wusste es nicht.

„Entschuldigen Sie mein Eintreten, aber Sie haben die Tür hinter sich offen gelassen“, sagte er mit leichtem Akzent.

Beim Klang seiner Stimme rieselte ein Schauer über ihren Rücken und hinterließ eine Gänsehaut. Sie senkte den Blick. Bestimmt war nur dieses elende englische Wetter schuld daran, schließlich war sie nass bis auf die Haut.

Sie atmete tief ein und sah ihm in die Augen. Eine unerklärliche Hitzewelle erfasste sie. Nur weil sich ihre Blicke begegneten?

Nein, nein. Es war der versteckte Vorwurf in seinem Gesicht, der sie aufbrachte. Was maßte er sich eigentlich an? Er drang in ihr Allerheiligstes ein und schaute sie an, als hätte sie ihm den Tag verleidet.

„Sie haben hier nichts zu suchen“, sagte sie mit fester Stimme.

Wenn sie jemandem den Tag verdorben hatte, dann Tausenden kranker Kinder. Kindern, die an Juveniler Dermatomyositis litten, einer sehr schmerzhaften rheumatischen Erkrankung, die meist auch mit schlimmen Entzündungen der Haut einherging. Ja, sie hatte sogar deren Zukunft verspielt, ihre Gesundheit, ihr Glück. Sie musste jetzt über ein neues Treffen mit Sponsoren nachdenken. Warum waren sie nicht noch eine Weile geblieben? Nur zwanzig Minuten hätten genügt.

Gehörte dieser Mann vielleicht …?

„Warten Sie einen Moment. Sie sind wegen der Forschungsgelder hier?“

Wenn er einer der Geldgeber war, musste sie jetzt an sein gutes Herz appellieren. Falls er überhaupt eines hatte. Er kam ihr jetzt irgendwie verkleidet vor. Als versteckte er etwas hinter seiner adretten Aufmachung.

Er schüttelte den Kopf, und ihre Hoffnung zerplatzte wie ein Luftballon.

„Mein Name ist Lucas Garcia“, sagte er und trat einen Schritt vor, als wäre er ein Gladiator, der die Arena betrat und sich kämpferisch und stolz dem Publikum präsentierte. Dabei sah er mit seinen markanten Wangenknochen, dem kantigen Kinn und den dunkelblauen Augen aus wie ein junger Gott. Wunderschön, doch eigenartig kalt.

Wieder durchfuhr sie ein Schauer, und sie fragte sich, ob sie noch einen sauberen trockenen Laborkittel im...



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